Wie ein anderes Kind

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von textzauber 29.06.10 - 13:16 Uhr

Hallo,

ich wollte hier einfach mal etwas posten, obwohl ich nicht weiß, ob mir jemand etwas dazu sagen kann.

Mein Sohn ist 4,5, ist entwicklungsgestört und hat eine Sprachbehinderung, redet wenn überhaupt nur in 2-3 Wort Sätzen, die man auch nicht immer versteht. (Ich hatte hier schonmal was gepostet)

Ich habe hier zu Hause in der letzten Zeit ein immer größeres Problem mit ihm, weil er von einer zur anderen Minute wegen Kleinigkeiten (die ich oft garnicht erkenne, weil sie so minimal sind) komplett durchdreht. Dann schreit und weint er sich in Rage, kriegt einen hochroten Kopf, beißt und kratzt und tritt, geht wie ein Wilder auf mich los, dass ich nichts anderes machen kann, als ihm beide arme festzuhalten.

Er lässt sich durch nichts beruhigen. Gestern hatten wir mal wieder so eine Situation, die über eine Stunde gedauert hat. Weil es gestern auch noch so heiss war, lief er purpur an, war total nassgeschwitzt und ich machte mir schon Sorgen, dass er umkippen würde.

Irgendwann ist es dann vorbei und dann ist er natürlich so erschöpft, dass er sich eigentlich erst einmal nur noch hinlegen und ausruhen kann. Ich lag dann neben ihm und er schaute mich so lange und intensiv an, als wenn er nicht wüsste, was da gerade passiert war....

Ich weiß echt nicht mehr weiter, weril er körperlich so stark wird, dass ich ihn kaum mehr bändigen kann. Seinen Bruder schicke ich schon immer aus dem Raum, weil ich Angst habe, dass er ihn verletzen könnte.

Irgendjemand eine Idee??? Ich bin echt fertig.

Danke!

Beitrag von deoris 29.06.10 - 14:23 Uhr

Hallo
es ist sehr schwierig die Situation zu beurteilen.Wart ihr denn schon mal in SPZ? Für mich klingt es so als ob diese Wutausbrüche wirklich unbewusst passieren und er diese nicht kontrollieren kann,an der Erziehung liegt das nicht eher an seiner Entwiklungsverzögerung.Sprich das beim KiA an.Wenn man genauer weiß wodurch diese Wutausbrüche kommen ,kann man bestimmt auch besser damit umgehen.
Ich weiß nicht ob ich dir jetzt helfen konnte,wünsche dir trotzdem alles GUte.

LG Ewa

Beitrag von sriver 30.06.10 - 08:07 Uhr

Hallo,

bei meinem Neffen gab es genau diese Situationen auch, und er ist sprachlich auch sehr hinterher gewesen. Inzwischen wurde eine Form von Autismus festgestellt, und seit dieser Diagnose wurde alles viel besser. Die Familie weiß, wie sie mit diesen (jetzt selteneren) Ausrastern umgehen muss, und er wird therapiert. Auch die Sprachentwicklung ist viel besser, er besucht jetzt eine normale Grundschule mit Schulbegleiter. Diese agressiven Ausraster hatte er auch.
LG Sriver

Beitrag von jindabyne 30.06.10 - 11:32 Uhr

Etwas schwächer ausgeprägt hatte meine Tochter früher auch Ausraster. Sie ist ebenfalls sprachlich verzögert und bei ihr war Frust die Ursache für solche Ausraster. Sie konnte sich nicht ausdrücken und gewöhnte sich dann an, komplett auszurasten, wenn was nicht so lief wie sie wollte.

Was ich gemacht habe, war mit ihr zu üben, sich erst sprachlich oder mit Gesten irgendwie auszdrücken, bevor sie "sauer" wird. Das waren erst nur einzeln Worte (sozusagen als "Signalworte"), später kleine Sätze. Inzwischen führt sie zwar elegentlich noch einen "Kriegstanz" auf, aber es ist sehr milde geworden und niemand nimmt dabei Schaden.

Körperliche Auseinandersetzungen habe ich irgendwann strikt unterbunden. Wurde sie mir gegenüber handgreiflich (schlagen und treten), musste sie eine "Auszeit" in ihrem Zimmer nehmen. Das hab ich ihr verbal auch immer so angekündigt: "Wenn Du nicht aufhörst, nimmst Du eine Auszeit in Deinem Zimmer!" und wenn das nicht half, hab ich sie in ihr Zimmer getragen und sie durfte erst rauskommen, wenn sie sich beruhigt hatte. Anschließend habe ich nochmal ruhig mit ihr über die Situation gesprochen und ihr gesagt, warum ich so gehandelt habe und dass ich nicht möchte, dass sie tritt und schlägt, sondern dass man Unstimmigkeiten auch anders lösen kann.

Es ist vielleicht nicht für jede Situation/jedes Kind die richtige Methode, aber bei uns war es das beste, die Aufmerksamkeit von diesen Ausrastern abzulenken, indem ich mich erst wieder mit ihr befasst habe, wenn sie sich beruhigt hatte.

Lg Steffi

Beitrag von manyatta 30.06.10 - 12:29 Uhr

Hallo!

Solche Phasen hatte mein Sohn auch und sie gingen über einen langen Zeitraum. Es ist eine sehr schwere Zeit gewesen und ich kann dir gut nachempfinden. Mein Sohn fing dazu immernoch fürchterlich an zu schreien. Hinterher war er total fertig und wusste teilweise nichtmal, was eigentlich los war.
Allerdings haben wir einen anderen Hintergrund, mein Sohn hat einen Hydrocephalus (Störung des Hirnwasserkreislaufes).

Bei Untersuchungen kam dann heraus, dass er über einen langen Zeitraum einen stark schwankenden Hirndruck hatte und zusätzlich noch eine Zyste. Diese Zyste verursachte auch Hirndruck und er bekam diese unkontrollierten Ausraster. Bei mehreren EEGs wurde eine Anfallsneigung festgestellt, er hatte auch teilweise Abseancen (Form von epileptischen Anfällen, welche man aber nur geringfügig merkt).

Es war echt eine schlimme Zeit und es war teilweise unmöglich mit ihm umzugehen. Es reichte eine kleine Bemerkung und er war nicht mehr händelbar, tickte komplett aus und war selbst regelrecht verzweifelt darüber.

Ich weiß natürlich nicht was dein Sohn hat, möchte dir auch keine Angst machen. Es erinnert mich nur sehr an meine Verzweiflung damals und die Reaktionen meiner Umgebung. Letzten Endes hatte ich aber Recht mit meinem Bauchgefühl, dass es meinem Sohn nicht gut ging und es einen medizinischen Grund gab für sein Verhalten.

An deiner Stelle würde ich unbedingt einen Arzt aufsuchen deswegen. Vielleicht kann ja ein EEG gemacht werden, das dürfte mehr Licht ins Dunkeln bringen.

Ich drücke euch die Daumen!

LG
Regine

Beitrag von 1.zwilling 30.06.10 - 14:43 Uhr

Hallo textzauber,

geh bitte zumKinderarzt und sag ihm, dass dein Sohn wesensverändert ist.
Er soll das bitte untersuchen.
Kann auch ein Anzeichen für eine andere Erkrankung sein.

LG 1. zwilling

Beitrag von textzauber 06.07.10 - 11:45 Uhr

Hallo nochmal,

Danke für Eure Tipps und Hinweise.

Wir hatten in der Zwischenzeit einen Termin im SPZ bei uns in der Nähe und die haben uns jetzt doch an ein Autismuszentrum verwiesen, weil viele Auffälligkeiten wohl doch für Autismus sprechen.

Wir arbeiten seit einer Woche jetzt mit Bildkarten (zumindest morgens und beim Toilettentraining). Das soll der Anfang sein und den Tipp haben wir vom SPZ bekommen. Die Verbindung von Regeln / Aufgaben und Bildern scheint besser bei ihm zu funktionieren. Mal sehen, ob wir das noch in anderen Bereichen unterbringen können.

Grüße...