Notfall in der Familie - Kind traumatisiert

Archiv des urbia-Forums Kindergartenalter.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von septembermami2005 26.05.10 - 11:29 Uhr

Hallo!

Meine Tochter (bald 5) ist "Zeugin" bei einem Unfall eines nahestehenden Familienmitgliedes (Blutübertrömt, usw.) geworden. Ich war u.a. Ersthelferin und habe auch den Notruf abgesetzt.

Sie hat alles mitbekommen.

Ich mache mir nur Sorgen, dass sie in irgendeiner Form traumatisiert ist.

Sie spricht zwar nicht darüber und weint auch nicht.
Aber sie verhält sich anders. Sie redet sehr erwachsen. Jeder muss Gute Nacht sagen - so ein Sicherheitsverhalten.
Sie ist besonders früh wach und extrem auffällig gut gelaunt.
Sie kommt nachts nicht zur Ruhe.
Sie wird dann extrem müde und kommt wieder nicht zur Ruhe.

Es ist vor ein paar Tagen passiert.

Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?

Danke!

Beitrag von knuddelschaf 26.05.10 - 12:01 Uhr

Hallo!

Mein Sohn hat mitbekommen, wie ich von einem Hund angegriffen und gebissen wurde. Den Angriff direkt hat er nicht gesehen, aber er hat mich schreien hören und gesehen, wie ich um die Ecke gerannt kam, vom Arm fielen noch die Fleischfetzen, ein großes Stück fehlte.

Danach wurde er agressiv, hat geklaut, nässt nachts wieder ein. Wir reden viel darüber und versuchen ihm, ein starker Halt zu sein.

Das Ganze ist vor knapp einem Jahr passiert und wir haben es wieder gut in den Griff bekommen. Eine Zeit lang dachte ich, es wäre besser, mit ihm eine Therapie zu machen (ich mache auch eine für mich) aber es geht ihm wieder gut. Der KiA meint auch, eine Therapie wäre erst mal nicht nötig.

Beobachte Deine Tochter, rede viel mit ihr und befrage evtl. auch euren KiA dazu.

Ich wünsche euch alles Gute und drücke auch die Daumen, dass sie es gut verkraftet.

LG
P.

Beitrag von wort75 26.05.10 - 12:07 Uhr

du kannst das mal eine psychologin fragen - wenn du meinst, dass es ein trauma gibt.

ansonsten hilft sicher, wenn du darüber redest. z.B
onkel xy hat sich ja arg ins bein gehauen - - bist du auch so erschrocken? zum glück kam dann der notarztwagen. hast du die sirenen gehört? und was war dann? im krankenhaus habensie onkel xy dann operiert. zum glück geht es ihm jetzt besser...

oder übelstenfalls halt, dass es nicht besser wird etc. du schreibst da ja wenig.

ich denke, übertematisieren muss man es nicht. aber nochmals drüber reden, falls nicht schon geschehen. das thema zu einem anlass nochmals hernehmen - zB wenn ihr den verwandten besuchen geht. einfach damit sie das im ganzen kontext noch sieht.

zu viel ins detail würde ich nicht. sonst brennt sich das erst recht ein. aber drüber reden, das kind reden lassen - das ist sicher nicht verkehrt.

je nach ausgang musst du anders reagieren.

wenn der verwandte mehr oder minder gut wegkam kann man sagen,d ass zum glück alles gut kam. das wäre dann die minderung des traumas.

wenn er schäden zurückbehält kann man sagen: leider kann er sein bein nicht mehr benutzen. das ist schlimm für onkel xy. aber zum glück lebt er und kann sicher lernen, wie er ohne bein laufen kann...

wenns ganz tragisch war: du hast ja gesehen, wie schlimm es onkel xy gegangen ist. onkel xy war ganz schlimm verletzt. und daran ist er gestorben. das ist sehr traurig für uns. weil er uns fehlt - aber onkel xy hat jetzt keine schmerzen mehr...

irgendsowas... es ist etwas schwer, weil man nicht weiss, was passiert ist. du musst das ganze halt kindgerecht in einen kontext bringen. und nicht zu viel darüber reden - aber es aufnehmen, wenns passt.

Beitrag von binnurich 26.05.10 - 13:11 Uhr

Meine Tochter war dabei, als ich von einem fremden Mann tätlich angegriffen und sexuell belästigt wurde.

Hat ein paar Tage und ein paar Gespräche gebraucht, dann hat sie sich wieder eingekriegt.
Wichtig und gut war, dass ich souverän reagiert habe. Das war letztendlich dann sogar sowas wie eine "gute Erfahrung" für sie (auch wenn ich da liebend gern drauf verzichtet hätte.... dieses Schwein! und dann auch noch, wenn ein Kind dabei ist!(#aerger#schock)

Aber wie gesagt, drüber sprechen hilft

Beitrag von mimimausi28 26.05.10 - 13:30 Uhr

Hallo,

wir haben leider auch eine traumatisierte Tochter, allerdings ist sie selber Opfer einer Hundeattacke geworden. Wir haben aber ähnliche Erfahrungen gemacht. Nachdem wir nach 6 Wochen aus dem Krankenhaus entlassen wurden, hat sie sich auch anders verhalten ("erwachsener" möchte ich jetzt nicht sagen, da sie zu dem Zeitpunkt 2 Jahre alt war). Sie hat plötzlich viel mehr gesprochen, konnte Dinge, die sie vorher noch nicht richtig beherrscht hat usw. Wir haben dann erst einige Jahre später mit einer Therapie begonnen, als sie richtig verhaltensauffällig wurde. Im Nachhinein würde ich sagen, dass wir zu spät damit begonnen haben (mit 6 Jahren). Allerdings ist das Problem auch immer, dass man nicht von heute auf Morgen mit einer Therapie beginnen kann. Wir haben (trotz zahlreicher Berichte von den Kinderärzten der Uni Klinik) noch fast ein Jahr auf der Warteliste gestanden.

Ich würde Dir raten, erstmal mit dem Kinderarzt zu sprechen. Frag ihn offen nach seiner Meinung (ohne Deine Tochter natürlich) und lasst Euch bei Bedarf frühzeitig auf eine Warteliste setzen.

Ich hoffe, Eurem verletzten Familienmitglied geht es schon etwas besser!

Liebe Grüße

Tanja

Beitrag von septembermami2005 26.05.10 - 14:02 Uhr

Danke. Ich werde mich mal erkundigen und mein Kind beobachten.

Beitrag von janamausi 26.05.10 - 19:14 Uhr

Hallo!

Ich würde auf alle Fälle (in Ruhe und ohne dein Kind) mit dem Kinderarzt sprechen.

Meine Tochter hat zwar keinen schlimmen Unfall etc. mitbekommen, aber hat sich auch nach dem Tod von meinem Vater verändert. Es waren keine gravierenden Veränderungen, aber auch kleine Veränderungen zeigen, dass sich das Kind mit dem Thema beschäftigt, verarbeitet etc.

Meine Tochter hat damals Globulis bekommen und ich hab viele nützliche Tips, Bücher etc. vom Kinderarzt bekommen die gut geholfen haben.

Wichtig ist auch, dass Du den Kindergarten informierst, dass die Bescheid wissen, wenn dein Kind sich in irgendeiner Situation anders verhält, so dass sie dementsprechend handeln können und dir auch Veränderungen bei deinem Kind mitteilen.

LG janamausi

Beitrag von guldamar 27.05.10 - 11:03 Uhr

Hallo,

das kenn ich lieder auch.
Mein Vater war mit meinem Sohn beim Kinderarzt und ist dort im Treppenhaus gestürzt, runtergefallen und bewußtlos liegengeblieben.
Mein Sohn stand Gott sei Dank "nicht im Weg". Der Kinderarzt hat meinen Vater versorgt und sich um meinen Sohn gekümmert, da ich im Büro war...

Der Kinderarzt hat gesagt, daß kleine Kinder solche Erlebnisse gut wegstecken, ich soll mit ihm drüber reden - wenn er mag, aber die Sache nicht zu sehr aufbauschen. Er wollte unbedingt den Opa im Krankenhaus besuchen, damit er sehen konnte, daß es ihm wieder besser geht.
Der Opa hat ihm einen Krankenwagen von Playmobil geschenkt. Mit dem hat er oft den Unfall "nachgespielt". Das hat ihm gut getan.

Sprich mit dem Kinderarzt, er kann deine Tochter auch einschätzen wie sie vom Charakter her ist. Wenn du offen für Homöopathie oder Bachblüten bist, das ist sicher nicht schlecht.
Sonst würd ich ihr einfach Zeit lassen.
Alles Liebe für den Kranken und Euch

Gul Damar