Meine durchaus positiven Erfahrungen mit dem Jobcenter

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von jezebel2 26.05.10 - 22:09 Uhr

Liebe Leute,


im Internet kursieren ungefähr 99 Trillionen Berichte über schlechte Erfahrungen mit Job-Centern.
Auch höre ich immer wieder persönlich von Leuten welche Schwierigkeiten sie mit dem Job-Center hätten.

Deswegen möchte ich hier die Möglichkeit nützen und meine Erfahrungen schildern.

Das Job-Center Steglitz-Zehlendorf in Berlin hat mich über ein Jahr meine Miete bezahlt, für meinen Lebensunterhalt gesorgt, einen Qualifizierungskurs für einen wirklich zukunftsträchtigen Beruf finanziert und es innerhalb von 24 Stunden geschafft mir die Anmietung meiner Wohnung sowie meinen Antrag auf ein Darlehen für die Kautionszahlung zu bewilligen.

Und das alles ohne jegliche Schwierigkeiten!!!

Da ich auch einen Antrag für die Wohnungseinrichtung stellen musste, kam ein Prüfer bei mir vorbei und hat sich die Wohnung angesehen. Dieser äußerst nette Mann hat mich sogar noch darauf higewiesen was ich in meiner Aufstellung vergessen hatte und meinte sogar er würde mal sehen, obwohl ich keinen Anspruch darauf hatte (keine Kinder, kein Erdgeschoss etc.), was er in Sachen Bodenbelag für mich tun könnte.

Das einzige was von mir erwartet wurde dass ich pünktlich meine Fortzahlungsanträge abgebe und mich um einen Job bemühe. Wenn ich mir mal überlege wieviele Stunden ich im Jobcenter verbracht habe und wie lange die Qualifizierungsmaßnahme dauerte und dann ausrechne wieviel Geld ich in der Zeit vom Job-Center bekommen habe, so ergibt sich daraus ein Stundenlohn von etwas über 42 €. Und das ist ja nun wirklich nicht schlecht!

Ich finde die Leute sollten auch darüber mal nachdenken bevor immer sofort gemotzt wird.
Die Leute vom Job-Center sind auch nur Menschen, Fehler können passieren, aber ich denke mit ein wenig Respekt und Höflichleit können 99,9% davon gelöst werden.
Ich habe bei Hartz4-Empfängern schon erlebt dass manche nicht mal in der Lage sind einmal pünktlich zu einem Termin zu erscheinen, wenn sie sich denn überhaupt auf den Weg machen...und dann ist das Geschrei groß wenn am Ersten kein Geld da ist.

Wie auch immer, ich kann nur empfehlen Termine wahrzunehmen und ein wenig Motivation bei der Jobsuche zu zeigen, viel mehr wollen die ja eigentlich garnicht.

MFG #winke

jezebel2

P.S.: Geld für den Boden wurde mir übrigens bewilligt #danke

Beitrag von hedda.gabler 26.05.10 - 22:18 Uhr

Hallo.

Ich habe in den Zeiten, in denen ich nach der Geburt meiner Tochter voll und danach ergänzend Alg II bekommen habe, auch nur durchgehend gute Erfahrungen gemacht ...

... okay, vermutlich gelte ich inzwischen als renitent dort, da ich den einen oder anderen Widerspruch geschrieben und auch Recht bekommen habe ... demnächst zum 2. Mal Klage einreichen werde, aber so what ...

... ich habe 2 Weiterbildungen finanziert bekommen (wobei die 1. noch über das Arbeitsamt initiiert war, als ich gerade mal 3 Wochen arbeitslos war, man aber unbedingt Geld ausgeben wollte;-) ... die 2. Weiterbildung habe ich in der Elternzeit bewilligt bekommen) ... man hat mich wunderbar durch ein 1/2 Jahr als selbstständige Dozentin geführt (ich hatte Angst davor, selbstständig zu sein, aber das JobCenter hat dafür gesorgt, dass ich mich finanziell sicher fühle) ... und derzeit bekomme ich noch knapp 30,- ergänzend Alg II und ein Fernstudium per Bildungsgutschein finanziert.

Ich bin immer meinen Pflichten nachgekommen, habe alle Unterlagen pünktlich eingereicht und stand zu jedem angesetzten Termin auf der Matte plus der Termine, die ich selbst ausgemacht habe, um mit meinem pAp Plan A, B oder C zu besprechen ... habe meine Vorstellungen reif für die Unterschrift vorgelegt und dann hat auch alles immer geklappt ...

... das Einzige, was ich dort nicht bekommen habe, ist ein Job: Hatte zwar ein Vorstellungsgespräch, aber der Inhalt meiner Akte war dann wohl doch zu renitent;-)

Aber mein jetziger Job ist eh viel besser;-)

Gruß von der Hedda.

Beitrag von wind-prinzessin 27.05.10 - 00:35 Uhr

Bis März hatte ich auch eine relativ hohe Meinung von den Leuten dort. Allerdings hat sich das schlagartig geändert, als nach einem Telefonat mit meinem SB ('Es fehlt nichts mehr, ich bearbeite das jetzt') noch wochenlang Briefe kamen, dass irgendwelche verjährten Unterlagen fehlen würden (alte Nebenkostenabrechnungen etc. Nur mein Grundschulzeugnis und Nacktfotos hat er nicht verlangt) und ich 7 Wochen ohne Geld da saß und Stress mit meinem Vermieter hatte wegen ausbleibender Mietzahlung. Dass ich ihm nichts nachreichen kann, wenn ich nicht mal Geld für Nahrung habe und im 5. Monat schwanger war, hat den wenig interessiert. Zumal schon feststand, dass ich Anspruch habe und demzufolge einen Vorschuss bzw Abschlag hätte bekommen können, damit ich wenigstens was einkaufen kann und die Unterlagen besorgen kann.

Jetzt, wo ich im Leistungsbezug bin, wird mir eine andere Wohnung abgelehnt, die die jetztige Mieterin ohne Beanstandung bewilligt bekommen hat (gleiche Umstände).

Und bei der Vermittlung von Arbeit werde ich auch ganz hinten angestellt. Ich war bei diversen Trägern für überbetriebliche Ausbildungen, leider erfolglos. Schwangere haben dort keine Chance, etwas aus ihrem Leben zu machen! Zwei Berufsberaterinnen haben mich auch weggeschickt, ich solle frühestens nächstes Jahr wiederkommen, die Voraussetzungen für eine BAE würde ich zwar erfüllen, aber die Genehmigung von denen nicht bekommen, da mein Kind ja im August kommt.

Morgen um 10.30 Uhr hab ich einen Termin bei einer neuen Berufsberaterin. Nein, ich kann mir die Damen nicht aussuchen, aber bei der einen bin ich rausgefallen wegen Leistungsbezug und die andere wurde versetzt und hat nun einen anderen Zuständigkeitsbereich. Bin mal gespannt, was bei der neuen rauskommt. Vielleicht sieht die ja ein, dass auch werdende Mütter gerne eine Zukunftsperspektive hätten...

Beitrag von ja-frager 27.05.10 - 08:19 Uhr

tja, leider ist da eine riesenkluft:

die einen reißen sich den ar... auf oder kennen jemanden beim amt und kriegen auch noch alles hinterhergetragen (sorry, seh ich in deinem fall so, fußboden bezahlt zu bekommen, das mit der whg - das ist so ein glück und absolut nicht üblich).

die anderen kümmern sich nicht so intensiv (seh das bei meiner mutter, die macht alles nur schriftlich, aber dadurch verzögert sich alles, und man redet aneinander vorbei) und haben ständig probleme und schikanen zu ertragen (bei ihr krieg ich alles mit und schüttel nur den kopf über die sb). und dabei mein ich noch nichtmal die, die sich gar nicht kümmern, die sind dann eh selbst schuld.

merkwürdig finde ich, wieviel entscheidungskraft die sbs haben. kenne leute, die bekommen die miete komplett bezahlt, inkl. warmwasser etc. und meine mutter bekommt ein drittel, weil sie mal vorher in einer 20 m² großen whg gewohnt hat und nur diese miete weiter teilweise gezahlt wird. dazu kommt, dass sie gewünschte unterlagen einreicht, ZWEI monate später kommt antwort, sie hätte dokument xy nicht beigefügt, das aber gar nicht angefordert wurde, es vergehen wieder etliche wochen nach einreichen und in dieser zeit bekommt sie GARNICHTS.
freundin von mir sollte die betriebskostenabr. von vor 4 jahren nachreichen, die sie bewusst nicht angegeben hatte, weils da eine fette rückzahlung gab, wurde so akzeptiert ohne probleme. und das alles scheint immer an dem sb zu liegen. könnte noch einiges weiter erzählen, aber bin froh, da nichts mit zu tun zu haben.

Beitrag von snowy 27.05.10 - 09:03 Uhr

Positive Erfahrungen können nur entstehen wenn es Negatives gibt.
Ich sehe nur dass nach dem Gesetz entschieden worden ist und ich
muss sagen, es ist traurig dass man sich darüber schon freuen muss.

Es muss selbstverständlich werden!

Wer sagt dass SB`s keine Menschen sind. Würden allerdings Auflagen kommen von der Geschäftsführung und diese Menschen müssen sich dran halten weil sie sonst auf der anderen Schreibtischseite sitzen, so rate mal wie die sich entscheiden? Es liegt in der Natur des Menschen Zukunftsängste zu haben.

#snowy

Beitrag von jezebel2 27.05.10 - 18:24 Uhr

Hallo lieber Ja-Frager und natürlich auch alle andern,

wollte nur mal anmerken dass ich bei betreffendem Job-Center niemanden "kenne"!
Und nein ich habe auch nichts hinterhergetragen bekommen!!!

Da ich auch nicht zum Schleimen neige, gehe ich mal von dem alten Sprichwort aus " Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus".

Inzwischen habe ich meinen festen Job mit unbefristeten Arbeitsvertrag und trotz meiner positiven Erfahrungen hoffe doch mal das Job-Center nie wieder zu brauchen.
Aber es war auch eine ungeheuer interessante Möglichkeit zu beobachten wie manche Leute sich da so aufführen und damit meine ich die Klienten. Manche sind ja schon völlig ausgeflippt wenn sie eine Stunde vor der Anmeldung warten mussten. Da frage ich ich wirklich was die erwarten, ganz klar Geld ohne jegliche Gegenleistung.

Übrigens kenne ich noch einen Fall aus Steglitz-Zehlendorf, bei betreffender Person ging, wie bei mir, auch alles ähnlich unkompliziert von statten also kanns nun wohl doch nicht an meinem unglaublichen Charme gelegen haben ;-)

Mag sein dass es "gute" und "schlechte" Job-Center gibt, das halte ich sogar für sehr wahrscheinlich, ich wollte einfach nur mal erzählen dass in diesen Ämtern nicht grundsätzlich alles "Sch...." ist.

MFG :-) jezebel2