An die ErzieherInnen, Pädagogen und Interessierte- Verstärkerprogramm

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von atropa-belladonna 05.06.10 - 23:47 Uhr

Hallo liebe Leute!

In der Kindergartengruppe meines Sohnes wurde ein Verstärkerprogramm eingeführt. Ich sehe es sehr kritisch und habe meine Gedanken dazu in Worte gefasst.

Die andren Eltern wissen von diesem Programm noch nichts, ich habe jetzt davon Erfahren, weil ich im Elternrat bin. Eingeführt wurde es aber schon.

Ich würde gerne Eure Meinung dazu lesen. Zum einen, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich mit meiner Meinung richtig liege und zum anderen um evtl mehr Argumente zu sammeln.

Außerdem beschäftigt mich die Frage, was ich dagegen machen kann, wenn das Reden alleine nicht hilft (falls ich mit meiner Meinung richtig liege). Ich bin schon am Überlegen meinen Sohn aus dem Kindergarten zu nehmen.

Verstärkerprogramm:
Da in der Gruppe, sie besteht aus 3- 6-jährigen Kindern, die Regeln nicht eingehalten werden und z.B. ein Vorlesen in dem Morgenkreis nicht mehr möglich ist, Anweisungen nicht gefolgt wird, usw., wurde folgendes Verstärkerprogramm eingeführt.

Vorbereitung des Programms:
Es wurde im Vorfeld mit den Kindern über die Regeln gesprochen, sie wurden gefragt, was sie machen könnten, wenn sie es schaffen die Regeln einzuhalten. Zur Darstellung des Verhaltens werden Smilies mir fröhlichem oder traurigem Gesicht verwendet.

Durchführung des Programms:
Um 11.30 Uhr und um 15.30 Uhr findet ein Gesprächskreis statt. Die Kinder berichten über ihr Verhalten in der vergangenen Zeitspanne also vormittags und dann von 11.30- 15.30 Uhr.
Sie schätzen ihr eigenes Verhalten ein (es soll nicht die Person an sich gewertet werden, sondern nur das Verhalten) und bekommen dann einen Smily mit fröhlichem oder traurigem Gesicht. In Zukunft soll es mit dem Bild des Kindes, also welches auch auf seinem Kleiderhaken und der Schublade ist öffentlich hingehängt werden.

Diskussion:
Positiv: Die Kinder lernen ihr Verhalten zu reflektieren. Es wird evtl. über die Regeln und Verhaltensweisen in der Gruppe diskutiert.

Negativ: Es besteht keine eindeutige Regelung wann ein Kind einen fröhlichen oder traurigen Smily bekommt.
Es wird nicht nur positives Verhalten „belohnt“, ein trauriger Smily wirkt wie eine "Strafe".
Es entsteht ein großer Leistungsdruck.

Meine Bedenken:
Ich bin der Meinung, dass selbstverständliches Verhalten nicht belohnt werden sollte, die Erwartungshaltung der Kinder steigt. Ohne so ein System geht dann vielleicht nichts mehr.
Können Kinder in dem Alter überhaupt unterscheiden, ob ihr Verhalten oder ihre Person bewertet wird?
Sensible Kinder könnten das Selbstwertgefühl verlieren.
Kinder die dem Druck nicht gewachsen sind könnten sich selbst aufgeben und sich dadurch auffallend verhalten.
Da keine Eindeutigkeit bei der Vergabe der Smilies besteht, könnte sie willkürlich geschehen bzw. das Kind diesen Eindruck bekommen. So bietet dieses System dem Kind meiner Meinung keine Sicherheit.

Meine Lösung zum oben genannten Problem: Logische Konsequenzen und unendliche Geduld.

Danke für Eure Mühe im voraus

Viele Grüße Atropa

Beitrag von herzensschoene 06.06.10 - 00:30 Uhr

hallo atropa,

dieses verstärkerprogramm wird in der kinder- und jugendpsychiatrie zur therapie von verhaltensstörungen eingesetzt und zeigt große erfolge.

man muss dieses programm aber sehr differenziert einsetzen.

für jedes kind muss eine!!! zu ihm passende verhaltensweise ausgesucht werden. ich bin artig, ist viel zu diffus. zum beispiel, wenn ein kind beim vorlesen immer dazwischenredet, bekommt es das ziel: "ich will beim vorlesen still sein" wichtig ist, das die formulierung immer dahin geht, dass das kind etwas macht. falsch wäre also: Ich will beim vorlesen nicht stören" weil das kind soll ja für eine positive sache, die es gemacht hat belohnt werden.

bei so kleinen kindern sollte nur mit positiver bestärkung gearbeitet werden, also nur mit lachendem smilies. hat es keinen verdient, bekommt es garnichts.

die öffentliche zuschaustellung der ergebnisse halte ich für falsch. besser wäre es, dass jedes kind ein kleines oktavheft erhält, dass es den eltern zeigen kann.

viele grüße maren

Beitrag von atropa-belladonna 06.06.10 - 00:58 Uhr

Hallo Maren,

danke für deine Antwort.

Ist es in der Pädagogik konsens, dass die bewertete Verhaltensweise individuell herausgearbeitet werden sollte und dass es im Kindergartenalter nur positive Rückmeldungen geben sollte? (Wenn ich Dich so richtig verstanden habe.)

Hast Du Buchempfehlungen zu diesem Thema?

Ich denke bei Kindern und Jugendlichen in der Therapie haben sich manche Verhaltensweisen manifestiert und es werden durch das Verstärkerprogramm neue Verknüpfungen geschaffen und macht dann durchaus Sinn.

Die öffentliche Darstellung ist etwas anonymisiert, weil dort dann nicht der Name steht sondern das Bild, welches dem Kind zugeordnet ist, wie zB. ein Bagger, ein Luftballon,..

Viele liebe Grüße Atropa

Beitrag von lisasimpson 06.06.10 - 01:14 Uhr

ach ja- ich habe gerade gelesen, daß du nach einem konsens zum thema verstärker suchst.

also die art des lernen nennt sich "operantes konditionieren". dies passiert über verstärkung.
es gibt vier arten der verstärkung:
1. eine positive verstärkung (hier der smiliy)- also du gibts etwas angenehmes hinzu, wen ndas gewünschte verhatle nauftritt (ob dies nun schokolade, ein smiliym, ein lob oder was auch imer ist)
2. eine negative bestrafung (du nimmst also etwas unangenehmes weg- z.b. hausaufgabenbefriung und belohnst somit ein gewünschtes verhalten)
3. positive bestrafung (du gibst also etwas unangenehmes hinzu: hier bei urbia sehr bellibt: ein "klaps" auf das "fingerchen")
4. eine negative bestrafung (du nimmst etas angehemes weg (fernsehverbot)


das problem bei der ganzen sache ist jedoch, daß die Bestrafung so nicht funktioniert.
zum einen müßte die Bestrafung IMMER und absolut konsequent kommen (zumindest am anfang), damit eine wirkliche Verknüpfung hergestellt werden kann. Zum anderen müßte die Bestrafung so ausfallen, daß sie die Belohnung, die das verhalten an sich hat (oder erzeugt: z.b. der Klassenclown, der dadurch Bewunderung von den Mitschülern bekommt kann noch so oft "bestraft" werden. wenn er dadurch noch cooler wird in der Gemeinschaft ist die Bestrafung keine solche)
da du also von außen eine solche Bestrafung nicht steuern kannst (da wir menschen eben in der lage sind uns eigene Realitäten zu schaffen), kann dies sogar kontraproduktiv sein.
beispiel Spielsucht: eigentlich verliert man doch (fast) immer beim glückspiel. aber die wenigen male, die man doch gewinnt, machen so viel mehr aus als die vielen male bei denen man verliert. die Spielsucht wird also nicht gestoppt, nur weil man oft verliert und ich kenne keinen Spielsüchtigen, der nicht ne menge kohle verzockt hat- nein ganz im gegenteil- diese "strafe" sport eher an, es nochmal zu versuchen wenn auch nur der hauch einer Chance besteht, daß es diesmal klappen könnte ohne "Bestrafung" durchzukommen

lisasimpson

Beitrag von atropa-belladonna 06.06.10 - 01:31 Uhr

Hallo liebe lisasimpson,

danke für Deine vielen Infos und Denkanstöße.

Da schlafe ich jetzt glaub ich mal eine Nacht drüber.

Gute Nacht Atropa

Beitrag von lisasimpson 06.06.10 - 00:58 Uhr

hallo!

maren hat ja schon mal eine Grundsätze des verstärkerprinzips genannt.
es ist ein verhaltenstherapeutisches Mittel zur Verhaltensänderung. Die frage, ist, ob der kindergarten und ihr als eltern hinter diesen lerntheoritischen konzept steht und ob dies alle mittragen.

ich habe in der Jugendhilfe teilweise mit diesen konzept gearbeitet und kann sagen, daß es FUNKTIONIERT. ich rate hier eltern eigentlich grundsätzlich davon ab, dies zu hause zu machen. das hat die zwei gründe
1. weil ich nicht denke, daß ein therapeutisches mittel bei Kindern ohne Störungen angebracht wäre
2. weil man zu hause (hoffentlich) nicht so klar, strukturiert und konsequent sein kann in der Besprechung und Belohnung, so daß es von anfang an zum scheitern verurteilt ist und teilweise das gegenteil verstärkt.

VERSTÄRKT werden soll ein POSTITIVES verhalten.
also EINE ganz klare verhaltensweise, die das kind schon KANN, soll es häufiger zeigen.
sachen wie "regeln befolgen" sind viel zu diffus als daß sie verstärkt werden könnten mit einem solchen programm.
da sehe ich das erste problem bei euch
das zweite ist: es sol letwas versärkt werden- daher kann ich schlecht mit bestrafung arbeiten. traurige smilies sind bestrafung.
da sehe ich das zweite problem

was ich grundsätzlich gut finde und was für ein gelingen sprechen könnte ist
- es gibt klare zeiteinheiten, die alternsgerecht sind. die gruppe und die struktur zwingt zu konsequenz in diesem bereich
- es wird über verhalten gesprochen und jeder hat die chance sein eigenes zu reflektieren. das finde ich ne gute Gelegenheit für Kinder sich selsbt aus einer meta- perspektive zu sehen, es lernt verhalten zu beobachten und zu beschreiben und es kann eine diskurs über angemessenes und unangemessenes verhalten bzw. über die regeln einer gruppe befördern, was ich wichtig und richtig finde.
- so wie ich es verstanden habe, kann jede kind sich selbst beurteilen und sich daher selbst den smily geben. wenn also das kind sich vorgenommen hat in dieser woche mal ein anderes kind beim frühstück zu unterstüzen 8oder was auch immer), dann kann es in der runde reflektieren was alles war, wie es sich verhalen hat und ob sie ihr ziel erreicht hat. je nachdem gibt es sich einen smily oder auch nicht.
finde ich dann auch nicht schlimm, wenn die smilies offen hängen- die Kinder sind oft sehr stolz (ist halt ne art "mitarbeiter des monats) und spornt andere an.
als "bewertung" (positiv und negativ) von den Erziehern fände ich es unangebracht.

ich würde allerdings auch dringend zu einem elternabend raten, der den eltern das Grundprinzip der Verstärkung erklärt und wo evtl. bedenken geklärt werden können.
nichts wäre fataler für ein solches programm, wenn Kinder darduch in einen loyalitätskonflikt kämen zwischen eltern und Kindergarten.

ich wünsche euch rege diskussionen und viel Bewegung in eurem kindergarten

lisasimpson

Beitrag von atropa-belladonna 06.06.10 - 01:19 Uhr

Hallo lisasipson,

Danke für Deine Antwort.

Ich fasse jetzt mal zusammen, wie ich Dich verstanden habe:
Ein Verstärkerprogramm wäre im Kindergarten zu befürworten, wenn es ganz klar um ein bestimmtes, individuelles Verhalten des Kindes geht und nur das positive Verhalten "belohnt" wird. Außerdem sollten die Eltern mit ins Boot geholt werden. Habe ich das so richtig verstanden?

Die Umsetzung des Programms habe ich so verstanden, dass die Kinder sich einschätzen und sagen welchen Smily sie für ihr Verhalten verdient haben, aber dann die Erzieherin entscheidet welchen das Kind bekommt, da hake ich aber im Kindergarten nochmal nach.

Das Gespräch mit der Selbsteinschätzung befürworte ich auf jeden Fall und finde es toll, das machen wir Abends auch immer, allerdings dann nicht nur auf das Verhalten bezogen aber auch.

Loyalitätskonflikt ist ein gutes Stichwort, da muss ich bei mir aufpassen.

Elternarbeit bzw -Interesse ist bei uns leider Mangelware. Aber ich werde es mit dem Elternabend ansprechen, ist eine gute Idee.

Viele liebe Grüße Atropa

Beitrag von lisasimpson 06.06.10 - 10:44 Uhr

hallo atropa,

ob ic hes befürworten würde kann ich dir so nicht sagen.
offenabr gibts nen leidensdruck bei den erziehern.
wenn sie denke, es wäre eine gute möglichkeit, dasß man ins gespräch kommt über erwünschtes verhalten, darüber, wie eine gruppe funktionieren kann und welche regeln es bedarf, kann man das sicehr als instrument nutzen.

bei jeder therapeutischen methode ist es so, daß natürlich vorab eine gründliche frage nach dem ziel erfolgen sollte. (oder alternativ nach dem problem). daher kommt es darauf an, wie das porblem (bzw. ziel) eingeschätzt wird.
wenn es das ziel der Erzieher (und der Kinder!) ist, daß jeder an sich arbeiten solle um einen teil dazu beizutragen, damit es in der gruppe besser läuft, dann sollte jede bezugserzieherin sich mit ihrem kindern einzeln hinsetzen und klären, was dieses einzelne kind dazu beisteurn kann, damit es gut läuft. dann wird genau dieses kind für genau dieses verhalten verstärkt.
wenn es ganz allgemein um ein besseres klima in der gruppe geht, sollten die erzieher vielleicht ein oder zwei ZIELverhaltensweisen rauspicken, die dann für jedes kind abgefragt werden. (also z.B. "wir lassen den Gesprächspartner aussprechen" und "wenn ich mich ärgere, dann sage ich demjeinigen, über den ich mich ärgere in ruhigem ton, was ich mir wünsche" oder so in der art- ich hoffe du verstehst- der letzte satz ist sicher nicht kindergartengerecht:)

dann wird in der runde jeweils abgeklappert, ob es denn geklappt hat und was half, damit es es gelang. dann die frage, wenns nicht geklappt hat- was denn das nächste mal helfen würde, damit es besser gelingt (aber ein "versagen" darf nicht bestraft werden. zum einen aus den von dir genannten, zum anderen aus den von mir genannten gründen und natürlich auch, weil ich nur in einer wertschätzenden Atmosphäre bereit bin einzugestehen, daß ich vielleicht mehr hilfe brauche um mein ziel zu erreichen - wenn ich für mein "versagen" auch noch bestraft werden, bin ich weit weniger bereit darüber nachzudenken und hilfe einzufordern.)


wie gesagt- unter bestimmten voraussetzeungen ist ein solches porgramm eine große Hilfe eine positive Veränderung im gesprächsverhalten zwischen kindern und Erziehern zu schaffen. aber nur wenn der schwerpunkt auf das gelingen gelegt wird, nicht auf das scheitern.

eine Idee der systemischen therapie (lösungsorientierte Kurzzeittherapie) ist zum beispiel, daß Lösungen nichts mit dem Porblem zu tun haben. daß das reden über ein problem eher geneit ist, das problem zu verstärken, aber nichts zur lösung beiträgt. lösung und problem sind in diesem sinne völlig unabhängig voneinander und ich sollte mich auf die lösungesfähigkeien beschränken, wen nich diese stärken möchte.
die neurowissenschaften scheinen dies mit ihren bildgebenbende verfahren zu besätigen, daß die gehirnareale die bei der lösung aktiv sind nichts mit denen zu tun haben, die bei der betrachtung des problems aktiv sind (was keinerlei "beweis" leifern soll und niemand ist kritischer als ich was bildgebende verfahren angeht- aber es ist so schön demonstrativ:)

lisasimpson


Beitrag von atropa-belladonna 06.06.10 - 21:13 Uhr

Hallo lisasimpson,

hey super- Danke für Deine ausführliche Antwort. Ich hatte eher so ein Bauchgefühl, nun kann ich es besser Erfassen und so kann ich einen alternativen Vorschlag machen und nicht nur einfach sagen, dass ich "dagegen" bin.

Hast Du eine Buchemfehlung zu diesem Thema?

Mich beschäftigt auch die Frage, warum die Kiga-Leiterin und die Erzieherinnen nicht wissen, wie so ein Verstärkerprogramm eingesetzt wird.

Ich habe großen Respekt vor der Arbeit im Kindergarten und weiß um die Problematik allen Beteiligten wie Kindern, Eltern und ErziherInnen gerecht zu werden, wobei meiner Meinung nach die Kinder im Vordergrund stehen. Das Kindeswohl ist natürlich wiederum abhängig von stabilen, klaren Erwachsenen in ihrer Entfaltungswelt.

Was würdest Du machen, wenn es die Kindergartengruppe Deiner Kinder betreffen würde, ich hoffe die Frage ist nicht zu persönlich.
Du kannst mich auch gerne über die VK anschreiben.

Viele liebe Grüße Atropa

Beitrag von herzensschoene 07.06.10 - 00:10 Uhr

hallo atropa,

mir fällt noch ein, wurde denn auch an eine belohnung gedacht?. die smilies sind meines erachtens keine belohnung sondern eine bewertung.

es müsste vorher klar ausgemacht werden, wieviel smilies in einer woche geschafft werden müssen und was es eine belohnung dafür gibt. denn nur so ist das verstärkerprogramm rund.

die belohnung muss jetzt nichts großens sein. nur fehlen darf sie nicht.

viele grüße maren

Beitrag von atropa-belladonna 07.06.10 - 21:33 Uhr

Hallo Maren,

eine Belohnung soll es geben. Wahrscheinlich ein gemeinsames Eisessen, wenn jedes Kind 5 fröhliche Smilies bekommen hat.
So liegt auf jedem Kind eine große Verantwortung für die Belohnung der ganzen Gruppe.

Viele Grüße Atropa

Beitrag von lisasimpson 07.06.10 - 11:05 Uhr

hallo atropa,

nee, ne wirklich buchempfehlung hab ich nicht.
Da operante konditionieren (oder instrumentelles kondituionieren) kannste in jedem Psychologie- lehrbuch in verkürzter form nachlesen.
eine ganz nette darstellung der verhaltensbeobachtung und verhaltensmodifikation gibt mees/ selg
http://www.amazon.de/Verhaltensbeobachtung-Verhaltensmodifikation-p%C3%A4dagogischen-Anwendungsm%C3%B6glichkeiten-Bereich/dp/312924560X/ref=sr_1_6?ie=UTF8&s=books&qid=1275900256&sr=8-6
ist aber glaub ich für euch nicht so spannend...

ist aber auch gar nicht das thema- denn es handelt sich bei der Verhatelnsmodifikation via verstärker (tokenprogramm) um eine therapeutische methode. Erzieher haben weder eine therapeutische ausbildugn noch einen solchen auftrag.
daher habe sie das thema vielleicht mal angerissen- aber in ihrere ausbildung gibt es keine kritische reflexion therapeutischer interventionen.
daher wundert mich die unkenntnis nicht.
leider !! gibt es im moment einen inflationären einsatz von solchen verstäkeplänen, was mir hier durch urbia bewußt wird.
ich denke sendungen wie die Super nanny befördern dies stark.
wenn du in deinem kiga mal ne umfrage machst, wie viele eltern als kind selsbt einen solchen plan hatten und wie viele heute für ihe kinder einen solchen führen, wirste sehen, daß die eine umfrage sicher gegen 0% geht - bei ihren eigenen kinder nsind elern heute aber bereit solche methoden zur verhaltensmodifikation einzusetzten.
ich persönlich denke, daß in einer normalen familie ein tokenprogramm nichts zu suchen hat.

maren hat noch einen guten punkt eingeworfen.
bleibt es allein bei den smiliys (dann sogar noch bei traurigen und frühlichen) ist as keine verstärkung sondern eine bewertung des verhalten (das was man in der schule "kopfnoten" nennt.

du fagst mich ,was ich persönlich tun würde.
dazu kann ich dir vieleicht erzählen, daß meien kidenr gerade beide noch in eine kirppe gehen, die als elterninitiative läuft. dort sind sicher 50% der eltern pädagogen, lehrer oder psychologen :)
Dort würde es ganz sicehr keinen solchen plan geben- ich würd mich glaub ich wegschmeißen, wenn jemand mit diesem vorschlag köme.

mei ngroßer wird im herbst in einem kiga wechseln. wir hatten die wahl zwischen der kiga gruppe der elterninitiative und einem stink normales regelkindergarten in unserem stadtteil.
die entscheidung fiel für den regelkindergarten (die gründe dafü kann ich hier nicht kurz zusammenfassen- es fiel uns aber icht ganz leicht , diese entscheidung zu treffen).
das erste was ich sah im neuen kiga war ein "tokenprogramm"- zettel, der in einem besprechungszimmer hängt- ich mußte doch kurz schlucken:)
Es war ein zettel, der zu dem "faustlos"- prgramm des kigas gehört und ich bi ndiesem programm gegenüber grundsätzlich nicht abgeneigt (wäre vielleicht auch was für euren kiga?!).

ich habe mir eingie gedanken drüber gemacht und bin zu dem schluß gekommen, daß es wenn übrhaupt ein problem für MICH werden könnte- ein Problem für meinen sohn sehe ich überhaupt nicht.
er ist ein selsbtbewußter, aufgeschlossener kleiner kerl, der sich sehr sozial verhält, der große solziale kompetenzen hat und geren gelobt wird.
wenn er eben dann ab hersbt nicht mehr nach hause komtm und sagt "mama ich habe heute dem und dem geholfen und **** hat mich dafür gelobt" sondern sagt " mama ich habe heute dem und dem geholfe nund dafür von *** einen stern bekommen", dann wird ihm das völlig wurscht sein.
mir bietet sich die chance zu lerenen, vielleicht nicht imemr als so eng zu sehen und auch mal über sowas lachen zu können und schaden wird mein sohn nicht nehmen, wen ner doch mal heimkommt und sagt "ich hab heute keinen stern bekommen,w weil ich hannes geschubst habe".
von daher- was solls.

ich möchte, daß die erzieher meiner kinder liebevoll und engagneirt mit den kindern umgehen, dß sie spaß am beruf haben und den kindern die größtmögliche freiheit lassen- daß es eine anregende umgebung für meien kidner ist und ort wo sie die chance habe mal weg von MEINEN wertvorstellungen zu sein. sie sollen auch andere kennenlernen und somit zu kritischen menschen werden, die unsere werte und vorstellungen in der familie hinterfragen können- weil sie auch andere erfahrungen machen durften..

ich hoffe ich schaffe das auch, wenn der kindergarten tatsächlich bei seinem wunsch bleibt, am geburstag des kindes keine süßigkeiten sondern "Obst un gemüse" mitzugeben- denn da kräuselt es sich mir viel mehr:))

lisasimpson

Beitrag von atropa-belladonna 07.06.10 - 22:22 Uhr

Hallo lisasimpson,
danke für den Buchtip, ich schau mal nach, ob es bei uns in der Bibo steht. Ansonsten werde ich mich mal im Pädagogik-/ Psychologie-Bereich umsehen.

"faustlos" habe ich ergoogelt und die Homepage gefunden und....was lacht mich an .....hilfe .... :-).
Ich könnte es ja demnächst vorschlagen aber im Moment habe ich eher das Gefühl, dass wenn ich noch mehr Vorschläge unterbreite, das Gefühl aufkommt, dass ich alles umkrempeln will.

Bei meinem Sohn habe ich auch eher weniger Bedenken auf jeden Fall auf lange Sicht gesehen. Kurzfristig könnte es ihn beeinflüssen, da er sehr stark auf Leistungsdruck reagiert und sich dann schnell verweigert. Er ist dann sehr stur. Ich könnte mir auch vorstellen, dass er irgendwann anfängt traurige Smilies zu sammeln.
Es geht mir um die Kinder in der ganzen Gruppe und darum,dass ich persönlich ein Problem damit habe (An der bisherigen Umsetzung).

Nun verstehe ich aber besser, wie es dazu kommen konnte. Ich dachte solche Pläne würden in der Ausbildung zur Erzieherin ausführlicher behandelt.

Ich hatte heute noch einmal ein Gespräch mit der Leiterin und der Erzieherin. Eine Kinder- und Jugendpsychologin vom Kinderschutzbund wird sich die Umsetzumg des Programms anschauen. Sie kommt nämlich zur Elternberatung einmal wöchentlich in unseren KiGa. Mal schauen....

Danke für Deine ausführlichen Antworten
Viele liebe Grüße Atropa

Beitrag von lisasimpson 07.06.10 - 22:40 Uhr

gerne geschehen!

na, dann habt ihr ja fachkundige unterstützung:)
ich hoffe, daß ihr ne gute Lösung hinbekommt, denn was mal ganz klar ist- gegen den widerstand der Elternschaft wäre es fatal selbst ein gutes "programm" zu starten.
wenn sie euch Eltern gewinnen können, dann haben sie auch die kidner gewonnen und dann kann das sicher zu guten Gesprächen über Rücksichtnahme, persönliche Freiheiten und wie diese die Freiheiten von anderen beeinflussen, ... führen- denn dann sind am ende die smiliys egal.
wenn ihr es schafft, da an einem strang zu ziehen, kann ds klappen, daß alle sich mühe geben und am ende für alle ne belohung steht- das gemeinsame eisessen.

dann würde ich das vielleicht anders aufmachen- als gemeinsame Bergbesteigung oder sowas. ein plakat auf dem eine gewisse anzahl von schritten gegangen wird und bei jeder besprechung darf jeder sich einen "fußstapfen" geben- jedes mal also wenn jemand es geschafft hat ,die vorgegebene regelneinzuhalten, dann kommt die ganze gruppe einen schritt näher- mit dem jeweiligen reflexionen, den fragen, was ihm dabei hilft die regeln einzuhalten und wer oder was den andern dabei unterstützen könnte, damit der es auch das näcshte mal schafft.

dann würde ich einfach weg von einem individuellen quais-therpaeutischen mittel gehen hin zu einem gemeinschaftsprojekt, das den zusammenhalt stärkt- das zeigt, daß auch jemand mitgetragen werden kann, der noch ein bißchen hilfe bracht und daß nur wenn alles gut zusammen arbeiten auch das ziel erreicht werden kann..

fänd ich persönlich jetzt schöner:)

Alles Liebe euch- ich finds übrigens klasse, daß du dich da so engagierst und es nicht einfach als gegeben hinnimmst, was da in kiga passiert!
lisasimpson

Beitrag von atropa-belladonna 07.06.10 - 23:32 Uhr

Hallo lisasimpson,

hey, die Bergbesteigung ist eine gute Idee, ein schönes Bild.

Dank' Dir für Deine aufbauenden Worte.

Euch auch alles Gute und einen tollen Kiga-start für Deinen Großen (mit oder ohne Smilies, Fleißbienchen,..)

Gruß Atropa

Beitrag von lisasimpson 08.06.10 - 08:45 Uhr

vielen dank!
Wir sicher auch spannend bei uns:)

das "faustlos" programm habe ich eigntlich im hinblick daruaf genannt, weil es ein recht gut durchdachtes programm ist, da ebenfalls die föderunge von Sozialverhalten als ziel hat, aber so strukturiert ist, daß es nicht so sher um die Kompetenz der einzelne Erzieher geht (die aber in der Fortbildung eben auch geschult würden), wie es bei einem so "freien" programm ginge, das du beschreibst.

allerdigns hast du ja geschrieben, daß eine fachfrau kommen wird um euch zu unterstützen!

lisasimpson

Beitrag von lisasimpson 08.06.10 - 09:02 Uhr

so und zum schluß - will dich ja nicht nerven:)
hab ich noch was gefunden, daß das "s-o-r-c" modell nochmal beschreibt.
denn was hier etwas zu kurz kam (ich habs nur am anfang mal angerissen) ist, daß es ja eine verhaltensanalyse im vorfeld braucht, um alle faktoren zu erfassen.
das geschieht nach diesem modell..
hier kannste dirs mal anschauen
http://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:jqlVrvT1GJwJ:www.psychologie.tu-dresden.de/i2/klinische/studium/ss05/ip-be-1-Verhaltensanalyse.pdf+verst%C3%A4rkerplan+therapeutisch&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEESh9YVgh2OkYcrcHGklCQcBHKaKi6KBKhO1dTmI-zkUVKDwce0g05U4nTYOK5Y7L-2zN6fOlXmpogKDmTLwXxk894cf80E_oezulnyVJgu94C7-uToWhB7TCNrvwGUkRjbE7VLLu&sig=AHIEtbSvo_ftoMMCOUmgPdZagcY33qE7TQ

lisasimpson

Beitrag von atropa-belladonna 10.06.10 - 00:01 Uhr

Liebe lisasimpson,

nein, Du nervst mich ganz bestimmt nicht :-) <===== Achtung, der ist keinem Plan entlaufen, die verfolgen mich nur.......

Danke für die Links, es interessiert mich sehr.

Ich freue mich, dass es so engagierte Menschen wie Dich gibt.

Das faustlos- Programm kann ich ja im Vorfeld des Elternabend vorschlagen. Da es aber nicht kostenlos ist, habe ich etwas Bedenken, dass es dann nicht doch wieder auf eigene Faust organisiert wird.

Ich bin mal gespannt, was die Fachfrau vom Kinderschutzbund vorschlägt.

Viele liebe Grüße Atropa

Beitrag von spengel84 07.06.10 - 09:04 Uhr

Hallo!

Um ehrlich zu sein klingt es, als hätte sich diesen Plan eine Praktikantin ausgedacht....!

Ich hab in der Kinder und Jugendhilfe und auch mit behinderten Kindern gearbeitet und hab mit solchen Plänen eigentlich immer gute Erfolge erzielen und auch beobachten können.
ABER: Solch einen Plan für eine ganze Gruppe zu starten ist völlig hirnrissig!! Es sind erfahrungsgemäß immer nur einzelne Kinder die aus der Reihe tanzen. Es sollen aber ALLE Kinder ihre Spielzeit damit vertrödeln in einem Kreis über ihr Verhalten und das der anderen zu philosophieren?! NEIN!!

Ein Belohner funktioniert anders!
Man macht es nur mit einzelnen Kindern und sucht sich zusammen mit dem Kind Verhaltensweisen raus, die unerwünscht sind und an denen man arbeiten möchte!
In der großen Gruppe kann es gar nicht funktionieren. Und ich denke das es falsch ist einzelne Kinder so vorzuführen!
Es werden doch immer wieder die gleichen Kinder sein die im großen Kreis an "den Pranger" gestellt werden. Sie werden unter Umständen nur noch hören das sie sich NIE benehmen können "xy haut immer andere Kinder." "jd hilft nie beim aufräumen."

Du kannst mal den Begriff "Stigmatisierung" und auch "Etikettierung" googlen.
Genau das ist es nämlich und ich finde es sehr bedenklich schon im Kindergarten und vor allem !ganz bewusst! damit anzufangen!!

Ich denke, die Stimmung in der Kindergartengruppe deines Sohnes, zeigt einzig und allein die Unfähigkeit der Erzieherinnen. Ihr schwachsinniger "Plan" diese in den Griff zu bekommen ist nur ein weiterer Beweis dafür!

LG Nadine

Beitrag von atropa-belladonna 07.06.10 - 22:31 Uhr

Hallo Nadine,
puh harte Worte.

Ich habe bisher die Arbeit der Erzieherinnen als sehr gut und erfahren erlebt. Grade deshalb war ich erstaunt über dieses Programm und die Umsetzung.

Ich hatte heute nochmal ein Gespräch. Eine Jugend- und Kinderpsychologin vom Kinderschutzbund kommt wöchentlich zur Beratung der Eltern in die Kita. Sie wird sich das Programm anschauen.

Danke für Deine Antwort

Viele Grüße Atropa

Beitrag von kimchayenne 07.06.10 - 13:28 Uhr

Hallo,
ich bin nicht vom Fach sondern habe nur 4 eigene Kinder,möchte Dir aber trotzdem mal sagen was ich nach Deiner Beschreibung davon halte.
In meinen Augen machen es sich die Erzieher des Kindergartens sehr einfach,ein vorlesen in der Gruppe ist nicht möglich,d.h. für mich das die Erzieher die Kinder nicht im Griff haben, bei uns wurde auch was in Kleingruppen gemacht und wer halt keine Lust auf vorlesen hatte konnte sich in einem anderen Raum beschäftigen.Es gibt ja auvch KInder die nicht soviel körperliche Bewegung brauchen und zufrieden sind wenn sie drinnen spielen können,andere Kinder brauchen aber einfach die Power udn müssen raus können,da sollte vielleicth das Grundkonzept des Kindergartens mal überdacht werden,oder auf die richtige Anwendung geachtet werden.Unsere KInder waren in verschiedenen Kindergärten,in dem einen war es auch zu viel verlangt das die Kinder raus dürfen,es ist zu warm,es regnet,es könnte regnen usw.Eigentlich sollte doch individuell auf die Kinder eingegangen werden,so das jeder sich in seinem Sinne auspowern kann.Darum sollen jetzt alle Kinder im Kreis sitzen und das Verhalten der anderen beurteilen,die kInder werden sich da sehr schnell den Buhmann ausgeguckt haben,anonym ist dieser Aushang auch nicht,die KInder wissen sehr genau welches Zeichen zu welchem KInd gehört.Mein Sohn ist jetzt 16 und er weiß noch ganz genau alle Zeichen die er in seinen Kindergartenjahren hatte und auch noch einen Teil seiner Freunde.
LG KImchayenne

Beitrag von atropa-belladonna 07.06.10 - 22:37 Uhr

Hallo KImchayenne,

danke für Deine Antwort.

Raus können und kommen die Kinder eigentlich viel. Es gibt dort ein riesiges Außengelände.
Allerdings wird von den Kinder wohl verlangt auch mal still zu sitzen und zu zuhören, das finde ich aber auch ok, da der Ausgleich da ist.

Nach dem Gespräch heute, hoffe ich, das das Konzept überarbeitet wird.

Viele liebe Grüße
Atropa

Beitrag von marion2 07.06.10 - 20:10 Uhr

Hallo,

ich würde das nicht gut finden.

Eine gute Erzieherin sollte eine Kitagruppe ohne diesen Kram unter Kontrolle bekommen.

Beim Vorlesen Reden ist bis zu einem gewissen Grad normal. Da muss man nicht viel machen.

LG Marion

Beitrag von atropa-belladonna 07.06.10 - 22:46 Uhr

Hallo Marion,

danke für Deine Antwort.
Ich schätze Dir Arbeit der Erzieherinnen sehr, ich bin über das Programm sehr verwundert.

Liebe Grüße Atropa

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