Therapie wg. Mutter - habs endlich geschafft SILOPO

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von schwarz leider nur hier 30.06.10 - 16:42 Uhr

Leider kann man nur hier schwarz schreiben, es passt eigentlich nicht hier her, aber ich muss es einfach loswerden: Ich habe es heute endlich nach Jahrzehnten geschafft, mich meinem Arzt anzuvertrauen und eine Therapie anzufangen.
Meine Mutter hatte Depressionen, als ich im Alter zwischen 13-18 war. Ich glaube sogar, dass sie eine Borderline-Störung hatte bzw. noch hat. Jedenfalls hat sie mehrfach gedroht, sie bringt sich um. Ist dann immer mit dem Auto weggefahren. Ich habe furchtbar Angst gehabt, sie tut sich was an.
Sie hatte Eheprobleme, Probleme mit anderen, und niemanden, mit dem sie darüber reden konnte. Also war ich ihre Gesprächspartnerin. Jahrelange, ständig, bis ich selber dachte ich halte es nicht mehr aus. Gleichzeitig konnte ich in ihren Augen nie etwas recht machen. Gelobt hat sie mich nie, dafür sehr viel kritisiert.
Ich bin der Meinung, irgendwann ist man erwachsen und dann muss mein sein Leben selber in Griff bekommen und kann es nicht auf die Eltern schieben. Aber trotz aller Anstrengung hat das bei mir nicht geklappt. Manchmal ging mirs gut, aber sehr oft ging es mir schlecht und ich habe alle Kräfte mobilisiert, um den Alltag durchzustehen.
ich dachte immer, ich bin halt besonders labil, es ist meine Schuld. Zumal andere ja viel schlimmere Sachen als Kind erleben - ich dachte immer, was bin ich für eine Lusche, dass ich so etwas "Harmloses" nicht selber in den Griff bekomme.

Als es jetzt gar nicht mehr ging und sowohl mein Beruf als auch meine Familie angefangen haben darunter zu leiden, bin ich zu meinem Hausarzt. Er hat gesagt, dass es nicht meine Schuld ist. Und dass es Missbrauch ist. Ich bin nicht schuld.
Ich bin so froh, dass ich endlich die Chance habe, davon wegzukommen, und dass ich mich endlich nicht mehr schlecht fühlen muss. Ich hab mein Leben lang das Gefühl gehabt, ich bin nichts wert. Und jetzt hab ich die Chance, dass dieses Gefühl vielleicht endlich aufhört.

Ich musste das einfach schreiben, vor allem, weil viele Beiträge hier, die ich als stille Teilnehmerin gelesen habe, mich bestärkt haben, dass ich das nicht allein schaffen muss. Und dass es andere gibt, denen es auch so geht. Es ist also nicht meine Schuld, dass ich damit nicht klar komme.

All denen, die über Borderline und Depressionen geschrieben haben: danke, dass ihr mir den letzten Anstoß gegeben habt.

Beitrag von RESPEKT 30.06.10 - 20:34 Uhr

...und das meine ich ernst!
Ich selber trage seit vielen Jahren meine mehr als miserable Kindheit mit mir rum, ich glaube nicht, dass meine Kids darunter leiden, aber immer sicher bin ich mir nicht. Ich hatte hier auch schonmal geschrieben und mir wurde von jedem der antwortete geraten eine Therapie zu machen, aber ich kann irgendwie nicht, ich bin einen Tag todsicher, am nächsten denke ich, dass schaffe ich alleine. Ich kann mir nicht vorstellen, zu meinem Hausarzt zu gehen und dem das runterzuleiern - als könne man das, da ist doch Überwindung, immer und immer wieder, aber mein Hausarzt wird ja keine Std für mich Zeit haben, also nicht nur finanziell, das Wartezimmer wird sich auch bedanken.
Ich gratuliere dir ernsthaft zu deinem Schritt, weil ich weiß, wie verdammt schwer dieser ist #klee

Beitrag von Unsinn 30.06.10 - 21:19 Uhr

Du wirst keine Stunden mit deinem Hausarzt sprechen. Du sagst ihm mit wenigen Sätzen, dass es dir nicht gut geht, dass du Angst hast, das in der Kindheit erlebte an deine Kinder weiter zu geben. Frag ihn nach einem guten Therapeuten, er wird dir helfen, schnell, unproblematisch und vertrauensvoll.

Du wirst erleben, wie wahnsinnig gut das tut, wenn dir geholfen wird, deine Gedanken zu ordnen, dir geholfen wird die richtigen Schlüsse zu ziehen.

In meinem Leben eine der besten Erfahrungen. Dieses ewige Gefühl, an ein und der selben Stelle nicht weiter zu kommen, hat ein Ende, die Suche auch. Mach es! Du wirst die Welt ganz anders sehen.

Beitrag von RESPEKT 30.06.10 - 22:01 Uhr

unproplematisch, und vertrauensvoll? Ich sag dir gern, dass ich selbst mit meiner besten Freundin kaum worte finde, die kenne ich länger als meinen Hausarzt. ich kann mit sicherheit nicht zu meinem Hausarzt gehen, der sonst mal ne kleine Erkäaltung behandel hat, auf einmal so ein schweres Thema zu besprechen, eine Erkältung wird abgehorcht, hier muß ich was besprechen, was man nicht einfach so abhorchen kann....ich hab nächsten monat nen termin, weil der gleiche doc auch unserekids behandelt - ne u meines Kindes, denkst du, ich kann dann mal eben sagen, ach ich hab da auch noch was....

Beitrag von Unsinn 30.06.10 - 22:09 Uhr

Ich bin wegen einer Erkältung zum Doc und mit ner Überweisung zum Therapeuten raus marschiert. Eine Viertel Stunde vor meinem Termin hat unsere Ex-Chefin die Kollegen und mich am Telefon im Feierabend rund gemacht.

Mein Doc kam ins Behandlungszimmer, schaut mich an, meint "Wie siehst du denn aus?" und in diesem Augenblick ist nur aus mir raus gebrochen, was in der letzten Viertel Stunde passiert ist. Der hat nicht groß was gesagt, der hat fünf Minuten zugehört, eine Überweisung ausgefüllt, mir in die Hand gedrückt, seine Empfehlung ausgesprochen und Wort wörtlich gesagt "Für dich ist hier zu Ende, am liebsten würde ich dich sofort in Kur schicken. Hol dir vorne einen Termin fürs Labor, ich hör dich jetzt noch ab und den Rest machen wir mit dem Labor zusammen. Geh nach Hause, ruh dich aus. Wir schaffen das!"

Du bist eine von vielen, glaubs mir, es sind weit mehr als du denkst. 5 Kollegen, der Typ aus meiner Videothek, bleib einfach locker. Und ja, du kannst sagen, ich hab da auch noch was. Nur die Kids solltest du nicht dabei haben.

Beitrag von ich noch mal 30.06.10 - 22:14 Uhr

Hallo,

ich habe zwanzig Jahre gebraucht, bis ich es geschafft habe, diesen Schritt zu tun. Ich hatte den Telefonhörer schon mehrmals in der Hand. Ich hab es nie geschafft. Ich kenne meinen Hausarzt auch schon seit dieser Zeit!

Ich hatte mir sogar überlegt, zuhause alles aufzuschreiben und ihm dann nur einen Brief in die Hand zu drücken, weil ich auch das Gefühl hatte, ich kann nicht darüber sprechen. Innerlich hab ich dann, als ich im Wartezimmer war, auf "Autopilot" geschalten - es war, als wäre ich neben mir. Ich hab es dann geschafft, zwar nicht ohne Weinen, aber Hauptsache geschafft.

Er hat mir gesagt dass es richtig war und wie schade, dass ich nicht schon früher gekommen bin. Dass es seelischer Missbrauch war und ich nicht schuld bin. Jetzt warte ich auf den Termin beim Psychotherapeuten und bin froh, dass ich den Schritt gemacht habe. Er hat noch gesagt, dass der Leidensdruck manchmal noch nicht groß genug ist.
So war es bei mir, die ganzen 20 Jahre lang. Aber immer das Gefühl haben, nicht gut genug zu sein, an allem schuld zu sein, an jeder kleinen Auseinandersetzung fast zu zerbrechen - das ist anstrengend. Vielleicht denke ich in zwei Jahren, hätte ich nur früher gehandelt. Dann hätte ich vieles einfacher haben und zufriedener sein können.

Was die Kinder angeht: Hätte meine Mutter früher nach einer Therapie geschaut, müsste ich heute keine in Anspruch nehmen. Aber sie hat auch immer gedacht, sie würde das schon allein hinbekommen und ihre Kinder bekämen nichts davon ab.

Beitrag von RESPEKT 30.06.10 - 22:38 Uhr

Ich glaube du hast recht, ich habe leider ein kleines Detail meiner Mutter übernommen....bei ihr war das größte Kind *ICH* immer das böse, so genau gebe ich das nicht weiter, aber ich habe schon eine Art Erwartungshaltung. Oh Gott, ich werde wie sie #heul Heut sehe ich wieder, ich muß wasmachen, morgen denke ich wieder, ich pack das allein....es ist immer so, rede ich mit jemanden, dann sehe ich es selber....

Beitrag von Unsinn 30.06.10 - 23:29 Uhr

Ach, du bist das größte Kind gewesen. Ohne jetzt raten zu wollen, ein Kind wie einen Quasi-Erwachsenen zu behandeln, es zu überfordern, ist auch eine Form des Missbrauchs.

Hey, jetzt komm mal #liebdrueck Hacken zusammen, du wirst nicht wie sie, du musst nur lernen anders zu denken, zu reflektieren, du musst deinen Weg finden und nicht den Fehler machen, das Verhalten von ihr zu spiegeln, sprich, die gleiche Münze von der anderen Seite zu betrachten.

Beitrag von ichnoch mal 01.07.10 - 08:03 Uhr

Hallo,

soll ich dir was sagen? Ich war GENAUSO wie du. Ich war die Älteste, meine Mutter hatte Depressionen und ist nicht zum Arzt gegangen. Ich war ihre Therapeutin. Sie hat mir alles erzählt, ihre Suizidgedanken, ihre Eheprobleme, die (auch gewalttätigen) Auseinandersetzungen mit ihrer SChwiegermutter, die im gleichen Haus wie wir gelebt hat. Meine Mutter ist mit dem Auto weggefahren und hat gesagt, sie bringt sich um. Ich saß auf der Treppe und hab gebetet, dass sie wieder zurückkommt und sich nichts antut.

Das ist seelischer Mißbrauch. Ich habe auch lange Zeit gedacht, ich komm darüber weg, schließlich bin ich jetzt erwachsen und hab mein Leben selber in der Hand. Bis ich einige der Verhaltensweisen meiner Mutter an mir entdeckt habe - im Verhalten meinem ältesten Kind gegenüber.

Ich will mir später nicht vorwerfen müssen, den gleichen Fehler wie meine Mutter gemacht und damit mein Kind verkorkst zu haben.

Es geht nicht nur um dich. Es geht auch um deine Kinder. Bist du sicher, dass du das Verhalten, das du als Kind erlebt hast, nicht an sie weiter gibst?

Ich bins mir nicht, das allein ist für mich schon ein ausreichender Grund, mir endlich Hilfe zu suchen.