Wie verarbeitet ihr eure Trauer?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von babell 28.05.10 - 20:45 Uhr

Meine Stiefmama ist am Vaentinstag gestorben und ich liege noch immer nächtelang wach und denke an sie und an den Tod im Allgemeinen.

Wenn ich ein trauriges Lied höre denke ich sofort an sie und fange an zu heulen.

Ich weiß nicht, wie ich die Trauer verarbeiten soll. Meine kleine Tochter (19 MOnate) bekommt das auch noch manchmal mit und versucht dann immer ihre Mama zu trösten, dann heule ich nur noch mehr...

Ich habs bisher nur einmal auf den Friedhof "geschafft", da ich einfach nicht kann und es mir auch nichts gebracht hat - außer noch mehr Trauer.

Wenn ich dann noch dazu sehe, wie sehr mein Papa leidet - ich weiß einfach keine Ratschläge mehr :-(

Wie verarbeitet ihr eure Trauer?

Liebe Grüße,
Isa

Beitrag von danimitben 28.05.10 - 21:19 Uhr

Liebe Isa,

es tut mir sehr leid, dass du so unter dem Tod deiner Stiefmama leidest.

Ein Patentrezept für die Trauerbewältigung gibt es aber wohl nicht. Jeder muss seinen Weg finden damit umzugehen.
Ich glaube der beste Weg ist darüber zu sprechen.

Mein Sohn ist im Juli 09 mit 12 Monaten in meinen Armen gestorben. Mir hilft die Vorstellung dass es ihm jetzt besser geht. Ich verarbeite meine Trauer in dem ich hier schreibe oder auch Briefe an Ben schreibe. Ich habe auch eine Homepage für Ben erstellt und all die lieben Einträge im Gästebuch helfen mir.

Trotzdem ist es schwer und tut unsagbar weh. Ich glaube auch nicht dass es irgendwann aufhört weh zu tun, aber die Zeit lehrt uns mit dem Unbegreiflichen zu leben.

Sprich mit deinem Mann, sprich mit deinem Papa über die schönen Erinnerungen und stell dir vor, dass es ihr jetzt gut geht und dass ihr euch irgendwann wieder sehen werdet.

Deine Tochter braucht dich doch!

Liebe Grüße
DANI mit BEN im Herzen *29.06.08 +08.07.09 (Morbus Alexander)
http://www.ben-sternenkind.de

Beitrag von rumpelchen220782 28.05.10 - 22:12 Uhr

Hallo liebe Dani...

ich möchte dir von Herzen mein Beileid aussprechen, ich war auf der Homepage von Ben...und was soll ich sagen, ich bin fürchterlich in Tränen ausgebrochen das tut mir so leid...ich hab selbst eine kleine fast 10 Monaten alte Tochter.. und ich glaube,dass ist der größte Albtraum sein eigenes Kind sterben zu sehen...

Ich wünsche euch von Herzen ganz viel kraft....zusammen schafft ihr das!!!

in gedenken an Ben ..Dani( Namensvätterin)

Beitrag von glucke68 28.05.10 - 21:19 Uhr

Hallo Isa,

erstmal mein Beileid#liebdrueck

mein Vater ist zwar schon 6 Jahre tot,aber ich weiss noch ganz genau wie ich mich gefühlt habe,mir ging es so schlecht ,ich hatte ein Gefühl im Bauch wie Liebeskummer,es tat so schrecklich weh,zeitweise hatte ich das Gefühl nicht atmen zu können und dachte ich müsste ersticken,dass war alles so ca. 3 Monate nach seinem Tod.

Er war schwerkrank,wir wussten das er sterben wird,die 1.Zeit nach seinem Tod war ich ganz ruhig,er musste so schrecklich leiden,jetzt musste ich nie mehr Angst um ihn haben,wußte er hat nie mehr Atemnot,ich wusste es ging ihm jetzt gut da wo er war,aber je mehr Zeit verging umso mehr kam dieses Gefühl das ich ihn nie mehr wieder sehen werden und das fing an weh zu tun.

Mir hat es damals sehr geholfen über ihn zu reden,meine Schwester und ich haben eine Homepage für ihn gemacht,habe mir Bilder von ihm angeguckt,die Lieder der Beerdigung gehört dabei musste ich heulen ,manchmal dachte ich ,dass ich mich gar nicht mehr beruhigen konnte-aber mir ging es danach besser.
Ich musste zu seinem Grab gehen,weil ich dabei das Gefühl hatte,dass es das letzte ist was ich noch für ihn tun kann.

Wie schon geschrieben,jetzt ist er seit 6 Jahren nicht mehr bei uns,aber er hat uns nach wie vor nicht richtig verlassen.

Jeder geht mit der Trauer anders um,ich wünsche Dir das du für dich den richtigen Weg findest,sei traurig wenn dir danach ist,es ist ganz wichtig die Trauer zu verarbeiten.

Ich habe damals auch sehr viele Bücher über den Tod und das Leben danach gelesen und mir hilft es,dass ich daran glaube das mit dem Tod nicht alles vorbei ist,so ist er nach wie vor bei mir und auch meine Kinder glauben daran das der Opa ihr Schutzengel ist.

Ich wünsche Dir alles Gute
Daniela

Beitrag von scrapie 28.05.10 - 22:48 Uhr

Hallo und #liebdrueck

Ich war 19 als meine SchwieMu plötzlich verstarb, sie spritze sich im Methadonprogramm ihre alte Dosis Heroin, die ihr Körper nicht mehr gewohnt war. Sie starb an einer Überdosis. Wir machten gerade unseren Mittagsschlaf und aufeinmal klingelte es, als der Polizist sich vorstellte wusste ich direkt, was los ist...Er sagte mir, er darf es mir nicht sagen, aber ich sah es an seinem Blick.

Er wollte meinen Mann sprechen. Und es war für mich die schlimmste Aufgabe meines Lebens meinen Mann zu wecken.... ich werde diesen Moment nie vergessen, als ich ihm sagte, dass jmd an der Tür sei für ihn und er nicht aufstehen wollte ohne zu wissen, wer da ist. Ich dachte, er wüsste auch direkt was los ist, wenn ich ihm sage, dass die Kripo vor der Tür steht. Deswegen zappelte ich rum und versuchte auszuweichen, denn ihm zu sgen, dass die Kripo da steht wäre für mich gleichgekommen mit dem Satz "Deine Mutter ist tot". Schließlich sagte ich ihm, dass es die Kripo ist und er dachte, dass der Mann nur die Nachricht üverbringt, dass die Mutter wieder im Gefängnis ist und es tat mir noch mehr weh, weil ich es wusste... aber er nicht. Aber mit meinen 19 Jahern hätte ich es nie übers Herz gebracht ihm das zu sagen....

Mein Sohn war 4 Monate alt und mein Mann war für 6 Monate selbst mehr tot als lebendig. Sie war das einzige, was er noch hatte aus seiner Familie und der Kontakt, die Leibe und das Vertrauen, die sie ihm 20 Jahre entzogen hatte wg. den Drogen, fing gerade erst an zarte Blüten zu tragen.

Für mich war die Zeit sehr schwer, ich habe um sie getrauert, habe die trauer meines Mannes mitgetragen und ihn versucht zu entlasten und hatte auch noch die Verantwortung für unseren Sohn.

Unsere Beziehung hat sehr gelitten in der Zeit.

Wie ich es geschafft habe? Hmm, es war Etappenweise sehr schwer und oft dachte ich ans aufgeben...meinen Mann verlassen und einfach meine Ruhe haben.
Aber ich hab immer an das Gute gedacht, habe mir gesagt, dass es nur besser werden kann. Das man die Zeit nicht zurück drehen kann, egal wie sehr man es sich wünscht...aber die Erinnerungen bleiben für immer. Die Narben verblassten langsam. Bei mir natürlich schneller, wie bei meinem Mann.
Mein Mann wollte sehr lange nicht darüber sprechen... die zeit war wirklich schwer. Aber es wurde besser und heute sind nur noch die guten Erinnerungen da. Ja ich empfinde sogar so etwas wie Fireden, wenn ich daran denke, dass sie nun ihre Ruhe hat. Ruhe vor der Sucht, die ihr ganzes Leben zerstört hat.... denn die hätte sie nie wieder gefunden, egal wie sehr sie sich angestrengt hätte.

Beitrag von steffi140788 28.05.10 - 23:52 Uhr

Mein Bruder ist am 1.5.2010 verstorben, plötzlich und unerwartet.

Er war wie ein Vater für mich, denn meiner Starb als ich 3 Jahre alt war.

Wie ich damit umgehe? Meine Tochter gibt mir sehr viel Kraft, wenn ich sie in den Arm nehme oder sie mir sagt, dass sie mich lieb hat, ist es das schönste auf der Welt. Abends hab ich dann natürlich Ruhe und weine auch mal, aber das gehört zum Trauern dazu.

Dir ganz viel Kraft.

Lg steffi

Beitrag von prometheus 29.05.10 - 21:00 Uhr

Nicht viel Trost, aber mir hat es geholfen:

Weine nicht um die schönen Tage weil sie vorrüber, sondern lächle weil sie gewesen.


Lg.

Beitrag von nala22 31.05.10 - 17:47 Uhr

1. Phase der Trauer: Nicht-Wahrhaben-Wollen und Verleugnung
In der ersten Phase der Trauerarbeit wollen wir nicht wahrhaben, dass der uns so sehr am Herzen liegende Mensch gestorben ist und uns für immer verlassen hat. Wir stehen wie unter einem Schock oder bewegen uns wie in Trance.

2. Phase der Trauer: aufbrechende Gefühle
Wir haben die Hoffnung aufgegeben und verspüren den vollen Schmerz und die Verzweiflung. Wir leiden unter Gefühlsschwankungen, fangen aus heiterem Himmel an zu weinen. Unser Körper ist völlig aus dem Gleichgewicht. Wir können nicht mehr schlafen oder kommen kaum noch aus dem Bett. Wir können nicht ruhig sitzen oder uns kaum noch von der Stelle bewegen. Wir schlingen wahllos Essen in uns hinein oder bekommen keinen Bissen hinunter. Wir haben an nichts mehr Freude. Wir glauben, nie mehr wieder glücklich sein zu können. Wir hadern mit dem Schicksal, "womit wir das verdient haben". Wir beneiden andere Menschen, die ihren Partner behalten dürfen, reagieren gereizt, wenn uns jemand sein Beileid ausspricht oder uns helfen will. Unsere Gedanken kreisen ununterbrochen darum, was wir nie mehr gemeinsam mit dem verstorbenen Menschen erleben können. Das Leben draußen erscheint uns wie ein Film, an dem wir nicht mehr teilhaben können. Diese Phase ist die schmerzlichste und schwierigste Phase in der Trauerbewältigung.

3. Phase der Trauer: langsame Neuorientierung
So langsam beginnen wir wieder, uns nach außen zu orientieren. Wir können uns zeitweise wieder konzentrieren, auch mal an etwas erfreuen. Trauer und Hadern lassen langsam nach und sind nicht mehr so intensiv. Jedoch haben wir noch starke Stimmungsschwankungen. Unser Körper gelangt langsam wieder zu seinem normalen Rhythmus.

4. Phase der Trauer: neues Gleichgewicht
Wir sind zu einem neuen körperlichen und seelischen Gleichgewicht gelangt. Es erfüllt uns bisweilen immer noch mit Wehmut, an die Vergangenheit zu denken, doch wir sehen vertrauensvoll in die Zukunft. Wir werden den verstorbenen Menschen nie ersetzen und vergessen können, aber lenken unseren Blick auf das, was wir jetzt im Leben noch haben können. Wir haben uns eine neue Lebensaufgabe gesucht und uns neue Fähigkeiten zugelegt, die Alltagsaufgaben zu bewältigen. Die Trauerarbeit ist beendet.

Alles Gute und eine #kerze für Deine Stiefmama :-(