Wie wehrt man sich (richtig)?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von yamie 31.05.10 - 17:02 Uhr

hallo auch,


momentan steh ich etwas mit mir selbst im zwiespalt, wie ich/wir unsere tochter (3j.) erziehen sollen wenn es um das thema: "sich wehren" geht. (sie geht in die kita)

bisher mußten wir uns keine sorgen machen, alles ist gut. irgendwann wird aber der moment kommen indem sie geschubst, gestoßen oder anderweitig drangsaliert wird.

und dann? zurück hauen? wird sie dann eher zum schlägertyp? bzw. aggressiv?
oder laut NEIN sagen, sich umdrehen und gehen? wird sie dann nicht aber immer drangsaliert und zu einem "ducker"? weil ja keine gegenwehr kommt.


ich hatte darüber mit meinem schwiegervater eine ziemlich heftige diskussion und wollte mal eure meinungen hören.




lg
yamie





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dies ist KEINE signatur!

Beitrag von jazzbassist 31.05.10 - 17:56 Uhr

Ich denke, wie sich ein Kind in so einer Situation verhält, ist rein vom kindlichen Charakter geprägt. Das ist bei einer 3-Jährigen schon längst passiert. Sie können aus einem Kind, dass dann freiwillig den Rückzug sucht, nur sehr sehr schwer ein Kind machen, dass sich dann "angemessen" wehrt. Sie können aus einem Kind, dass sich "angemessen" wehrt, auch nur sehr sehr schwer ein Kind machen, dass sich dann in einer Konfliktsituation plötzlich zurückzieht.

Ich würde hier vorschlagen, einfach darauf zu warten, bis es dann so weit ist und dann mal gucken, wie sich ein Kind verhält und dann schauen, wie man das beste aus der Situation machen kann. Bei einem Kind, dass bei jeder Kleinigkeit sofort die Flucht ergreift, würde ich dann versuchen, dieses etwas im Selbstvertrauen zu stärken; einem Kind, was lieber erst selbst schubst, würde ich dann versuchen, dass dieser zumindest erst die Palette aller friedlichen Mittel erschöpfen. Einem Kind, dass am liebsten selbst solche Streitereien anfängt, würde ich entsprechend auch passend erziehen.

Wir hätten mit unserem Spatz in dem Alter sicherlich nicht geschimpft, wenn ihm im Sandkasten jemand umgeschupst hätte und er dann zurückgeschupst hätte. Außerdem lernen Kinder so das dritte, Newtonsche Gesetz - lex tertia (zumindest mit etwas Phantasie). Spielregeln für ihn waren, dass er versuchen soll(te), einen Konflikt friedlich zu lösen, er keinen Streit anfangen soll, sich aber selbstverständlich wehren darf, wenn er sich bedrängt fühlt. Das hat eigentlich ziemlich gut funktioniert.

Er hätte sich aber auch zugegebenerweise auf nichts anderes eingelassen :-p

Beitrag von yamie 01.06.10 - 15:21 Uhr

hey,
danke für den denkanstoss. :-)

Beitrag von bine3002 31.05.10 - 19:38 Uhr

Ich würde dem Kind immer erst den gewaltfreien Weg vermitteln. Z. B. weggehen, konkrete Sätze auf den Weg gehen, mit denen es sich wehren kann usw.

Wir hatten allerdings im Kindergarten auch das Problem, dass meine Tochter von einem anderen Kind immer geärgert wurde. Sie wurde nicht gehauen, offensichtlich war der Junge aber so penetrant, dass er einfach keine Ruhe geben wollte, egal was sie gesagt oder getan hat. Er hat sie wohl gekitzelt und lief immer hinter ihr her. Meiner Tochter hat das die Kindergartenzeit ziemlich vermiest und es musste was passieren. Ich habe mit den Erzieherinnen gesprochen und meiner Tochter gesagt, dass sie zukünftig immer sofort zu ihnen gehen soll. Das klappte dann.

Ich denke, dass Kinder in dem Alter einfach manchmal noch Hilfe bei der Konfliktlösung brauchen: DSer Junge musste lernen, andere Kinder in Ruhe zu lassen. Und meine Tochter musste lernen, sich Hilfe zu holen, wenn sie alleine nicht weiter kommt. Notfalls müssen die Erzieher das dann klären.

Beitrag von yamie 01.06.10 - 15:22 Uhr

die ersten schritte: gewaltfrei. seh ich genauso, mein schwiegervater ist der meinung, die heutige welt sei eine ellenbogengesellschaft, dementsprechend müsse man den kleinen selbige lebensweise beibringen.

Beitrag von ratpanat75 31.05.10 - 20:03 Uhr

Hallo,

wir haben es von Anfang an so gemacht, dass wir unseren Sohn dabei unterstützt haben, sich erstmal verbal zur Wehr zu setzen und das hat von Anfang an erstaunlich gut funktioniert.
Er hat immer laut "STOP" oder "NEIN" gerufen, wenn jemand ihn angegriffen hat und dabei so böse geschaut, dass er sich auch gegen grössere Kinder durchsetzen konnte.
Im Kindergarten wird es genauso gemacht.
Dort ist die Regel, dass laut "HÖR AUF!" gerufen wird und die Kinder wissen dann schon, dass an der Grenze angekommen ist und akzeptieren das.
In Ausnahmefällen müssen die Erzieherinnen auch mal einspringen, wenn ein Kind die Regel mal "vergisst" (passiert bei den Kleineren ab und zu) und sie nochmal ins Gedächtnis zurückrufen- aber dafür sind sie ja auch da.
Und die anderen Kinder passen auch ganz genau auf und springen als Schiedsrichter ein.
Ich bin wirklich sehr glücklich darüber, dass im Kiga auch sehr viel Wert darauf gelegt wird.
Ich finde auch nicht, dass die Kinder dadurch zu "Duckern"werden, und eine Gegenwehr kommt ja schliesslich auch von ihnen- nur, dass sie eben verbal ausfällt.
Vielmehr denke ich, dass eine von vielen Regeln des Zusammenlebens ist, die Kinder lernen müssen.
Natürlich kommt es auch bei meinem Sohn mal zu Rangeleien, aber dabei geht es nicht um einen konkreten Konflikt, sondern ein von beiden Seiten gewolltes "Kräftemessen", sobald ein "HÖR AUF" von einer Seite kommt, ist Schluss.

LG




Beitrag von yamie 01.06.10 - 15:23 Uhr

diese regelung in der kita finde ich gut. solang sich alle kinder daran halten. #pro

Beitrag von ratpanat75 01.06.10 - 20:15 Uhr

Genau, deshalb bin ich auch sehr froh darüber, dass in der Kiga darauf Wert gelegt wird.
Ich kenne es von anderen Einrichtungen leider anders.
Ich denke, die Kinder in unserem Kiga lernen wirklich auch für das spätere Leben nach dem Kiga, wie sie sich gewaltfrei durchsetzen können.

Beitrag von yamie 02.06.10 - 09:07 Uhr

wer hatte denn diese idee?

Beitrag von ratpanat75 02.06.10 - 13:21 Uhr

Das gehört zum Konzept des Kiga´s zum respektvollen Umgang mit sich selbst+ anderen.

Beitrag von lisasimpson 31.05.10 - 20:18 Uhr

nun ja- was ist dein ziel?

in welcher Gesellschaft leben wir und welche Moralvorstellungen haben wir? wie möchtest du deinen sohn in unserer Gesellschaft einführen- welches bild von sich, von der welt und von den regeln im umgang soll er lernen?

grundsätzlich läuft bei uns menschen ein Programm ab, wenn ihr uns in Gefahr wähnen. dieses Programm läßt uns eher flucht- oder kampfimpulse spüren.
daher ist das erste was kleine kinder in solchen Situationen machen genau das: sie flüchten oder sie wenden Gewalt an.
das muß man niemanden beibringen.

wir haben jedoch bestimmte Übereinkünfte in unserer Gesellschaft was Gewalt angeht. Diese sehen vor, daß außerhalb des Gewaltmonopos des Staates nur im falle von Notwehr Gewalt angewendet werden darf und von der Gesellschaft toleriert wird (Sportveranstaltungen mal ausgenommen:).
von daher würde ich meinen Kind zeigen, welche Möglichkeiten es gibt ,sich zu wehren, OHNE Gewalt anzuwenden und erkläre, daß dies absolut nur im notfall gerecht fertigt ist um sich selbst zu schützen.

kein Kind wird zum Prügelknaben, nur weil es nicht "zurückhaut"- sich nicht mit körperlicher gewalt zu wehren heißt ja nicht, sich gar nicht zur wehr zu setzen, bzw. alles über sich ergehen zu lassen.

lisasimpson



Beitrag von yamie 01.06.10 - 15:28 Uhr

hey,

mein ziel ist, daß andere kids sich erst gar nicht an unserer kleinen zu vergreifen wagen. unsere tochter soll eine ausstrahlung haben (im positiven sinne) die auf andere beeindruckend wirkt. ich hoffe du weißt was ich meine...

ich hab oben schonmal geschrieben: mein schwiegervater meint, wir leben in einer ellenbogengesellschaft und die kleinen sollen dementsprechend erzogen werden.

ich bin für: reden, weggehen und nur zur notwehr zurückschlagen.

in dieser hinsicht prallen bei uns welten aufeinander...


Beitrag von lisasimpson 01.06.10 - 16:16 Uhr

Eine solche Ausstrahlung haben Kinder (und Erwachsene), die selbstbewusst auftreten- nicht solche, die gerne mal zuschlagen.

ich bezweifel zwar, daß wir in einer "ellenbogengesellschaft" leben, aber unabhängig davon welche Etikette man der Jetztzeit geben möchte: denkt dein SV tatsächlich, daß wir in einer welt leben, in der Erwachsene (und heranwachsende) erfolgreich sind, die sich mit körperlicher Gewalt durchsetzten?
oder denkt er nicht vielmehr, daß sich diejenigen durchsetzen, die hart für ihre ziele arbeiten, die in der Lage sind kooperationen einzugehen (vielleicht auch "seilschaften":), die sich gut vernetzen können und die clever genug sind die Zeichen der zeit zu erkennen, die große soziale Kompetenzen mitbringen (denn zu erkennen, wie man in bestimmten Situationen und Positionen mit unterschiedlichen menschen umgehen muß ist ein wesentliches Kriterium, daß erheblich erflogsentscheidender ist als mal einem eins auf die fresse geben zu können!

von daher werden doch zwei völlig verschiedene sachen da in einen topf geworfen.
kein mensch kommt in unserer gesellscahft weit, wen ner sich des mittesl "körperliche gewalt" bedient. in kinder garten und schule mag man da vielleicht von dem ein oder anderen kind gefürchtet sein, hohes ansehen wird keines davon genießen, weder bei den kindern (oder deren eltern) noch bei den erziehern oder lehreren.
auch später kannste mir glauben, daß ich wenig Jugendliche mit ordentlicher strafakte gesehen habe, die gute chancen auf ein fortkommen in unserer gesellschaft kennengelernt habe.

"ellenbogen" zu haben im sinne von sich "durchzusetzen" ist doch was ganz anderes- die hatte ich mein leben lang- ohne auch nur ein mal dafür zuschlagen zu mssen.
abgesehen davon, wird keiner besonders erfolgreich durchs leben kommen, wenn er NUR rücksichtslos seine interessen vertritt. zum erreichen der eigenen interessen ist IMMER (und in unserer arbeitsteiligen und DAHER auch gewaltmonopolisierten Gesellschaft) sozialkompentenz nötig. ohne ein besonders hohes maß davon wird keiner in dieser gesellschaft großen "erfolg! haben!

ich hoffe, ich habe euch (in eurem mißverständis) richtig verstanden?!

lisasimpson


Beitrag von salem511 01.06.10 - 13:08 Uhr

Hallo,

meine Zicke ist 3. Sie geht zwar erst ab dem Sommer in den Kiga, spielt aber hier im Ort auch immer mit Kindern, die meist älter sind.

Sie macht das so:

Erst wehrt sie sich mit Worten, "Lass das" und "hör jetzt auf" brüllt sie ihrem Gegenüber schon mal recht laut ins Gesicht.

Reicht das nicht, schubst sie das andere Kind auch schon mal mit Schmackes, so dass derjenige meist etwas unsanft auf dem Hintern landet. Das macht sie allerdings nur bei Älteren. Die Kleinen geben eigentlich immer schon auf, wenn sie mal richtig losbrüllt.

LG
Salem





Beitrag von yamie 01.06.10 - 15:29 Uhr

gut so. habt ihr ihr das so beigebracht?

Beitrag von salem511 02.06.10 - 09:02 Uhr

Ja, haben wir. Und bei ihrem Bruder hat sie fleissig trainiert;-)

Das Schubsen finde ich auch in Ordnung. Eben auch weil sie es ja nur als letztes Mittel nutzt.

LG

Beitrag von marion2 02.06.10 - 19:52 Uhr

Hallo,

"und dann? zurück hauen?"

Ja!

Sie wird davon weder aggressiv noch zu Schlägertyp.

Du hast das schon richtig erkannt, sie wird zum "Opfer", wenn sie sich nicht wehrt.

Auch wenn viele anderes behaupten: Kinder sind untereinander brutale skrupellose Wesen.

LG Marion