Wo würdet ihr sparen, wo es EUCH SELBST betrifft??

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Forum: Politik & Philosophie

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Beitrag von nele27 09.06.10 - 11:08 Uhr

Hi,

ich glaube, Vorschläge zu machen wo die anderen sparen können ist einfach.
Das haben wir hier ja täglich: Die sollen sparen, die anderen auch und die da drüben eh. Wenn die Berufstätigen sagen, die ALG2-Empfänger sollen weniger Geld bekommen, schreien die auf und zeigen auf die Besserverdiener-Eltern. Diese schreien auch auf und zeigen auf die Hausfrauen oder die Kinderlosen oder sonstwen.

Spannender ist es doch: Wo könnt IHR sparen?
Ich wette, da fällt vielen nicht mehr so viel ein...

Mir ist klar, dass hier nicht alle Bevölkerungsgruppen vertreten sind und es keinen gibt, der z.B. eine Reichensteuer bezahlen müsste und sich damit zu Wort meldet. Dennoch finde ich es wichtig, mal gedanklich bei sich selbst anzufangen.

Ich fange mal an und biete:

1. Sieben Prozent Elterngeldkürzung (von 67 auf 60 Prozent)
2. Kürzung der Pendlerpauschale
3. Abschaffung der Minijobs (mein Mann hat kurzzeitig einen ... nicht mehr lange, aber ich war auch schon dafür als er ihn neu hatte).

Mehr fällt mir gerade nicht ein, wo bei mir was zu holen wäre und was ich sinnvoll fände - aber immerhin :-)

So, jetzt seit Ihr dran - mal sehen, ob ich überhaupt Antworten bekomme ;-)

Nele

Beitrag von mamavonyannick 09.06.10 - 11:21 Uhr

Hallo Nele,

aber wir sparen doch alle schon eine Menge.

1) Die Brennelementesteuer, die Abgabe bei Flugtickets... wer wird das wohl bezahlen.
2) Das Elterngeld geht runter
3) wir werden alle erst mit 67 in Rente gehen können.
4) Die Rentenbeiträge für ALG2-Empfänger wird nicht mehr gezahlt. Was meinst du, wer das früher oder später ausgleichen muss?
5) Wir müssen Zusatzbeiträge in verschiedenen KV entrichten

Ich finde das eine ganze Menge#kratz

vg, m.

Beitrag von nele27 09.06.10 - 11:28 Uhr

Ja sicher tun wir das, aber genau darüber wird ja gemeckert...

Deswegen sammel ich Vorschläge, wo ihr sagt "an xy muss ich sparen und finde das ok" :-)

Ich finde es zB scheiße, dass ich bald 500 Euro Kita-Beitrag zahlen muss. Aber dass ich nicht 67 Prozent Elterngeld bekomme finde ich ok und zumutbar. So meine ich das, solche Beispiele suche ich.

Falls ich nun keine Antworten mehr bekomme, stimmt die These "Die Deutschen sind nur am Jammern und jeder zeigt mit dem FInger auf andere" wohl #schmoll

Nele

Beitrag von mamavonyannick 09.06.10 - 11:39 Uhr

Wieso stimmt die These, weil ich nicht freiwillig NOCH MEHR sparen will? Ich kann mit 65% leben und ich kann auch damit leben, dass ich die Steuer für Flugtickets und so tragen werde. Ich muss damit leben, dass die Regierung die Rentenbeiträge der ALG2-Empfänger früher oder später auf mich/uns verlagert und ich sorge selbst dafür vor, dass ich schon eher in Rente gehen kann.
Ich sehe zu, dass ich alles möglich mache, um dem System nicht zur Last zu fallen.
Und wenn mir der Staat versprechen würde, das mit dem sparen bei mir erstmal Schlusß ist bzw. mir ein tragfähiges Konzept vorlget, mit dem der Verschuldung entgegen gewirkt werden kann, dann bin ich bereit auch noch bei weiteren Sachen Zugeständnisse, wie z. B. der Pendlerpauschale zu machen.
Da ich aber davon ausgehen kann, dass trotz meiner Zugeständnisse weiter bei mir gespart werden wird früher oder später, sehe ich nicht ein, freiwillig noch hier zu schreien, obwohl ich bereits (s.o.) sparen muss und sparen werde.
Ist nämlich ein Fass ohne Boden. Lieber wäre mir, wir alle gehen auf die Straße, zeigen unsere Bereitschaft zum Sparen, demonstrieren aber gleichzeitig FÜR ein gerechtes Sparsystem, als den Staat zu bitten, nochmehr zu nehmen.

Beitrag von salome25 09.06.10 - 11:26 Uhr

Naja, da hast du recht, da fällt einem nichts mehr ein....

Ich verzichte auf alles Mögliche. Ich habe keine Versicherungen, ich rauche nicht, gehe nicht oft aus, halte den Konsum eben so gering wie möglich.

Für die Abschaffung der Minijobs bin ich ebenfalls, dafür mehr Teilzeitstellen auf Steuerkarte, da Minijobs ja eher was für Leute sind, die weniger arbeiten können/sollen/müssen...

Wir haben gerade mal genug Geld, dass wir über die Runden kommen, da kann ich nicht mehr sparen und sehe ich auch ehrlich gesagt nicht ein. Ich arbeite seit ich 16 Jahre alt bin, also nun 14 Jahre. Ich mache nun eine Umschulung und bekomme während der Zeit ALG2 und hoffe danach auf eine Vollzeitanstellung. Gar nicht so abwegig, da ich in die Altenpflege gehe. Das ist ein Beruf mit Zukunft. Schon heute fehlen über 10.000 qualifizierte Altenpfleger. Und ich bin alleinerziehend. Ich denke, gespart wird eh am falschen Ende.

Beitrag von nele27 09.06.10 - 11:30 Uhr

***da kann ich nicht mehr sparen und sehe ich auch ehrlich gesagt nicht ein. ***

Wenigstens bist Du ehrlich :-)

Aber wenn es eine Sparrunde gäbe unter der Voraussetzung, dass jeder nach seinen Möglichkeiten sparen muss (Reiche also sehr viel und Arme ein kleines bisschen), wo würdest Du bei Dir selbst ansetzen?

Beitrag von salome25 09.06.10 - 12:46 Uhr

Ok, also ich würde auf die ERstattung der Fahrtkosten verzichten, die durch die Umschulung entstehen, könnte ggf. auch auf den Mehrbedarf für Alleinerziehende im Regelsatz verzichten, das sind derzeit 129 Euro.

Zusammengenommen wären das bei mir knappe 200 Euro, auf die ich dann monatlich verzichten würde, um dem Staat beim Sparen zu helfen :-p

Beitrag von nele27 09.06.10 - 12:53 Uhr

Na also :-)

Das wäre wahrscheinlich schon mehr, als Du bei gerechter Verteilung als Geringverdiener sparen müsstest um unsere Schulden abzutragen...

Nele

Beitrag von litha 09.06.10 - 11:31 Uhr

Wenn ich es bis jetzt richtig überblicke, geht das geplante Sparpaket an mir völlig spurlos vorüber.

Ich wäre damit einverstanden, die Pendlerpauschale wieder zu kürzen und die doppelte Haushaltsführung zu streichen.

Ebenso bin ich für die Anhebung des ermäßigten MwSt-Satzes auf 19%, allerdings mit Ausnahme der Grundnahrungsmittel.

Förderung der Riesterente könnte ebenfalls gespart werden.

Dann hätte ich noch - jedoch nicht mich betreffende Vorschläge wie Streichung des Ehegattensplittings und der kostenlosen Mitversicherung des Ehepartners in der GKV.

Beitrag von nele27 09.06.10 - 11:36 Uhr

***Wenn ich es bis jetzt richtig überblicke, geht das geplante Sparpaket an mir völlig spurlos vorüber. ***

Glückspilz #freu

Mir hat im Jahr 2008 die Mischung aus doppelter Haushaltsführung, Pendlerpauschale und klug heiraten (und Stkl. 3 rückwirkend bekommen) eine Steuerrückzahlung in Höhe von 4300 Euro erbracht #schock
Da habe ich mich natürlich gefreut, aber so ganz gerecht fand ich es nicht...

Nele

Beitrag von mamavonyannick 09.06.10 - 11:43 Uhr

Ich würds zurück bringen;-)

Beitrag von nele27 09.06.10 - 11:45 Uhr

Ich habe einen kleinen Teil für caritative Projekte der Kirche gespendet ... immerhin etwas #schein

Klar bringt es keiner zurück. Ich würde mich aber nicht beschweren, wenn es sowas nicht mehr gäbe.

Beitrag von fred_kotelett 09.06.10 - 11:33 Uhr

So lange wir in Deutschland die wirklich großen Vermögen und Kapitalerträge verschonen ehrlich gesagt gar nicht.

Auch die jetztige Diskussion über Anhebung Spitzensteuersatz und Reichensteuer betrifft ausschließlich gutverdienende Arbeitnehmer.

Ich verdiene sehr gut und zahle dementscprechend relativ viele Steuern, ich wäre prinzipiell auch bereit eine Steuererhöhung hinzunehmen, aber nur wenn auch die wirklich Vermögenden herangezogen werden.

Es kann meiner Meinung nicht angehen das der komplette Sozialstaat von den Arbeitnehmern bezahlt wird.

Beitrag von nele27 09.06.10 - 11:41 Uhr

Ja, das sehe ich auch so. Ich meinte es auch so: Mal angenommen, jeder ist verpflichtet, nach seinen Möglichkeiten zu sparen (Reiche viel, Arme wenig).
Wo würdest Du ansetzen?

Ich könnte mir auch eine Steuererhöhung vorstellen (finde ich besser als alles zu kürzen und kaum öffentliche Angebote wahrzunehmen).
Natürlich nur, wenn die von Dir genannten Punkte gegeben werden. Allein will ich auch nicht sparen.

LG, Nele

Beitrag von zeitblom 09.06.10 - 13:04 Uhr

Wird er ja auch nicht, oder zahlt Dein Arbeitgeber nicht seinen Anteil an Deinen Sozialversicherungen? Zahlen Unternehmen und Selbständige keine Steuern?

Beitrag von fred_kotelett 09.06.10 - 13:42 Uhr

Ok, dann formulier ich dir zuliebe um.

Es kann nicht sein das der Sozialstaat nahezu ausschließlich durch Abgaben auf den faktor Arbeit finanziert wird.

Beitrag von zeitblom 09.06.10 - 15:01 Uhr

Warum nicht? Ist der Sozialstaat nicht Ausdruck der Solidarität der arbeitenden Menschen?

Beitrag von fred_kotelett 09.06.10 - 15:35 Uhr

Dann mal als Gegenfrage?

Erscheint es dir gerecht, das Einkünfte aus Arbeit ungleich höher besteuert werden, wie Einkübfte aus Kapitalerträgen?

Beitrag von zeitblom 09.06.10 - 15:46 Uhr

Nein, aber ich halte auch die Steuerprogression für ungerecht.
Meinetwegen sollte der gleiche Steuersatz für alle auf Kapital, Arbeit und Verbrauch gelten: 20%?...und von mir aus dann auch eine hohe Erbschaftssteuer: 75%?

Beitrag von fred_kotelett 09.06.10 - 15:54 Uhr

Da wären wir uns ja einig.
Unter der Steuerprogression leide ich auch sehr.

Ich halter einen Steuersatz von 20-25% auf alle Einkünfte bei einer gleichzeitig hohen Erbschaftssteuer auch für realistisch.


Beitrag von fritzeline 09.06.10 - 11:36 Uhr

Ich wäre sofort bereit, wieder 19% MwSt. für Hotelübernachtungen zu bezahlen :-)

Beitrag von nele27 09.06.10 - 11:43 Uhr

Verdienst Du auch so wenig, dass damit das Sparpotenzial Deiner Familie augeschöpft wäre und die Lstenverteilung gerecht wäre ?? ;-)

Beitrag von mamavonyannick 09.06.10 - 11:43 Uhr

Du hast die Rennpferde vergessen;-)

Beitrag von ayshe 09.06.10 - 12:42 Uhr

#rofl der ist echt gut!
Zumal die verringerung eh nie in die Praxis umgesetzt wurde ;-)

Beitrag von zeitblom 09.06.10 - 11:38 Uhr

Da meine Kinder kein Bafög erhalten (und bereits Studiengebühren bezahlen) und ich selber auch keine staatlichen (finanziellen) Zuwendungen erhalte, kann bei mir nichts gespart werden.

Verzichten kann ich daher auf alle (!) Subventionen, angefangen vom Kindergeld bis zur Steinkohlesubvention....