Wie helfen beim "Entschuldigung" sagen?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von jenx 12.06.10 - 23:33 Uhr

Hallo zusammen,

unser Sohn (4) hat ein riesiges Problem damit, sich zu entschuldigen. Wenn er einem Kind weh tut o. ä., dann ist er nicht in der Lage sich zu entschuldigen. Es gibt riesen Geschrei und er weigert sich.

Und so ist es bei ihm immer. Wenn ich mit ihm hingehe (verlangt er dann oft), dann hängt er an meinem Bein, versteckt sich halb und nuschelt nur ein motziges "Tschuldigung". Und selbst das muss man schon erzwingen, sonst heult er nur und bleibt stur.

Ich versuche ihm zu erklären, dass man mal daneben greifen kann und man sich dann eben einfach entschuldigt und gut ist! Gerade wenn einem Dinge aus Versehen passieren, ist es überhaupt nicht schlimm, sich zu entschuldigen. Nach dem Motto leben wir ihm das auch vor, d. h. wenn er sich entschuldigt, ist die Sache gegessen (es sei denn natürlich es war was richtig schwerwiegendes...). Insofern verstehe ich gar nicht, dass er so ein Drama daraus macht. Er war allerdings schon immer so. Selbst als ganz Kleiner wollte er nie "Ei" machen, wenn er jemandem weh getan hatte. Da fing es schon an, dass er sofort losgebrüllt hat, wenn man meinte: Schau, du hast XXX weh getan, machst du mal "Ei"? Alle anderen Kinder habens gemacht, meiner nicht. Und es ist seitdem keinen Deut besser geworden :-(

Wie ist das bei euch? Verlangt ihr "korrekte" Entschuldigungen (anschauen, ansprechen oder Hand geben?)? Machen eure das freiwillig? Oder müsst ihr sie auch erstmal aus dem Zimmer schicken, bis sie sich zusammen nehmen und entschuldigen? An eine Phase mag ich nicht denken, dafür dauerts mir schon zu lange (quasi 4 Jahre :-p). Ich mag ihn eigentlich auch nicht dazu zwingen. Bringt ja schließlich nichts, das ist eine der Sachen, die er selber einsehen muss, sonst macht er es ja nur, wenn ich daneben stehe und ihn zwinge...

Wie kann ich es ihm leichter machen? Irgendwelche Tips oder Tricks?

Viele Grüße
Jenny

Beitrag von ich_und_ich 13.06.10 - 00:10 Uhr

Hallo,

mein KInd ist 3,5Jahre und bei uns fängt das gerade an mit dem "Entschuldigen" ..

Wenn mein Kind sich blöd verhält sag ich, dass es sich entschuldigen soll und bis es das tut bin ich dann auch eher unterkühlt. Ich weiße dann ab und an darauf hin, dass alles kein problem ist, so lange es "Entschuldigung" sagt.. was dann auch irgendwann immer noch kommt..

Manchmal dauert es .. aber es kommt und dann ist alles gut.. ich bleibe aber dann acuh hartnäckig, bevor das nicht kommt bin ich acuh nicht mehr lieb ..

LG

Beitrag von jenx 13.06.10 - 00:25 Uhr

Mache ich momentan auch so. Bloß gibts bei uns dann jedesmal, wenn er ankommt und ich wieder sage: Ich möchte, dass du dich erst entschuldigst! wieder riesen Gebrüll und er rennt raus. Dann kommt er nach 10 Minuten wieder und es geht von vorne los :-( Ein totaler Machtkampf...und das ist doch eigentlich gar nicht Sinn der Sache...

LG

Beitrag von krumel-hummel 13.06.10 - 04:55 Uhr

Hallo

Der Machtkampf muss aber scheinbar sein, da es dein Sohn sonst nicht macht. Zieh das durch, und du wirst sehen, dass gibt sich von selbst.

Eine bessere Antwort wie die meiner Vorschreiberin gibt es nicht. Liebevolle Konsequenz ist hier das zauberwort, auch wenn dein Sohn scheinbar eine gute Ausdauer hat.

Mein Sohn ist 3 1/2. Er entschuldigt sich bereits (aus tiefstem Herzen!), wenn er versehentlich etwas kaputt gemacht hat oder jemanden verletzt hat. Fühlt er sich im Recht, ist es auch noch ein "kleiner Kampf", den ich aber jetzt schon nach 2 Minuten gewinne ;-)

Gruß
Hummel

Beitrag von dodo0405 13.06.10 - 08:55 Uhr

Seid ihm ein Vorbild.

Von Sanktionen halte ich da nichts. Und auch nicht, ein Kind darauf zu konditionieren, immer "ei" zu machen, auch wenn es gar nicht versteht, warum es das andere Kind, dem es grad noch so lustig die Schaufel auf den Kopp gehauen hat, nun umarmen muss.

Entschuldigt ihr euch auch bei ihm, wenn mal was nicht so läuft wie abgemacht?

Wir leben das einfach vor, sprich: Entschuldigung und "Entschuldigung angenommen" sind bei uns gebräuchliche Formulierungen, ebenso wie "Tut mir leid" und "Macht nix".

Wobei die Kleinen manchmal aber auch nicht "sehen", wann eine Entschuldigung angebracht ist. Das können ja oftmals nicht mal Erwachsene.

Dann erkläre ich die Situation meiner Tochter und wie sich ihr Gegenüber jetzt fühlt... dann kommt meistens von selbst ein "Entschuldigung". Wenn nicht, erzwinge ich es aber auch nicht.

lg

Beitrag von froehlich 13.06.10 - 10:00 Uhr

Sehr gut! Stimme Dir wirklich zu. Diese Konditioniererei (vor allem auch im Kindergarten) halte ich für völlig falsch. Mein Sohn (jetzt 6 Jahre alt) war eigentlich schon ziemlich gut im "sich entschuldigen" - einfach deshalb, weil wir's ihm konsequent vorgelebt haben und auch kein großes Heiopei drum veranstaltet haben. Im Kiga müssen die Kinder aber planmäßig 1) Händchen schütteln 2) sich artig entschuldigen 3) eiei machen, wenn sie sich mal gestritten oder gekloppt haben. Dabei wissen die Erzieherinnen natürlich oft nicht mal, was einem Konflikt vorausgegangen ist. Dementsprechend hat mein Sohn jetzt einfach oft die Nase voll vom Entschuldigen! Ein Kind merkt instinktiv, was echt ist und was einfach nur einstudiert ist. Ich halte dieses übertriebene "sich sofort entschuldigen müssen", wenn man mal sauer auf den anderen ist/war, für kontraproduktiv. Wie steht's denn mit uns? Entschuldigen WIR uns immer sofort für jedes böse Wort oder eine aggressive Geste? Ich gebe zu: ich nicht. Manchmal braucht sowas Zeit. Wichtig ist doch nur, daß es irgendwann kommt - und dann bitte von Herzen.

Babs

Beitrag von jenx 13.06.10 - 14:32 Uhr

Hallo Dodo,

ja, wir entschuldigen uns immer beieinander.

Das mit dem Ei machen war doof ausgedrückt. Allerdings gehe ich davon aus, dass er niemandem weh tun WOLLTE, das war mehr ausprobieren. Nichtsdestotrotz, damit fing es schon an. Umarmen musste er nie. Am Kopf Ei machen und gut wars.

Weißt du, er muss sich jetzt nicht mal entschuldigen, wenn er jemanden gehauen hat... Ich empfinde genau das als konditionieren. Wenn ich absichtlich fies zu jemandem war, dann liegt mir schließlich nichts ferner als mich zu entschuldigen. Dann WOLLTE ich fies sein. In solchen Fällen erkläre ich ihm, dass ich sein Verhalten nicht gut finde und erkläre ihm, warum. Dass das Hauen etc. demjenigen weh getan hat und er sich jetzt schlecht fühlt und ich es nicht schön finde. Anschließend frage ich ihn, ob das beabsichtigt wra. Dann kann er sich - wenn er möchte - entschuldigen. Meist möchte er nicht :-) Dann erkläre ich ihm aber nochmals, dass das kein schönes Verhalten ist und auch, wie für ihn die Konsequenzen aussehen, wenn er sich weiter so verhält (keiner will mit ihm spielen, er wird nicht mehr zu Geburtstagen eingeladen, etc.). Meist sieht er es dann ein.

Es geht mir hier aber mehr um Fälle, in denen er es AUS VERSEHEN gemacht hat. DAS sind für mich die Situationen, in denen eine Entschuldigung angebracht ist. Er entschuldigt sich auch bei uns, wenn er aus Versehen mal beim auf uns klettern die Weichteile erwischt :-p Aber sobald es um jemand anderen geht, ist der Ofen aus und er brüllt nur noch rum. Und das kann ich nicht ganz nachvollziehen...denn da ist es doch keine große Sache! Er WOLLTE ja nichts böses. Trotzdem macht er sofort dicht. Ganz merkwürdig. Ich habe das Gefühl, als ob er nicht einsieht, warum er sich entschuldigen soll, obwohl es keine Absicht war #gruebel

LG
Jenny

Beitrag von zickl2000 13.06.10 - 09:52 Uhr

Hallo,
ich bite ihm immer an, daß er sich gleich entschuldigen kann und es ist wieder gut. Wenn er nicht möchte schicke ich ihn raus und sage ihm er darf wiederkommen wenn er sich entschuldigt. Das dauert manchmal bis zu 1 Stunde. Dann kommt er von selbst und entschuldigt sich. Wir entschuldigen uns bei Pascal auch, wenn etwas nicht so gut war.
lg
Nicole