Wieviel kann ein Mensch ertragen??

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von nicole1508 22.06.10 - 12:18 Uhr

Hallo Ihr Lieben
Mir gehts im mom garnicht gut,Ich weiss nicht mit wem Ich reden kann,darum schreib Ich es mir einfach mal von der Seele.
Alles fing damit an das Ich im Juli 2007 nach kurzer schwerer Krankheit meinen Papa verloren habe,er hatte ALS und erstickte jämmerlich,sein Todeskampf dauerte fast 11 Std und Ich war die ganze Zeit dabei.Dann 8Monate später starb meine Mama,sie hatte eine Bronchitis und ist am Schleim erstickt beim Husten,sie haben sie zwar reanimieren können aber sie war Hirntot und starb dann endgültig 1 Woche danach,Ich war die ganze Woche fast 24std an Ihrer Seite auf der Intensiv und auch in Ihren letzten Min dabei...Ich hab es bis heute nicht überwunden aber mich langsam wieder ins Leben gekämpft.Ich wurde letztes Jahr schwer krank und wäre selber fast gestorben,im April nach der 3Op war Ich dann endlich wieder fit und begann mein neues Leben(Ich bin für meine Liebe nach Belgien gegangen)endlich zu leben.Dann wurde meine Schwiegermutter krank,sie hat Bauchspeicheldrüsenkrebs,Tumore in der Leber und Bauchfell.Sie ist sehr schlimm dran,und irgendwie klammern Sich beide,also Sie und spapa total an mich,Egal was ist,Ich weiss es als erstes,muss Sie zum Arzt fragt sie mich,kommt jemand bin Ich dabei,ist alles weiter nicht schlimm,nur,mein Mann hat 3 Schwestern 2 verh.die andere,20,noch zuhause.Sie halten die Mädchen aber aus allem raus,damit Sie nicht leiden,aber wer denkt an mich??Ich hab diese Gabe mich immer für andere aufzuopfern,bedingslos,Ich klage nie oder sonstiges,aber,ist dann diese Phase vorbei indem Ich gebraucht werde,bin ich verlassen,Ich muss immer alleine mit meinem Kummer klar kommen,habe mittlerweile eine Esstörung die Stress bedingt ist,aber wie gesagt Ich klage nie.aber alle wissen was Ich erleben musste,warum fragt dann mal keiner nach mir,oder nimmt Rücksicht auf mich??
Ich tue das alles für meinen Mann,frage mich aber manchmal selber,warum tust Du das?Du hast dein eigenes Leben das wieder auf die Reihe kommen muss,warum ist das immer nebensächlich??
ich konnte damals bei meinen Eltern nicht trauern,träume aber viel und weine auch viel im Schlaf.Heute morgen kam wirklich der punkt wo Ich nicht mehr kann,ich sitze hier weine,fühle mich so elend.Aber als er anrief und fragte ob Ich komme sagte Ich wieder ja,weil Ich das Gefühl habe es muss so sein.
Entschuldigt wenn es so wirr ist aber meine Gedanken sind so durcheinander,Ich verstehe die Töchter nicht,das Sie so weiterleben können wo Ihre Mutter nicht mehr lange leben wird,das Sie nicht das Verlangen oder mehr das Gewissen haben,Ich muss Mama sehen,vieleicht kann Ich ihr helfen usw.Aber nein nichts von allen dem,im Gegenteil sie kümmern sich null um etwas.
Ich hab gestern mit der Ärtzin gesprochen das endlich Hilfe kommt,denn sie sagte immer,ihr ginge es gut es wäre nichts usw,aber das ist nicht so sie ist abwesend hat schlimme Schmerzen usw.Die Ärztin sagte auch das Sie es gut findet das Ich so offen reden würde denn wenn Sie nichts weiss kann sie nicht helfen.
Ich könnte noch weiter so schreiben aber es wird um so mehr Ich schreibe immer schlimmer.
Danke fürs Lesen
Nicole

Beitrag von nala22 22.06.10 - 13:22 Uhr

oh man das tut mir sehr Leid, was Dir alles passiert ist!!!
Ich denke mal das Du nie richtig getrauert hast und Du Dir Hilfe suchen solltest.
Du kannst dadurch in Depressionen fallen und es wird nicht besser!!!

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du für Andere Menschen da sein musst, finde ich das jetzt persönlich nicht schlimm.
Ich denke, dass diese Menschen Dich sehr schätzen und Dich brauchen.
Natürlich können Sie nicht in Dich reinschauen, aber Du solltest auch Deinen Gefühlen mal freien Lauf lassen, denn wenn Du Dich immer nur aufopferst und Deine eigenen Bedürfnisse hinten ranstellst, wirst Du selber daran zerbrechen.

An Deiner Stelle, würde ich mal zu Deinem Arzt gehen und mit ihm mal reden, was man denn machen könnte Dich aus diesem Sumpf der Traurigkeit zu ziehen.

Ich drück Dich ganz doll und hoffe das Du bald wieder fröhlich durch`s Leben gehen kannst!

Beitrag von nicole1508 22.06.10 - 17:34 Uhr

Danke Nala für deinen schönen Worte sowas tut echt gut!!
Ja Ich hab am Freitag einen Termin bei meinem Arzt,da es mit meiner Essstörung so nicht weitergeht,es hilft nichts wenn Ich auf der Strecke bleibe,denn Ich bin noch lange nicht über meine Krankengeschichte hinweg,aber da Ich nie klage denken das alle!

Beitrag von nala22 23.06.10 - 08:00 Uhr

Das ist doch schon der erste Schritt in die richtige Richtung!
Nur weiter so und viel Kraft beim besiegen Deiner Essstörung!
Du schaffst das und denke bitte auch mal an Dich!!!

Drücki#liebdrueck#blume

Beitrag von engel1305 22.06.10 - 14:31 Uhr

Hey Nicole,

es tut mir wirklich sehr leid, was du in deiner Vergangenheit erleben musstest.
Du machst momentan eine sehr schwierige Zeit durch.
Es ist super toll, wie du das alles meisterst, aber wie schon gesagt, wann kommst du mal ran.
Ich erkenne aus deinem Leben viel von meiner Vergangenheit.........

Wenn du möchtest, können wir gerne über Private Nachrichten weiterschreiben, vielleicht kann ich dich etwas trösten und dir Mut geben.

Ich weiß wie das ist alleine zu sein! Aber hey es wird weitergehen :-D

Wenn du Lust hast, schreib mich gerne an #sonne

GLG

Beitrag von danimitben 22.06.10 - 19:34 Uhr

Hallo Nicole,

da hast du schon einiges erlebt und durchgemacht, das tut mir leid!

Leider scheint es wohl so, dass du unheimlich stark bist - das bist du auch, sonst hättest du das alles bis heute nicht verkraftet. Dein Umfeld nimmt aber nur deine Stärke war, sie können nicht in dich hineinsehen.

Du musst über deinen Schatten springen und dir selber und dann allen anderen eingestehen, dass du nicht immer die Starke sein kannst. Denn du hast recht, du bist nach her wieder mit deinem Kummer allein und musst sehen wie du wieder auf die Füße kommst.

Ein wenig kommt mir das alles bekannt vor. Ich habe meinen kleinen Sohn 12 Monate gepflegt, er ist in meinen Armen am 08.07.2009 gestorben. Im Alltag packe ich das alles ganz gut. Nach Außen läuft alles normal weiter. Wenn ich zu Hause bin, wenn ich allein bin, glaube ich manchmal es nicht zu schaffen. Ich habe einen Mann, ich versuche es ihm zu erklären, aber selbst er kann es manchmal nicht verstehen. Ich sehe nicht krank aus, ich gehe jeden Tag arbeiten und mache einen guten Job, dass meine Seele krank ist und dass mich der Schmerz an manchen Tagen fast zerreißt, sieht man halt einfach nicht.

Ich kann dir nur den Rat geben, versuche es offen anzusprechen, versuche dir eine Auszeit zu nehmen. Trotz allem glaube ich dass das total schwer ist. Dein Beitrag hört sich für mich so an, als wenn du das kaum aussprechen kannst, so geht es mir auch.

Ich hoffe du schaffst es dir ein paar Auszeiten zu gönnen, in denen tankst du Kraft und dann kannst du auch wieder für andere da sein, aber eben nicht immer und zu jeder Zeit.

Ich wünsche dir alles alles Gut und viel Kraft
DANI mit BEN im Herzen *29.06.08 +08.07.09 (Morbus Alexander)
http://www.ben-sternenkind.de

Beitrag von nicole1508 22.06.10 - 21:44 Uhr

Hallo Dani
als ich das gelesen habe musste Ich weinen unglaublich was DU erlebt hast,aber genau wie DU dich beschreibst bin Ich auch!!
Nur ein paar sehr wenige wissen wie es wirklich für mich ist und weil ich es nicht ausspreche nimmt mir jeder noch mein Restkraft
ich kann auch nicht gut mit meinem drüber reden obwohl das seine Mama ist,er sagt immer wenn Ich mal weine oder so,warum weinst DU?es ist doch nichts,oder wenn Ich einfach nur müde bin,er versteht es nicht.Oft drehe Ich regelrecht durch werde aggressiv und schreie obwohl Ich das nicht will aber wie Soll Ich es sonst raus lassen??
Alles ist irgendwie schon so selbstverständlich,warum sollen wir da sein Sie ist doch da...und das tut weh richtig weh denn nachher heisst es denn oh die armen Kinder usw dabei haben sie sich null gekümmert bisher.

Beitrag von danimitben 23.06.10 - 15:13 Uhr

Liebe Nicole,

du hast deine Gefühlslage und deine Situation sehr gut eingeschätzt. Das ist ja der erste Weg zur Besserung. Also versuche irgendwie deinen Mann an deinem Gefühlsleben teilhaben zu lassen. Vielleicht lässt du ihn mal deinen Beitrag hier lesen, vielleicht auch z.b. meine Antwort. Vielleicht versteht er besser, wenn er es liest????

Mein Mann versucht wirklich immer mich zu verstehen, er fragt auch immer wie es mir geht. Man kann aber nicht jedes Gefühl in Worte packen. Manchmal weiß ich in einem Moment noch gar nicht dass es mir im nächsten schlecht geht.

Ich kann dir wohl keinen besseren Rat geben, als dich irgendwie versuchen mitzuteilen. Dein Umfeld muss dich verstehen um etwas mehr Rücksicht nehmen zu können.

Ich glaube, dass du dann auch wieder genügend Kraft sammeln kannst, wenn du gebraucht wirst. Aber wie gesagt - nicht immer und für alle!

Ich drück Dich
DANI mit BEN im Herzen

Beitrag von clazwi 23.06.10 - 19:30 Uhr

Liebe Nicole,

ich kann's Dir sooo gut nachfühlen - vor einigen Jahren verlor mein Mann zweimal hintereinander seinen Job, dann begleiteten wir seinen 21jährigen Cousin beim Sterben (Krebs), dann starb mein Vater an ALS und es gab ein schreckliches Familienzerwürfnis.

Wir dachten in dieser Zeit, dass es nie wieder irgendwie weitergehen kann....wir haben uns am Ende gefühlt.

Ich habe mich soweit gefühlt, dass ich nicht mal mehr Lust hatte, am Morgen aufzustehen.
Dadurch, dass wir ein Pflegekind (schwerbehindert) haben, hatte ich aber viel Kontakt zu unserer Sozi am Jugendamt und die gab mir die Telefonnummer eines Psychologen, der ebenfalls im Jugendamt arbeitete.

Dort haben wir uns dann helfen lassen - es hat zwei Jahre gedauert, bis wir das alles aufgearbeitet hatten.

Aber es hat geholfen.
Schau' doch mal, ob es bei Euch eine psych. Beratungsstelle gibt. Manche sind auch im Jugendamt eingegliedert, manche unterstehen einem freien Träger (Caritas, AWO, Diakonie....).

Bei einer Familien- und Erziehungsberatungsstelle solltet Ihr auch relativ zügig einen Termin bekommen.
Wenn Du Fragen dazu hast: einfach drauf los.

Alles Liebe für Dich,
Claudia

Beitrag von dunki 24.06.10 - 05:29 Uhr

Hallo Nicole,
ich finde es toll das Du so hilfsbereit bist. Aber Dein Text klingt auch ein bisschen so als würden sich Deine Schwägerinnen auf Deiner Haut auruhen. Ich finde das darfst Du auf keinen Fall zulassen. Wenn Dich diese Aufgabe so überbelastet und das tut sie definitiv, es normal das es so ist, dann mußt DU unbedingt einen Weg daraus suchen, sonst gehst Du dabei vor die Hunde.

Geh zu Deinem Arzt, schildere ihm alles was passiert ist, die Todesfälle, die Krankheiten, Deine Esstörungen, ich denke wenn er ein guter Arzt ist dann wird er Dir sicher eine KUR verordnen. Nutze diese Wochen um mal wieder richtig auf die Beine zu kommen.

Danach würde ich sehen das DU auf jeden Fall 1-2 Abende die Woche nur für Dich und Deinen Mann planst. Sauna, Kino. Eis essen, Spaziergang.....

Du mußt raus aus diesem Teufelskreis....

Alles Liebe
DUNKI