Förderunterricht in Kita trotz meines Verbotes?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von malisch 10.06.10 - 09:15 Uhr

Hallo an alle und insbesondere an Erzieherinnen und Grundschulpädagogen,

gestern hatte ich während des Elterngesprächs ganz nebenbei erfahren, dass meine Tochter (jetzt 4) zum Deutsch-Förderunterricht geschickt wird.

Aber erstmal die Vorgeschichte: vor ca. einem Jahr gab es in der Kita eine Einladung zum Themaabend: Deutsch-Förderunterricht für "Ausländerkinder". Es sind zwei engagierte Mädels, die mit Kindern spielen und was erzählen.

Mein Mann und ich sind zwar in Russland geboren, sind aber schon seit über 13 Jahren hier in Deutschland. Und mein Deutsch ist gut genug, um Berichte für Vorstand und die Börse zu schreiben und zu studieren. Unsere Tochter ist hier zur Welt gekommen und kann sehr gut Deutsch sprechen. Daraufhin habe ich als Rückmeldung geschrieben, dass unsere Tochter die zusätzliche Förderung nicht bräuchte und ich total dagegen bin, sie dorthin zu schicken.

Nun erfahre ich gestern, dass sie dort gerne hingeht. Wie? Warum? Die Antwort war: "na ja, sie sind doch Ausländer. #klatsch Die Deutschen? Nein sie gehen natürlich nicht hin."

Die Erzieherin selbst ist Türkin und ihre Grammatik ist sehr schwach. Aber uns erzählen, dass wir Ausländer sind?#klatsch

Daraufhin habe ich mich sehr aufgeregt und sagte, dass ich es verbiete, sie dorthin zu schicken! Ich befürchte nämlich Nachteile für ihre spätere Einschulung. Wisst ihr, ob im Kindergarten in irgendeine Akte ein Vermerk reinkommt, dass sie an so einem Förderunterricht teilgenommen hat? Und wird irgendein Bericht an die spätere Schule geschickt?

Habe ich überhaupt ein Recht, da mitzusprechen? Was kann ich als Mutter dagegen tun? Ich will auf gar keinen Fall, dass sie dorthin geht (Vermerk hin oder her)!

Vielen Dank für eure Hilfe.
Gruß
Tatjana

Beitrag von h-m 10.06.10 - 09:24 Uhr

Du hast Akteneinsicht (Bundesdatenschutzgesetz). Du kannst jederzeit verlangen, alles zu sehen, was an Daten über Dich bzw. Dein Kind vorgehalten wird.

Ich habe das mal gemacht und in unserer Akte nur den Anmeldebogen, den Vertrag und die Dokumentationen der Elterngespräche gefunden. Also nur Sachen, die ich selbst auch zu Hause hatte, keine "heimlichen" Vermerke.

Ich persönlich denke, dass Du übertreibst. Ich habe noch nie gehört, dass irgendwelche Akten über die Kinder vom Kindergarten zur Schule geschickt werden.

Beitrag von lampe123 10.06.10 - 09:46 Uhr

"Ich habe noch nie gehört, dass irgendwelche Akten über die Kinder vom Kindergarten zur Schule geschickt werden. "

Bei uns gibt es auch Förderunterricht, aber für alle Kinder die es nötig haben. Wir hatten kürzlich Elternabend und jeder musste für sein Kind das Einverständnis (oder auch ein nein) schriftlich abgeben, das er damit einverstanden ist (oder auch nicht), das sein KInd von Sprachtherapeuten etc. angeschaut wird und im Rahmen des Kindergartenaufenthaltes auch Förderung läuft.
Bei uns gibt es im letzten halben Jahr dann noch eine intensiv Förderung wenn es nötig ist.
Ebenso arbeiten die Kindergärten mit den Grundschulen eng zusammen. Und alles was Entwicklungsmäßig über die Kinder erfasst wurde, wird an die zuständige Schulleitung weitergegben. So ist es bei uns

LG

Beitrag von h-m 10.06.10 - 10:19 Uhr

Bei uns ist freie Grundschulwahl (NRW) und die Erzieherinnen wissen nicht mal, welches Kind in welche Grundschule eingeschult wird. Von enger Zusammenarbeit kann man da schon mal gar nicht reden.

Natürlich liegen bei der Stadtverwaltung die Daten vor, welches Kind aus welchem Kindergarten welche Schule besuchen wird.

Ich habe 2 Jahre im Vorstand der Kita mitgearbeitet (Elterninitiative) und ich denke, ich hätte es mitbekommen, wenn "gesammelt" Daten/Akten weitergegeben worden wären.

Vor der Schulanmeldung bekam ich von der Kita die "Bildungsdokumentation" meiner Tochter ausgehändigt. Das sind solche Bögen, die die Erzieherinnen halbjährlich ausfüllen und die dann im Elterngespräch besprochen werden. Dazu bekam ich den Hinweis "vielleicht wollen die das in der Schule ja haben". Dort wurde das allerdings überhaupt nicht erwähnt - ich hab meinerseits auch nicht nachgefragt.

Beitrag von mikolaus 10.06.10 - 09:43 Uhr

wenn die Erzieherin kein gutes Deutsch spricht, wäre ich ehrlich gesagt froh, wenn die Kinder noch ein Vorbild im Kindergarten haben, das die deutsche Sprache richtig spricht und mit den Kindern übt.
Frag mal nach, was über den "Förderunterricht" vermerkt wird und welche Daten an die Schule weitergegeben werden. Mein Kind geht zur Logopädie und bei der Schuluntersuchung waren sie froh, dass der Sprachfehler möglichst vor Schulbeginn behandelt wird. Das sorgt nur für bessere Voraussetzungen beim Schulstart.

Beitrag von anja96 10.06.10 - 09:44 Uhr

Hallo Tatjana,

ich denke mal nicht, daß der Föderunterricht Deiner Tochter schadet oder sich negativ auf ihre Laufbahn auswirkt.

Was mich allerdings wirklich stören würde ist, daß Ihr als Ausländer abgestempelt wird - da wäre ich ja sowas von sauer! Daß Deine Tochter nur in den Förderunterricht soll, weil ihr "Ausländer" seid und nicht, weil sie schlecht spricht, finde ich diskriminierend und ich verstehe Deinen Ärger voll und ganz. (Mal abgesehen davon, daß Ihr ja sicher einen deutschen Paß habt, oder?)

Ich würde mich an Deiner Stelle auch durchsetzen.

LG, Anja

Beitrag von raena 10.06.10 - 09:47 Uhr

Hallo Tatjana,

nun ich weiß nicht wie lange du an deinem Threat gesessen hast und wieviel hilfe du von Hr. Duden gehabt hast, aber wenn man das so liest hat man auf jeden Fall nicht den Eindruck, dass dein Deutsch schlecht ist, zumindest was das schriftliche angeht! #schein

Ich kann und will nicht beurteilen, ob es sinnvoll ist, dass deine Tochter an dem Förderunterricht teilnimmt, ich höre sie ja nicht sprechen, aber es darf nicht sein, dass sich der Kindergarten über einen ausdrücklichen Wunsch der Eltern hinwegsetzt. Vielleicht, ging euer Wunsch nur in den Mühlen der Bürokratie unter, sowas ist unschön aber passiert. Daher würde ich nochmal ein Gespräch mit der Leitung des Kindergartens führen (am besten vorher einen Termin machen, damit man Zeit und Ruhe hat) und das nochmal in aller Ruhe besprechen. Wenn die Leitung sich dann querstellt kann man sich immer noch aufregen.

Allerdings verstehe ich auch deine vehemente Ablehnung nicht und kann auch deine Befürchtungen überhaupt nicht nachvollziehen. Bitte entschuldige aber das klingt ein bißl paranoid. Deiner Tochter wird der Förderunterricht nicht schaden und auch ein Vermerk, in der Kindergartenakte darüber, dass sie an einer Fördermaßnahme teilgenommen hat würde ihr nicht zum Nachteil gereichen. Vermutlich eher zum Vorteil (WENN es überhaupt vermerkt wird). Wenn dein Kind eingeschult wird, dann wird die Schule feststellen, dass ihre Eltern Ausländer sind. Dann wird man überprüfen ob sie gut deutsch kann und ein Vermerk über die Fördermaßnahme kann da eher positiv als negativ sein. Letztendlich wird die Schule mit deiner Tochter sprechen und feststellen, dass sie deutsch kann! Nicht mehr und nicht weniger!

Also ungeachtet davon, dass sich der Kindergarten nicht über eure Verbote hinwegsetzten darf (zumindestens wenn nicht Leib und Leben dadurch gefährdet wird oder ein Gesetz gebrochen werden muss), solltest du nochmal in einer ruhige Minute überlegen, ob diese vehemente Ablehnung wirklich notwendig ist.

Liebe Grüße
Tanja

P.s. ich würde mir wünschen, dass einige Userinnen hier bei Urbia, die Deutsche sind, sich im Bezug auf Sprachkompetenz ein Scheibchen von dir abschneiden würden #cool

Beitrag von binnurich 10.06.10 - 09:55 Uhr

du darfst alle Akten einsehen

außerdem: wenn sie gern hingeht, was spricht dagegen? Ich finde das nicht schlimm. Ich glaube, du machst dir zuviel Sorgen.

Beitrag von schnabel2009 10.06.10 - 10:17 Uhr

Hui, da kann ich Deinen Ärger allerdings verstehen!!!
Bei uns war es so, dass mein Großsohn zu diesem Sprachtest musste (für alle Kinder im Alter von 4 J ist der in NRW vorgesehen). Großsohn hatte keinen Bock und schwieg---also sollte er zum 2. Test. Dort schwieg er weiter und sollte dann in den Sprachunterricht--ich habe dann auch einen weiteren Test gepocht, bei dem ich anwesend bin und da machte Sohn auch mit (nachdem ich einen Pfannekuchenm versprochen habe).
Ich hatte nämlich auch Angst, dass sie in der Grundschule dann Vorurteile haben.

LG schnabel

Beitrag von erdwuermchen 10.06.10 - 10:31 Uhr

Hallo Tatjana,

ich würde mit der Kitaleitung sprechen, dass die Art und Weise nicht in Ordnung ist, da du gesagt hattest, dass deine Tochter daran nicht teilnehmen soll.

Du hast das Recht bei der Förderung mitzureden und ohne deine Zustimmung darf eigentlich eine Förderung in dem Sinne nicht stattfinden.

Aber ich würde es jetzt nicht mehr verbieten, da deine Tochter dort scheinbar gerne teilnimmt. Lass ihr den Spaß. Und wenn die Schule davon erfährt, würde ich es eher als positiv empfinden, da sie dadurch gut deutsch sprechende Kinder in die Schule bekommen und nicht erst in der 1. Klasse mit Sprachförderung anfangen müssen.

Lass deinen Unmut ruhig im Büro der Leitung, aber lass deiner Tochter die Freude und Erfahrung!!!

LG
erdwürmchen

Beitrag von kathy04 10.06.10 - 10:56 Uhr

Geht es dir um's Prinzip und die Durchsetzung deiner Regel oder darum, dass deine Tochter die besten Chancen und dazu noch Spaß hat? Mal andersherum gefragt: Nimmt sie Schaden, wenn sie dorthin geht? Wahrscheinlich wird nur dein Ego verletzt, aber es dreht sich nicht um dich, sondern um dein Kind.

Beitrag von malisch 10.06.10 - 12:05 Uhr

Es geht mir darum, dass meine Wünsche und Ansichten, was für mein Kind das Beste ist und vor allem für ihre Zukunft, einfach übergangen werden und hinter meinem Rücken etwas passiert.
Warum soll sie denn durch die Förderung - die sie ja überhaupt nicht braucht - bessere Chancen bekommen?

Beitrag von bluehorse 10.06.10 - 11:16 Uhr

Hallo,

wieso bist du denn so gegen dieses zusätzliche Angebot. Du schreibst ja selbst: "Es sind zwei engagierte Mädels, die mit Kindern spielen und was erzählen." Gefällt es deiner Tochter nicht? Dann könnte ich es verstehen. Aber so schadet es doch niemandem.

Mein Sohn besucht auch den Deutsch-Förderunterricht. Aber auch nicht, weil er es bräuchte. Es waren Plätze frei (das Angebot richtet sich eigentlich auch an Kinder mit Migrationshintergrund) und mein Sohn soll vorzeitig eingeschult werden. Das war von den Erzieherinnen als eine Art Test und Vorbereitung gedacht. Allerdings haben sie mich vorher nach meiner Zustimmung gefragt.

LG bluehorse

Beitrag von erstes-huhn 10.06.10 - 11:55 Uhr

Die Begründung, dass deine Tochter nur dahingeht, weil ihr Ausländer seid finde ich diskriminierend und das würde ich mir nicht gefallen lassen.

Liegen bei ihr aber begründete Defizite vor ist es etwas anders.

Beitrag von zahnweh 10.06.10 - 16:00 Uhr

Hallo,

also dass es dieses Angebot gibt, finde ich gut. Die Unterteilung, wer dahin geht diskriminierend und nicht den Zweck erfüllend.

Damit meine ich, ich kenne "Ausländer" die hier Abitur machten, studieren und sich super ausdrücken können und ebenso "Deutsche", die seit Urzeiten hier leben und deren Sprachgebraucht kaum über ein "hey alder, alder was masch du?" hinaus geht... oder sich einfach schwer tun mit ihrer Muttersprache.

Übringens genau genommen, hätte ich nach diesem Sortierverfahren auch zur Sprachförderung gehen müssen, bzw. müsste mein Kind hingeben. Wir sind nämlich auch zur Hälfte "Ausländer" - Österreich ist zwar auch deutschsprachig, aber dennoch "Ausland". ;-)

Deine Aufregung, was diesen Zwang angeht bzw. dass man sich einfach über den Kopf hinweg gesetzt hat, kann ich sehr gut nachvollziehen! Das finde ich nämlich zusammen mit der Sortierung wer geht und wer nicht, die größte Frechheit an der Situation! #schock

Dass Deine Tochter gern hingeht, ist wenigstens ein bisschen was Gutes dran.