Weiß nicht mehr weiter :-(

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von herzchen81 23.06.10 - 21:21 Uhr

Vielleicht hat ja jmd von euch eine durchschlagende Idee: also...mal von Anfang an: Meine Tochter ist mittlerweile 7 und geht in die erste Klasse. Die Schwangerschaft und Geburt verliefen normal. Ab da war sie fast bis zum 1 Geburtstag ein exzessives Schreikind. Keine Koliken, keine schwierige Familienverhältnisse o.ä. Sie schlief nie länger als mal 20-30 min am Stück auch als Kleinkind war an Mittagschlaf nie zu denken. Sie stand frühs 4-5 Uhr auf der Matte und manchmal dauerte es bis Mitternacht bis sie endlich wieder schlief. Sie hat immer sehr schlecht gegessen. Sie wiegt jetzt 18 Kg bei 125 cm. Sie knaubelt extrem an den Fingernägeln (bis aufs Nagelbett) und wenn die weg waren auch an den großen Zehnägeln??!! Sie hat regelmäßig "Ausraster" (Haare ausreißen, Türen treten...) aber nur zu Hause. Sie kann keine 2 Min still sitzen oder ihre kleine Schnute halten. Ich merke das sie viel grübelt. Sie kommt nur seltenst und schwer zur Ruhe. Seit 2 Monaten nimmt sie ein Schlafmittel nachdem nichts anderes funktioniert hat- aber der Erfolg ist minimal. Sie klagt oft über Bauchschmerzen (seit ca 2 Jahren), ich mußte sie sogar mehrfach von der Schule abholen. Alle Tests auf Nahrungsunverträglichkeiten waren negativ. Die Lehrer sprechen mich wegen ihrer "merkwürdigen" Leistungen an: entweder ist sie die Beste oder Schlechteste. Ich soll mit Ihr Mathe üben?! Aber zu Hause und im Hort hat sie meist alles richtig und rechnet auch schon Malaufgaben ihrer ältereren Freundinnen mit. Die Lehrerin meinte sie wäre oft unkonzentriert. Im Zeugnis steht sogar "wenig anstrengungsbereit" und sie diskutiere alles bis aufs Blut aus- das tut sie zu Hause auch aber man hat sich dran gewöhnt ;-) Oft verweigert sie Aufgaben. Schulprobleme mit ihren Klassenkameraden gibt es keine. Gab es auch nicht im Kindergarten. Sie war/ ist immer gut integriert. Die Kinderärztin meinte sie wäre ein sehr sensibles Kind und sucht ratlos weiter. Meine Hebamme hatte sie als Baby homöopatisch behandelt was teils gut funktionierte- nun schlägt es nicht mehr an. Ich habe eine 7 Jährige die ein zappeliges kleines Mienenfeld ist. Aber das ist nun schon seit 7 Jahren so. Sie leidet selbst darunter. Ihre Freundinnen fragen warum sie so überdreht ist und seit dem sie 4 ist fragt sie mich selbst warum sie anders als die anderen ist. Zur Zeit sind wir 4 mal bei einer Ergotherapeutin zum diagnostizieren. Sie machte alle Tests mit bravur :-/ Tja was soll ich sagen sie liebt Tests :-) Ihre Leistungen in der Schule werden immer schlechter. Ideen wie ich ihr noch helfen kann? Sport hat auch nicht geholfen sie nur noch mehr aufgeputscht.... ach ich könnte noch ne Weile so weiter schreiben. Sie scheint nicht krank aber irgendwas stimmt da nicht. Nach anfänglicher Ungeduld auf die Schule mault sie nur noch rum wann endlich Wochenende sei. Nachtigal ick hör dir trapsen. Achso sie ist meistens eine gute/sehr gute Schülerin und Schulangst fällt auch raus?! Ich weiß einfach nicht weiter wie ich ihr helfen kann sich zu ordnen. Bitte jede Vermutung, ich will alles hören :-)

Beitrag von frecher-zwerg 23.06.10 - 21:35 Uhr

Ich würde dir empfehlen mal mit deiner Tochter zu einem Kinderpsychologen zu gehen.

Wenn das Verhalten sich schon über soviele Jahre hinzieht hätte ich das schon längst gemacht!

Gruss

Beitrag von herzchen81 23.06.10 - 21:57 Uhr

Für eine Psychotherapie müßte man doch aber auch erstmal eine Richtung haben um eine Behandlung nicht ins Blaue zu schießen, oder? Ich hätte auch eher gedacht da müßte was traumatisches vorliegen oder andere Ereignisse - da es aber schon immer so ist weiß ich nicht ob da einfach mal zum Psychologen gehen das richtige ist. Sie bekommt dies ja voll mit und möchte durch voreillige Schüsse nicht noch mehr kaputt machen. Aber danke für die Idee.

Beitrag von frecher-zwerg 23.06.10 - 22:02 Uhr

Die Psychologen werden schon feststellen was mit deiner Tochter los ist!

Dafür sind sie ja da!

Aber so kann es doch nicht weiter gehen!

Verstehe nicht das man sowas über Jahre mit machen kann
ohne mal vernünftig zu schauen was los ist!

Gruss

Beitrag von herzchen81 23.06.10 - 22:22 Uhr

Gut das es Leute gibt die immer schnell mit dem Finger drauf zeigen. Ich renne seit 7 Jahren und versuche aber sie nicht jeden Tag spüren zu lassen das sie nicht "normal" ist. Ich habe um Ideen gebeten nicht um schlaue Verurteilungen. Sei lieber froh das es euch wohl nicht so ergeht!!! Wenn sie zuviel Druck durch die Tests aufbaut pullert sie nachts ein, hat Ausraster...

Beitrag von tarosti 24.06.10 - 09:08 Uhr

Hi

Du bist offenbar ziemlich am Limit, was ich auch gut verstehen kann. Wäre ich unter den Umständen wohl auch. Das, was du schilderst, muss für die ganze Familie unglaublich belastend sein.

Der Rat mit dem Kinderpsychologen war sicher gut gemeint. Du hast sehr heftig auf den Ratschlag reagiert, obwohl die Aussage "Ich wäre schon längst dorthin gegangen" sicher nicht als Vorwurf gemeint war. Ich glaube, die Dame, die dir das geraten hat, meinte damit vielleicht nur, dass du die Belastung etwas von dir nehmen könntest, indem du dir und deinem Kind psychologische Beratung holst.

Das würde ich dir auch empfehlen. Diese Leute sind dafür ausgebildet und kommen der Ursache schon auf die Spur. Es ist nicht deine Aufgabe, den Weg für einen Psychologen vorzubahnen. Nimm diese Last von dir und lass dir / euch helfen. Tu es für dein Kind, aber auch für dich und den REst der Familie. Zu verlieren hast du, wie es sich anhört, sowieso nichts.

Und sei versichert, ein guter Psychologe baut nicht unnötig Druck auf deine Tochter auf, sondern verhält sich sensibel.

Ich wünsch euch alles Gute

LG
Tarosti

Beitrag von mimi1410 23.06.10 - 21:47 Uhr

Hi,
hast du dein Kind schon mal in einem SPZ vorgestellt? Da gibts Kinderärzte jeglicher Fachrichtungen - vielleicht helfen die ja weiter!
Und ich hab bei meinem Großen sehr gute Erfahrungen mit Craniosacral gemacht bzw einen Osteopathen, der auch KISS-Kinder erfolgreich behandelt.
LG und alles Gute euch
Mimi

Beitrag von herzchen81 23.06.10 - 21:52 Uhr

Hallo,
danke für deine Antwort. Was ist ein Spz? Wir sind in einem Kinderzentrum indem es Ärzte so ziemlich jeder Fachrichtung speziell für Kinder gibt. Wir fühlen uns medizienisch sehr gut betreut nur leider findet keiner das Problem :-( wir hören immer nur könnte... und alles zieht sich ewig hin *seufz* sie ist ja schon immer so

Beitrag von 3erclan 23.06.10 - 21:55 Uhr

HI

manches von deiner kenne ich von meiner.

Wir haben sie jetzt testen lassen und es kam raus.
-Legasthenie
-überdurchschnittlicher IQ
-ADS Mischtyp

Seitdem sie Medis behandelt wird geht es irh viel besser.

Geh mit ihr zu einem Kinder-und Jugendpsychiater und lass sie mal anschauen

lg

Beitrag von herzchen81 23.06.10 - 22:04 Uhr

Wie und wo habt ihr das raus bekommen? Unsere Ergotherapeutin hat zwar einen Superdraht zu unserer Püppi gefunden. Scheint aber mit ihren Tests nicht so weiter zu kommen. Sie vermutet eine Hochbegabung aber wohl eher im emotionalen Bereich und will den IQ noch testen lassen wobei sie meint dies wäre recht schwierig geeignete Tests zu finden und da auch ran zu kommen :-( Diskalkulie stand auch im Raum konnte aber usgeschlossen werden. Scheue mich direkt zu einem Psychater zu gehen habe sie schon zu genügend Arztterminen und Tests geschleift. Sie bekommt das ja mit und ich will da nicht noch mehr kaputt machen wenn ich sie ins Blaue rein zum Psychater schicke :-( Habe irgendwie immer das Gefühl alle denken ich habe nicht alle Latten am Zaun denn bei den Terminen ist sie Vorzeigekind *hüstel*

Beitrag von 3erclan 23.06.10 - 22:36 Uhr

Hii

genauso ging es mir auch.Dort benimmt sie sich immer vorbildlich.
ICh habe zu einem Gespräch eine lieben freundin mitgenommen und hab meine Tochter zuahsue bei so Ausraster mit dem Handy aufgenommen.Das konnte ich dann der Ärztin zeigen.
Ich würde mir jetzt nen guten Kinder-und JUgendpsyichater suchen der dann alles testet.IQ usw..

lg

Beitrag von herzchen81 23.06.10 - 22:48 Uhr

Super Idee mit dem handy. Mich gucken die immer alle an als hätte ich das Münchhausen Syndrom :-) Niemand glaubt das so eine Zarte eine Tür anknackst mit ihren Tritten. Als sie 2 war hat sie aus Langeweile Frust gekriegt und Gäste in einer Gaststätte mit größeren Steinen beworfen. Ich dachte ich muß im Boden versinken. Wir sind keine "Assis" oder so, lieben unsere Kleine und bekommt auch viel Liebe und Zuwendung *Kopf schüttel*

Beitrag von herzchen81 23.06.10 - 21:58 Uhr

es fiehl auch das Wort eventuell Depression? Wie sieht denn so was bei Kindern aus? Kann ich mir ja nicht wirklich vorstellen :-(

Beitrag von gismomo 23.06.10 - 23:05 Uhr

Hallo,

mein Sohn ist zwar teilweise anders, aber teilweise auch ähnlich. Ich war kurz davor, mit ihm zum Psychologen zu gehen; abgehalten hat mich nur die Befürchtung, dass unser Kinderarzt mich für verrückt erklären würde. Da mein Sohn "nach außen" absolut unproblematisch war, und das problematische Verhalten, bei dem ich mir keinen Rat mehr wusste, nur zuhause auftrat.
Ich hab inzwischen herausgefunden, wie mein Sohn tickt und wie ich damit umgehen muss. Es ist nicht immer leicht, aber wir kommen damit klar. Hätte ich das aber NICHT selbst herausgefunden, wäre ich schlußendlich doch noch zum Psychologen gegangen, weil mich einige Verhaltensweisen einfach sehr erschreckt haben und ich nicht wusste, wie ich damit umgehen kann.

Ich bin KEIN Experte, auch wenn ich mich wg. meines einen Kindes sehr mit entsprechender Literatur auseinander gesetzt habe und viel gelesen habe. Also bitte nimm meine Vermutung nicht allzu ernst! Aber wie jemand anderes schon geschrieben hat, könnte bei deiner Tochter evtl. schon eine Hochbegabung (ganz oder teilweise) vorliegen. Typisch für Hochbegabungen ist, dass diese Kinder anspruchsvolle Aufgaben sehr gern bearbeiten es aber hassen, stereotype Wiederholungen auszuführen.

Ich kenn das von meinem Sohn - deshalb ist er auch bei den Hausaufgaben so unterschiedlich. Er hasst es, wenn er in Deutsch einfach Sätze abschreiben soll. Er versucht dann immer einen Sinn darin zu finden, indem er z.B. überlegt welche anderen Wörter vom gleichen Wortstamm abgeleitet werden können etc., oder - da ich schon dazu übergegangen bin ihm den Text zu diktieren, weil er das wenigstens etwas interessanter findet als ihn nur stur abzuschreiben - er überlegt bei einem Text, welches das Reimwort sein könnte, welches im nächsten Satz kommt, usw.

Ich bin manchmal echt fassungslos, da er ein Riesentheater macht wenn er Sätze abschreiben soll - er braucht bestimmt drei Mal so lang wie andere, aber nicht weil er es nicht kann sondern weil er sich so dagegen sträubt, aber wenn er z.B. eine Präsentation vorbereiten soll macht er das so gut dass er laut Lehrerin eine "Eins Plus" bekommt und ich Tage danach von einer mir nur flüchtig bekannten Mutter eines Klassenkameraden darauf angesprochen werde, wie beeindruckt alle von der Präsentation gewesen seien. Bei Aufgaben ist er häufig schon zwei, drei Schritte weiter und versteht oft nicht, weshalb er die Aufgabe machen soll, da das ja alles ganz selbstverständlich ist.

In Mathe ist er zwar gut, aber nicht so auffällig wie in allem was mit Sprache zu tun hat, deshalb sind die Hausaufgaben da einfacher handzuhaben.

Achte doch mal drauf, bei welchen Aufgaben deine Tochter sehr interessiert und sehr gut ist und bei welchen sie sehr schlecht abschneidet. Wenn sie bei stupiden Wiederholungsaufgaben schlecht ist, aber neue und komplexe Aufgaben interessant findet und sich damit beschäftigt, wäre das evtl. ein Hinweis.

Weitere Hinweise sind: viel grübeln, geringes Schlafbedürfnis, "diskutieren". Ich persönlich bin zudem der Meinung, dass "Ausraster" auch typisch sind. Ich kenn das von meinem Sohn - ich hab manchmal das Gefühl, er saugt kognitiv alles auf wie ein Schwamm und kommt dann emotional nicht mehr mit, deshalb diese Ausraster. Außerdem hab ich bei meinem Kind das Gefühl, dass er durch sein sehr komplexes Denken manchmal innerlich verunsichert ist. Eine Sache ist für ihn nie ganz geradlinig, es gibt immer mehrere Aspekte die ihm zu einem Thema einfallen, und ich habe das Gefühl, manchmal findet er das beängstigend, weil das für ihn - je nach Thema - einen logischen Widerspruch darstellt, den er noch nicht auflösen kann.

Da deine Tochter offensichtlich selber darunter leidet bzw. ihr auffällt, dass sie sich von anderen unterscheidet, würde ich auf jeden Fall abwarten, was ein Psychologe zu ihrem Verhalten sagt. Zum einen, damit du Hilfe bekommst, wie du angemessen mit ihr umgehen kannst, und zum anderen, damit sie lernt, dass sie absolut in Ordnung ist, so wie sie ist. Kinderpsychologen können das Kindern sehr gut erklären, deine Tochter wird sich anschließend mehr mit sich im Reinen fühlen!

Noch ein Tipp: Schreib dir die schwierigen Situationen so genau wie möglich auf, führ ein Protokoll darüber. Ich habe das bei meinem Sohn so gemacht, um etwas in der Hand zu haben, weil er ja beim Kinderarzt absolut unproblematisch war (zuhause auch zu 70%, aber zu 30% gab es extreme Ausraster), damit ich sein Verhalten so genau wie möglich dokumentiert hatte. Dann weiß der Arzt, in welche Richtung er gehen muss.

lg
K.

Beitrag von gismomo 23.06.10 - 23:08 Uhr

Handy - hab ich gerade gelesen - ist natürlich noch besser als Aufschreiben, die Idee muss ich mir merken! ;-)

Beitrag von muck1 24.06.10 - 06:51 Uhr

Hallo,

"er saugt kognitiv alles auf wie ein Schwamm und kommt dann emotional nicht mehr mit, deshalb diese Ausraster" - ganauso wie Du es beschreibst ist es bei uns zu Hause auch.
Mein Sohn ist 6,5 und kommt im Sommer zur Schule. Er übernimmt total gerne die Führung, auch bei anderen Kindern (nach unserem Urlaub gab es im Ki-Ga z.B. ständig Kinderdisco und er war der Vorführer), möchte das es so geht wie er es will, er diskutiert, redet eigentlich den ganzen Tag, sprachlich super gut drauf (von Anfang an), motorisch geht so. Eher nicht so gute Körperspannung. Schwimmkurs ist z.Zt. eine Katastrophe, er weint weil er nicht Tauchen möchte obwohl er es kann. Auf der einen Seite ist er total selbstbewußt, auf der anderen ein seelchen. Er hat schon beim PEKIP geweint, weil er nicht so nah neben anderen Kindern liegen wollte. Er spielt nicht gerne alleine.
Er schreibt Buchstaben und Wörter obwohl wir ihm das absolut nicht gezeigt haben.
Wie äußert sich denn bei Deinem Kind das "Ausrasten"?
An Hochbegabung haben wir auch schon gedacht, allerdings habe ich bis jetzt noch nichts gefunden was er so super-gut macht, bzw. kann. Aber ich finde die Anzeichen sprechen dafür.
Was für Literatur hast Du denn gelesen?

Danke für Deine Antwort!

LG - Tina

Beitrag von gismomo 24.06.10 - 09:20 Uhr

Hallo Tina,

habe gerade oben auf deinen Schwimmkursbeitrag geantwortet und jetzt erst deinen Beitrag hier gelesen :-)

Vieles, was du beschreibst, finde ich bei meinem Sohn wieder. Pekip war die Hölle für mich, nur war ich damals so verunsichert, dass ich dachte ich müsste es durchziehen. Die ersten zehn Minuten war alles OK, dann fing mein Sohn an zu brüllen und hörte nicht mehr auf. Ich war jedes Mal schweißgebadet und den Tränen nahe. Heute würde ich den Kurs einfach sein lassen, aber damals dachte ich noch, das müsste sein und würde ihm gut tun, und hoffte jedes Mal, dass es beim nächsten Mal besser sein würde. Tja, das gleiche wie beim Schwimmkurs eben - heute würde ich viel selbstbewusster damit umgehen, leider ist es nun zu spät.

Aber zurück zum Thema: Mein Sohn war schon mit zwei Jahren auffällig, was seine Sprache anging. Ich wurde ständig von fremden Leuten darauf angesprochen, wenn wir beim Einkaufen oder auf dem Spielplatz waren. Mein Vater ging deshalb immer sehr gern mit meinem Sohn auf den Spielplatz und sonnte sich in den Komplimenten ;-)

Das zog sich fort, auch der Kinderarzt fand es ungewöhnlich - es gibt ja diesen Test, bei dem sich Kinder Sätze und Zahlenreihen merken und nachsprechen sollen, und bei meinem Sohn steigerte der Kinderarzt die Schwierigkeit ständig und schien gar nicht mehr aufzuhören - da sagte er mir anschließend, dass das sehr ungewöhnlich ist, wie "weit" er bei meinem Sohn gekommen sei.

Mein Sohn liest einen Text ein Mal und weiß ihn dann auswendig. Er hört oder liest ein neues Wort und merkt es sich, weiß, was es bedeutet. Z.B. "Protuberanzen", hat er in einem Weltraumbuch gelesen. Ich fragte ihn, was das bedeutet, und er konnte mir die Bedeutung erklären.

Schon als Kleinkind hat er fast nichts anderes getan als sprechen, zuhören wenn ich vorgelesen habe, oder Musik machen. Oder Rollenspiele und Theater spielen, "Aufführungen" machen. Er macht das heute noch gerne, inszeniert sein Zimmer dann mit Lichteffekten (da ist er sehr kreativ und baut seine Schreibtischlampe und Taschenlampen mit farbigem Papier etc. und mit verschiedenen Aufbauten so auf, dass es wie eine Bühne wirkt), und er spielt dann mit Handpuppen und Stofftieren (notgedrungen, weil sich in seinem Alter kaum mehr Kinder finden, die "echt" Theater spielen wollen) kleine Geschichten vor.

Er liest pro Tag mindestens eine Stunde, wir haben ihn schon dabei ertappt wie er beim Zähneputzen das Buch vor der Nase hatte und nicht mal beim Mundausspülen die Augen vom Buch wegnahm. Er liest, wenn er morgens zum Frühstück die Treppe heruntergeht, er hat es sogar schon versucht beim Spazierengehen (die blöden Eltern haben ihm dann energisch das Buch aus der Hand genommen) etc.

Er redet den ganzen Tag, ist also kein introvertiertes Kind. So, wie du deinen Sohn beschreibst, wenn es um die "Kinderdisco" geht - so war/ist mein Sohn auch. Allerdings ist er nun in einem Alter, wo die meisten gleichaltrigen Jungs lieber andere Sachen spielen, das macht es etwas schwierig. Er ist sieben und wird in einem Monat acht, geht in die zweite Klasse.

Ich denke schon, dass mein Kind im sprachlichen Bereich überdurchschnittlich begabt ist - ob er hochbegabt ist, weiß ich nicht, ich will ihn zumindest momentan auch noch nicht testen lassen. Was ich momentan für uns viel wichtiger finde (und das ist etwas, was ich dir empfehlen kann, darauf bei deinem Kind einmal zu achten), ist, dass mein Sohn hochsensibel ist. Ich finde den Begriff an sich sehr unglücklich gewählt, er weckt unangenehme Assoziationen, wie ich finde (z.B. Eltern, die zu sehr in ihr Kind "hineingucken" und esoterisch angehaucht sind).

Das ist aber gar nicht so. Es bedeutet einfach, dass es Menschen gibt, deren Wahrnehmungsfilter mehr durchlässt als bei anderen. Außenreize wirken viel stärker auf diese Menschen ein. Dadurch empfinden sie viel intensiver und sind schneller reizüberflutet. Sinnesorgane können z.B. viel stärker ausgeprägt sein - mein Sohn hat einen extrem guten Geruchs- und Geschmacksinn, ein sehr gutes Gehör (er spielt Klavier seitdem er 6 ist). Gefühlsmäßig leben diese Kinder sehr intensiv, das ist bei meinem Sohn absolut der Fall. Er kann sich intensiv freuen, aber genauso intensiv traurig oder wütend sein. Es ist eine sehr schwere Gradwanderung, damit umzugehen - zum einen soll er wissen, dass seine Gefühle nicht schlecht oder verboten sind, zum anderen muss er lernen, dass man sie nicht immer unbegrenzt ausleben kann.

Ein großer Nachteil ist, dass er sehr viel reizarme Ruhepausen braucht, weil ihm schnell "alles zu viel" wird. Das können auch positive Erlebnisse sein, wie z.B. ein Kindergeburtstag, es geht einfach um die Menge an Reizen. Unbekannte Situationen verunsichern ihn sehr, selbst wenn es angenehme Situationen sind.

Obwohl er beliebt ist und andere Kinder ihn gerne mögen, hat er selten das Bedürfnis, nach der Schule mit anderen zu spielen. Es wird immer besser, je älter er wird, aber ich habe das Gefühl, wenn er zuhause ist, braucht er "Ruhe". Er liest dann oder erfindet/experimentiert irgendwas oder macht Musik (Klavier und Schlagzeug).

Während mein kleiner Sohn jederzeit absolut unkompliziert mit anderen Kindern ist und jeden Tag andere Kinder zum Spielen dahaben will und das auch friedlich und harmonisch abläuft, ist das bei meinem Großen nicht immer so. Wenn es ihm gut geht und er innerlich ausgeglichen ist (also noch nicht reizüberflutet), kommt er sehr gut mit anderen Kindern klar und spielt auch gern mit ihnen. Aber es ist leider häufiger so, dass es ihm zu viel ist (zumindest unter der Woche nach der Schule) und er sich lieber zurückziehen will. Wenn nur ein Kind da ist und er dieses Kind mag, klappt das Spielen wunderbar, und es ist sehr harmonisch. Aber wenn mehrere Kinder da sind, braucht er ab und an eine Auszeit, er zieht sich dann für eine halbe Stunde in sein Zimmer zurück und dabei darf ihn dann auch niemand stören.

Ich hoffe, ich habe dich nicht "überrannt"mit meinem langen Bericht, aber vielleicht entdeckst du Ähnlichkeiten?

Bücher, die ich dir sehr empfehlen kann, sind folgende:

-Hochbegabt und hochsensibel
-Das hochsensible Kind

Du kannst dich auch gern per PN bei mir melden, wenn du magst.

lg
K.

Beitrag von renate61 24.06.10 - 07:29 Uhr

Meine Tochter war auch ein extremes Schreikind.Bis sie zwei Jahre alt war.Auch sie schlief nur sehr wenig.Allerdings war sie ein Frühchen.

Hat das SPZ einmal eine pädaudiologische Untersuchung vorgeschlagen?
Ich würde dies unbedingt abklären lassen.vielleicht liegt eine audiologische Wahrnehmungsstörung vor.
Meine Tochter hat diese Wahrnehmungsstörung.Bei ihr ist es so das sie praktisch alle Geräusche ungefiltert wahrnimmt.Vor allem kann sie die Hauptsprachquelle nicht orten das sie alles gleichzeitig und in gleicher Intensität hört.Bei ihr ist dies mit drei Jahren bereits diagnostiziert worde.Da sie ein Frühchen war ist sie natürlich engmaschig über einen längeren Zeitraum untersucht wurden und die Besuche im SPZ waren Standart.

Bei der Beschreibung deiner Tochter fällt mir auf das sie ja durchaus gute Leistungen bringt.Das passt gut zu dem Bild einer AWS,
Kinder bei denen dies erst später festgestellt wurde haben ja schon Strategien entwickelt um dieser Hörüberreizung entgegenzuwirken.an manchen Tagen klappt es aber nicht da diverse andere Probleme dazu kommen können.Sei es eine Erkältung.Besonders unangenehme Geräusche von aussen.Baustellen ecetera.
Es gibt viele verschiedene Formen von AWS .Lasse dich einmal von eurer KÄ dahingehend beraten.

Beitrag von sweety03 24.06.10 - 07:45 Uhr

Hallo,

meine Tochter (7, 1. Klasse) verhält sich teilweise so wie Deine Tochter, allerdings ist sie in der Schule sozial absolut unauffällig, nur zurückhaltender als andere Kinder. Ihre Leistungen sind im guten bis sehr guten Bereich.
Die Klassenlehrerin äusserte vor knapp 2 Monaten den Verdacht, dass sie unsere Tochter für hochbegabt hält. Sie ist sprachlich sehr weit, beschäftigt sich mit Themen, die recht untaypisch für ihr Alter sind und kann sehr gut logisch denken. Das ist ihr Verhalten in der Schule.
Zu Hause tickt sie oft aus, versichert sich immer wieder, dass wir sie trotz allem lieb haben, geht verbal so heftig gegen ihre Schwester (knapp 5) vor, dass mir manchmal ganz anders wird und macht Sachen, die ich einfach nicht nachvollziehen kann.
In der Schule ist sie laut Klassenlehrerin ein Engel, aber zu Hause das komplette Gegenteil.
Ich habe mich in den letzten Wochen sehr intensiv mit dem Thema Hochbegabung befasst und habe mit ihr in einer Woche einen Termin bei einer Kinderpsychologin, die sie auf Hochbegabung testet.
Fakt ist auf jeden Fall, dass es so nicht weitergeht. Unser Familienleben leidet extrem unter ihrem Verhalten.
Sie ist auch extrem sensibel, saugt alles auf wie ein Schwamm und hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, den sie permanent auslebt. Sie sieht sich in ständiger Konkurrenz zu ihrer Schwester, obwohl ich weit mehr Zeit auf sie verwende als auf ihre Schwester, die echt pflegeleicht und genügsam ist (muss sie auch bei dieser Schwester).
Ich hoffe sehr, dass wir endlich erfahren, warum sie so tickt, wie sie tickt.
Du solltest auch einen Termin bei einer Psychologin machen, denn Du merkst ja selbst, dass es nicht besser wird.

Sweety

Beitrag von fraz 24.06.10 - 20:54 Uhr

Also, meine Vermutung:
Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit!

Habe vor Jahren mal einen Film über ein Mädchen gesehen, das von der Beschreibung her deine Tochter sein könnte. Selbstzerstörung, total unruhig und zapplig, ewig am Schreien, oft Bauchschmerzen.....
Nach langer Odyssee der Eltern ist eine Unverträglichkeit auf verschiedene E- Stoffe heraus gekommen.

Beitrag von herzchen81 25.06.10 - 00:01 Uhr

Danke für deinen Hinweis, aber es war ja auch trotz Muttermilch?! :-( und ich bin mit dem Essen eine "mäkelige Biotante"