Arbeitsrechtfrage Einzelhandel - kennt sich wer aus?

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von liebesbienchen 31.05.10 - 21:03 Uhr

Hallo,

mein Onkel (43) arbeitet seit 25 Jahren in ein und derselben Supermarktkette. Er ist ein normaler Verkäufer, kein Abteilungsleiter oder so. Er macht Überstunden, ist nie bis selten krank.
In den letzten Jahren wechselte die Geschäftsleitung und das ganze Mitarbeiterkonzept hat sich völlig verändert. Es werden Zeitarbeitsfirmen zur Warenverräumung eingesetzt, der Rest der Mitarbeiter ist hauptsächlich Teilzeit und auf 400,- € Basis eingestellt. Mein Onkel gehört noch zum alten Schlag, Vollzeit, ungelernt, jedoch in der höchsten Gehaltsgruppe der Verkäufer wegen den langen Jahren. Die Firma hat keinen Betriebsrat (obwohl dies meines Wissens nach von den Mitarbeitern verlangt werden kann).
Mein Onkel wird arg gemobbt, hat im letzten Jahr 3 Abmahnungen bekommen wegen verschiedener Dinge, z.B. fehlende Brötchen im Backshop Samstags mittags um 16 Uhr.

Jetzt ist folgendes passiert. Er (überwiegend im Tiefkühlbereich eingesetzt) hat im Lager abgelaufene Ware auf einem Rolli gesammelt, da alles auf einmal nicht abgebucht werden darf. So sollte immer nach und nach ein Teil der nicht mehr verkäuflichen Ware abgeschrieben und entsorgt werden. Da er aber immer sorgfältig alle ihm aufgetragene Arbeiten erledigt würde das regelmäßige Abschreiben der Ware vergessen. Es lagert noch immer auf diesem Rolli.
Nun hat ein BWL Student die abgelaufene Ware gesehen und dies der Geschäftsleitung gemeldet. Er bekommt in jedem Fall eine Abmahnung.

Unter den Kollegen wurde bereits getuschelt dass dies auch eine fristlose Kündigung nach sich ziehen kann. Morgen wird das Gespräch mit dem Chef kommen.

Ich komme auch aus dem Einzelhandel, Abmahnung könnte ich verstehen, fristlose Kündigung sehe ich da nicht.

Kennt sich jemand da besser aus und kann mir einen Rat geben?

Ich finde es so traurig das langjährige Mitarbeit, Zuverlässigkeit und der Mensch an sich in vielen Unternehmen überhaupt nicht mehr zählt.
Hauptsache billige Arbeitskräfte. Auszubildende die nach der Lehre nicht oder nur mit 25 Std. übernommen werden.

#danke für Eure Antworten

Liebe Grüsse und schönen Abend noch

Biene :-)

Beitrag von sassi31 01.06.10 - 01:55 Uhr

Hallo,

da er bereits mehrere Abmahnungen erhalten hat, denke ich, man kann ihm unter Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfrist kündigen.

Gruß
Sassi

Beitrag von mondlaus 01.06.10 - 09:32 Uhr

Kann / konnte die Ware nachträglich noch abgeschrieben werden, entstehen dem Unternehmen keine Verluste und es wäre somit m. E. noch nicht mal eine Abmahnung gerechtfertigt. Es sei denn, ein solcher "Fehler" in der Arbeitsweise (Gründlichkeit) würde desöfteren vorkommen.
In Relation dazu stehen aber auch noch die langen Arbeitsjahre, in denen es ja offensichtlich keinen Grund zur Rüge gab (sonst wäre er ja schon weg vom Fenster).

Ich denke, des "teuren" Mitarbeiters soll sich hier einfach entledigt werden... 3 Abmahnungen sprechen jedenfalls dafür.

Also:
Einfach (grundsätzlich) nichts unterschreiben und gegen Kündigungsmaßnahmen gerichtlich vorgehen. Richter riechen dieses Prozedere auf drei Meilen und man kommt zumindest mit einer hohen Abfindung davon.

Ansonsten müssten für eine ordentliche Kündigung die Gründe aus der ersten Abmahnung widerholt auftreten.

LG mondlaus... #blume

Beitrag von liebesbienchen 01.06.10 - 12:33 Uhr

Danke für Eure Antworten!

Mal sehen was der Tag bringt, das Gespräch mit dem Chef. Er hatte bereits letztes Jahr mit der Gewerkschaft Kontakt. Diese haben allerdings schlampig gearbeitet und waren nicht wirklich eine Hilfe für ihn.
Er hat nun einen guten Anwalt gefunden der ihn unterstützt sollte der Ernstfall eintreten. Er hat meinem Onkel bereits Tips gegeben wie er sich im Gespräch verhalten soll um nichts zu seinem Nachteil zu beeinflussen.

Grüsse Biene

Beitrag von manavgat 01.06.10 - 19:48 Uhr

Grundsätzlich kann er jeder Abmahnung widersprechen und verlangen, dass diese aus der Personalakte entfernt wird. Wenn also eine ungerechtfertigte Abmahnung erfolgt und das erkennbar Schikane ist. Wie z. B. mit den Brötchen...

Er soll mal den Anwalt fragen, ob er gegen die alten Abmahnungen noch vorgehen kann.

Nerven behalten und sich wehren.

Wenn die merken, dass er sich nix gefallen lässt, dann lassen die es vielleicht.

Gruß

Manavgat

Beitrag von liebesbienchen 02.06.10 - 07:31 Uhr

Morgen!

Ja, er hat den Anwalt auch gefragt, dieser prüft es nach mit den alten Abmahnungen.

Das geht jetzt seit Jahren so mit den Schikanen. Ihm wird Verantwortung übertragen für die er nicht bezahlt wird (Schliessdienst, Verantwortung für die Abteilung ohne Vertrag).
Er wird täglich zum Spätdienst eingeteilt bis 22 Uhr, bis der Laden verschlossen ist, ist es 23 Uhr. Natürlich wird es nicht gerne gesehen wenn er diese Stunde als Überstunde angibt.
Er wird regelrecht rausgeekelt. Als Dank für seine Zuverlässigkeit und seine Erfahrung im Verkauf für all die Jahre. :-[

Beitrag von jeannylie 01.06.10 - 17:13 Uhr

Hallo,
m.E. wäre eine fristlose Kündigung deswegen nicht gerechtfertigt.
Aber die Praxis scheint geläufig zu sein. Mein Mann arbeitet auch im Einzelhandel (Baumarkt ohne Betriebsrat) und da herrschen absolut die gleichen Sitten. Ekelhaft.
Auf jeden Fall wehren.

Beitrag von liebesbienchen 02.06.10 - 07:34 Uhr

Das ist eine absolute Frechheit - und macht Krank. Der ewige Mobbing Terror auf der Arbeit. Dafür das man sein Bestes gibt und dem Unternehmen ein zuverlässiger Mitarbeiter war.
#contra