Ich STREIKE!!! Aber ist es richtig von mir?

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von cvycg 24.06.10 - 22:03 Uhr

Hallo,

ich habe zwei Kinder. Der große ist 5 1/2 und die kleine gerade 2 geworden. Leider habe ich bei der Erziehung so einiges falsch gemacht, dass beide Kinder voll an meinem Rockzipfel hängen. Sie spielen keine Minute etwas alleine, Mama oder Papa muss mitspielen! Ich habe weder Zeit zum putzen, noch zum kochen noch für mich. Sie folgen mir sogar auf die Toilette und stehen vor der Tür wenn ich die Tür zumache bis ich rauskomme. Ich gehe täglich mit Ihnen raus, auf den Spielplatz, auch bei Regen! Das gleiche Spiel. Sie stehen nur neben mir und wollen dass ICH MIT IHNEN SPIELE!!! Ich kann nicht mehr!

Nun habe ich beschlossen dass ich STREIKE!!! Wenn sie nicht wissen was sie spielen sollen, dann sollen sie sich halt langweilen. Ist mir Egal! Ich habe Ihnen gesagt, dass ich zu bestimmten Zeiten mit Ihnen spielen kann und das auch tue, zu anderen nicht weil ich etwas anderes zu tun habe. Folge: Brüllerei, Geschrei, Streit zwischen beiden! Die Kleine verlangt jede Minute etwas zu Trinken, zu essen, etwas piekst sie im Schuh usw. Nur damit ich mich hauptsache mit ihr beschäftige. Der Große ärgert die Kleine, damit ich mich mit Ihnen beschäftige? Ist es der Falsche Weg was ich mache? Wer hat diese Methode noch ausprobiert?

Für eure Antworten vielen Dank im Voraus.
Cris

Beitrag von bine3002 24.06.10 - 22:25 Uhr

Ich glaube nicht, dass Du was falsch gemacht hast, wenn Du dich mit deinen Kindern beschäftigt hast.

Meine Tochter ist genauso! Sie spielt zwar alleine (im Sinne von: mit sich selbst), aber sie spielt nie alleine (im Sinnen von: räumlich getrennt).

Spielt sie im Esszimmer und ich habe im Wohnzimmer zu tun, dackelt sie hinterher. Gehe ich hoch, dackelt sie hinterher. Gehe ich runter, dackelt sie hinterher.. wie ein Schatten. Und das, obwohl sie es von Anfang an gewöhnt ist, dass sie manchmal nur die 2. Geige spielen kann, weil ich zu tun habe. D.h. sie kennt auch Langeweile. Das führt dazu, dass sie sich eine Beschäftigung sucht und dann auch spielt, aber eben nie in einem anderen Raum, geschweige denn oben in ihrem Zimmer. Dort spielt sie nur, wenn ich im Nebenraum bei geöffneten Türen die Wäsche mache. Meist kommt sie dann aber nach spätestens 15 Minuten und sitzt auch dann wieder neben mir.

Sie sucht sich aber auch gerne mal Beschäftigungen, die sie nicht alleine kann. Z. B. liebt sie diese Beschäftigungsblöcke, kann aber die Aufgaben noch nicht lesen. Dann muss ich nebenbei immer vorlesen, was da steht. Oder sie will was zu trinken oder warmes Wasser ins Planschbecken oder mit Werkzeug "arbeiten" (was sie nur unter Aufsicht darf) oder oder oder... Hauptsache Mama kommt zu gar nichts.

Ich denke, dass manche Kinder einfach so sind. Und ich denke das, weil eine Freundin ihre Tochter nicht anders erzogen hat als ich meine und dieses Mädchen kann sehr gut alleine spielen. Die geht dafür auch gerne mal ihre eigenen Wege, die mitunter gefährlich sind. Sie läuft z. B. auf Straßen und stoppt nicht, wenn ihre Mutter sie ruft. Würde meine nie machen. Die dackelt nämlich am liebsten an Mamas Hand. Hat also auch Vorteile, wenn man so ein anhängliches Kind hat.

Beitrag von cvycg 24.06.10 - 22:30 Uhr

Danke. Mein Problem ist nur, das ich diese Gebrüll nicht mehr hören kann, und ich mich dann mit ihr beschäftige. Hausputz geht nicht weil ich mich nicht mit ihr beschäftige und sie nur brüllt, kochen geht nur mit ihr auf dem Arm (sie wiegt 14 Kilo!!!). Ist es denn gut für sie, wenn ich sie brüllen lasse? Im Moment mache ich das wenn es nicht mehr anders geht, aber ich habe ein sehr schlechtes Gewissen dabei.

Danke.
Cris

Beitrag von blumella 24.06.10 - 22:38 Uhr

Kannst Du sie denn nicht einbeziehen in Deine Arbeit? Muckel ist noch keine zwei Jahre alt, freut sich aber tierisch, wenn sie mitmachen darf.
Wenn ich also den Geschirrspüler ausräume, gibt Muckel mir das Besteck an.

Falte ich Wäsche zusammen, räumt das Muckel den Korb aus und wieder ein oder spielt mit den Wäscheklammern oder bringt z. B. die Socken in den Schrank.

Ich erkläre dazu, dass ich jetzt erst dieses oder jenes tun muss, Muckel mir aber helfen kann, damit es schneller geht und wir danach dann was anderes zusammen machen können.

Beitrag von cvycg 24.06.10 - 22:43 Uhr

Ja, das mache ich auch mit ihr. Sie gibt mir die Wäsche damit ich sie aufhänge. Sie spielt etwas mit dem Staubwedel wenn ich staub wische. Leider wird ihr nach 2 Minuten langweilig und sie will das ich sie hochnehme oder mit ihr spiele. Wenn ich ihr sage, das ich zuerst den Hausputz oder kochen muss, gibts nur gebrüll bis ich alles liegen und fallen lasse und sie bekommt was sie will.

Danke für deine Antwort. Werde es morgen wieder so versuchen und hoffen dass sie nicht gleich wieder nach 2 min. losbrüllt.

Gruß
Cris

Beitrag von tarosti 25.06.10 - 13:41 Uhr

Hi Cris

Ja, das hört sich echt mühsam an.
Aber lass sie brüllen, so hart das jetzt tönt.
Klare Ansage von dir: Ich muss jetzt erst fertig putzen.
Dann mach das aber auch.. Denn wie soll sie dich ernst nehmen, wenn sie nur zu brüllen braucht um Mama spurt dann doch?!

Das zu ändern braucht viel Geduld, innerliche Ohrstöpsel und Durchhaltevermögen.
Das wünsch ich dir von Herzen.

Ach ja, noch was. Wenn du ihr sagts: "Ich wische jetzt noch diesen Boden fertig und dann spiel ich mit dir.", dann mach das dann unbedingt auch genau so. Nur so lernt sie, dich ernst zu nehmen. Und sie lernt auch, dass du dich, obwohl du sie quasi einen Moment lang links liegen lässt (nämlich während du fertig putzt), danach an deine Abmachung hältst. Das gibt Vertrauen. Und du brauchst dich nicht von ihr gängeln lassen.

LG und viel Glück

Tarosti

Beitrag von raena 25.06.10 - 09:58 Uhr

Hallo Cris,

ich denke ihr beide müßt lernen eure Frustrationsgrenze zu erhöhen.

Achtung jetzt wird es schwarz weiß in der Beschreibung, ich weiß das das Leben nicht so ist, aber um Sachverhalte zu verdeutlichen werde ich jetzt dennoch mal schwarz-weiß malen:

Im Moment steuert deine Tochter dich und nicht du sie. Du bist die Mama, du bestimmst die Regeln, du setzt die Grenzen.

Bei euch ist es umgekehrt. Sie bestimmt was passiert und wann es passiert und wenn es nicht passiert, dann brüllt sie und dann passiert es doch.

Ich stelle mir die Situation vor:
Du willst den Küchenboden wischen. Sie will spielen. Du holst die Eimer, den Wischmop füllst ihn mit Wasser, stehst mit fertigen Arbeitsgerät da und willst loslegen.
Sie möchte spielen und hängt am Rockzipfel.
Du sagst ihr ich muß jetzt wischen bitte geh in dein Zimmer spielen, wenn ich fertig bin spielen wir wieder zusammen.
Sie : Ich will spielen
Du : ich muß putzen
Sie : ich will spielen
Du : ich muß putzen
Sie : Bäääääääääääääääääääääääääääääääääääääh
Du: also gut wir spielen

Was ist passiert? Du hast das gemacht was deine Tochter wollte. Sie hat sich durchgesetzt. Mehr noch, du hast sie angelogen. Du hattest gesagt du mußt putzen, das stimmte aber gar nicht, mußt du ja gar nicht, du kannst ja doch putzen (Erfahrung deiner Tochter).
Du bist in dem Fall für deine Tochter in deinen Handlungen nicht zuverlässig und sie kann sich nicht darauf verlassen, das das was du sagst auch das ist was du tust. Also brüllt sie um festzustellen was denn nun Sache ist!

Wie gesagt das war jetzt schwarz/weiß gemalt und auch überzeichnet, aber ich wollte dir die Struktur verdeutlichen.

Ich würde an deiner Stelle mit kleinen Dinge anfangen und die auch durchziehen. Sag ihr was du machen mußt, woran sie sieht, das es zuende ist (zB.der ganze Küchenboden ist gewischt) und was dann passiert (spielen) und zieh es durch. Lass dich durch ihr brüllen nicht einschüchtern. Natürlich ist es für sie erstmal schwierig wenn sie sich auf ein neues Verhaltensmuster einstellen muss. Aber die Kleinen können das sehr schnell und besser jetzt als mit 6 oder 10 Jahren ;-)

Vermutlich wird sie das erste Mal nicht spielen gehen, sondern brüllen bis du fertig bist. Sag ihr immer wieder in einem ruhigen Ton, ich muß noch fertig wischen und dann lesen wir ein Buch. Wenn du fertig gewischt hast, dann tu das auch. Es wird sehr schnell besser werden.

Ich habe bei meiner Tochter festgestellt, dass sie Klarheiten lieben. Wenn Dinge genau so laufen wie man es vorher sagt. Ich denke das gibt den Kleinen ein bißl Sicherheit in der für sie teilweise noch chaotischen Welt.

Alles Gute!
Tanja

Beitrag von krtecek 24.06.10 - 23:33 Uhr

du gehst vom extrem z extrem...vorher alles, jetzt gar nichts ?!?!?!

eins hätte ich gleich am Anfang gefragt, geht der große nicht in den kinderngarten, das geschieht doch das erste abnabeln ?

Gehst du mit der kleinen nicht in einer Spielgruppe, wo sie andere Kids trifft und du da aufatmen kannst ?

Du hast keine Zeit für dich ? gibt es kein Papa, der mit ihnen nicht was untenimmt ?

Da fehlen noch manche Hintergrundinfos !

also meine zweijärhige tochter liebt es, wenn ich sie im Kindergarten abgebe und sie da fröhlich mit anderen Kids unsinn macht..keine Mama, keine Verbote..

gute Nacht, krtecek

Beitrag von lisasimpson 25.06.10 - 09:00 Uhr

hallo!

Wenn es bei euch so extrem ist, würde ich schrittchenweise vorgehen.
ich würde mir kleine sachen vornehmen, die nicht länger als 5 minuten dauern (für den ersten tag) und den kinder sagen : "so, jetzt mach ich dies und das und dann spiele ich kurz mit euch). dann 5 minuten was anderes mache nund dann KONSEQUENT kommen und spielen.
wieder ca 15 minuten. danach machst du wieder 5 minuten was anders mit der gleichen ansagen.
wichtig ist, daß du wirklich beständig wieder da bist und nicht "vertröstest" und dann nicht kommst..
jedes mal stark loben, wenns geklappt hat.
wenn die beiden sich streiten trennst du sie räumlich, so lange bis du deine arbeit (ist ja nur 5 minuten am anfang) erledigt hast.

diese zeiten dehst du immer weiter aus. am nächsten tag sind es 10 minuten- dafür spielst du dann 20 minuten mit ihnen usw..
am ender der ersten woche n(mit seeeeehr viel lob!) solltest du also in der lage sein, etwa 20 minuten am stück etwas im haushalt zu machen.
wenn die kinder dann sauer reagieren, ist das verständlich. du nimmst ihnen etwas weg, was sie gerne hatten.
sie dürfen auch sauer sein. sag ihnen, daß du versteht, daß sie nun traurig oder wütend sind, daß du auch gerne mit ihnen spielst, aber jetzt gerade kochen mußt.
gib ihnen die möglichkeit, dich beim kochen zu unterstützen, aber sage klar, daß du die nächsten 20 minuten NUR das "wir kochen zusammen spiel" spiele nkannst, ein naderes leider nicht.
weinen sie, dann ist das legitigm und du kannst verständis zeigen.
wenn du davon überzeugt bist, daß deine kidner in der lage sind 4 mal am tag für 30 minuten alleine zu spielen sollte das mittelfristig kein problem sein.
die zeiten jedoch, in denen ihr gemeinsam spielt, solltet ihr intensiv ins spiel gehen.
du solltest also genauso konsequenz sein im gemeinsamen spiel wie im erledigen der ander ndinge in haus..


zum ndern würde ich so viel kontakt zu nadern kinder n herstellen wie möglich- so daß sie nadere vorbilder bekommen, die ihnen zeigen und sie animieren gemeinsam ins spiel zu gehen..

lisasimpson


Beitrag von diebina 25.06.10 - 21:37 Uhr

ich stimme lisasimpson zu! eine Freundin von mir hat gerade genau das gleiche Problem mit ihren Kindern (fast 5 und fast 2 jahre) und macht es auch schrittchenweise.

Sie stellt die Eieruhr auf 5 Minuten und sagt Bescheid, dass sie jetzt 5 Minuten ALLEIN die Küche aufräumen wird.
Die Kinder haben sich nach ein paar Tagen super daran gewöhnt - fordern nach dem Klingeln der Eieruhr "ihre" 10 Minuten Spielzeit ein. Inziwischen kann meine Freundin auch mal 10 Minuten etwas für sich tun (oder auf die Toilette gehen ;-)) und das ist echt ein großer Fortschritt für die 3!!

LG und viel Erfolg
die bina

Beitrag von dodo0405 25.06.10 - 09:39 Uhr

Bring beide in den Kindergarten.

Beitrag von tarosti 25.06.10 - 13:44 Uhr

Also dein Rat bezüglich Kindergarten kann ich beim grösseren Kind ja verstehen (bei uns in der Schweiz werden die Kinder, wenn sie 4 Jahre alt sind, automatisch in den Kindergarten eingegliedert; ist obligatorisch), beim Kleineren find ich das seltsam.
Aber wir verstehen da in der Schweiz unter Kindergarten ja eh was anderes, hab ich festgestellt. Bei uns gehört der Kiga zur Schulpflicht. Dafür, wie schon gesagt, erst, wenn das Kind vier Jahre alt ist.

Beim grösseren Kind wäre es wohl höchste Zeit, beim kleineren meiner Meinung nach eher weniger.

LG
Tarosti

Beitrag von kathrincat 25.06.10 - 20:23 Uhr

ärger sollen sie unter ein ander klären, der geht dich nichts an, was zu essen und trinken steht da und kann sich genommen werden. wenn was im schuh piekst kann sie auch mit 2 sie selber ausziehen, der gr. kann beim anziehen hefen.

lass dich einfach nciht austricksen.

du gehst nicht mehr bei jeden wetter mit ihnen auf den spielplatz, für was sie könne auch zuhause bei schlechten wetter spieln.

Beitrag von happy-ness 02.07.10 - 15:36 Uhr

Ich finde deinen Streik im Grunde gut, deine Kinder sollen wissen dass auch du grenzen hast und ein eigenständiger Mensch bist mit Bedürfnissen. Bloss- verstehen werden sie es nicht.
Mach dir einen Plan für den tag und leg für die Kinder eine bestimmte SPielzeit ein, in der du dich mit ihnen beschäftigst. Und in der anderen Zeit machst du deine Arbeit.
Im Übrigden kanns du deine kinder sehr gut ins Putzen und aufräumen usw.. einbinden, dann schaffst du deine Arbeit und sie können trotzdem an deinem " Rockzipfel " hängen.
damit die beiden sich miteinander beschäftigen gehört Zeit hinzu. sie müssen erst lernen wie sie ohne dich miteinander umgehen können.
Nimm dir Zeit und begleite IHR Spiel, indem du zum Zuschauer wirst, und doch dabei bist und eingreiffen kannst wenn sie dich brauchen.
Und nimm dir mal Auszeiten.
Lg