Zurückstufung ja oder nein

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von teddybaer10 30.06.10 - 10:17 Uhr

Hallo!

Unsere Tochter geht in die 2. Klasse und hat dort laut Lehrer den Stand von der ersten Klasse.
Wir haben schon diverse Gespräche mit dem Lehrer geführt und der kann es nicht verstehen, daß wir sie nicht zurücksetzen wollen.
Muß dazu sagen, daß wir schon eine Schülerhilfe und Therapie mit ihr machen und die überhaupt nicht der Meinung sind, daß sie jetzt zurück sollte und es etwas ändern würde.

Was sollen wir nur machen? Ich weiß keinen Rat. Einerseits will man sie da nicht rausreißen, weil es lange gedauert hat mit der Eingewöhnung und andererseits wird sie aber auch in der Klasse von 3 Mitschülern immer nur gefoppt.

Wie würdet Ihr entscheiden?

Beitrag von mimi1410 30.06.10 - 10:27 Uhr

Hi,

was sagt der Therapeut zu ihrem Stand? Dass die Schülerhilfe sie nicht zurückstufen lassen würde ist doch klar - dann fällt sie ihnen im nächsten Schuljahr als "Kunde" weg ...
Wie ist denn dein Eindruck? Schafft sie den Stoff gut? Kann sie mithalten? Wo genau liegen ihre Defizite? Was sagt der Beratungslehrer / Schulpsychologe an der Schule?
LG Mimi

Beitrag von lisabet 30.06.10 - 10:28 Uhr

Hallo teddybaer,

ich finde gerade die 3. Klasse ist sehr schwer. In erster Linie in Deutsch. Die Kinder verfeinern die Gramatik, Substantive, Verben und Adjektive müssen sitzen, es werden vermehrt Aufsätze geschrieben usw.. Je nach Konffesion kommt der Kommunionsunterricht und die Kommunionsfeier hinzu.
Wenn (berechtigte) Zweifel bestehen das zuviele Lücken bei deiner Tochter sind, würde ich sie zurückstufen (blödes Wort :-)). Es wird nicht einfacher in der dritten Klasse.

LG Lisa

Beitrag von lisabet 30.06.10 - 10:30 Uhr

Ich meinte Konfession. #kratz

Beitrag von luka22 30.06.10 - 10:53 Uhr

Ich würde mir zum Einen den RAt des Lehrers zu Herzen nehmen. Er kennt den Stoff, er sieht deine Tochter im Vergleich zu den anderen und kann das denke ich schon gut beurteilen. Zum anderen würde ich es schlicht und ergreifend vom Kind abhängig machen. Wenn sie jetzt schon diverse Hilfen und Therapien bekommt und immer noch stark hinter den anderen hinterherhinkt, dann würde ich sie in unserem Schulsystem auch wiederholen lassen. Was bringt es, sie in die dritte zu zwingen, wenn sie die Grundlagen dafür nicht hat? Eine Ausnahme wäre vielleicht, wenn die Defizite nur in einem einzigen Fach vorhanden sind. Dann wäre das eine gut abgrenzbare Baustelle.
Ich denke ihr Selbstwertgefühl ist eh schon angeknackst. Was sie jetzt braucht sind Erfolgserlebnisse und nicht weitere Rückschläge in der dritten Klasse.

Grüße
Luka

Beitrag von tophimala 30.06.10 - 11:17 Uhr

Zitat von luka22:

>Eine Ausnahme wäre vielleicht, wenn die Defizite nur in einem einzigen Fach vorhanden sind. Dann wäre das eine gut abgrenzbare Baustelle.<

Stimmt, aber so habe ich es leider nicht "verstanden", sondern eher so, dass größere Probleme bestehen.

>Ich denke ihr Selbstwertgefühl ist eh schon angeknackst. Was sie jetzt braucht sind Erfolgserlebnisse und nicht weitere Rückschläge in der dritten Klasse<

#pro absolut genau so sehe ich es auch! Alles andere bringt Stress, Frust und schlimmstenfalls Verweigerung... aber keinen Fortschritt.

Gruß
tophimala #blume

Beitrag von maupe 30.06.10 - 10:58 Uhr

Hi,

unterstellen will ich der Nachhilfe natürlich nichts. Aber wie schon erwähnt, hat diese natürlich Euch als bezahlenden Kunden. Der Lehrer versucht das bestmögliche Urteil für das Kind zu geben. Er/Sie hat keinerlei finanziellen Vor- oder Nachteil davon.

Du schreibst, dass einerseits Deine Tochter lange zum Eingewöhnen brauchte, andererseits sie gemobbt wird. Dann ist ja von einem guten sozialen Umfeld nicht die Rede, oder?

Und dritter Punkt ist (auch schon erwähnt), der Stoff und die Ansprüche steigen in einem nicht unerheblichen Maß.

Ein Freund unseres Sohnes ist eigentlich ein helles Köpfchen, jedoch die Mechanismen der Schule/des Unterrichts und er - das passte irgendwie nicht. Dazu kam auch Mobbing. Er wurde im zweiten Halbjahr der vierten Klasse auf Wunsch der Eltern zurück gestuft.
Es tat ihm gut! Der Anschluss klappte besser, die Lehrerin passte.

Entscheiden müsst ihr. Doch so früh, da ist ein Wechsel noch leichter als späteres Versagen.

LG maupe

Beitrag von tophimala 30.06.10 - 11:04 Uhr

Hallo #winke

komme mir etwas dumm vor und euch wahrscheinlich auch gleich, aber:

Wir sind doch am Ende des Schuljahres, wenn der Lehrer der Meinung ist sie wäre sogar schon irgendwo im letzten Jahr nicht mehr weiter- bzw. mitgekommen, wieso wird sie dann in die dritte Klasse versetzt? #kratz Was das betrifft ist heut´ wohl nicht mein Tag...

Ansonsten, also wenn die Entscheidung weiterhin bei euch Eltern liegt:
Sogar der Therapeut meint es würde nichts ändern (heißt für mich sie bleibt weiterhin eine sehr schwache evt. im Stoff zurückliegende Schülerin) besagt doch schon, dass sie es in der dritten Klasse keinesfalls schafft. Es wird für sie immer schwieriger und sie wird das auch selbst wissen/merken - evt baut sich dann sogar eher Schulfrust auf. --> unter den Umständen würde ich sie nicht versetzen lassen.

Ich möchte Dir nicht zu Nahe treten, aber habt ihr vielleicht mal über eine andere Beschulung nachgedacht? Darüber kann ich mir kein Urteil machen, kenne Deine kleine ja nicht und die gesamte Problematik... aber es kann manchmal für alle ein Segen sein und viele Kinder (natürlich nur wenn sie es wirklich brauchen) lernen sogar mehr auf Förderschulen, als an der Regelschule --- einfach weil dort mehr auf sie eingegangen wird, sie unter "Gleichgesinnten" sind und eine gewisse Freude an der Schule aufbauen können. Je nach Ursache des Lernproblems könnte auch ein Antrag auf Sonderpädagogischen Förderbedarf in Betracht kommen.

Hoffe Du findest den richtigen Weg, für was würde sie sich denn entscheiden, kannst Du mit ihr darüber sprechen oder vielleicht der Therapeut?

Alles Gute wünscht
tophimala #klee

Beitrag von manavgat 30.06.10 - 11:37 Uhr

Ich würde Dir empfehlen, die zuständige Schulpsychologin um Testung und Rat zu bitten. Wende Dich an das örtliche Schulamt, die leiten Dich weiter.

Schülerhilfe halte ich für nicht kompetent. Zumal ich weiß, dass die die Grundschüler zwischen die Mittelstufenschüler setzen. Der Therapeut kennt eventuell das System Schule nur unzureichend.

Du brauchst also jemanden, der Schule und die Schulanforderungen genauestens kennt und! Psychologie studiert hat/Erfahrung mit Schulproblemen hat. Daher ist imho die Schulspsychologin die erste Adresse.

Gruß

Manavgat

Beitrag von teddybaer10 30.06.10 - 12:10 Uhr

Vielen lieben Dank für Eure ehrlichen Antworten.
Es tut gut auch mal von mehreren von außen eine Meinung zu hören.

Unsere Tochter viel das Schreiben und Lesen immer sehr schwer und erst jetzt kommt es so langsam. Wir hatten deswegen auch jahrelang Logo und Ergo gehabt und jetzt von der Schule aus seit einem 3/4 Jahr eine Schülerhilfe und Förderunterrricht.
Zudem kommt noch hinzu, daß die Klasse an der Schule keinen guten Ruf hat (Chaotenklasse) und es oft Ärger gibt.

Da sie sich auch immer sehr schwer tut mit dem Eingewöhnen, fällt uns die Entscheidung ja so schwer. Und wie gesagt die Schülerhilfe und Förderlehrerin sind keinen Zwang mit der Zurückstufung.

Einerseits wäre ich auch froh, wenn sie aus der Chaotenklasse rauskäme. Andererseits habe ich aber auch Angst, daß sie in ein Loch fällt und dicht macht.

Der Lehrer spricht uns auch immer drauf an, ob wir es uns nochmal überlegt hätten.
Zu Hause bei den Hausaufgaben ist sie manchmal total gut und dann wieder geht nichts und sie ist unkonzentriert und nimmt nichts auf. Wir waren deswegen auch schon beim Kinderneurologen. Dort wurde nur festgestellt, daß sie nochmal eine spezielle Logotherapie machen sollte.

Wir müssen uns ja auch schnellstmöglichst entscheiden, da die Ferien anstehen und der Lehrer an der Schule auch aufhört.

#schwitz

Beitrag von teddybaer10 30.06.10 - 12:11 Uhr

#bitte beachtet meine Rechtschreibfehler nicht.
Hab mal wieder mehr im Kopf als die Finger tippen wollen

Beitrag von ines_lucy 30.06.10 - 14:09 Uhr

Hallo,

ich bin selbst Lehrerin an einer Grundschule in Berlin. WEnn man dir rät, dass dein Kind die 2 Klasse noch einmal wiederholen soll, dann solltest du das auch tun.

Hier ist es so, dass die 1. und 2. Klasse Schulanfansphase heißt, die man in bis zu drei Jahren durchlaufen kann. Das bedeutet, dass Zurückstufung in den zwei Jahren nicht auf die gesamte Schulzeit angerechnet wird.

Aus Erfahrung kann ich nur sagen, dass für ein Kind eine Zurückstufung zu dem Zeitpunkt nicht so dramatisch ist, wie eine Zurückstufung in späteren Jahren oder die permanenten Misserfolge die auf jeden Fall entstehen wenn das Wissen der 1. und 2. Klasse nicht ausreichend vorhanden ist.

Tu deiner Tochter den Gefallen und stufe sie zurück.

LG ines_lucy