Aufsichtspflicht der Eltern

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von sarahmum 24.05.10 - 14:25 Uhr

Hallo Mädels,

Meine Tochter möchte mittlerweile sich alleine in unserer Wohngegend bewegen.

Ich habe auch kein Problem damit da wir in einer Sackgasse wohnen wo auch noch eine Spielstraße ist.

Sie ist sehr reif für ihr Alter ( 6,5 Jahre) und hat auch ihren Fußgängerführerschein bestanden.

Nur wie sieht es mit der Aufsichtspflicht aus?

Im Moment haben wir die Abmachung das sie sich einmal in der Stunde blicken lässt oder ich gucken gehe.

Reicht das?

Gruß

Beitrag von manavgat 24.05.10 - 15:09 Uhr

imho reicht das. Du musst dein Kind in dem Alter nicht permanent im Blick haben.

Gruß

manavgat

Beitrag von imzadi 24.05.10 - 17:43 Uhr

Ich geb meinem Sohn (7) immer sein Handy mit, so kann ich ihn anrufen wenn er heim kommen soll oder er anrufen falls was passieren sollte.

Beitrag von jazzbassist 24.05.10 - 17:51 Uhr

Ich würde Ihnen hier einfach den Tipp geben, eine private Haftpflichtversicherung zu haben. Im Falle eines Schaden (der bei Kindern ziemlich schnell mal passiert [auch aufgrund kindlicher Unerfahrenheit] und auch schnell mal erschreckend hoch wird), sind sie dann auf der sicheren Seite. Entweder haften Sie Kraft Gesetz nicht, da Sie ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt haben (§ 832 I 2. Satz BGB), oder die Haftpflichtversicherung zahlt, weil Sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

Ein recht neues Urteil vom BGH ist VI ZR 51/08 vom 24. März 09 (http://lexetius.com/2009,848 falls es Sie interessiert, wie ein Gericht argumentiert), wo es um ein 5 1/2 Jähriges Kind ging, dass auf dem Spielplatz spielen sollte, aber lieber 17 PKW verkratzt hat. Urteil war, dass eine Aufsichtspflicht dafür Sorge tragen muss, dass ein Kind im Alter von 5 1/2 Jahren auf einem Spielplatz in regelmäßigen Abständen von höchstens 30 Minuten kontrolliert wird. Wobei man hier sagen muss, dass das ganze immer im Verhältnis zur elterlichen Sorge (§ 1626 II BGB) und somit nach Alter, Eigenart und Charakter des jeweiligen Kindes abhängt. Wenn ihre Tochter also gestern noch mit einem Fussball Beulen in einem Auto geschossen hat, können Sie davon ausgehen, dass Sie die Aufsichtspflicht dann bereits verletzten, wenn Sie das Kind überhaupt unbeaufsichtigt draußen spielen lassen.

Wenn Sie schreiben, dass ihre Tochter sehr zuverlässig und etwas Reifer ist, bleibt das ganze - rechtlich - ziemlich schwer zu beurteilen und käme dann (wie immer) auf den Einzelfall an (Kind, Situation, Umgebung, Vorfall). Ich denke aber, dass Sie mit einer Stunde bei diesem Alter im Zweifelsfall ihre Aufsichtspflicht verletzten würden und somit gem. §§ 823ff. BGB Schadensersatzpflichtig wären. Sollte mit Ihrer Tochter selbst etwas schlimmeres zustoßen, bin ich mir sicher, dass Sie die Frage nach der Aufsichtspflicht dann auch nicht mehr interessiert. Im Regelfall sind Kinder aber ziemlich sicher in diesem Alter, wenn die Wohnumgebung sicher ist (typische Seelengemeinde-Neubausiedlung).

Beitrag von sarahmum 25.05.10 - 14:00 Uhr

Hallo,

eine Haftpflichtversicherung haben wir sowieso.

Wie gesagt ich vertraue ihr dabei voll und ganz sonst würde ich es nicht erlauben.

Aber vertrauen und machen und der rechtlichen Seite der Aufsichtspflicht sind ja immer unterschiede.

Bei Google habe ich schon gefunden das bei 5 Jährigen 30 min Ok sind und bei 7 Jährigen 2 Stunden.

Aber über 6 Jährige finde ich nix. #aerger

Gruß Sandra

Beitrag von imzadi 25.05.10 - 14:31 Uhr

Vielleicht irgendwas zwischen 30 min und 2 Stunden?

Übrigends, man muss sich nicht an solche vorgaben halten sondern darf auch selber denken und abschätzen. ;-)

Beitrag von jazzbassist 25.05.10 - 15:19 Uhr

Ich sage es mal ganz vorsichtig: Wenn Sie ohnehin Haftpflichtversichert sind, kann Ihnen das mit der Aufsichtspflicht unter normalen Umständen ziemlich egal sein. Ich würde das dann schlechtweg davon abhängig machen, was Sie als Mutter ihrem Kind zutrauen und was sich das Kind selbst zutraut. Wenn Sie ihr Kind hier ruhigen Geiwssens eine Stunde lang allein lassen können und das Kind das auch selbst möchte, gibt es da kein großes Hindernis.

Juristische Kommentare zum § 832 BGB (Parlandt, Staudinger, Sorgel, Münchener Kommentare etc.) finden Sie wie Sand am Meer; viele über Google auch einsehbar(z.B. http://books.google.de/books?id=ZFvSeG0CrDYC&lpg=PA10&pg=PA9 mit Hinweisen zu vielen Urteilen und Einzelfällen und grundlegenden Aussagen). Nur - warum sollte man sich darüber den Kopf zerbrechen? Bei diesen Urteilen geht es in erster Linie darum, festzustellen, wer im Falle eines tatsächlichen Schadens für diesen Aufkommen muss. Die Eltern/Haftpflicht (das Kind, wenn es älter als 7J ist) oder, ob der geschädigte auf seinen Schaden sitzenbleibt. Da geht es nicht darum, Eltern als "schlechte Eltern" bloßzustellen, sondern nur um einen "Geschädigten", der Geld haben möchte.

Unfälle werden immer und überall passieren; Kinder werden immer eine Menge Flausen im Kopf haben und diese auch gelegentlich ausleben. Und das ist auch völlig in ordnung, normal und unvermeidlich. Es gehört zum Erwachsenwerden dazu, weil es zum normalen Entwicklungsprozess gehört und Kinder aus diesen Erfahrungen unheimlich viel für's Leben mitnehmen. Und das Ihre Aufgabe als Elternteil; ein sicheres Umfeld zu schaffen, in dem ein Kind zu einer verantwortungsvollen und selbstständigen Persönlichkeit heranwachsen kann. Aber sicherlich nicht, juristische Kommentare zu Gesetzestexten zu studieren. Dafür gibt es Juristen und Versicherungen; da geht es dann aber nur noch um Geld. Und das kann Ihnen Egal sein, da ihre Haftpflicht selbst bei grober Fahrlässigkeit zahlen muss; lediglich Vorsatz würde sie nicht zahlen.