Überqualifiziert??

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von alexa1973 18.06.10 - 21:57 Uhr

Hallo!

Ich habe jetzt, nach mehreren Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen, eine Halbtagsstelle gefunden, die ich wirklich klasse finde!

Zugrunde liegt eine Ausbildung als Wirtschaftsassistentin mit dem Schwerpunkt Fremdsprachen und die Fachhochschulreife im Fachbereich Wirtschaft.
Anschließend habe ich als Quereinsteiger im Reisebüro gearbeitet und bin dann immer in der Touristik gewesen, hauptsächlich bei Reiseveranstaltern.

Dazu muß ich sagen, dass ich mit 16 schon Hotelfachfrau werden wollte, was ich aber durch die Ablehnung meiner Mutter und deren Streben nach Höherem nie verwirklichen konnte.

Ich habe jetzt ein 5-jähriges Kind und bin (auch krankheitsbedingt) seit 7 Jahren zu Hause.
Ich möchte gern in Teilzeit wieder arbeiten und habe mich bei ein paar Bürojobs vorgestellt. Die habe ich abgelehnt, weil mir die Arbeit in einem vermufften Büro, über Ablage und Zahlen brütend, nicht so gefällt.
Liegt wohl auch an meinem Lebenslauf.

Initiativ habe ich ein paar Anfragen an die kleineren Hotels (die großen nehmen nur gelernte Kräfte) geschickt und jetzt ein Angebot von einem familär geführten Hotel bekommen, die eine Teilzeitkraft in der Spätschicht suchen (3 x die Woche 7 Stunden).
Das vermeindliche Problem liegt darin, dass die Arbeit sich in 30% Büro und Rezeption und 70% sogenannte "Hausarbeiten" (Frühstückstische eindecken, Blumen gießen, bügeln usw.) aufteilt.
Mich kratzt das überhaupt nicht, aber die Inhaberin des Hotels war sehr erstaunt, dass ich zurück rief, bei DEEEEER Ausbildung.

Gleiches kam von meinem Mann und natürlich auch von meiner Mutter.

Ich bin jetzt schon wieder verunsichert. Mir macht es nichts aus, diese Arbeiten zu machen, ich finde es besser als Aktenwälzen im Büro, aber wirkt sich das negativ in meinem Lebenslauf aus?
Darauf sollte man ja auch achten.

Über Meinungen freue ich mich!

Beitrag von myimmortal1977 18.06.10 - 23:38 Uhr

Ich verstehe jetzt Dein Problem nicht. Hast Du Angst um Deinen Lebenslauf oder möchtest Du eine Arbeit, die Dir vermeintlich Spaß machen würde?????

Wenn Dir ein muffiger Bürojob nicht zusagt (habe ich das richtig verstanden in Deinem Thread, Du hast Dich beworben, aber trotzdem dann abgesagt #kratz, schon sehr seltsam)..... und Dir der Job nach Deinen Vorstellungen zusagt, dann mach die Arbeit, bevor Du im muffigen Büro unter Zahlenbergen erstickst....

Man kann manchmal nicht beides haben. Die goldene Medaille im Lebenslauf und Spaß an der Arbeit...

Außerdem bedenke... Selbst "niedere" Arbeiten eröffnen einem manchmal Positionen zu gaaaaanz anderen und teilweise tollen Möglichkeiten.

Im Übrigen werden in meinem Unternehmen Leute mit schulischer Ausbildung, wie Du sie hast, schlechter bezahlt, als Leute mit regulärer kaufmännischer Ausbildung. Sooooo dolle, wie Du es nun dahin stellst, ist eine schulische Ausbildung nicht.

Dir alles Gute

Janette



Beitrag von alexa1973 19.06.10 - 09:06 Uhr

"Hast Du Angst um Deinen Lebenslauf oder möchtest Du eine Arbeit, die Dir vermeintlich Spaß machen würde????? "

Möglichst beides ;-)

"Außerdem bedenke... Selbst "niedere" Arbeiten eröffnen einem manchmal Positionen zu gaaaaanz anderen und teilweise tollen Möglichkeiten. "

Danke schön für den Tip!!

"Im Übrigen werden in meinem Unternehmen Leute mit schulischer Ausbildung, wie Du sie hast, schlechter bezahlt, als Leute mit regulärer kaufmännischer Ausbildung"

Wo arbeitest DUUU den, das habe ich noch nie gehört!
Diejenigen aus meiner Ausbildung, zu denen ich noch Kontakt habe, haben alle durch die Bank wirklich gute Jobs.

Man bedenke, es handelt sich um eine Ausbildung, die fremdsprachenorientiert ist. Da man diese als Ausbildungshiwi in einem Betrieb mit 1-2 halbe Tage Berufsschule nicht in der Form vermitteln kann, ist die Ausbildung schulisch. Macht Sinn, oder? ;-)

Beitrag von myimmortal1977 19.06.10 - 12:28 Uhr

"Wo arbeitest DUUU den, das habe ich noch nie gehört!
Diejenigen aus meiner Ausbildung, zu denen ich noch Kontakt habe, haben alle durch die Bank wirklich gute Jobs."

Das hat weniger was damit zu tun, dass man mit Deinem Ausbildungsweg keine guten Jobs ab bekommen kann, sondern mehr damit, dass Leute in selbiger Position, die eine kaufmännische Ausbildung vorweisen können, im selben Job besser bezahlt sind. Ich arbeite in einem weltweit agierenden Großkonzern mit mehr als 15.000 Mitarbeitern.

"Man bedenke, es handelt sich um eine Ausbildung, die fremdsprachenorientiert ist. Da man diese als Ausbildungshiwi in einem Betrieb mit 1-2 halbe Tage Berufsschule nicht in der Form vermitteln kann, ist die Ausbildung schulisch. Macht Sinn, oder?"

Macht weniger Sinn als Du es vermutlich zu glauben vermagst. Großkonzerne stehen mehr auf Praxiserfahrung, als auf rein theoretisches Wissen. Der kaufmännische Zweig wird in Sachen Praxis auf einer Wirtschaftsschule nur theoretisch vermittelt, ggf. gibt es einige wenige Praktika, die aber nie und nimmer nicht das Wissen im kompletten Praxisablauf decken können.

Dein fremdsprachliches Können kann man sich auch an Abendschulen parallel zur Ausbildung oder auch im späteren Verlauf aneignen.

Die Bewertung einer schulischen und einer kaufmännischen Ausbildung liegt einzig und allein in der praktischen Erfahrung und Ausführung komplexer kaufmännischer Zusammenhänge. Denn, nur weil Du theoretisches Wissen hast, heißt das noch lange nicht, dass Du es praktisch im unternehmerischen Sinne umsetzen kannst.

Das ist der kleine, aber oftmals feine Unterschied, der eine schulische und kaufmännische Ausbildung in selbiger Position in Gehaltsfragen unterscheidet.

Ich habe selber eine kaufmännische Schule besucht und erfolgreich absolviert. Aber im Anschluss noch eine kaufmännische reguläre Lehre dahinter gesetzt.

Im Übrigen, womit ich Deine Aussage nochmals widerlegen kann: Ich bilde in dem Unternehmen, wo ich tätig bin, abteilungsgebunden selber aus. Wenn man in eine Ausbildung eine kaufmännische Schule mitbringt, kann man die Lehrzeit ggf. von 3 Jahren auf 2,5 Jahre verkürzen. Aber ersetzen kann man die Quali einer kaufmännischen Ausbildung mit einer schulischen Ausbildung nicht.

Eine ehemalige Kollegin von mir kam mit einer Quali, wie Du Sie vorweisen kannst in unser Unternehmen, auch ohne kaufm. Ausbildung. Sie war 400 € unter mir bezahlt, trotz gleicher Arbeit.

Es wird schon seinen Grund haben, warum das so war. An Ihrer Art und Weise zu arbeiten, lag es jedenfalls nicht.

Dir viel Glück!

Janette

Beitrag von snowy 18.06.10 - 23:56 Uhr

"und habe mich bei ein paar Bürojobs vorgestellt. Die habe ich abgelehnt, weil mir die Arbeit in einem vermufften Büro, über Ablage und Zahlen brütend, nicht so gefällt. "

Aber sonst weisst du schon was du willst? Dann spare doch denen, die deine Berwerbungen durchschauen die Mühe!

"(die großen nehmen nur gelernte Kräfte)"

Das sagt doch schon aus, was deine "Ausbildung" in diesem Bereich wert ist.

"Mich kratzt das überhaupt nicht, aber die Inhaberin des Hotels war sehr erstaunt, dass ich zurück rief, bei DEEEEER Ausbildung. "

Was für eine grossartige Ausbildung denn? Du hast neben dem "Titel" lediglich noch die Fachhochschulreife und über diesen Weg keinerlei praktische Erfahrungen ( zumindest im Hotelgewerbe ).

Wenn es dich nicht kratzt, dann fang doch an zu arbeiten.

#snowy

Beitrag von alexa1973 19.06.10 - 09:13 Uhr

"(die großen nehmen nur gelernte Kräfte)"

Das sagt doch schon aus, was deine "Ausbildung" in diesem Bereich wert ist.

Ähmmm, ich bin keine Hotelfachfrau???? #augen

Selbst wenn ich Ingenieur wäre, würde ich in einem großen Hotel keinen Arbeitsplatz bekommen.
Es hat etwas mit der Sparte zu tun, nicht mit der Qualität der Ausbildung.

"über diesen Weg keinerlei praktische Erfahrungen"

Ja, das stimmt, das schrieb ich ja schon. Ich habe auch keine Erfahrung auf dem Bau, als Zimmermann oder in der Altenpflege, man kann nicht alles haben.

Beitrag von snowy 19.06.10 - 10:10 Uhr

"Ähmmm, ich bin keine Hotelfachfrau???? "

Oh man, auch schon gemerkt? Sei froh dass du mit der Vorbildung in so einem Bereich unterkommst und stell dich nicht auf eine Stufe wo du gar nicht hin gehörst. Sofern du bei deiner "hohen" Bildung doch soviel bessere Jobs annehmen kannst, dann nimm sie doch an!

Ach, es gibt keinen der dich im Moment einstellt?
Lösung: Geh im Hotel arbeiten oder bleib zu Hause!

#snowy

Beitrag von smurfine 19.06.10 - 08:35 Uhr

Hallo,

ich hab selber in der Hotellerie gelernt und auch ein paar Jährchen gearbeitet bevor ich einen anderen Weg einschlug. Mit Mann und Kindern finde ich es nämlich kaum vereinbar.

Jedenfalls bezieht sich das mit DEEEER Ausbildung auf "keine verwendbare/vorteilhafte Ausbildung". Gerade im Hotelgewerbe wirst Du Gefahr laufen von den "Gelernten" wie der Hiewie behandelt zu werden. Die haben ihre Ausbildung ja nun auch nicht geschenkt bekommen und irgendwo bleibt es halt immer wieder bei "gelernt ist gelernt"

Außerdem muss ich Dir die Illusion nehmen, dass Dein Werdegang was Hervorstechendes in der Branche ist. Unsere Hotelfach-Azubis und Azubinen hatten überwiegend, die Köche zum Teil auch Allgemeine Hochschulreife vorzuweisen.

Weiterhin bleibt mir der Verdacht, dass Dein Gehalt dort alles andere als erfüllend sein dürfte. Schon gelernte Kräfte werden meistens nicht rosig bezahlt.

Wenn Dich der Job glücklich macht, nur zu. Nach 7 Jahren Pause gewinnt Dein Lebenslauf eh keinen Preis mehr, . Und vom Lebenslauf alleine kann man sich auch nix kaufen. Have fun.

LG;
smurfine

Beitrag von alexa1973 19.06.10 - 09:23 Uhr

Danke für Deine Antwort!

Du hast schon recht damit, das ich den Gelernten unterstellt bin, das sehe ich genauso.
Die Bezahlung geht eigentlich, in der Touristik verdient man auch nicht viel, ich bin das sozusagen gewöhnt und es stört mich auch nicht. Das Geld hat keine Priorität.

BTW: Wozu braucht ein Koch die allgemeine Hochschulreife? #kratz

Beitrag von schnullerbacke23 19.06.10 - 09:50 Uhr

Warum den nicht? Mein bruder ist auch Koch und hat Abi. Ist doch nicht verkehrt.

Beitrag von smurfine 19.06.10 - 12:04 Uhr

Brauchen ist relativ. Dass jeder Depp Koch lernen kann ist leider immernoch weit verbreitete Meinung. Dieser Beruf ist aus meiner Sicht deutlich schwerer und anspruchsvoller als der der Hotelfachleute (weil Du den Beruf als Beispiel nennst).
Was ein Koch alles wissen soll und muss, da steckt schon was hinter.
Klar, es gibt auch die die nichts können und nichts wollen. Die findest dann hinterher aber auf dem Amt wieder, die kann keiner brauchen.

Die mit Abi haben ganz andere Perspektiven. Beispielsweise können die nach der Meisterprüfung noch studieren und Fachlehrer an Berufsschulen werden. Auch andere Studiengänge bieten sich da noch an um draufzusatteln.
Und selbst wenn nicht, wer eines Tages Küchenchef in einem Großen Haus werden will, der sollte echt was auf dem Kasten haben. Ansonsten lassen einen die Unterstellen und Auszubildenden nämlich schnell alt aussehen. Allgemeinwissen hängt sicher nicht immer am Abitur, aber geschenkt hat´s auch noch keiner bekommen. Man kann dadurch halt schon ein wenig drauf schließen was dahintersteckt und es schadet in keiner Bewerbung. Das sind nachher nicht die Leute von denen man hier lesen kann, dass sie einfach keine Stelle finden.

LG und viel Glück im neuen Job,
smurfine

Beitrag von king.with.deckchair 19.06.10 - 12:59 Uhr

Du hast reichlich abgehobene und snobistische Vorstellungen vom Berufsleben und trägst die Nase ganz schön weite oben.

Beitrag von fraz 19.06.10 - 09:15 Uhr

Hallo

Ich kann nicht beurteilen, ob du überqualifiziert bist oder nicht.
Wenn dir der Job Spass macht und er auch noch anständig bezahlt wird, so würde ich mich nicht weiter darum kümmern, wer wie was darüber denkt!
Ausserdem gilt es nach 7 Jahren, einfach mal irgendwo das Bein reinzuhalten!

Glückwunsch zum neuen Job- und alles Gute!

Beitrag von manavgat 19.06.10 - 11:08 Uhr

Nebenbeschäftigungen solcher Art lässt man später bei Bewerbungen für höherqualifizierte Arbeiten einfach unter den Tisch fallen, das ist nicht so das Problem.

Damit Du überhaupt so einen Job bekommst, wäre es vielleicht sinnvoll, wenn Du ein paar Qualifikationen bei der Bewerbung verschweigst.

Gruß

Manavgat