Liebevoller sein?!? Mach ich alles falsch??

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von loddlluis2007 11.06.10 - 16:01 Uhr

Hallo!

Ich hoffe ich kann das alles ein bissel verständlich aufschreiben!

Also folgendes Problem:

Unser Sohnemann ist zur Zeit sehr weinerlich. Heult wegen jedem Pups. In den Situationen in der er sich weh tut oder einfach müde oder überfordert ist, nehm ich ihn in den Arm und Beruhige ihn. Soweit so gut (jedenfalls für mich).

In Situationen in denen es vorher ein klares Nein von mir kommt (er möcht den Fahrradhelm alleine aufsetzen ich sage nein, weil er diesen auch gerne mal durch die gegend wirft) nehme ich ihn nicht in den Arm und tröste ihn. Ich geh aus der Situation raus, erkläre es ihm (ich versuch es).
Wenn er sich beruhigt gut, wenn er aber dann nicht aufhört zu weinen (er tobt nicht er weint!) schick ich ihn in sein Zimmer, Wenn er sich beruhigt hat kommt er raus und alles ist gut.

Nun ist mein Umfeld aber der meinung ich müsse ihn immer trösten und ihn in den Arm nehmen. Einfach liebevoller sein......

Was soll ich machen?? In den Nein Situationen denk ich ich bestätige sein verhalten.

Wie seht ihr das? Habt ihr Tipps?

Vielen Dank!

Beitrag von stoltze-mami83 11.06.10 - 16:10 Uhr

Hallo

Na so ein Quatsch was Dein Umfeld da meint.

Wenn Du Nein sagst heist es Nein und damit gut wenn Du Ihn dann wenn er weint auch noch in den Arm nimmst wird er Dich irgendwann ma gar nicht mehr ernst nehmen.

Ich finde Du machst das schon richtig.

Lass die reden Du bist die Mutter und Du machst die Regeln und nur Du weist was richtig ist für Deinen Zwerg.

Lg

Beitrag von bine3002 11.06.10 - 16:33 Uhr

"Wenn Du Nein sagst heist es Nein und damit gut wenn Du Ihn dann wenn er weint auch noch in den Arm nimmst wird er Dich irgendwann ma gar nicht mehr ernst nehmen."

Und eben das ist ein Trugschluss. Er wird sie nicht mehr ernst nehmen, wenn sie ihm den Fahrradhelm aufgrund seiner Weinerei dann doch wieder gibt. Wenn sie den Helm aber weglegt und ihm dann Trost anbietet, dazu vielleicht noch sagt: "Ja, ich verstehe, dass Du traurig bist, aber der Helm geht kaputt, wenn Du ihn immer wirfst und deswegen kann ich ihn dir nicht überlassen." dann wird er sich ernst genommen fühlen und letztlich - so ist meine Erfahrung - verständiger werden und das nächste Mal sagen: "Und wenn ich verspreche den Helm nicht hinzuwerfen?"

Beitrag von sneakypie 12.06.10 - 14:26 Uhr

>>Lass die reden Du bist die Mutter und Du machst die Regeln und nur Du weist was richtig ist für Deinen Zwerg.<<

Mit genau dieser Haltung züchtet man sich "Problemkinder" und völlig verfahrene Situationen heran. Toller Tipp....

Beitrag von goejan 11.06.10 - 16:12 Uhr

wie alt ist denn dein sohn?
ich denke...du machst es richtig. trösten wenn er überfordert ist, aber nicht trösten wenn`s ne "nein"-situation ist. ist doch logisch...oder - das muss er schließlich lernen, dass es bestimmte regeln gibt, wie z.b. das mit dem fahrradhelm.
er scheint es doch auch zu verstehen, dass, wenn er sich beruhigt hat es für ihn auch okay ist.
ich denke nicht, dass man kinder extrem wegen jedem pubs verhätscheln muss. manchmal haben kinder auch bestimmte phasen in denen sie weinerlicher/nachdenklicher/überforderter sind. da ist es an dir als mutter zu entscheiden. und zur förderung der selbständigkeit trägt es sicher nicht bei, wenn du ihm jedes problem abnimmst oder wichtige/richtige entscheidungen rückgängig machst. sowas spüren kinder viel eher und das verunsichert ja noch mehr.

Beitrag von loddlluis2007 11.06.10 - 16:24 Uhr

Danke für die Antworten!

Mein Sohn wird ende Oktober 3 Jahre alt.

Beitrag von bine3002 11.06.10 - 16:30 Uhr

Aber es bedeutet doch nicht, dass man Regeln aufhebt oder Entscheidungen rückgängig macht, wenn man das Kind tröstet, weil es traurig ist. Das sind doch zwei verschiedene Paar Schuhe.

Mal ein blödes Beispiel:
Ich verquatsche mich am Telefon und verpasse dadurch meinen Zug, der mich zu einem coolen Konzert nach Hamburg bringen sollte. Ich bin traurig darüber. Mein Mann sagt: "Tja, selbst schuld." oder er schickt mich sogar weg: "Nerv mich jetzt nicht mit einem Geheule." oder er tröstet mich und sagt: "Ach Mensch, das ist jetzt mal echt blöd. Ich verstehe, dass Du traurig bist." So oder so bleibt der Zug weg und das Konzert ist gelaufen, aber mein Gefühl ist ein anderes. Verstehst Du?

Hat mich mein Mann in letzterem Fall verhätschelt? Oder hat er mir mein Problem abgenommen?

Beitrag von perserkater 11.06.10 - 22:51 Uhr

Ich habe das Gefühl, dass dein Beispiel nur die wenigsten verstehen oder das sie es gar auf ihr Kind übertragen könnten. Schließlich müssen sie ja erzogen werden und dazu gehört offensichtlich auch, dass Kinder zusätzlich frustriert werden müssen?!

Beitrag von blaue-blume 11.06.10 - 16:18 Uhr

ich denke das du grundsätzlich richtig handelst.

zum konkreten beispiel mit dem fahrradhelm: ich würde ihm sagen "nein, weil ich nicht möchte, das du ihn auf den boden wirfst, denn davon geht er kaputt." du könntest mit ihm vereinbaren, wenn er den helm nicht durhc die gegend wirft, darf er ihn auch selber anziehen...dann gibt es garkeinen grund zum weinen.


ins zimmer schicken finde ich immer ein wenig bedenklich, schliesslich soll ein kind sich dort wohl fühlen, und das zimmer nicht als strafraum sehen...



lg anna

Beitrag von loddlluis2007 11.06.10 - 16:43 Uhr

Es steht nicht als Strafraum....
Er kann dort machen was er will schreien trampeln weinen sich einfach abreagieren. Das weis er und geht manchmal ohne das ich etwas sagen brauch. Oder er hört schlagartig auf zu weinen wenn er ein Spielzeug findet das gerade interresanter ist....

Beitrag von bine3002 11.06.10 - 16:49 Uhr

"Das weis er und geht manchmal ohne das ich etwas sagen brauch."

D.h. aber auch wenn er nicht geht, dann sagst Du, dass er gehen soll.

Das Signal ist dann: Sauer und traurig sein ja, aber bitte im privaten Rahmen in deinem Zimmer.

Ist es das, was Du ihm fürs Leben vermitteln möchtest? Dann mach es weiter so. Möchtest Du etwas anderes, dann must Du deine Vorgehensweise ändern.

Beitrag von bine3002 11.06.10 - 16:26 Uhr

Also ich denke, dass Trost immer angesagt ist. Ich bin der Meinung, dass ein Kind wütend sein DARF, wenn ihm etwas verboten wird. Wenn man es wegschickt, signalisiert man ihm aber: "Deine Wut nervt mich jetzt." Und wozu führt das? Dass ein Kind lernt, seinen Kummer in sich hinein zu fressen.

"In den Nein Situationen denk ich ich bestätige sein verhalten."

Ja, das tust Du. Du bestätigst seinen Protest, seine Wut, seine Traurigkeit. Du wirst dadurch aber nicht inkonsequent, falls das deine bedenken sind.


Übrigens kannst Du erst mit etwa 4 oder 5 Jahren sog. "Bedürfnisaufschub" und "Frustrationstoleranz" erwarten. Das bedeutet, dass Kinder erst dann in der Lage sind, auch mal zu warten und gegebene Dinge zu akzeptieren.

Beitrag von lisasimpson 11.06.10 - 16:35 Uhr

wo wäre denn das problem, wen ndu ihn in den arm nimmst, ihm sagst .ja, ich kann verstehn, daß du sauer bist, wenn du den helm nicht selstb aufsetzten darfst. aber da ich bedenken habe, daß du ihn sonst rumwirfst, setze ich ihn dir heute auf. wenn du also losfahren willst, sag bescheid- dann setzt ich ihn dir auf".

du zeigst ihm, daß du ihn verstehst und daß sein gefühl legitim ist- das heißt aber ja nicht, daß du von deinem "nein" abweichst.

du vermittelst ihm so, daß gefühle wie schmerz oder müdigkeit in orndung sind, gefühle wie wut, trauer , ärger aber bei euch nicht gezeigt werden dürfen.
das soll er mal schön mit sich selbst ausmachen und mutti nicht damit behelligen- das hat be ieuch nichts zu suchen.
wen ndu genau das vermitteln möchest, muße weiter so fahren.
wenn du möchtest, daß er deine Verbote versteht, wenn er lernen soll sozial kompetent zu sein, seine gefühle wahrzunehmen und zu akzeptieren und zum ausdruck zu bringen und konfliktlösestrategiene zu erlenen (ihr habt nämlich dan neinen konflikt. den müßtest du vielleicht dann auch lösen anstatt ihn nur wegzuschicken und ihn erst wieder zu akzepteiren ,wenn er deinen vorstellungen entspricht- das wird keine große konfliktlösekompetenz bei ihm erzeugen)

alles liebe
lisasimpson

Beitrag von landmaus 11.06.10 - 17:31 Uhr

Lisa, Danke #blume.

Wut, Kummer, Ärger und Frustration sind doch schon für uns Erwachsene so schwierig zu ertragen. Und selbst wir möchten dann jemanden der uns versteht. Gerade dieses Forum ist doch voll von Menschen, die nach Verständnis für Ihre Gefühle suchen. So ein Kind kann sich da noch viel weniger helfen und braucht von demjenigen, der das Nein setzt, den Beistand damit auch umzugehen.

Liebe Grüße

Beitrag von lisasimpson 11.06.10 - 17:33 Uhr

absolut!

Beitrag von sapf 11.06.10 - 20:53 Uhr

Sehr schön begründet und erklärt!#pro

Ich bin Wort für Wort Deiner Meinung!

Mein Fazit:
Konsequenz ja - Verständnis zeigen aber auch!




LG, sapf

Beitrag von bald-dreifachmama 11.06.10 - 20:20 Uhr

Auf keinen Fall würde ich eines meiner Kinder in den Arm nehmen, wenn ich nein gesagt hab. Die würden mich ja gar nicht mehr ernst nehmen. Ich finde du machst es schon richtig.

Beitrag von chaosotto0807 11.06.10 - 22:20 Uhr

so wie du es beschreibst, könnte das von meiner tochter sein....mache weiter so und es wird gut sein ;-).

wenn er sich weh tut etc..trösten...bei einem klaren NEIN...einfach ausbocken lassen, das gehört bei kindern nunmal dazu, wenn sie ihren willen nicht bekommen..sie dürfena uch mal traurig oder wütend sein ;-).

lass dich nicht verrückt machen von deinem umfeld #liebdrueck.

lg mareike

Beitrag von bine3002 11.06.10 - 22:24 Uhr

"sie dürfena uch mal traurig oder wütend sein"

Ja, aber warum dürfen sie denn dann nicht getröstet werden? Deswegen muss man doch von seinem NEIN nicht abweichen. Ich weiß auch nicht, aber bei uns klappt das gut und meine Tochter nimmt mich durchaus ernst.

Beitrag von chaosotto0807 11.06.10 - 23:35 Uhr

dann sind wir da wohl verschiedener meinung ;-)...

warum soll ich mein kind "trösten", weil es mal schlecht gelaunt ist....eben, weil es seinen willen nicht bekommen hat....wenn meine tochter sich wieder beruhigt hat kommt sich auch zu mir und ich nehme sie in den arm und wir reden noch mal drüber...aber grundsätzlich "tröste" ich sie nicht, wenn sie "tobt" #gruebel.

Beitrag von maike.171 11.06.10 - 22:33 Uhr

also ich sehe mich in dir wieder!
ich finde konsequent sein gehört auch zur erziehung dazu!
mein sohn ist erst 14 mon und schmeist sich zurzeit auf den boden wenn er nicht seinen willen bekommt!da würde mir nicht in den sinn kommen ihn gleich auf den arm zu nehmen er muss es ja lernen...klar wenn er sich nicht beruhigt gehe ich auch auf ihn zu....aber seinen dickkopf lasse ich nicht immer durchgehen!ich finde du machst das gut so ;-):-D
immer einen auf liebe mami machen und alles so zu drehen wie das kind es will geht einfach nicht!
ein nein muss mal sein und auch durchgesetzt werden!
es ist ja auch jederzeit möglich nach einer auseinandersetzung zu sagen ich find es gut das du dich beruhigt hast und wieder zu uns kommst und das man sich dann wieder in den arm nimmt!

Beitrag von perserkater 11.06.10 - 22:37 Uhr

Hallo

Ich käme nie auf den Gedanken mein kleines Kind wegzuschicken wenn es ihm nicht gut geht (der Grund ist doch egal!).

Ich tröste, denn ein NEIN anzunehmen erfordert sehr viel und das erwarte ich nicht ohne weiteres und tröste natürlich.

LG

Beitrag von tykat 11.06.10 - 23:43 Uhr

Hallo,

>"...nehme ich ihn nicht in den Arm und tröste ihn. Ich geh aus der Situation raus, erkläre es ihm (ich versuch es). "<

Ginge denn nicht beides gleichzeitig?Du kannst ihn doch tröstend auf den Schoß oder auf den Arm nehmen und ihm dabei erklären, warum dies und das jetzt nicht geht...

Mir widerspricht es generell, ein Kind einfach weinen zu lassen.

LG

Beitrag von local 12.06.10 - 10:55 Uhr

Hallo

*In den Nein Situationen denk ich ich bestätige sein verhalten*

Warum denn?? Nein sagen, dabei konsequent bleiben und trösten schliesst sich gegenseitig doch nicht aus!!!

Es ist doch legitim, dass er traurig wird, weil er den Helm nicht selber aufsetzen darf. Nimm ihn in den Arm und erkläre ihm, dass du seine Traurigkeit verstehst und nenn ihm die Gründe, warum du ein Nein ausgesprochen hast! Natürlich bleibst du beim Nein (sonst wärst du inkonsequent und DANN würdest du sein Verhalten bestätigen)!!

Bei meinen Kindern klappt das wirklich SEHR gut! In der Regel verstehen sie mein Nein und beruhigen sich erstaunend schnell.

Ich schick meine Kinder ins Zimmer, wenn sie so dermassen wütend sind und toben, dass sie nicht mehr in der Lage sind, rational zu handeln und die Gefahr besteht, dass deswegen gewisse Situationen eskalieren...
Sie können dann im Zimmer an einem Kissen die Wut auslassen und wieder "runter fahren"! Sie kommen selber wieder raus, sobald die Wut verflogen ist.

LG
local

Beitrag von kyrilla 12.06.10 - 12:53 Uhr

Die meisten Antworten hier erschrecken mich ein wenig.
In unserer Familie werden weinende, unglückliche Menschen IMMER getröstet.
WAS bitte soll das Kind denn aus der Gleichgültigkeit seiner Mutter gegenüber dem Frust, der Wut, seiner Emotion des Kindes lernen?
Kinder sind noch nicht "zivilisiert", sie müssen ersteinmal erfahren, angemessen (was auch immer das in unserer Gesellschaft heißen mag) mit ihren Gefühlen umzugehen. Das ist ein schwieriger und schmerzhafter Prozess. Selbstverständlich helfe ich meinen Kinder dabei, indem ich sie tröste und für sie ihre Gefühle in Worte fasse. So lernen sie nach und nach, dies selbst zu tun. Im Ergebnis habe ich hier einen 4,5 Jährigen, der in der Lage ist mir zu sagen: Ich finde das total doof und ärgere mich über deine Entscheidung!

Ein Kind hat doch ein Recht darauf, auch und vielleicht sogar besonders "liebgehabt" zu werden, wenn es unglücklich ist.

Es wurde ja schon häufiger erwähnt, dass liebevolles Trösten nicht davon abhängig ist, die Entscheidung zu revidieren, allerdings sollte es durchaus Anlass geben zu überdenken, ob mein Handeln wirklich richtig war. Evtl. habe ich übersehen, dass der Stein des Anstosses meinem Kind sehr viel wichtiger war als mir. Dann bin ich durchaus in der Lage nachzugeben.

LG
Kyrilla

  • 1
  • 2