Mal als Freundin..

Archiv des urbia-Forums Frühes Ende.

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von naddikiel79 31.05.10 - 22:17 Uhr

Hallo,

erst einmal verdient Ihr allesamt meinen allergrößten Respekt dafür, das Ihr über das "erlebte" reden/bzw. schreiben könnt!

Ich bin hier "stille Mitleserin" und alle eure Schicksale gingen mitten ins Herz.

Ich lese hier sehr oft, daß ihr entäusscht seid von eurer besten Freundin oder von der gesamten Familie, die allesamt "respektlos", "taktlos" usw. in Augen einiger von Euch erscheinen.

Hier nun mal die Sichtweise einer Freundin:

Meine beste Freundin ruft an und erzählt mir unter Tränen dass das Herz ihres Babys aufgehört hat zu schlagen und die Geburt eingeleitet wird...
Das meine Freundin weint nimmt mich mit, noch dazu der Grund WARUM sie weint, zerreißt mich innerlich..

"Was soll ich JETZT tun???"
Diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt binnen weniger Minuten..
Erst einmal habe ich mich dafür entschieden zu weinen...
Ich habe mich in dem Moment gefragt "Wie gut kennst Du deine Freundin eigentlich, daß Du jetzt nicht mal mehr weißt was sie möchte???"..
Es ist eine völlig unerwartete Situation entstanden... ich wußte nicht, wie ich "reagieren" sollte.. Ich hatte Gewissensbisse und es stellte sich mir die Frage ob ich meine Freundin ÜBERHAUPT kenne.. Wie würde ich reagieren an ihrer Stelle? Welche "Erwartungen" würde ich haben?
Für mich war es klar: Ich werde nicht in die Klinik fahren, ich werde warten bis sie sich meldet...
Dies tat sie am Morgen nach der stillen Geburt.

Ich war völlig durch den Wind.. ich kannte meine Freundin in- u. auswendig.. es heißt noch lange nicht, daß ich weiß was sie in so einer Situaton "erwartet" oder was für mich als Freundin "taktvoll" ist/wäre..

Gebt den Menschen um Euch herum Zeit, auch sie können nicht mit so einer unerwarteten Situation sofort um...
Vor Allem: Sie können nicht einmal erahnen (ich übrigens auch nicht) was in Euch vorgeht...
Sätze wie "Alles wird gut", "am Ende des Tunnels kommt Licht" usw. nerven bestimmt und es trösten nicht, es spiegelt andererseits die Unsicherheit dar...

Ich habe sehr gelitten.. nicht nur weil es meiner Freundin schlecht ging oder das Baby tot war (auf das wir uns alle so sehr gefreut haben mit den Eltern), sondern auch weil ich vorher dachte, dass ich genau weiß was meine Freundin in so einer Situation gerne gehabt/gewollt hätte..

Es ist keineswegs böse gemeint... bitte nicht falsch verstehen! Als Freundin ist es alles, aber keineswegs einfach.....
Ich möchte keine Freundin gern weinen sehen..

Ich wünsche Euch allen viel Kraft für die kommende Zeit...

Herzliche Grüße

N.

Beitrag von nuckenack 31.05.10 - 22:33 Uhr

Hallo
das ist sehr schön geschrieben...

klar man weiß nicht wei man reagieren soll, aber das überhaupt reagieren hilft schon sehr.

Mir hilft es mehr wenn jemand etwas "falsches" sagt wie wenn er gar nichts sagt, das verletzt und ich denke mir ich bin denen egal...

hab Mut und sprich mit deiner Freundin, warte nicht (immer) bis sie auf dich zu kommt, sie wird es dir zeigen ob sie reden will oder nicht.

nuckenack

Beitrag von dayza 01.06.10 - 00:06 Uhr

Hallo
Danke für die Kraft und die lieben Wünsche, das kann man immer gut gebrauchen.
Ich will dir jetzt mal aus meiner Sicht schreiben, wie das für mich, als Betroffene ist. Vielleicht hilft es dir ja in Zukunft, damit du einen besseren „Draht“ in dieser schwierigen Zeit für deine Freundin findest.
Zuerst einmal muss ich anmerken, dass mit Sicherheit jede Frau, welche sich in diesem Forum aufhält, froh ist, dass es dieses gibt. Es ist einfach etwas anderes sich mit Betroffenen auszutauschen und ich für meinen Teil bin sehr dankbar für den hier stattfindenden Austausch.

Du schreibst, dass du hier oft gelesen hast, dass viele hier von der Familie oder Freunden enttäuscht sind, weil diese allesamt respektlos oder taktloserscheinen würden. Ich denke diese Frauen meinen das ja nicht böse. Vielleicht ist es ein Ausdruck von Hilflosigkeit gegenüber der eigenen Situation oder die jeweilige Person, von der die Rede ist, hat eine seltsame Art von Reaktion gezeigt, man weiß es nicht. Fakt ist doch, dass diese Frauen hier schreiben, um sich Hilfe und Rat zu holen. Natürlich weiß man, dass es auch für das Umfeld nicht leicht ist, mit so einer Situation umzugehen und was soll man als Außenstehender auch sagen, als dass es beim nächsten Mal sicher gut geht … etc., den man will ja Mut zusprechen. Aber solche Antworten „erwartet“ man schon manchmal fast und in der Regel ist man ja auch nicht böse oder enttäuscht (mir geht’s jedenfalls so). Aber die Mädels, die hier schreiben, sind auch nur Menschen und oft wird vom Umfeld erwartet, dass man alles mal eben so wegsteckt und nach 2, 3 Wochen ist man ja locker drüber weg und dem ist nun mal nicht so. Leider!
Und weil man ja seinem Umfeld nicht andauernd auf den Nerv gehen will, schreibt man hier. Und ich muss feststellen, dass mir das z.B. schon unheimlich viel Kraft gegeben hat und oft auch die Sinne geschärft hat, um die Dinge wieder klarer zu sehen und vielleicht etwas besänftigter zu sein.

Des Weiteren muss ich dir sagen, Tränen gehören nun mal dazu, auch wenn man keinen seiner Liebsten weinen sehen will. Und auch wenn dich das ehrt, du brauchst dir keine Gedanken zu machen, ob du eine gute oder schlechte Freundin bist, was deine Freundin jetzt von dir erwartet oder nicht, denn ich denke, sie weiß das selbst nicht so genau, denn sie hat momentan andere Sorgen.
Wenn du in Sorge bist, ruf an sei da. Sie ist kein anderer Mensch, nur hat sich ihrem Schicksal etwas unheimlich Trauriges hinzugefügt. Sag deiner Freundin, dass du Zeit brauchst, weil du selbst nicht begreifst, was geschehen ist. Sag ihr, dass du sie lieb hast und für sie da bist, weine mit ihr, wenn du magst oder sprich mit ihr über das Wetter, aber um Himmels Willen sei ehrlich. Du weißt ja sicher selbst, dass man merkt, wenn das Gegenüber sich unwohlfühlt und dann noch versucht einem was vorzugaukeln.

Meine beste Freundin hat selbst schon ein Kind und ist gerade schwanger. Sie meinte, dass sie ein schlechtes Gewissen hat, weil sie schwanger ist und ich nicht mehr und was soll ich sagen, für ihre Ehrlichkeit war und bin ich dankbar. Auch ich hatte Angst mit ihr über meine FG zu sprechen, denn ich will ja nicht, dass sie sich unwohl fühlt, ihr Angst machen oder ihr schaden. Letztendlich ist und bleibt es so, dass mein Schicksal nicht ihres ist und ihres nicht das Meine, wir können nur immer füreinander da sein, um unser Schicksal zu teilen. Momentan ist es so, dass wir über die FG. Sie gibt mir keine blöden Ratschläge, sondern sie hört viel zu und versucht mich zu verstehen, weil sie es will. Ich weiß, wenn sie mal keine Lust dazu hat, sagt sie es. Wir reden aber auch über ihr Kind und über die SS. Das alles und ihre Nähe hilft mir wider zu lachen, mich für andere Schwangere und Mütter zu freuen und langsam zu beginnen mein Leben wieder zu leben.

So ist ganz schön lang geworden. Ich hoffe, es hilft dir vielleicht etwas und denk dran, keiner will, dass du etwas erahnst. Sei einfach du selbst und die Freundin, die du schon immer warst.


GLG Dayza mit#stern im #herzlich

Beitrag von tarra 01.06.10 - 08:40 Uhr

Liebe N.

Ich finde es schön, dass du den Mut hattest dies hier so zu schreiben. Und du hast es sehr schön formuliert! Einigen wird es vielleicht auch helfen ihre Freundinnen/Familie zu verstehen.

Trotzdem denke ich aber, dass gerade Freundinnen einfach da sein müssen. Ich habe meinem Umfeld immer mitgeteilt, was ich möchte und was nicht und darum wussten sie auch was sie tun sollten oder eben was auch nicht.

Klar stecken hinter den Aussagen wie "Alles wird gut" keine bösen Absichten! Und trotzdem verletzt es unheimlich! Es wird nicht wieder gut, denn dieses Kind ist tot.

Warte nicht immer ab, bis deine Freundin zu dir kommt. Manchmal denkt man sich auch, dass man nicht schon wieder anrufen kann, weil man vielleicht nervt.

Ich wünsche dir und deiner Freundin für die kommende Zeit viel Kraft und alles alles Gute für die Zukunft!

Alles Liebe
Tarra

Beitrag von lieke 01.06.10 - 09:23 Uhr

Hallo N.,

nein, die Menschen um uns herum können es nicht erahnen.

Aber sie können fragen. Sie können sich informieren, zB lesen über die Thematik. Viele fragen auch in Foren wie diesen, wie sie ihren Freundinnen begegnen können.

Ich denke, JEDER, der aufrichtiges Interesse hat und die richtigen Antennen wird da einen Weg finden. Sonst ist die Freundschaft eben nicht stark genug und auch nicht wert, bewahrt zu werden. Klingt vielleicht hart, aber inzwischen sehe ich es so. Ich war es irgendwann satt, immer Verständnis dafür haben zu müssen, warum andere sich so oder so verhalten haben. Wenn andere diese "du bist ja noch jung, versucht es doch nochmal, jetzt ist aber mal gut mit trauern" Sätze ablassen muß ich, als trauernde, das entschuldigen, weil sie ja so unsicher sind.

Was glaubst du denn, was eine trauernde Mutter ist? Sicher? Glaubst du wirklich, das ist der Zeitpunkt, Verständnis für diejenigen zu fragen, die "nur" daneben stehen? Ich merke, dass es meiner Freundin nicht leicht fiel, aber was kann ich denn daran tun? Nichts!

Vielleicht verstehe ich ja dein posting völlig falsch.

Ich fühle mich jetzt auch nicht angegriffen, sondern finde es einfach nur kurzsichtig und ein wenig befremdlich. Ich denke jede, die eine stille Geburt mitgemacht hat, merkt, dass andere sich "anders" und "unsicher" verhalten und sich auch Gedanken macht. Sie ist halt einfach eindeutig in der besch***eneren Situation. Es ist eine Ausnahmesituation, dafür sollte jeder Verständnis haben.

LG,
Lieke

Beitrag von braut2 01.06.10 - 10:55 Uhr

Hallo,

ich bin leider Betroffene und auch eine Freundin einer Betroffenen. Als ich "nur" Freundin war, hab ich auch erstmal geweint als ich das gehört habe. Und mich dann hinterher fürs Weinen entschuldigt. Aber weisste was, ich glaube, wenn jemand so Anteil zeigt, braucht man auch nicht mehr viel zu sagen.
Ich glaube, wenn jemand sagt: "es wird wieder gut", dann kommt es immer drauf an WER das sagt und WIE man es sagt. Wenn Dir nur jemand auf die Schulter klopft und es sagt und danach gleich wieder über andere Themen schwätzt........dann ist das sehr unklug und scheinbar gefühllos.
Eine FREUNDIN die Anteil nimmt kann selten was falsch machen.

Ich hab meiner Freundin einfach zugehört damals. Und es war schwer für mich, glaub mir, denn wir waren beide gleichzeitig schwanger in fast derselben Woche - und bei mir war alles gut ....... ich wusste doppelt nicht, was ich sagen soll und was ich ihr über meine Schwangerschaft erzählen kann, ohne sie dabei zu verletzen. Ich hab sie ganz einfach und offen angesprochen und gefragt. Und das war gut ;-)

Lg b2

Beitrag von lieke 01.06.10 - 13:42 Uhr

Sprichst mir aus der Seele.
So einfach ist das.

Beitrag von kerstini 03.06.10 - 11:19 Uhr

Hallo,

ich finde es toll das du dir soooviele Gedanken um deine Freundin und Eure Freundschaft machst!

Und klar ist es natürlich nicht einfach die Freundin weinen zu sehen, aber gerade weil du schon sagst "man kann den Schmerz nicht erahnen" finde ich sollten "Freundinnen die eigenen Ängste in solchen Situationen zurück schrauben und versuchen für Ihre Freundinnen da zu sein. Leider habe ich die Erfahrung gemacht dass meine Freundinnen nicht mit der Situation umgehen konnten und mich alle alleine gelassen haben mit meinem Schmerz. Von einer musste ich mir sogar noch anhören "is ja schlimm was dir passiert ist, aber ich bin schließlich noch schwanger und ich hätte erwartet das du dich mehr um mich kümmerst!" #schock

Also an alle da draußen die einer Freundin in einer solch schweren Situation beistehen sollten, auch wenn es Euch schwer fällt, zieht Euch nicht zurück!

Toll das deine Freundin sich so auf Dich verlassen kann!


Kerstin mit Madita & Leo *08.09.09+ und Krümel 12.SSW (26.01.10) und #ei 7.SSW