Wohngruppe meiner behinderten Schwester

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von musikerin 31.05.10 - 10:49 Uhr

Hallo @ all,

ich muss hier einmal meinem Ärger Luft machen.

Meine Zwillingschwester ist von Geburt an behindert (Sauerstoffmangel) und sitzt im Rollstuhl, hat eine starke Spastik, ist fast blind (eingeschränktes Gesichtsfeld), Epilepsie, usw..Sie kann allerdings sehr gut sprechen und hören.

Sie lebt mittlerweile in einer Wohngruppe in Hamburg und fühlt(e) sich dort sehr wohl, bis ein gewisser Bewohner Sascha eingezogen ist. Er ist mongoloid und sein bisheriges Leben verlief eher schwierig. Er ist absolut laut, nicht nur im sprechen, sondern auch in seinem ganzen Handeln und Tun (laute Musik bis um Mitternacht...).

Nun kam heraus, dass dieser Sascha meine Schwester sexuell belästigt hat (nähere Details möchte icht nicht erwähnen, zumindest fühlt sich es für mich wie fast eine Vergewaltigung an)...Er hat sie zudem bedroht "Sei still, sonst steche ich Dich ab." und ihr seine aus dem Internet ausgedruckten Porno-Bilder auf ihren Rollstuhl gelegt. Ich denke, er weiß genau, was er getan hat.

Nun ist es so, dass es leider keine Beweise gibt, da die Tat bereits ein paar Wochen her ist. Trotz einer Gerichtsmedizinischen Untersuchung bei meiner Schwester konnte nichts mehr festgestellt werden.

Und was tut der Träger der Wohngruppe? Nicht viel, denn der Sascha ist nicht strafmündig und auf die Frage hin, ob er ausziehen möchte, hat er mit Nein geantwortet. Nun bekommt er einen Betreuer an seine Seite und es werden seine "lauten Musikzeiten" notiert.

:-[ :-[ :-[ Wo leben wir eigentlich? Wer ist hier bitte das Opfer?

Meine Schwester wohnt nun bei meiner Mutter (70 Jahre) und wir alle hoffen auf eine schnelle Lösung, denn meine Schwester kann und will nicht mehr zusammen mit Sascha in einer Wohngruppe leben.

Die Anzeige meiner Mutter gegenüber dem Sasche für die sexuelle Nötigung wird im Sande verlaufen und die nun folgende 2. Anzeige wegen Bedrohung "...ich steche Dich ab.." wird wohl auch leider nicht viel bringen.

Vielen Dank für Euer Zuhören...

Lieben Gruß Claudia

Beitrag von eowyn1979 31.05.10 - 11:28 Uhr

Hallo!
Ich Arbeite in einer EInrichtung für Menschen mit Behinderung , wir haben leider einen fast gleichen fall bei uns in der Einrichtung, dabei geht es aber nicht um sexuellen Missbrauch, der Bewohner der bei uns lebt hat andere mit dem Messer bedroht zu meist Betreuer und ist auch sonst oft gewalltätig, er hält sich an keine Regel. Wir haben uns nach anderen Wohnformen erkundigt, besserer Betreuungsschlüssel wir haben bei uns meist eine 9 zu 2 Betreuung wenn es ganz ganz schlecht läuft nur 1 zu 9 Betreuung, eigentlich ist diese Bewohner bei uns nicht tragbar, aber er hat eben bis her nur gedroht und sein Gesätzlicherbetreuer sagt er bleibt dort wohnen, so sind uns die hände gebunden bis er mal einen wirklich total vermöbelt. Es wird immer so lange hin gesehen bis etwas wirklich beweißbares passiert. naja und ich muß somit jeden tag auf meine anderen 8 bewohner auf passen und auch mich, man kann ihm nicht mal den rücken zu drehen. was ich damit sagen will warscheinlich sind dem träger in deinem fall auch einfach die hände gebunden, da der Bewohner ja warscheinlich auch einen Gesätzlichernbetreuer hat der das aufenthalts bestimmugs recht hat und somit wenn weder der bewohner noch der betreuer sagt das er aus zeit sind dem träger die hände gebunden.
Bis was passiert was zu 100% nachweißbar ist.
alles mist scheiß deutschengesetze echt.
hoffe das ihr schnell eine lösung findet.
Gruß

Beitrag von manavgat 31.05.10 - 12:32 Uhr

Wende Dich an:

www.weisser-ring.de

Habt ihr eine Anwältin beauftragt?

Gruß

Manavgat

Beitrag von musikerin 31.05.10 - 13:02 Uhr


Hallo,

vielen Dank für den Tipp.

Nein, einen Anwalt haben wir noch nicht eingeschaltet, denn es gibt noch ein Problem.

Meine Schwester hat Hepatits C und mit dieser Krankheit ist sie absolut schwer zu vermitteln (in bezug auf eine Wohngruppe), da bei ihr strenge Sicherheitsvorkehrungen (eigenes Badezimmer, usw.) eingehalten werden müssen. Zudem ist sie Rollstuhfahrerin und benötigt viel Pflege (auch in der Nacht). Sie ist halt kein gern gesehener Mitbewohner in Wohngruppen, da sie "viel Pflege" fordert.

Wir sind nun abhängig von dem Leiter der Wohngruppen in unserem Bezirk in Hamburg. Er ist der Ansprechpartner für alle Bewohner...

Diese ganze Geschichte geht mir sehr an die Nieren, meine arme Schwester, sie wird angegriffen, klingelt mehrfach, sie kann nicht weglaufen, und es kommt keiner zur Hilfe. Einfach nur schrecklich...

Gruß Claudia

Beitrag von eowyn1979 31.05.10 - 13:17 Uhr

Hallo!
Die Rechtslage ist so das wir ihn erst aus der Wohnstätte los werden wenn was pasiert da kann leider auch der weiße ring nix machen bis her hat er immer nur gedroht und nie richtig zu geschlagen. er stand schon mal mit einem messer oder einem gürtel vor meinem kollegen/in. und wollte meinen kollegen schlagen. aber er hat es nie getan bis her ich denke er hat das protenzieal dazu, aber so lange er nicht macht können wir auch nix machen.
gruß

Beitrag von manavgat 31.05.10 - 13:21 Uhr

Das ist Quatsch.

Der Weisse Ring soll sie beraten. Niemand hat gesagt, dass der Weisse Ring den Mitbewohner wegzaubert.

Grundsätzlich haben auch Behinderte ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit. Der Träger der Einrichtung hat das gefälligst sicherzustellen!

Gruß

Manavgat

Beitrag von eowyn1979 31.05.10 - 22:48 Uhr

ich meinte unseren fall sorry hatte da was falsch verstanden
bei uns ist das ja so das noch nix passiert ist

Beitrag von musikerin 01.06.10 - 09:55 Uhr


Guten Morgen,

ja genau, und da ist der "Knackpunkt". Der Träger bzw. die Erzieher müssen darauf acht geben, dass "so etwas" nicht vorkommt. Hier wurde eindeutig die Sorgfaltspflicht verletzt.

Wir haben uns nun an einen Anwalt gewandt. Ich kenne einen RA persönlich, der selber einen behinderten Sohn hat und glücklicherweise genau bei diesem Träger auch noch Mitglied ist.

Somit werden wir bzw. der RA als Mitglied des Trägers und Freund unserer Familie auf seinem Briefpapier direkt an den obersten Vorstand einen Brief schreiben und Druck machen.

Zudem müssen wir überlegen, ob das zuständige Amtsgericht (meine Mutter muss einmal im Jahr einen Bericht über meine Schwester verfassen) ebenfalls eine Kopie erhält. Zudem wäre noch die Möglichkeit, ebenfalls den Sozialträger mit einzubeziehen, denn immerhin wohnt meine Schwester bereits seit über 1 Woche bei meiner Mutter und die Wohngruppe erhält trotzdem das Geld für das Zimmer.

Ich denke, wir sind auf dem richtigen Wege.

Gruß Claudia

Beitrag von manavgat 01.06.10 - 10:26 Uhr

Sag mal Bescheid, was rausgekommen ist.

Alles Gute

Manavgat

Beitrag von eowyn1979 01.06.10 - 11:38 Uhr

Hallo!
Ich weiß nicht ob das in jedem bundes land gleich ist aber bei uns bekommen die bewohner wenn sie aus irgendeinem Grund nicht in der Wohnstätte sind ( freizeit, besuch bei den eltern,krankenhaus aufenthalt) einen bestimmten tages satz an geld weiß leider nicht genau wie viel das ist muß beim versorgungsamt beantragt werden glaube ich . das wird dann der wohnstätte abgezogen vom tagessatz.

Beitrag von eowyn1979 01.06.10 - 11:47 Uhr

Ich weiß es nicht wie es in der wohngruppe ist aber ich denke du kannst da die schuld nicht den erziehern geben. denn oft sind zu wenige für zu viele bewohner zuständig. ich weiß nicht wie es bei euch ist aber ich bin echt die meiste zeit alleine für 9 bewohner zuständig. denke da kann man eher dem träge in verantwortung ziehen.

Beitrag von musikerin 01.06.10 - 12:42 Uhr

Nein, ich gebe nicht den Erziehern die Schuld, sondern der Leiterin der Gruppe, denn es gab (wie ich soeben von meiner Mutter erfahren habe) bereits mehrere Vorfälle, in dem der besagte Sascha meine Schwester bedroht hat und diese Vorfälle sind der Leiterin auch bekannt.

Von daher ist Sie als Leitung die Verantworliche Person und hätte dafür Sorge tragen müssen, dass nichts passieren kann. Und genau hier können wir anknüpfen:

In wie weit nun die Verantwortung auf den Träger übergeht, kann ich nicht sagen.

Ich weiß selber dass die Betreuuersituation in den Wohngruppen katastrophal ist. Auch bei meiner Schwester sind 10 Bewohner, oft ist nur ein Betreuuer da (und dieser ist oft noch ein Zivi oder eine ungelernte Kraft). Das ist m.E. rechtlich gar nicht erlaubt.

Zumindest hat meine Schwester während der Tat von Sascha sogar 3x geklingelt und es ist niemand gekommen. Als dann ein Betreuer kam, haben sie meine Schwester ziemlich aufgelöst, schreiend und mit heruntergezogener Hose im Bett vorgefunden. Und meine Schwester hat eine starke Spastik, sie kann sich nicht selber aussziehen!

Was würdest Du da wohl denken?

Ich vermute, dass hier dieser Vorgang ganz sanft unter den Teppich gekehrt werden soll...:-[

Warum wurde nich die Polizei oder ein Krankenwagen gerufen?

Diese ganze Geschichte "stinkt" zum Himmel!!!:-[ :-[ :-[ :-[

Zumindest laufen mittlerweile 2 Anzeigen gegen den Sascha und der Kommissar ist recht angagiert und wird weitere Befragungen durchführen.

Zum Glück ist unser Anwalt auch recht forsch und er wird auch wenn es nicht anders gehen sollte, die Medien einschalten.

Gruß Claudia

Beitrag von eowyn1979 01.06.10 - 13:04 Uhr

Leider wird zu oft erst gehandelt wenn es zu spät ist. naja denke wäre beu uns so was vorgekommen wäre direkt die polizei angerufen worden. ausserdem ist es bei uns nicht üblich wenn der klingelt lange warten zu lassen das heist wenn geklingelt wird hat das priorität vor allem als ich meine ich lasse dann einen anderen bewohner nicht fallen wenn ich ihn grad z.b. um setzte aber so bald der abgesischert ist wird dem klingeln nach gegangen. denke bei uns ist innerhalb von 1 min einer bei dem der klingelt. mit dem nur den zivi auf einer wohngruppe alleine geht ganicht so was gibt es bei uns nicht wenn wir mal das glück haben einen zivi zu haben, oft sind zivis ja auch noich sehr jung. unmöglich aber auch das ist fehl planug der leitung.

Beitrag von krokolady 31.05.10 - 13:35 Uhr

wenn ich sowas lese wird mir immer ganz übel.....weiß ich doch das ich meine Tochter in spätestens 13 bis 15 Jahren wohl auch in eine Einrichtung geben muss - man soll behinderte Kinder ja im gleichen alter "ziehen" lassen wie gesunde Kinder......

Es gibt doch sicher noch andere Einrichtungen die in Frage kommen.....muss doch sicher nicht unbedingt nur HH sein, oder?
Sprech doch mal die Lebenshilfe an, ob die gute Tips haben......evtl. auch mal die in Kaltenkirchen.

Beitrag von eowyn1979 31.05.10 - 22:51 Uhr

Hallo!
Zum Glück ist es nicht überall so bevor diese bewohner eingezogen ist war auch alles in ordnung bei uns es war sogar ne echt tolle wohngruppe wie eine kleine familie. Ausserdem denke ich das es isn 13 bis 15 jahren nocvh ganz ganz andere angebote geben wird da sich ja der zeit alles im wandel befindet in der behinderten hilfe.
gruß

Beitrag von musikerin 31.05.10 - 13:54 Uhr


Das schlimme daran ist ja noch, dass meine Schwester mit ihren normal "kindlichen" Gedankengängen natürlich daran glaubt, dass Sascha nun von der Polizei abgeholt wird und ins Gefängnis muss.

Wie sollen wir ihr erklären (was wir selber nicht so recht verstehen), dass es leider so ist, dass sie selber ausziehen muss?

Dabei wohnt sie schon so viele Jahre dort, natürlich gab es Höhen und Tiefen, aber im Grunde ist es ihr zuhause und sie fühlte sich wohl.