Zu schlapp zu allem...

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von hanni123 09.06.10 - 08:03 Uhr

Huhu,

die letzten Wochen waren ja recht harmonisch, aber seit ein paar Tagen ist mal wieder der Wurm drin.
Mein Sohn (3,5) ist gerade mal wieder so gar nicht kooperativ, dafür aber sehr provokant. Wenn ich ihn etwas frage oder mich mit ihm unterhalten will, ignoriert er das meistens komplett.
Wenn ich ihn um etwas bitte oder er etwas machen soll, findet er dafür die schönsten Ausreden.

Gestern bat ich ihn, mir beim Tisch decken zu helfen. Meistens macht er das gerne, gestern war er "zu schlapp". Ich beharrte darauf, er sagte, die Teller wären ihm zu schwer. Ich gab ihm einen Teller in die Hand, er ging los und schmiss sich dann theatralisch ächzend und stöhnend auf den Boden, kroch noch ein paar Zentimeter und sagte dann, weiter schaffe er es nicht…. hmpf… Er hätte fast den Teller zerdeppert bei der Aktion.

Als es ans Schlafengehen ging, das gleiche Spiel. Er wäre so schlapp. Er könne keinesfalls die Treppe hochgehen. Ich ging dann vor, er stimmte ein lautes Geschrei an, ich solle ihn nicht alleine lassen, dann war er auf der Treppe und sank nach 3 Stufen auf alle Viere nieder, wie ein Verdurstender in der Wüste… Seine Beine wären zu schwach...

Beim Zähneputzen liess er seufzend den Kopf aufs Waschbecken sinken und verkündete mit ersterbender Stimme, seine Hände waren zu schwach zum Zähneputzen.

Wir haben dann die Gute-Nacht-Geschichte gestrichen, mangels der Zeit, die er vetrödelt hat. Das hat ihn nur kurz beeindruckt. Habt ihr irgendwelche Ideen, Tipps für Reaktionen/Konsequenzen darauf? Es nervt echt!

Das zweite ist, dass er zur Zeit auf Fragen (z.B. "Was hast Du heute im Kindergarten gemacht?") gar nicht antwortet. Dass er sagt "Weiss ich nicht" bin ich ja gewohnt, aber im Moment reagiert er gar nicht auf solche und andere Fragen, er guckt einen nicht mal an. Auch auf konkrete Fragen wie "Habt ihr gebastelt?" kommt weder ja noch nein. Wenn er doch mal eine Antwort gibt, dann erfindet er irgendetwas. Er erzählt z. B. dass sie im KiGa nicht im Wald waren, obwohl ich genau weiss, dass sie das gemacht haben. Auch auf Nachfrage beharrt er darauf, nein, sie waren nicht im Wald. Er bringt das immer sehr überzeugend, so dass ich bei keiner Erzählung sicher bin, ob es gerade stimmt, oder er es sich nur ausgedacht hat.
OK, ich habe den Wink verstanden, er möchte sich da gerade nicht unterhalten... Aber er verhält sich leider zu beliebigen Zeitpunkten so, im Auto nach dem KiGa, zuhause auf dem Sofa, beim Abendessen, beim Kuscheln im Bett. Er möchte nichts erzählen. Kennt ihr das auch? Wie geht ihr damit um?

LG

Hanna

Beitrag von lisasimpson 09.06.10 - 09:15 Uhr

hallo hanna,

ja, es ist normal, daß es phasen gibt (bei manchen kinder daueren diese sehr lange), in denen kidner nicht über ihr "privatleben" erzählen möchten.
also alles was im kiga läuft hat mama nichts anzugehen.
dsa kann sich durchaus bis in die grundschulzeit ziehen und ist völlig normal.
ich würde einfach immer mal fragen, wies ihm gefallen hat und dann zeiten bieten (am tisch z.B.) wo es einen freien, ungezwungenen stressfreien raum gibt, der ihn zum erzählen einläd, aber nicht zwingt.


wenn du möchtest, daß dein sohn kooperation (wieder) erlernt, dann lebe es ihm vor: wenn jemand zu dir sagt, er brauche unterstützung (weil er zu schlapp ist), dann ist die logische konsequenz (wenn dein ziel: kooperatives verhalten ist), daß du ihm hilfst.
du trägst ihn also heute (ausnahmsweise- weil er ja schlapp ist und deine hilfe braucht) die treppe hoch. du nimmst ihm den teller (der heute zu schwer ist, weil er ja schlapp ist) ab usw..
DAS zeigt Kindern, was kooperation ist, was kooperatives verhalten ist: es bedeutet, daß man den anderen unterstützt, wenn dieser darum bittete- auch wenn es für dich vielleicht nicht stimmig ist (sein schlapp sein)..
denn das verlangen wir andauernd von unseren kinder. warum soll er helfen? das ist für ihn vielleicht ebensowenig einsichtig. ABER wir erwarten es trotzdem.
das funktioniert nur ,wenn wir ebenfalls bereit sind, dies vorzuleben...
also wenn er mal mal wieder schlapp ist, würde ich vielleicht ein bißchen schmunzeln, ihn in den arm nehmen und fragen, was ihm denn gut tun würde, wenn er so schlapp ist.
dann kann man ja ein paar sachen raussuchen (eine massage, ein mal auf dem sofa mit mama kuscheln, ein mal nicht beim tisch decken helfen usw...). kinder ,die erleben, daß man auf ihre bedürfnisse eingeht lerenen Empathie - und das ist es doch, was wir erwarten, oder?!

alles liebe
lisasimpson

Beitrag von jazzbassist 09.06.10 - 09:44 Uhr

Sehr schön geschrieben und erklärt!

Wobei das mit dem "Privatleben/Privatsphäre" bei meinem erst mit dem Beginn der Grundschule angefangen und dann auch nicht mehr verschwunden ist :-p

Beitrag von landmaus 09.06.10 - 10:00 Uhr

Ich darf mich dem auch voll umfänglich anschließen.

Beitrag von hanni123 10.06.10 - 07:47 Uhr

Huhu,

das klingt sehr einleuchtend, aber auf der anderen Seite fürchte ich, dass das bei meinem Sohn nach hinten losgeht. Er setzt das - wirklich sehr theatralisch übertriebene - Schlappsein ja genau deshalb ein, weil er gelernt hat, dass einem geholfen wird, wenn man schlapp ist. Das führt ja sogar dazu, dass er sich nicht ins Bett legen kann, weil seine Haarspitzen zu schlapp sind, um darauf zu liegen. ;-)

Da er m. E. ja genau weiss, dass es eine Ausrede ist, weil er ja in Wirklichkeit gar nicht schlapp ist, bin ich mir nicht sicher, ob er hier den Transfer zu "ich kann nicht mehr, dann mir wird geholfen" macht oder doch eher zu "Hey, cool, diese Ausrede funktioniert". Das kann ich ernsthaft gar nicht einschätzen.

Ich meine schon, dass wir in der Familie Hilfsbereitschaft vorleben, und er grinst ja auch immer wie ein Schneekönig, wenn ich ihm sage, wie toll er mir geholfen hat, d.h. Helfen macht ihm schon ein gutes Gefühl.

Die Idee, ihn nach seinen Bedürfnissen zu fragen, wenn er mal wieder sagt, er wäre zu schlapp, finde ich gut, das werde ich beim nächsten Mal (heute abend? ;-)) machen.

LG

Hanna

Beitrag von lisasimpson 10.06.10 - 08:55 Uhr

hallo hanna,

mir war durchaus klar, daß er das "einsetzt".. bzw. daß es für dich anders aussieht.
aber mal ehrlich- hast du nicht auch manchmal so phasen?
also ich kenn das durchaus von mir- da würd ich am liebsten nur betüddelt werden.
da bin ich dann wirklich froh, wenn mein mann nicht sagt "jetzt stell dich mal nicht so an und krieg den arsch hoch", sondern wenn er es gelassen nehmen kann und mich den ganzen abend verwöhnt.
nach dem abend, hab ich das gefühl ganz viel "getankt" zu haben-. wir hatten nen schönen abend und es war entspannt und harmonisch.
würde er sagen: kannst mich mal- das kannst du alles alleine -so hätte er absolut recht- wir hätten einen stressigen abend- danach hätte ich das gefühl völlig mißverstanden zu sein und wir hätten uns mit sicherheit noch am näcshten tag in der wolle, wen ner mal wieder etwas von mir möchte..

ich hoffe, du verstehst, was ich meine.
die angst, kidner könnten das "ausnutzen" halte ich für völlig widersinnig.
jedes kind lernt von ganz alleine krabbeln, laufen, sprechen, es bewegt sich mit jedem schritt der entwicklung fort und löst sich immer mehr. das ist ein prozess der nur durch wirklich psychische (oder physische) gewalt aufzuhalten ist. in jeder familie, die einigermaßen angemessene entwicklungsbedingungen bietet werden kinder nach loslösung und selbständigkeit streben. die angst, daß er auch mit 15 von dir noch die treppe hochgetragen weden möchte und beim einschlafen ein schlaflied von dir hören möchte halte ich daher für nicht berechtigt.

aber es gibt imemr wieder phasen in unserem leben (besonders dann wenn entwicklungssprünge anstehen), die uns wieder in die heimelige welt von mama und papa führen, in dnen wir danach streben wieder ein stück der kleinkindlichen geborgenheit zu spüren.
je eher wir dies bekommen und diese Geborgenheit nochmal spüren dürfen, umso eher ist dieses bedürfnis gestillt und wir können uns der eigentlichen Aufgabe widmen: der Entwicklung zur Selbständigkeit.

wenn er also das nächste mal etwas fordert, was du für altersunangemessen hälst, denk doch kur darüber nach, ob das vielleicht etwas ist, was für euch in "früheren" zeiten ein schönes ritual der geborgenheit war und ob es nicht schön für euch beide sein könnte, das kurz nochmal aufleben zu lassen, bevor der nun "groß" wird...

vielleiht dauert das ganze dann ne woche oder zwei- aber irgendwann ist das streben nach selbständigkeit (schon mein kleiner sagt am allerliebsten: "kann ich leine") viel stärker..

Alles Liebe
lisasimpson

Beitrag von scura 09.06.10 - 09:48 Uhr

OOOOHHHH der Süsse ist schlapp... Na dann machen wir ihm doch ein kuscheliges Nestchen im Bettchen damit er sich erholen kann, er ist dann aber auch zu schlapp zum aufstehen bitte... Wenn man schlapp ist kann man nur liegen und Bücher lesen und in die Luft kucken... wenn man zu schlapp zum essen ist, kann man nur gefüttert werden, wie ein Baby... wenn man zu schlapp zum laufen ist, kann man nur getragen werden und dabei abgeknutscht werden, der Schlappe ist ja zu schlapp um sich zu wehren.... wenn man zu schlapp zum reden ist, muss man nicht reden, dann kann Mami ja total bekloppte Lieder vorsingen z.B. Schlapp, Schlapp, Schlappi... Schlappi, Schlappi, Schlapp, das schlappe Krokodil

Glaub mir, irgendwann ist ihm das zu blöd!

Beitrag von girland 10.06.10 - 23:01 Uhr

#pro

Beitrag von quickys1 09.06.10 - 09:53 Uhr

Hallo Hanna,

ja, kenne ich. Meine Tochter hat nie etwas vom Kiga erzählt.
Wie war es? Schön. Das wars dann aber auch schon.
Sie wird jetzt 7 und fängt langsam an aus der Schule mal was zu erzählen.

Ich kann nicht mehr: Das kann mein Sohn auch supergut.
Meistens setzte ich mich dann neben ihn und jammere:Ich auch nicht. Ich bin soooooooo müde....
Das wirkt oft.
Ansonsten heißt es mal wieder: Abwarten es ist alles nur eine Phase.....

Lieben Gruß


Nicole