Ylvis Geburt (ausführliche, sehr lange Version)

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von ylvi84 12.06.10 - 04:54 Uhr

Hallo ihr Lieben!

Hab zwar vor zwei Jahren schon mal einen kurzen Geburtsbericht eingestellt, nun hab ichs aber endlich geschafft, die ausführliche Variante fertigzumachen.

Ylvi Matilda, 21.08.2008


18.08.08: Morgen ist errechneter Entbindungstermin! Ich bin mit den Nerven runter, heule jeden Tag, weil Wassereinlagerungen, Atemnot bei der kleinsten Bewegung und natürlich der riesige Bauch mir das Leben schwer machen. Also liege ich den Großteil des Tages auf der Couch und rolle mich hin und her wie ein aufgedunsenes Walroß.
Zudem liegst du am liebsten so, das du mir mit den Füßen rechts unter den Rippenbogen strampeln kannst und du tust in den letzten Tagen nichts lieber als strampeln.
Dario und ich gehen noch 1 Stunde spazieren, ich muss mehrmals stehen bleiben weil alles so drückt (heute weiß ich, das dein Kopf da mächtig ins Becken gerutscht ist!).
Ein 3 1/2 kg Baby im Bauch zu haben ist halt nicht immer ein Zuckerlecken.

19.08.08: Errechnter Geburtstermin. Keine Wehen in Sicht. Dafür habe ich um ca. 9.00 Uhr den Schleimpfropf verloren. Ich bin mehr als euphorisch! Hätte nie gedacht, das ich mich über so ein ekliges schleimiges Ding freuen könnte. Erwarte jeden Moment die erste Wehe oder den Blasensprung - nichts tut sich. Abends heule ich und sage zu Dario "Ich will nicht mehr!".

20.08.08: Stehe um etwa 8.00 Uhr mit Dario auf, der um kurz vor 9 in die Arbeit fährt. Spüre immer wieder in unregelmäßigen Abständen so ein komisches Ziehen. Muss mich das jetzt auch noch quälen, wo ich doch eh schon keine Lust mehr habe?
11.0 Uhr Beim Frauenarzt zum CTG-Schreiben. Deine Herztöne sind super, die Wehenlinie gleicht wie immer einer Nulllinie. Beobachte 45 Minuten lang erbost das CTG und möchte heulen, reiße mich aber zumindest hier noch zusammen. Noch dazu bin ich enttäuscht von meiner Frauenärztin, die nicht mal nach meinem Muttermund schaut. Sie kommt nur kurz vorbei und sagt "CTG schaut gut aus, kommen Sie in 2 Tagen wieder - dann können wir ja vielleicht den Muttermund dehnen."
Kaum sitze ich im Auto, geht dieses komische Ziehen wieder los. "Wehen können das ja wohl nicht sein," denke ich, "auf dem CTG war nix drauf!".
Komme zu Hause an und heule erstmal deine Oma am Telefon voll.
13.00 Uhr Ingeborg angerufen. Brauche Hebammen-Unterstützung und muss mich nochmal ausheulen. Berichte ihr von dem komischen Ziehen. Sie sagt, ich solle mich beruhigen und versuchen zu entspannen. "Nimm erst mal ein schönes Bad. Dein Baby kommt eh nur dann, wenn es kommen will."
Wir verabschieden uns und ich beschließe, erstmal noch zu warten mit dem Baden. Will mir irgendeinen Mist im Fernsehen ansehen. Das Ziehen hält mittlerweile länger an und kommt nun auch häufiger. Mache mir aber keine Hoffnung auf eine baldige Geburt und befürchte, das ich für immer schwanger bleiben muss.
16.00 Uhr Das Ziehen kommt mir komisch vor, fühle mich, als würde ich gleich meine Tage bekommen. Beschließe, mal auf die Uhr zu sehen. Das Ziehen kommt in 15-10 minütigen Abständen. Glaube aber immer noch nicht an Wehen.
17.00 Uhr So, genug vom Fernseher berieselt worden, jetzt gehe ich mal baden. Versuche zu entspannen, aber irgendwie stört mich dieses verdammte Ziehen dabei. Vielleicht doch Wehen?
18.30 Uhr Deine Oma und Onkel Leo kommen vorbei und bringen was zu Essen mit. Deine Oma kommt rein, schaut mich an und sagt: "Was ist denn mit dir los?" Ich berichte kurz von dem komischen Ziehen das genau in dem Moment wieder kommt - ich fasse mir auf den Bauch und sage "Also ich glaube, für eine Wehe ist mein Bauch noch nicht hart genug." Deine Oma fasst mir auch auf den Bauch und sagt "Oh also ich glaube schon, das das Wehen sind."
Daraufhin heule ich und sage, ich werde für immer schwanger bleiben müssen.
19.15 Uhr Oma und Leo sind noch da, ich höre wie die Tür aufgeht und dein Papa nach Hause kommt. Er treibt sich bestimmt 5 Minuten in der Küche rum und ich frage mich, was er da macht.
Irgendwann kommt er doch zu uns ins Wohnzimmer und kuckt geknickt und erleichtert zugleich. Als Oma und Leo weg sind, frage ich ihn, was denn los ist. Er erzählt, er hatte befürchtet, du seist schon geboren und niemand hätte ihm bescheid gegeben. Ich muss lachen.
Wir essen und das Ziehen wird immer stärker. Fange nach dem Essen langsam an, die Wehen zu veratmen, komme mir dabei aber ziemlich doof vor - immerhin können das keine Wehen sein, die hätte das CTG heute ja wohl angezeigt.
19.30 Uhr Ich rufe lieber noch mal Inge an. Zum Glück ist sie zu Hause und sagt, sie kommt gleich noch kurz vorbei. Um etwa 20.00 Uhr ist sie da, ich erhalte die Anweisung, meine Globulis, die ich eh schon 3x am Tag genommen habe, nun alle halbe Stunde einzunehmen. Dann geht sie wieder mit den Worten "Ruf mich dann morgen an, wenn das Baby da ist!". Haha, wirklich witzig. Ich glaube immer noch nicht, das ich Wehen habe.
Dein Papa ist in der Zwischenzeit schon ganz aufgeregt und fragt mich immer wieder, ob wir nicht lieber ins Krankenhaus fahren sollen. Nöö, wieso denn?
22.00 Uhr Oh mein Gott, was denn nun los. Eigentlich liegen wir schon im Bett, aber dann muss ich schnell mal aufs Klo, ich glaub ich hab Durchfall. Tatsache. Und da kommt auch die erste richtig heftige Wehe. Sie kommt daher mit einer Intensität, die mich einfach überrollt. Ich sitze also da auf dem Klo, habe einen Wahnsinnsdruck nach unten und versuche, diesen verdammten Schmerz wegzuatmen. So heftig hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Während ich versuche, vom Klo zu kommen, es aber nicht schaffe, weil mich genau dann immer eine neue Wehe niederstreckt, sage ich Dario, er möge doch jetzt die restlichen Sachen in die Kliniktasche packen, denn ich möchte jetzt doch ins Krankenhaus. Er fetzt durch die Wohnung und stopft alles in die Tasche, was noch auf meinem schlauen Zettel steht. Eine halbe Stunde später habe ich es dann auch vom Klo geschafft. Bis 23.50 Uhr schwanke ich zwischen ins Krankenhaus fahren und mich ins Bett legen und schlafen. Nachdem ich mir die letzten Tage nichts anderes als Wehen gewünscht habe, möchte ich jetzt nichts lieber als schlafen. Da mir die Wehen aber nicht mal erlauben, ruhig im Bett zu liegen (ich kann gar nicht anders, ich muss einfach aufstehen), fahren wir dann doch endlich mal los.
Zwei Wehen im Auto - schrecklich, wenn man während der Wehe sitzen muss - eine weitere auf dem Weg vom Parkplatz zur Notaufnahme. Ich hänge währenddessen an deinem Papa und schnaufe. Mittlerweile weiß ich, das sich die Frauen bei "Mein Baby" doch nicht einfach nur so angestellt haben.
Auf dem Weg von der Notaufnahme zum Kreißsaal zwei weitere Wehen. Während einer der Wehen läuft uns die Röntgentante über den Weg, die mir aufmunternd zulächelt und uns Alles Gute wünscht. Möchte sie gern verprügeln oder zumindest anschreien, weil ich nicht verstehe, was es da zu lächeln gibt, bin aber mit Veratmen beschäftigt.

21.08.08, 0.02 Uhr Beim Kreißsaal angekommen stelle ich mit großer Erleichterung fest, das heute eine sehr nette Hebamme Dienst hat (hatte immer befürchtet, ich würde eine Blöde erwischen...).
Magdalena bittet uns in den Kreißsaal zu kommen. "Jetzt schreiben wir erstmal eine Runde CTG" sagt sie. Soll mir recht sein.
Also ab auf die Liege und ans CTG. Nun ist es mir doch nicht so recht, denn das Bauchband vom CTG und das Liegen stören mich arg, aber da muss ich nun wohl durch. Magdalena stellt uns einige Fragen, die größtenteils dein Papa beantwortet, während ich dabei bin, Wehen zu veratmen (die auf dem CTG zwar durchaus angezeigt werden, aber nicht besonders stark). Übrigens war es auch er, der die Frage beantwortete, welchen Nachnamen du haben sollst - er hat sich dann für meinen entschieden.
0.30 Uhr Die Hebi will den Muttermund kontrollieren, um uns gegebenenfalls wieder nach Hause zu schicken, falls sich da noch nichts getan hat. Sie schaut dabei etwas irritiert und sagt dann: "Wollen Sie mich veräppeln?" Ich denke nur: "Och nöö, es hat sich noch nichts getan, ich muss wieder nach Hause, die ganzen Wehen waren umsonst."
Allerdings sind Magdalenas nächste Worte: "Ihr Muttermund ist schon 7cm auf!" Juhu! Nur noch 3cm und ich darf pressen. Außerdem vermutet die Hebi, das die Fruchtblase bald springt, da sie schon prall nach unten hängt.
Wir ziehen vom Wehenzimmer in den richtigen Kreißsaal um. Meine kleine Bauchmaus, bald wird es richtig ernst für uns!
0.50 Uhr Die Ärztin kommt vorbei (sie sieht müde aus und in dem Moment tut es mir leid, das sie wegen mir aufstehen musste) und macht noch einen kurzen Ultraschall. Sie schätzt dich auf 3600-3900g. Wow, mit so viel hätte ich irgendwie nicht gerechnet. Sie erwähnt noch, das dein Kopf wohl recht groß sei, genau könne sie es aber nicht sagen, da er schon so tief ins Becken gerutscht ist. Gott sei Dank habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht.
1.00 Uhr Ich veratme ein paar Wehen stehend, entweder an deinen Papa oder an das Kreißbett gelehnt. Die Wehen sind zwar immer noch sehr heftig, aber ich habe mich irgendwie ein bisschen daran gewöhnt, kann sie gut veratmen und fühle mich noch recht fit. Die Hebamme bietet mir an, Wasser in die Gebärwanne einzulassen. Immer gern!
Währenddessen schickt sie mich nochmal auf die Toilette, auf der ich weitere drei Wehen veratme. Als ich wiederkomme, schaut dein Papa mich ganz besorgt an und sagt, er weiß, das ich grad ziemlich heftige Wehen hatte, denn er hat es auf dem CTG gesehen. Schon toll, so ein schnurloses CTG.
1.30 Uhr Endlich darf ich in die Wanne. Habe mir etwas Erleichterung erhofft, aber die Wehen werden nur noch schlimmer. Ich liege in der Wanne und töne wie ein gestrandeter Wal.
2.00 Uhr Muttermund ist komplett verstrichen, ich kriege die Erlaubnis schon mal leicht mitzupressen. Aber Baby, leicht pressen gibt es bei uns nicht! Entweder ganz oder gar nicht, denken wir uns, und pressen mal richtig los. Auch bei jeder weiteren Wehe wird gepresst, was das Zeug hält. Sehr anstrengend, aber wenigstens merkt man währenddessen die Presswehen nicht mehr so.
2.20 Uhr Magdalena sagt, das sie mir die Fruchtblase sprengen will, damit es besser vorangeht. Ich bin für alles, was die Geburt beschleunigt dankbar und stimme zu. Sie eröffnet die Blase in der Wanne und ich merke rein gar nichts davon.
2.25 Uhr Versuche, während einer Wehe mit dem Kopf unterzutauchen - keine Ahnung, was ich mir davon verspreche - und merke ein paar Hände an meinen Armen, die mich wieder hochziehen. Bin sauer, weil man mich nicht tauchen lässt, bis mir die nächste Wehe jeden Gedanken aus dem Kopf bläst.
2.30 Uhr Hebi fragt, ob es okay sei, wenn eine der Nachtschwestern der Gyn zuschauen würde, da sie gern mal eine Wassergeburt sehen würde. Ich bin gerade mitten in einer Presswehe, will eigentlich schreien, das es mir scheißegal ist, aber komme nur dazu, zu nicken.
2.35 Uhr Okay, langsam verlassen mich meine Kräfte. Ich sehe Dario an, er hält meine Hand und lächelt. Ich weiß, das es auch Momente gab, in denen er mich besorgt angesehen hat, aber irgendwie kann ich mich nur an dieses Lächeln erinnern. Ich bin so froh, das dein Papa die ganze Zeit da war, an unserer Seite, und gelächelt hat - er war mein Fels in der Brandung, wirklich.
2.40 Uhr Magdalena verlässt kurz den Raum, um irgendwas zu holen. Ich bin kurz davor in Panik auszubrechen. Hätte ich nicht gerade eine Wehe, würde ich ihr nachrufen, das sie dableiben und mich nicht alleine lassen soll (das die Ärztin, die Nachtschwester und Dario im Raum waren habe ich völlig ausser Acht gelassen - sie hat mir einfach so viel Sicherheit gegeben).
Dario legt mir einen nassen Waschlappen auf die Stirn, den ich ihm postwendend wutentbrannt wieder entgegen schleudere. Kann im Moment nichts an meinem Körper ertragen und ziehe deshalb das T-Shirt aus, das ich noch an hatte. Kurz bevor ich anfangen kann, den CTG-Gurt abzubauen, rollt die nächste Wehe daher und ich beschäftige mich lieber mit pressen.
2.45 Uhr Pressen, pressen, pressen. Ich kann nicht mehr, und das sage ich auch zwischen den Wehen mehrmals ziemlich deutlich. "Ich kann nicht mehr. Holt das Baby da raus. Ich will nach Hause und schlafen." "Geht nicht." sagt die Hebi, und damit ist sie Sache gegessen.
3.00 Uhr Wurde nun schon mehrmals aufgefordert, die Wanne zu verlassen, da dein Kopf immer wieder nach den Wehen zurückrutscht. Ich will mich aber nicht bewegen und dich einfach nur da rausdrücken. Aufforderungen werden vehementer. "Nei-hei-hein!" wimmere ich. Mir wird ein Wehentropf angedroht, was mich dann doch dazu bewegt, die Wanne zu verlassen.
3.05 Uhr Hebi verabreicht mir zum wiederholten Mal Oxytocin-Nasenspray, um die Wehen zu verstärken. Möchte ausrasten und ihr die Hand brechen oder etwas ähnlich schmerzhaftes mit ihr tun, überlege es mir dann aber doch anders. Immerhin ist sie die einzige Hebamme in diesem Raum und wir brauchen ihre Hände heute wohl noch.
3.10 Uhr Ich werde aufgefordert, zu pinkeln. Wie skurril ist das denn bitte!? Pinkeln. Wer kommt denn auf solche Ideen. Will mich erst weigern, beschließe dann aber - warum auch immer - es doch zu tun. Setze mich aufs Klo und pinkle. Herrlich, was für eine Erleichterung. Also ich muss sagen, manchmal ist es gar nicht so dumm, was die Profis einem vorschlagen.
3.20 Uhr Befinde mich auf dem Weg zum Gebärhocker, muss währenddessen zweimal im Stehen pressen. Sehr unangenehme Sache das. Aber es bringt was, sagt die Hebi, dein Kopf ist schon weiter unten. Kaum sitze ich jedoch auf dem Gebärhocker rutscht er wieder zurück. Möchte heulen oder alternativ nach Hause und schlafen, da aber beides unnötige Kraftverschwendung wäre, beschließe ich, einfach mit deiner Geburt weiterzumachen.
Also krabble ich mit Unterstützung aller Anwesenden aufs Gebärbett. Magedalena verlangt von mir, mich in den Vierfüßlerstand zu begeben. "Okay ich tue alles was ihr sagt, aber holt bitte endlich das Kind da raus!" denke ich. Meine Stimmung wechselt im Minutentakt von aggressiv zu hilflos weinerlich. Eine Wehe presse ich also im Vierfüßler und denke, ich muss sterben. Es fühlt sich tatsächlich an, als würde mir da unten gleich alles wegexplodieren. Ich bettle die Hebi an, die Stellung wechseln zu dürfen. Ich darf, werde aber genötigt, mich auf die Seite zu legen. DAS wollte ich nun aber auch nicht. Verbringe also eine Presswehe auf der Seite, da das aber auch nichts bringt, beschließen die anderen Anwesenden, das ich mich doch auf den Rücken legen soll.
3.40 Uhr Fühle mich wie ein hirnloser Zombie der Befehle ausführt und rolle mich mit Unterstützung der Anderen auf den Rücken. Magdalena versucht zweimal, mir ein Flügelhemd anzuziehen, das ich mir jedes Mal umgehend vom Körper reiße, weil die Berührung des Stoffes mich fast in den Wahnsinn treibt. Hätte niemals gedacht, das ich mich jemals in meinem Leben nackt mit gespreizten Beinen vor drei fremden Leuten hinlege und mich aufführe, wie eine Besessene. Gott sei Dank hat das niemand gefilmt.
Bei der nächsten Wehe soll ich meine Beine festhalten, das Kinn auf die Brust legen und natürlich pressen. Eigentlich habe ich an dieser Stelle wirklich keine Kraft mehr, aber plötzlich packt mich doch der Kampfgeist und ich denke "Das Kind MUSS da jetzt raus!". Also Hände in die Kniekehlen, Kopf auf die Brust und preeeessen! Ich presse und presse, auch ohne Wehe. Werde kurz ermahnt, das ich nicht ohne Wehe pressen soll, aber es ist mir wurscht! Das Oxytocin-Nasenspray kommt nochmal zum Einsatz, aber ich komme nicht dazu, mir Foltermethoden für die Anwesenden zu überlegen, da ich spüre, wie dein Kopf in der Wehe runterrutscht und mir alles aufdehnt.
Die Hebi sagt, ich solle mir mal zwischen die Beine fassen, da sei dein Kopf, aber ich kann und will nicht, denn ich muss dich da jetzt rausdrücken. An irgendeiner Stelle sagt Magdalena plötzlich, ich solle aufhören zu pressen und stattdessen hecheln - ich weiß nicht, wozu das gut sein soll, aber ich tue es. Hecheln wie ein Hund. Unterum brennt alles furchtbar und ich könnte schwören, das ich gleich auseinanderreiße.
"Und noch einmal pressen!" ruft die Hebamme, und ich tue, wir mir befohlen wurde.
4.10 Uhr Gerade fühlt es sich noch an, als würdest du mir alles zerreißen, da macht es auf einmal Plopp - und die Schmerzen und das Brennen und der Druck sind schlagartig vorbei und es fühlt sich warm an zwischen meinen Beinen. Und da liegst du.
Die Hebamme sagt etwas, die Ärztin sagt etwas, dein Papa lacht, die Nachtschwester gratuliert uns. Ich sehe dich an - du bist ganz rot, feucht und hast kaum Käseschmiere - und weine vor Erleichterung, Glück, Liebe.
Du schreist nicht, da du zu viel Fruchtwasser im Hals hast, deshalb muss die Ärztin dich kurz absaugen und dann folgt dein erster, empörter Schrei. Magdalena fragt Dario, ob er die Nabelschnur durchschneiden möchte, was er ablehnt. Auch ich werde gefragt, möchte jedoch ebenfalls nicht, weil ich dann aufhören müsste, dich anzusehen. Die Hebamme schneidet also die Nabelschnur durch und legt dich dann auf meinen Bauch. Du bist sehr weich und warm, du hast blonde Haare und riechst so gut und bist das schönste Wesen, das ich je gesehen habe. Und wir sehen uns zum ersten Mal gegenseitig in die Augen und in diesem Moment weiß ich mit einer nie zuvor gekannten Bestimmtheit, das ich dich ab jetzt für immer bedingungslos lieben werde.
4.25 Uhr Magdalena nimmt dich und übergibt dich an deinen Vater, der dich mit einer Selbstverständlichkeit hält, als hätte er in seinem Leben noch nie etwas anderes gemacht. Ich bin so stolz auf euch beide. Während die Hebamme und dein Papa dich ein bisschen sauber machen und vermessen - du bist 53 cm groß, 3770 g schwer und hast einen Kopfumfang von 37 cm - wird mir von der Ärztin etwas gespritzt, damit sich die Plazenta löst. Währenddessen drücke ich mir ungläubig auf dem Bauch herum, der sich ganz weich und wabbelig und leer anfühlt. Kurze Zeit später habe ich nochmal eine Wehe und die Plazenta wird vollständig geboren. Ich werde noch untersucht und die Ärztin stellt einen Dammriss zweiten Grades und einen kleinen Scheidenriss fest, die noch genäht werden müssen - das Nähen ist kein Vergnügen, aber ich lenke mich damit ab, dich anzusehen.
Ylvi. Endlich bist du da.

Beitrag von elea 12.06.10 - 07:54 Uhr

schön geschrieben - und lustig, musste ein paarmal lachen.Dein geburtsbericht wäre ne tolle story für meine hebamme, denn vieles was sie uns gesagt hat, findet man in deinem bericht wieder! (.z.b wurden die männer im krus angewiesen,alle 2 stunden mit uns aufs klo zu gehen, denn mit voller blase kann man schlechter entbinden^^)

alles liebe

alexandra

Beitrag von katerella 12.06.10 - 13:41 Uhr

ein wunderschöner geburtsbericht!!!
ich danke dir vielmals, dass ich das lesen durfte!
habe meinen laptop vor lachen angebrüllt und am schluss mit tränen überflutet :-)
weiterhin alles gute für euch!
claudi :-D

Beitrag von sandra.d 12.06.10 - 16:29 Uhr

Dein Bericht liest sich einfach wunderbar!
Witzig und auch seehr anrührend.
Danke!

LG,

Sandra

Beitrag von anibelle 12.06.10 - 21:53 Uhr

Sehr toll geschrieben. Du hast mit deiner Wortwahl sehr gut meine Gedanken während der Geburt wiedergegeben. Konnte mich gut damit identifizieren....hihih...

Beitrag von robbie1987 13.06.10 - 10:19 Uhr

Wirklich schöner Geburtsbericht #verliebt. Und ein ganz toller Name #verliebt#verliebt#verliebt.

Lg Leslie mit Lilith und evtl. Ylvie inside (30.SSW)

Beitrag von lachiara 16.06.10 - 19:46 Uhr

Wunderschön!

Beitrag von fechtwoman 16.06.10 - 22:20 Uhr

Ein wunderwunderschöner Bericht!

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt eurer kleinen Prinzessin!

LG

Gunda mit 2 Jungs (3,5 Jahre alt und fast 2 Jahre alt)