Lange kein Kontakt- und nun lebt er nicht mehr :-)

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von downtown-lady 20.06.10 - 22:31 Uhr

Hallo,

um diese Geschichte zu erzählen, muss ich etwas weiter ausholen.

Vor 2 Jahren kam ich nach NRW, davor habe ich 3 Jahre lang in Süddeutschland gelebt.

Sehr schnell, als ich dorthin gekommen war, hatte ich mich mit einem alten Ehepaar bei mir im Haus angefreundet. Sie waren beide sehr freundlich, wir kamen gut miteinander aus.
Ich war schwanger, die beiden hatten die Hoffnung auf eigene Enkelkinder fast aufgegeben und kurzerhand meinen Sohn als Enkel "adoptiert".
Vor allem sie freute sich auf den Kleinen, kaufte ab und an eine Kleinigkeit für ihn usw...
Er war wie mein eigener Opa, seine ganze Art, wie er gesprochen, wie er gelebt hat, alles erinnerte mich an ihn, und ich hatte ihn wahnsinnig gern.

Die beiden sind nach einigen Monaten umgezogen, weil sie die Treppen zu ihrer Wohnung nicht mehr geschafft haben.

Ich habe sie besucht, im Haushalt geholfen, Einkäufe erledigt, bin mit ihr gefahren, wenn sie auswärts einkaufen wollte, habe ihn (er war so gut wie blind) zum Arzt begleitet oder ihn dort abgeholt...

Als ich später fast ohne alles dastand, haben sie mir geholfen, haben mich und den Kleinen unterstützt, mir auch mal ausgeholfen, mich zum Essen eingeladen. Beide hatten sie immer ein offenes Ohr für mich...

Dann lernte ich meine Liebe kennen und zog nach NRW. Anfangs hielten wir telefonisch Kontakt, doch der schlief ein- fast 1,5 Jahre lang :-(

Ich habe mich irgendwann nicht mehr getraut, anzurufen, aus Angst, sie wären sauer, dass ich mich so lange nicht gemeldet hatte.
Gedacht habe ich oft an die beiden, vermisst habe ich sie die ganze Zeit über. Schliesslich waren sie wie Familie für mich...

Heute, nach einem langen Gespräch mit meinem Schatz über die beiden, habe ich zum Telefon gegriffen und angerufen. Nach 1,5 Jahren hatte ich die Nummer immer noch im Kopf...

Ihr Sohn ging ans Telefon, er war gerade zu Besuch, und ich fragte, ob seine Mutter oder sein Vater da wären.
Dann habe ich mit ihr gesprochen- und sie war gar nicht sauer, sie hat sich wahnsinnig gefreut, wir haben ausgetauscht, was es neues gibt...

Und dann kam für mich der Schlag in die Magengrube, als sie sagte: "Der O. ist ja nun auch schon seit dem 20. September nicht mehr bei uns" :-(

Immer habe ich an die beiden gedacht und mich nicht getraut, anzurufen, und nun, wo ich mich gefreut hatte, mit beiden mal wieder reden zu können, erfahre ich, dass er nicht mehr am Leben ist :-(
Ich fühle mich schrecklich, könnte mich dafür ohrfeigen, dass ich nicht eher angerufen habe... dass ich nicht über meinen Schatten gesprungen bin...

Jetzt ist es zu spät... und ich bin unheimlich traurig :-)
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Lieber O.,

ich hoffe, es geht dir gut, da oben im Himmel. Ich hoffe, du kannst nun auf die Erde herab schauen und auf deine Frau und deine kleine Enkeltochter, die mittlerweile ja auch schon so groß geworden ist, aufpassen.
Ihr hattet euch das so sehr gewünscht, und nun konntest du nur kurze zwei Jahre mit ihr verbringen...

Es tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe, und ich hoffe, du kannst mir das verzeihen und glaubst mir, dass ich oft an euch- an dich- gedacht habe... vergessen habe und werde ich dich nie.

Lady

Beitrag von sinope 21.06.10 - 11:52 Uhr

hallo downtown-lady ,

lass dich erst mal #liebdrueck!
ich finde es schön das du so eine familie für dich gefunden hast.
und ich kann nachvollziehen wie sehr es dir weh tut.
von deiner wahlfamilie kam die aussage das sie es dir nicht übel nehmen von ehrlichen herzen.
und auch wenn es dir keinen trost sein wird. dein o. wird auf euch schauen und er wird sich freuen wenn du glücklich bist und lachst.

auch wenn es das für dich nicht wieder "gut macht". besuch doch seine frau und lass sie noch etwas teilhaben.
sie wird sich sicherlich freuen. und o. wird mit freude euch zu schauen.
freue dich dafür das es sie gibt und das sie da waren. vielleicht kannst du ihnen mit einem kleinen andenken eine freude machen.

auch ich hätte gerne eine wahlschwiegerfamilie. wo es einfach herzlich ist. denn bei meinen schwiegereltern ist das total anders. :-[

lg
sinope

Beitrag von downtown-lady 21.06.10 - 11:55 Uhr

Hallo,

das sind nicht meine Schwieger- Großeltern... als ich damals in das Haus gezogen bin, wo sie lebten, waren es komplett Fremde.
Das mit dem Besuchen ist leider sehr schwierig, da zwischen uns jetzt fast 600km liegen :-(

Ich werde ihr auf jeden Fall ein paar Fotos von uns und den Kindern schicken, darüber wird sie sich freuen.

Ich fühle mich richtig mies, wenn ich daran denke, dass er gegangen hat und wahrscheinlich dachte, ich hätte ihn und seine Frau vergessen, obwohl die beiden mir so viel gegeben haben :-(

LG

Lady

Beitrag von sinope 21.06.10 - 12:55 Uhr

sorry das ich mich falsch ausgedrück habe.
ich würde sowas als wahlfamilie bezeichnen.

Beitrag von ili_luis 21.06.10 - 13:29 Uhr

Hallo du, ich kann nachvollziehen, wie du dich fühlst. Ich habe zu meinem Halbbruder immer ein super Verhältnis gehabt, dann hatten wir ein paar Jahre keinen Kontakt, ohne Grund... Dabei wohnten wir nur 50 km auseinander. Als ich mich dann endlich gemeldet habe, erfuhr ich von seiner Frau, dass er seit 1 Jahr tot war. Herzversagen. :-(

Vielleicht schaffst du es ja, den Kontakt zu der Frau regelmäßig zu pflegen, damit machst du sie sicher sehr glücklich!

Liebe Grüße und alles Gute Ilona