Meine Ausbildung-Muss mich mal ein bisschen Ausheulen

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Beitrag von caroline1990 26.05.10 - 11:28 Uhr

Huhu ihr lieben,
ich bin mir nicht so sicher ob ich hier noch richtig bin... naja egal.

Ich habe 2008 eine Ausbildung zur Krankenschwester in einem "großen" Krankenhaus angefangen.
Zu Anfang waren wir 28 Azubis in meinem Kurs, 24 mit Abi und 4 mit einem Realschulabschluss (ich bin eine von denen).
Die Probezeit war echt hart, viele Klausuren usw. vom Kurs über unserem wurde immer erzählt wie schrecklich schwer alles ist und wenn man 2 mal eine 4 schreibt dann währe es schon vorbei, also ein extremer Druck. Dann war die Probezeit bestanden (in der Zeit hatte ich keine Freizeit, ich war nur am lernen, ich muss dazu sagen das sich einige Freunde von mir verabschiedeten weil ich kaum noch Zeit hatte), alle Azubis mit Realschulabschluss sind gegangen, nur ich durfte bleiben.
Man hab ich mich gefreut!!!
Aber der Druck der auf mir lastet wird immer extremer, ich denke immer das ich mich viel mehr beweisen muss als all die anderen die da mit dem Abi durchgehen.
Letztes Jahr irgendwann haben wir eine Unterschriften Sammlung bekommen wo wir unterschreiben konnten das diesen Beruf keine Realschüler mehr lernen dürfen (da sie es meist eh nicht packen) "toll" dachte ich mir...
Unsere Ausbildung ist in Theorie und Praxis eingeteilt (2Wochen Theorie, 4 Wochen Praxis), jeden Morgen wenn wir den Theorie Block haben und ich mich auf den Weg zur Schule mache schwitze ich schon vor dem losfahren, ich fühle mich immer so extrem beobachtet von den ganzen Dozenten und manchen Mitschülern, ich komme mir immer so "anders" vor (ich komme aus einer ganz einfachen Familie und viele aus meinem Kurs haben Ärzte, Anwälte usw. als Eltern/ich weiß sind auch nur Menschen)...
Jetzt geht es auch noch auf die Zwischenprüfungen hinzu, 2 Wochen haben ich noch Zeit. Ich hatte nie Prüfungsangst, ich bin früher zu Prüfungen immer total selbstbewust und von mir überzeugt hin gegangen und JETZT?? Ich kann schon jetzt nicht mehr richtig schlafen, denke immer was mache ich wenn sie mich was fragen was ich nicht weiß...
Klar die anderen wissen bestimmt auch nicht alles aber ich denke immer bei mir fällt das mehr auf weil ich eben kein Abi habe...
Meine Leistungen die ich erbringe sind meist mit den anderen gleich.

In der Praxis ist das alles ganz anders ich bin von mir überzeugt, fühle mich sicher und weiß was ich kann, ich sage halt was ich denke...

Oh man nur noch ein Jahr und dann steht das Examen an, ich glaub ich kippe an dem Tag um oder so...
Es gibt Tage an denen könnte ich echt heulen...
Sicher mache ich mir selbst viel zu viel Stress und mache mich verrückt aber was kann ich denn machen damit ich mir diesen Stress nicht mache ?#schmoll

Vielleicht könnt ihr mich ja ein bisschen aufbauen...

Sorry für´s viele #bla#bla

und Danke für´s zuhören.

Gruß Caro

Beitrag von grizu99 26.05.10 - 12:28 Uhr

Also ich habe im Jahr 2000 mein Examen gemacht. Angefangen haben wir mit 13 Krankenpflegeschülerinnen (2 Abi, Rest Realschule) und 3 Krankenpflegeschülern (1Realschulabschluß, 2 Abi)

Die Probezeit überstanden die beiden männlichen Abiturienten nicht (hatten nur Party im Kopp und lernten nie) sowie eine Realschülerin.

Das Examen bestanden im Endeffekt 2 Abiturientinnen und 9 Realschülerinnen. 2 mussten wiederholen.

Mach dir keinen Kopf, zieh dein Ding durch, Du wirst das schaffen, wenn Du immer am Ball bleibst!!!

Bye grizu99

Beitrag von stineengel 26.05.10 - 13:02 Uhr

Hallo Caro,

ich will Deinen Beruf nun absolut nicht unterbewerten, aber ich dachte immer mit nem Abi macht mein keine Ausbildung zur Krankenschwester, dass war für mich immer eine Ausbildung für Realschüler. Das ist absolut nicht böse gemeint, wirklich nicht, ich kenn mich in der MAterie einfach nicht aus. Aber als ich damals meinen Schulabschluss machte, war nur bei Realschülern die Rede von Krankenschwester, bei den Abiturienten wurde das irgendwie nicht mal annähernd ins Auge gefasst. Ich weiß, das Krankenhschwestern eine Menge Arbeit und Verantwortung haben. Aber wie gesagt, dass sind bei mir im Kopf anscheinend Klischees.
Des wegen bin ich grad überrascht, das es z.Bsp. diese Unterschriftenaktion gab, das nur noch Abiturienten Krankenschwestern werden dürfen. Für mich unvorstellbar.

Kannst Du mich da mal aufklären und meine anscheinende Unkenntnis bereinigen.

Tauschend Dank schon mal.

Achso, mach Dir keinen Kopf, wenn Du nicht gut wärst, hättest Du die Probezeit nicht geschafft.
Ich durfte damals als Realschülerin zu einem Einstellungstest für eine Ausbildungsstelle, wo Abitur vorausgesetzt wird (durch Beziehungen bin ich da ran gekommen, aber das nur nebenbei) und wie ich erfahren habe, war ich beim Ergebniss unter den ersten 5 von über 100 Bewerbern (alle anderen it Abitur und gut 3 Jahre älter als ich) das macht stolz und das zeigte mir damals, das es egal ist, was Du für einen Abschluss hast, wenn Du die Leistung erbringen kannst die gefordert ist.

LG Steffi

Beitrag von diegute 26.05.10 - 13:24 Uhr

Hallo,

so geht es mir auch gerade als ich das lese.

Ich bin davon ausgegangen, dass man mit Realschule Krankenschwester werden kann! Traurig wenn dem nicht mehr so wäre.....

Unglaublich wie bescheuert unsere Gesellschaft noch wird. Warum bitte sollen Realschüler diese Leistungen nicht erbringen können. Wenn ich mir die Schüler heut so anschaue habe ich das Gefühl Realschüler sind viel patenter als die lieben Gymnasiasten. Quer durch das Umfeld meiner Kinder!

Ich versteh hier die Welt nicht mehr.

Liebe Caro, zieh Deine Ausbildung durch und gräm dich nicht!!!
Du trittst doch gerade den Beweis an das Realschüler das genauso gut können!!! Es hängt am Menschen und nicht am Schulabschluss!!!!

LG diegute

Beitrag von caroline1990 26.05.10 - 16:09 Uhr

Huhu also uns wurde gesagt das unsere Ausbildung die schwerste ist für die man nicht studieren muss und Realschüler können damit angeblich nicht umgehen, sie hätten nicht so ein gutes und ausgeprägtes Lernverhalten wie Abiturienten... <<war die Begründung für diese Unterschriftenaktion :-[

Liebe Grüße Caro

Beitrag von ks83 27.05.10 - 00:53 Uhr

Hallo,
auch wenn ich diese Unterschriftensammlung einfach nur daneben finde - es ist doch immer wieder erstaunlich,was die Gesellschaft für ein Bild von diesem Beruf und dieser Ausbildung hat. Erstens ist es von Klinik zu Klinik unterschiedlich,wie die Ausbildung läuft. In den kleineren wird eher wert auf die "Soziale Schiene" gelegt - in größeren (vor allem Unikliniken) eher auf die medizinische. Und dann kommt es natürlich auch drauf an,was der einzelne Azubi draus macht,dh,wie er sich interessiert. Allerdings hat sich im Krankenpflegegesetz einiges geändert,was ich teilweise auch für Schwachsinn halte.
Und das Wichtigste: In nahezu jedem anderen europäischen Land ist das ein Studium und kein Ausbildungsberuf!! Dementsprechend sind Krankenschwestern dort auch anerkannter.
Und ohne diesen Berufsstand wären die Ärzte nicht viel wert. Die Aufgaben liegen nicht nur im Waschen und co. Es ist vielmehr verdammt wichtig,sich mit Krankheitsbildern auszukennen und den Ärzten wichtige Informationen zu liefern,denn diese sehen ihre Patienten höchstens ein paar Minuten am Tag - die Schwestern wesentlich mehr. Und Veränderungen am Patienten,die oft lebenswichtig sind,erkennen sie in der Regel zuerst.


Sooo,jetzt hab ich doch mehr geschrieben als ich eigentlich wollte ;-)

LG,Lene

Beitrag von bonbonbunny 26.05.10 - 14:01 Uhr

Hallo Caro,

mach dir doch darüber keine Gedanken! Du scheinst gut in deinem Beruf zu sein, und das ist, was zählt! #pro
Meinst du, alle die Abi haben, sind die absoluten Leuchten? Mit Sicherheit nicht.
Lass dich bitte nicht verunsichern.
Diese Aktion mit der Unterschriftenliste finde ich übrigens sehr merkwürdig...

Viel Erfolg für die nächste Zeit und toitoitoi,
vG, bonbonbunny

Beitrag von grizu99 26.05.10 - 14:42 Uhr

Noch ein Nachtrag ;-)

In meiner Bewerbungsphase war ich mal in einer anderen Krankenpflegeschule beim Bewerbungstest und war von 15 Bewerbern, die Einzige mit Realschulabschluß, alle anderen waren Abiturienten. Ich hatte so einen bammeln, weil der Test spontan gemacht wurde. Nachher hatte ich das beste Testergebnis, die Leiterin der Krankenpflegeschule meinte, ich hätte mir nicht so den Kopf zerbrochen, sondern die einfachste (Rechen)Lösung genommen. Man musste da Infusionsmengen usw. berechnen #schwitz

Also Realschüler sind doch nicht unkluger als Gymnasiasten oder Abiturienten ;-)

Bye grizu99

Beitrag von parzifal 26.05.10 - 15:23 Uhr

Dass der Abiturientenanteil so hoch ist wundert mich. Ich dachte Realschulabschluss wäre ausreichend und der Normalfall.

Für die Verantwortung, Arbeit und Arbeitszeiten ist der Beruf unterbezahlt.

Wenn nun auch noch Abitur verlangt wird (also zusätzliche Schuljahre geleistet werden müssen) wundert mich, dass sich soviele Abiturbewerber dafür finden. Mit einem Studium was auch nicht länger dauern muss als die Ausbildung zur Krankenschwester würde man finanziell oft besser dastehen.

Leider werden aber oft nur die Zugangsvoraussetzungen hochgeschraubt und gleichzeitig der Lohn herunter.

Warum hast Du das Gefühl schlechter zu sein? Abitur heißt nicht schlauer. Abitur heißt mehr Allgemeinbildung und für mehr Berufe geeignet. Aber nicht aufgrund von Intelligenz, sondern weil nun mal bis dahin auch mehr Wissen vermittelt wird (allein schon zeitlich).

Dieser Wissenvorsprung nützt nur etwas, wenn man ihn für den konkret zu erlernenden Beruf verwenden kann.

Ich sehe auf Anhieb keinen Grund warum Abiturienten den Realschülern so überlegen sein sollten. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Schulchemie, -biologie und -mathe den Abiturienten einen großen Wettbewerbsvorteil geben (wenn man in der Ausbildung ist).

Beitrag von zanadu01 26.05.10 - 18:44 Uhr

Hallo, meine ehmalige Nachbarin hat eine Umschulung zur Alternpfegeerin gemacht. Sie hat einen Haupschulabschluß, die netten anderen Umschüler/Innen hatten wohl größtenteil Abi. Die mußte sich was anhören. Zum Schluß hatte sie die beste Prüfung und leitet heute eine Station.
Ich selber habe mit drei Abiturientinnen Technische Zeichnerin gelernt. Also für mich war nur der Alters unterschied der andern ein Vorteil. Mein wissen aus der Realschule , war weit besser geeignet zum erlernen eines Berufes.
Beschäftige dich doch einmal mit Lerntechniken. Das kann dir bei dem Stoff bestimmt viel helfen.

Beitrag von itsmyday 26.05.10 - 21:15 Uhr

Hi Caro!

Weißt Du, wo diese seltsame Tendenz herkommt? Aus den ganzen anderen EU-Ländern! Da kommst Du ohne Abi nicht zur Ausbildung.
In GB bei meiner Schwester z.B. ist die "Nurse" eine Akademikerin mit Bachelor-Abschluß. Nun möchte man langsam auch hier in diese Richtung gehen und einen akademischen Abschluß draus machen, damit die Ausbildung EU-kompatibel ist und eine heimische Krankenschwester auch im Ausland problemlos arbeiten kann. #pro

Ich finde das alles auch komisch.....hmm, aber andererseits klappt es anscheinend überall anders auch mit diesen hochgeschraubten Erwartungen. Letztlich kann Dir das alles aber egal sind. #liebdrueck Noch ist es ja nicht so, dass man Abi bräuchte.....also pack die Chance, die Du hier hast, beim Schopf und freu Dich, dass Du vielleicht eine der letzten Realschüler sein wirst, die diese tolle Ausbildung machen dürfen. #augen

LG Itsy

Beitrag von ks83 27.05.10 - 00:58 Uhr

Auch wenn ich das Vorgehen ihrer Schule für doof halte,finde ich es für den Berufsstand unheimlich wichtig,auch hier ein Studium drauß zu machen. Aber nicht,um Realschüler auszuschließen,sondern um eben ein einheitlich hohes niveau in europa zu haben. Es sollte allerdings auch Möglichkeiten für Realschüler geben,dieses Studium zu machen - zB über Zusatzqualifikationen ( 1 Jahr bezahlte Arbeit in der Pflege zB (also zur Hilfe) oder halt wie in anderen ländern eine pflegerische Ausbildung zu machen und dann das Studium dran hängen.....)