Hartz 4 soll krank machen

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Beitrag von salome25 28.05.10 - 21:01 Uhr

Guten Abend zusammen

Arbeitslose haben Angst ins Hartz 4 abzurutschen, es drohe die Armut.

Ich weiß nicht, ich bin jetzt im Hartz 4 und ich fühle mich nicht verarmt und Angst hatte ich auch nicht.
Vielleicht trifft das auf Menschen zu, die zuvor 3000 netto verdient haben und dann vom Regelsatz leben müssen. Ich war immer schon "arm". Ich bekomme glücklicherweise dadurch meine Umschulung finanziert, die ich ab September beginne und sehe Hartz 4 somit nicht nur als negativ und schlecht. Ich fühle mich dadurch auch nicht als Schmarotzer sondern werde irgendwann nach der Umschulung gut Geld verdienen und die Steuergelder weiterhin einzahlen, wie ich es zuvor jahrelang getan habe.

Wie seht ihr die Annahme, dass das Hartz 4 krank machen kann?

lg
salome

Beitrag von nisivogel2604 28.05.10 - 21:13 Uhr

Hartz4 kann mMn schon krank machen. Von vielen Dingen (gesellschaftlich und kulturell) wird man einfach ausgeschlossen. Das macht einsam und Einsamkeit macht krank.

lg

Beitrag von tierras 29.05.10 - 00:42 Uhr

als harzt 4ler fühlen sich viele abgestempelt, aber das stimmt nicht

auch mit wenig geld kann man gut leben, kann jeden tag spazieren gehen, kann sich auch mal obst und gemüse kaufen etc

es gibt vergünstigungen für den zoo (bei uns zumindest) etc

aber die meisten harzt 4ler stempeln sich selber ab und verbarrikadieren sich in ihrer wohnung, bemitleiden sich selber und bekämpfen ihre langeweile mit dummdumm-tv und manchmal auch zu viele zigarretten

glaubt mir, ich musste auch schon mit sehr wenig geld leben, aber ich bin sozial nicht abgerutscht, nicht krank geworden und verdooft auch nicht

denn da kann man gut entgegenwirken, nur machen das viele nicht, sei es nun aus faulheit, aus bequemlichkeitz (wieso? staat zahlt ja) oder aus versagensangst oder was weiß ich

Beitrag von gh1954 29.05.10 - 12:37 Uhr

>>>auch mit wenig geld kann man gut leben, kann jeden tag spazieren gehen, kann sich auch mal obst und gemüse kaufen etc<<<

Aber nicht für jeden bedeutet "leben", jeden Tag spazieren zu gehen und sich auch "mal" Obst und Gemüse zu kaufen.

Beitrag von allybabe 29.05.10 - 13:38 Uhr

...so schaut´s aus
#pro#pro#pro

Beitrag von manavgat 29.05.10 - 11:09 Uhr

Ich denke, der Unterschied liegt in der eigenen Psyche, wobei dann noch Faktoren wie Alter und Bildung eine Rolle spielen.

Jemand der jung ist und sein Leben noch vor sich hat, der sieht ALG2 als Übergangsphase, was da auch realistisch ist.

Jemand der über 50 ist und ausgesteuert wird, der kann schnell psychisch krank werden.

Jemand der völlig ungebildet ist, kann seine Zeit nur noch mit Bier und RTL rumbringen. usw.

Gruß

Manavgat

Beitrag von hanna0815 29.05.10 - 12:52 Uhr

Mmmhhh...also ich weiß nicht...kann bzw. sollte man sich im Hartz4 Bezug wohlfühlen?

Traurig genug, wenn man von sich selber behauptet: Ich war schon immer "arm".
Gerade dies sollte doch motivieren mehr für sich selbst zu wollen.

... wenn ich von Hartz4 leben müsste, dann würde ich vermutlich auch krank werden, denn allein der Gedanke an solch eine Notsituation macht mich schon krank.

Klar kann jeder in so eine Situation rutsch, aber wer nicht Himmel und Hölle in Bewegung setzt um aus dieser misslichen Situation wieder rauszukommen, der ist mMn schon krank- bspw. durch Selbstaufgabe und kann daran sicherlich kaputtgehen.

Es geht hier noch nicht mal um das minimale Existenzminimum an dem man nagt, sondern man fühlt sich doch gar nicht mehr wirklich als vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft.

Also so würde ich mich zumindest fühlen.
Jegliche alltägliche kleine Freude oder auch Last würde die Allgemeinheit für mich finanzieren und überhaupt:
"Was macht man den ganzen lieben langen Tag, während das soziale Umfeld doch arbeitet?!?!"
Ich würde innerlich ausrasten und kaputtgehen, wenn ich nicht meinen geregelten Ablauf und meine Strukturen hätte.

Aber wem´s gefällt...

Beitrag von salome25 30.05.10 - 14:54 Uhr

Nun ja, mit "ich war schon immer arm" meinte ich eigentlich, dass ich jahrelang am Arbeiten bin und nie wirklich viel verdient habe. Ich bin seit 2008 im Bezug, weil ich mich von meinem Mann getrennt habe, ich bin alleinerziehend und tue jetzt was dafür, dass der Bezug auf lange Sicht ein Ende findet. Ich mache eine Umschulung in der Altenpflege. Erstens ein Beruf mit Zukunft und mit guten Verdienstaussichten.
Ich mache derzeit ein Praktikum in Form eines Ein-Euro Jobs im Pflegeheim um mich gut auf die Umschulung vorzubereiten, die im September beginnt. Dank Hartz 4 Bezug brauche ich kein Schulgeld zu zahlen und auch keine Prüfungsgebühren. Ich liege dem Staat nicht auf der Tasche, das ist meine Meinung, da ich seit meinem 16. Lebensjahr ununterbrochen am Arbeiten war und nun eben dank der Förderung noch eine zweite Ausbildung machen kann. So hat mein Kind mich als Vorbild und kann sagen, dass seine Mama zwei abgeschlossene Ausbildungen. Und Altenpflege ist sicherlich, vor allem in der Ausbildung, kein Zuckerschlecken als Alleinerziehende.

Beitrag von allybabe 29.05.10 - 13:48 Uhr

Natürlich ist es hart, wenn ich mir vorstelle plötzlich ein Sozialfall zu werden.
Gut, mit 3000,- netto kann ich jetzt nicht dienen, aber ich arbeite lieber hart für 2000 netto und weiß, was ich mir davon leisten kann.

Ich grübel doch stark über folgende Aussage:

"Ich war immer schon "arm". Ich bekomme glücklicherweise dadurch meine Umschulung finanziert, die ich ab September beginne und sehe Hartz 4 somit nicht nur als negativ und schlecht." #kratz

Irgendwann muss man doch mal aus dem Sumpf raus- was lebt man denn seinem Kind vor???
Das es okay ist, die Gesellschaft für sich aufkommen zu lassen?

Wäre man nicht "schon immer arm" dann könnte man auch selber was für die Bildung/Umschulung tun, aber das würde ja vermutlich den eigenen Geldbeutel belasten.

Um die Frage mal ganz klar zu beantworten:
JA, ich bin der Ansicht das Hartz4 Bezuig über längeren Zeitraum, ohne das Engagement aus der Situation rauskommen zu wollen, defnitv krank macht.
Physisch wie auch psychisch!

Beitrag von salome25 30.05.10 - 15:03 Uhr

Ich frage mich ehrlich gesagt, welchen Beruf man erlernt haben muss um 2000 euro Netto zu erhalten...ich lerne Altenpflege und mir ist auch egal, ob das auf Kosten der Steuerzahler geht oder nicht. Wie denn sonst? Die Ausbildung kostet Geld. Monatlich 200 Euro. Wie zahlen als alleinerziehende Mutter? Ausserdem ist es doch auf lange Sicht so, dass ich was für die Zukunft tue und ich erst Im ALG2 Bezug bin, seitdem ich mich 2008 von meinem Mann getrennt habe. Habe all die Jahre gearbeitet und auch in der Zeit nach der Trennung in Teilzeit gearbeitet. Möchte aber irgendwann wieder Vollzeit arbeiten und zwar in einem Beruf, der mir einen Sinn gibt. Ich bin gelernte Friseurin, ich hatte nicht so viel Spass an dem Beruf, habe mich zu früh dazu entschieden ihn zu lernen. Ok, und dann kommt die Arge und bietet mir an, eine tolle Umschulung machen zu dürfen, in einen Beruf, der mich voll und ganz ausfüllen wird. Das hat nichts damit zutun, dass die Gesellschaft für mich aufkommt oder ich auf Kosten derer lebe, die Steuern zahlen. Ich habe mir die Haken abgerannt und dafür gekämpft, eine Umschulung finanziert zu bekommen. Mit 28 ist es fast schon zu spät. Ich habe schon so vieles gemacht. Im Call-Center, in der Logistikbranche, also Friseurin, Kasse, Lager...ect. Ich finde, wenn es mehr motivierte, zielstrebige Menschen gäbe, so wie ich es bin, sähe das alles ganz anders aus. Ich will---und ich mache.

Beitrag von hanna0815 30.05.10 - 15:28 Uhr

ZITAT!<Ich frage mich ehrlich gesagt, welchen Beruf man erlernt haben muss um 2000 euro Netto zu erhalten...>


Also ich muss dir ganz ehrlich sagen, das ich 2000 netto absolut angemessen finde.
Natürlich muss man dafür in der richtigen Branche sein in der man nicht unbedingt nach Tarif bezahlt wird, sondern frei verhandeln kann und qualifiziert genug sein. Im kaufmännischen Bereich kann man sich stetig weiterentwickeln.
Aber es ist jetzt nun mal kein utopisches Gehalt.
Als leitende Angestellte würde ich auch ehrlich gesagt nicht unter 2000 netto arbeiten.
Aber es ist ja auch klar, das man sowas nicht in nem CallCenter (ÜStunden und evtl. Provisionen mal nicht berücksichtigt) verdient.

ZITAT!<ich lerne Altenpflege und mir ist auch egal, ob das auf Kosten der Steuerzahler geht oder nicht. Wie denn sonst?>

Und eine Ausbildung generell zu machen, kostet erstmal kein Geld, sondern man bekommt wenig Geld.
Eine Weiterbildung oder Umschulung ist da schon was anderes.

Und wieso sollte eine Alleinerziehende weniger verdienen oder leisten können? Also das empfinde ich überhaupt nicht so- aber ich ruh´ mich auch nicht auf Kosten der Gesellschaft aus.

Beitrag von sassi31 30.05.10 - 16:24 Uhr

Ich denke, ihr interpretiert in die Aussage "Ich war schon immer arm" zuviel hinein.

Für mich heißt es Folgendes: Sie hatte immer schon wenig Geld zur Verfügung (im Verhältnis zu vielen anderen Menschen) und hat gelernt, damit zurecht zu kommen. Das heißt aber nicht, dass sie da nicht raus möchte und gern mehr Geld verdienen würde.

Und ich sehe auch nicht, wo man seinen Kindern damit etwas Falsches oder Schlechtes vorlebt. Ich bin (leider) mit Sozialhilfe aufgewachsen. Aber für mich war immer klar, dass ich arbeiten und ohne staatliche Hilfe leben werde. Darauf wurden wir auch von unserer Mutter vorbereitet. Heißt, wir waren auf vernünftigen Schulen und haben eine Ausbildung gemacht. Einzig meine Schwester hielt das nicht für nötig und krebst noch immer am Existenzminimum rum. Sie bezieht aber kein ALG II, sondern geht arbeiten.
Wichtig ist doch, dass man seine Kinder unterstützt und ihnen klar macht, dass sie es später besser haben können. Bemühungen, aus dem ALG II-Bezug raus zu kommen, setze ich dabei voraus.

Für mich hat meine Kindheit und Jugend einen entscheidenden Vorteil hervor gebracht. Ich hätte auch keine Agst vor ALG II, weil ich in der Lage bin, mit wenige Geld auszukommen. Aber ich bin dennoch froh, dass ich das nicht muss.

Beitrag von marion2 29.05.10 - 15:24 Uhr

Hallo,

im HartzIV Bezug sind viele Untersuchungen nicht zu bezahlen. Ich sag nur "IGEL"

Auch wenn man Zuzahlungen evtl. erstattet bekommt, muss man sie doch erst einmal auf den Tisch legen.

Gruß Marion

Beitrag von barbarelle 29.05.10 - 17:32 Uhr

Manche werden zu Hartz 4 Empfängern gerade weil sie krank sind und am Arbeitsmarkt nicht mehr unterzubringen sind.

Viele Grüße
Barbarelle

Beitrag von nobility 29.05.10 - 19:22 Uhr

Ich denke eher, dass ALG II dick macht.

Beitrag von elodia1980 30.05.10 - 00:38 Uhr

Hallo Salome,

es ist keine Annahme, sondern eine nachgewiesene Tatsache:

Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

27.05.2010, Katja Kipping

Hartz IV macht krank

Einer Studie der Techniker-Krankenkasse zufolge ist es nicht zuletzt die Angst vor Hartz IV, die dazu führt, dass Erwerbslose immer häufiger krank sind. Dazu erklärt die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Katja Kipping:

„Die Studie belegt: Die beste Gesundheitsreform wäre die Abschaffung von Hartz IV.“

Quelle: http://www.linksfraktion.de/pressemitteilungen.php

Gruß, E.

Beitrag von grafzahl 30.05.10 - 09:50 Uhr

Hallo Salome,

ich bin sicher, dass Hartz IV krank machen kann.

Ich bin aber auch sicher, dass das Berufsleben krank machen kann.

Wenn jetzt also gefordert wird, Hartz IV abzuschaffen, müsste man konsequenterweise auch das Berufsleben abschaffen.

Und das ist mal ´ne grandiose Idee.

LG
Christian

Beitrag von imzadi 30.05.10 - 15:11 Uhr

Krank, was bedeutet Krank?
Mein Mann hat einen Arbeitskollegen der hat keine Arme (Contagan) und arbeitet als Fotograf. Ein Freund von mir sitzt nach einem Unfall seit 10 Jahren im Rollstuhl und kann nur noch seine Hände bewegen, er ist Programmierer. Ein Internetbekannter hats im Rücken und sitzt seit 7 Jahren zu Hause, arbeiten geht er nicht aber 10 Stunden Computerspielen zocken am Stück machen den Rücken nichts. Kinder machen geht übrigends auch (6, 4 und 1 Jahr). Als ich ihn sagte bei uns in der Firma suchen sie welche waren ihm 12 KM mit dem Bus zu weit. Dort hätte er den ganzen Tag sitzen können oder aufstehen wann er will.

Zu krank zum arbeiten sind meiner Meinung nach die wenigsten. Wenn man Krankheitsbedingt nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann sucht man sich eben was anderes, die Arge unterstützt einen da auch. Aber ich glaub die wenigsten suchen überhaupt noch nach arbeit.

Beitrag von ayshe 30.05.10 - 16:26 Uhr

eine dauerhafte und chancenlose arbeitslosigkeit kann sicher psychisch krank machen, depressiv.
aber das nicht mit "hartz 4" an direkt zu tun.

Beitrag von sassi31 30.05.10 - 16:29 Uhr

Hallo,

ich kann mir sogar sehr gut vorstellen, dass Menschen im ALG II-Bezug krank werden. Psychisch und physisch.

Da wäre zum Einen die psychische Belastung, plötzlich nicht mehr allein für sich sorgen zu können. Die Angst, von Nachbarn, Freunden und anderen Menschen ausgegrenzt zu werden. Angst, keine Arbeit mehr zu finden. Und nicht zuletzt die Unfähigkeit vieler Menschen, sich von wenig Geld vernünftig und ausgewogen zu ernähren.

Gruß
Sassi

Beitrag von litalia 30.05.10 - 20:22 Uhr

ihr solltet euch aber auch mal bewusst werden das ARBEIT ebenfalls krank machen kann...!

wer jung und gesund ist und den alg2 krank macht ist meiner meinung nach "selbst" schuld".... jeder ist seines glückes schmied.

Beitrag von salome25 30.05.10 - 22:32 Uhr

Genau. Immer das Beste aus der jeweiligen Situation herausholen und damit arbeiten und zum Ziel bringen. Das ist das, was ich versuche, mitzuteilen und ich hoffe es kommt so an.

Beitrag von manavgat 01.06.10 - 16:36 Uhr

Wie ich schon schrieb, es gibt Menschen die will gar keiner mehr.

Aber muss man so! mit Ihnen umgehen?

http://www.focus.de/finanzen/news/arbeitsmarkt/tid-18431/arbeitslose-keine-chance-ueber-50_aid_513205.html

Gruß

Manavgat