ALG II Experten gefragt - Anrechnung Vermögen

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Beitrag von myimmortal1977 19.06.10 - 19:34 Uhr

Hallo :-)

Ich bräuchte dringend eine Expertenhilfe.

Es geht um meine Mutter. Sie ist sehr schwer krank, Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Wird nicht arbeitsfähig sein, für sehr lange Zeit.

Sie lebte bisher von der Witwenrente meines Vaters und eines 400 € Jobs, den sie seit 2004 ausführte.

Von der Witwenrente werden keine Leistungen in die Rentenkasse erbracht. Vom 400 € Job auch zu wenig, um Anspruch auf Erwerbsunfähigkeitsrente zu haben.

Der 400 € Job und das Einkommen fällt jetzt ersatzlos weg. Sie lebt dann nur von 718 € Witwenrente.

Wir müssen jetzt wahrscheinlich einen ALG II Antrag für stellen, bzw. einen Antrag auf Sozialgeld. Denn mit 718 € wird man nicht viel.

Sie bekam 2002 60.000 € Schmerzensgeld aufgrund einer verpfuschten OP. Ca. die Hälfte ist noch da, allerdings für Ihr Alter halt angelegt.

Ich habe gelesen, dass Einnahmen aus Schadensersatzansprüchen, die keine Sachleistungen betreffen, sondern z. B. den Körper betreffen, nicht als Einkommen anrechenbar sind.

Würde dieses dann bedeuten, dass sie trotzdem einen Anspruch auf ALG bzw. Sozialleistungen vom Amt hätte?

Uns macht dieses Thema echte Kopfschmerzen. Denn über kurz oder lang, werden ihre ganzen Ersparnisse, die für das Alter gedacht waren, aufgebraucht sein. Spätestens dann, wenn sie in Altersrente geht, muss sie dann zum Sozialamt. Da sie selbst nur eine Minirente bekommt.

Ich will meiner Mutter unbedingt helfen, kann ihr selbst momentan finanziell nicht helfen, da ich ohne Einkommen bin. Sie macht sich kopfmäßig neben dieser beschissenen Krankheit nur fertig, weil das ganze Geld davon läuft. Wir haben schon alles eingestampft, was finanziell unnötig war. Jedes Abo, jede Versicherung usw. Von 718 € kann man nicht leben.

Sie musste aktuell erstmal 280 € Krankenhaustagegeld berappen. Jeder Transport zum Krankenhaus kostet sie für jede Fahrt extra 10 €. Medikamentenzuzahlungen ohne Ende, Zuzahlungen für körperliche Hilfsmittel usw. Vom Telefon am Krankenhausbett mal ganz zu schweigen, was sie jetzt auch nicht mehr nimmt, bzw. sich nicht mehr leisten kann auf Dauer.

Die Erwerbsunfähigkeitsrente würde sogar bei ihr höher ausfallen, als der ALG II Satz. Nur wie gesagt, an die Rente kommen wir nicht ran, da sie zu lange den 400 € Job gearbeitet hat. Sie erfüllt damit die Punkte nicht, die man auf dem Rentenkonto benötigt. Der Antrag wurde von der Rentenkasse abgelehnt.

Ich bin für jede Auskunft dankbar.

LG Janette

Beitrag von zwillinge2005 19.06.10 - 20:31 Uhr

Hallo,

sie hat hoffentlich alle Zuzahlunsbelege gesammelt. Ruft bei der KK an - sie wird dann von weiteren Zuzahlungen befreit. Bei chron. Erkrankungen (wozu Carcinome zählen) beträgt die Zumutungsgrenze m.W. 1% - lasst Euch von der KK beraten.

Wenn sie von den 718,- Euro nicht leben kann muss sie Wohngeld bzw. ALG II o.ä. beantragen. Ob das Vermögen angerehnet wird oder nicht ist doch egal - es ändert nichts an Ihrer Situation.

Telefon am Krankenbett hatte ich auch nicht - war aber kein finanzielles Problem. Wenn Du Ihr da günstig helfen willst - Altes Mobiltelefon plus Prepaidkarte.

LG, Andrea

LG, Andrea

Beitrag von angi05 19.06.10 - 20:58 Uhr

Hallo!

Bei dem Einkommen kann deine Mutter Wohngeld/ Lastenzuschuß beantragen.

Die Vermögensgrenze liegt dann genau bei 60 000,- Euro.

Alg II kommt für sie nicht in Frage, da sie nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und bei Sozialhilfe liegt die Einkommensgrenze weit unter 60 000,- Euro. D. h. sie müsste den größten Teil ihr Ersparten erst einsetzen.

Gruß Angi 05



Beitrag von oldma 19.06.10 - 21:33 Uhr

... hier auskunft,


Die Koaltion gibt sich großzügig: das Schonvermögen, das bei der Hartz IV Berechnung nicht berücksichtigt wird, wird verdreifacht und von 250 auf 750 Euro pro Lebensjahr angehoben. Ein 50 Jahre alter Hartz IV Empfänger darf dann beispielsweise 37.500 Euro auf dem Konto haben, die er nicht für den laufenden Lebensunterhalt einsetzen muss, hat also trozt dieses Vermögens einen Anspruch auf Hartz IV Leistungen.

so deine mutter kann also alg II beantragen. ihr vermögen kann sie behalten.
ABER:

ihr anspruch: miete warm+354 €. wenn das weniger ist als 718 eus, bekommt sie eine sogenannte aufstockung. allerdings werden zinserträge gegengerechnet. l.g.c.

Beitrag von zwiebelchen1977 19.06.10 - 22:27 Uhr

Hallo

Das bezieht sich aber auf die übliche Miete plus NK(ohne Strom) für 1 Person.

Bianca

Beitrag von goldtaube 20.06.10 - 10:03 Uhr

Aktuell sind es 150 Euro pro Lebensjahr und es gibt Höchstgrenzen.
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__12.html

Auch hier nachzulesen in den Durchführungshinweisen:
http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A01-Allgemein-Info/A015-Oeffentlichkeitsarbeit/Publikation/pdf/Gesetzestext-12-SGB-II-ZuBeruecksicht-Vermoegen.pdf

Beitrag von king.with.deckchair 20.06.10 - 11:12 Uhr

"Die Koaltion gibt sich großzügig: das Schonvermögen, das bei der Hartz IV Berechnung nicht berücksichtigt wird, wird verdreifacht und von 250 auf 750 Euro pro Lebensjahr angehoben. Ein 50 Jahre alter Hartz IV Empfänger darf dann beispielsweise 37.500 Euro auf dem Konto haben, die er nicht für den laufenden Lebensunterhalt einsetzen muss, hat also trozt dieses Vermögens einen Anspruch auf Hartz IV Leistungen."

Du weißt aber schon, dass das nur für die Altersvorsorge gilt, ja?

http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitslosengeld_II#Anrechnung_von_Verm.C3.B6gen

"ihr anspruch: miete warm+354 €"

*lach* Wenn es denn dann so einfach wäre.


Beitrag von goldtaube 20.06.10 - 10:09 Uhr

Wie alt ist deine Mutter? Wird sie überhaupt in der Lage sein theoretisch für mind. 3 Stunden täglich zu arbeiten? Wird sie also überhaupt erwerbsfähig sein?

Das ist entscheidend um erst einmal rauszufinden ob sie ALG II nach dem SGB II bekommt oder Leistungen nach dem SGB XII.

Altersgrenze
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__7a.html

Zitat:
§ 8 Erwerbsfähigkeit
(1) Erwerbsfähig ist, wer nicht wegen Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.
Zitatende
Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__8.html

Beitrag von goldtaube 20.06.10 - 10:18 Uhr

Ich hoffe auch, dass sie die Quittungen für die Zuzahlungen aufgehoben hat, sie kann sich bei ihrer Krankenkasse dann für das restliche Jahr befreien lassen, wenn sie die Zuzahlungsgrenze erreicht hat.

Beitrag von king.with.deckchair 20.06.10 - 11:15 Uhr

"Ich habe gelesen, dass Einnahmen aus Schadensersatzansprüchen, die keine Sachleistungen betreffen, sondern z. B. den Körper betreffen, nicht als Einkommen anrechenbar sind."

Das betrifft den laufenden Bezug, also Gelder, die während des Bezugs von ALG II hereinkommen. Hier gilt es nun als Vermögen.

Sind die Gelder denn für die Altersrente festgelegt oder "liegen sie so rum" auf irgendwelchen Konten?

Dann gelten nämlich unterschiedliche Freibeträge, siehe meinen Link in der Antwort auf oldmas (unrichtigen) Beitrag.

Gruß
Ch.

Beitrag von myimmortal1977 20.06.10 - 14:01 Uhr

Da meine Mutter ja aufgrund der Krankheit nicht arbeitsfähig ist, hat sie dann, bei entsprechenden Voraussetzungen eher einen Anspruch auf Grundsicherung bei Erwerbsminerung? So wie ich es aus der Literatur verstanden habe....

Ich habe die Einkommensgrenzen schon gelesen. Dort gelten noch härtere Grenzen als bei ALG II.

Es gibt dort wohl auch keine Freigrenzen, die die private Absicherung für die Altersrente betreffen? Habe ich das korrekt verstanden?

Es existiert noch eine Lebensversicherung, die allerdings mit eine Klausel versehen ist, dass sie erst Leistungen erhält, wenn sie in Altersrente geht.

Das Geld aus dem Schmerzensgeld liegt auf normalen Konten.

Meine Mutter wird jetzt 56 Jahre alt. Die Schwerbehinderteneigenschaft ist schon fest gestellt worden. Sie hat 100 % zuzügl. sämtlicher Merkzeichen bekommen.

Sie kann aufgrund Ihres Alters noch nicht in Altersrente gehen.

Welches Amt ist denn in dem Bezug mein richtiger Ansprechpartner? Auch das Arbeitsamt bzw. die ARGE?

#danke Janette