Aufklärung - in welchem Alter?

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Beitrag von sobinichnunmal 29.09.10 - 08:17 Uhr

Hallo,

bezüglich das Postings weiter unten, wo der Sohn ein Schimpfwort aufgeschnappt hat... und in vielen Antworten das Thema Aufklärung aufgetreten ist.... meine Frage: In welchem Alter habt ihr eure Kinder aufgeklärt?

Meine Tochter ist 7, sie ist nicht wirklich aufgeklärt. Als sie 4 Jahre alt war, kam ihre kleine Schwester auf die Welt, sie hat dann mal mit 5 Jahren gefragt, wie Kinder entstehen, hat sich mit der Antwort, da muss ein Mann und eine Frau zusammen sein zufrieden gegeben (sie hatte meinen Mann gefragt und er hat ihr das so gesagt). Sie hat danach auch nicht weiter gefragt. Sie kennt die Unterschiede zwischen Mann und Frau, kennt auch die Körperteile usw., ich habe auch mal mit ihr darüber gesprochen, dass Keiner ein Kind da so einfach anfassen darf, ausser wenn man zum Arzt muss, die Eltern dabei sind und es medizinisch notwendig ist. Aber so ein richtiges Aufklärungsgespräch hatten wir nie. Sie hat bis jetzt auch kein Interesse gezeigt, da mehr zu erfahren.

Soll ich ihr das jetzt einfach alles mal so erzählen, also etwas detailierter als sie es jetzt schon weiss? Oder warten, bis sie von sich aus mehr wissen will? Reicht das Wissen, was sie hat aus?

LG Sandy

Beitrag von claudia1500 29.09.10 - 08:55 Uhr

Hallo,

also mein Sohn ist 7 und ehrlich gesagt war ich mir auch nicht so sicher wann, wie und wo der richtige Zeitpunkt zur Aufklärung ist :-)
Wie das mit der Geburt und Babies generell ist, wußte er auch schon da er 2 kleinere Zwillingsschwestern hat. Naja und nachdem er dann mal zu mir sagte ich soll doch nicht so viel Essen, sonst bekomme ich noch ein Baby#schock:-p, dachte ich mir nun wäre es mal an der Zeit ihn aufzuklären.
Habe mir "Mein erstes Aufklärungsbuch" besorgt und wir haben es dann Schritt für Schritt zusammen gelesen. Kann das Buch echt empfehlen.
Ich hätte es selber aus dem Stehgreif nicht so gut und kindgerecht erklären können. Vorteil ist das sie sich das Buch auch mal alleine in Ruhe ansehen können...

LG Claudia

Beitrag von anarchie 29.09.10 - 09:02 Uhr

Hallo!

ich würde mich da immer nach dem Kind richten.

Wenn es fragt, dann sage ich soviel, wie es wissen will.

Mein Großer ist gerade 8 und weiss, wie es mechanisch abläuft, dass der Mann Spermien hat, die evtl. die eizelle befruchten, wenn der sex zum richtigen zeitpunkt stattfindet, in die in die Gebärmutter wandert und dort wächst bis das kind fertigt ist und die Gebärmutter es mit Kontraktionen nach draussen treibt.

Meine Tochter ist 6 und interessiert sich noch nicht so, sie weiss zwar das Selbe, aber wie genau die spermie nun in die eizelle kommt, hat sie nicht gefragt.

Mein 3jähriger weiss, dass babys im bauch wachsen, wenn mann und frau sich ganz doll liebhaben und dass sie durch die scheide geboren werden, wenn sie groß genug sind...

Generell fragen Kinder, was sie verdauen können und wenn man werder vorgreift noch abwiegelt, fährt man gut...

lg

melanie mit den 4 Mäusen

Beitrag von why-is-me-so-dumb 29.09.10 - 12:25 Uhr

Hallo,

mein Sohn ist 6 Jahre alt. Er kennt und benutzt schon seit er sprechen kann die anatomisch richtigen Begriffe für alle Körperteile. So ab 3 Jahren hat er manches genauer nachgefragt (wie Babys in den Bauch kommen, wozu ich Tampons benutze, warum der Penis manchmal hart wird,...). Bisher hat er immer eine ehrliche Antwort bekommen und so weiß er über den menschlichen Körper, Sex und Babys inzwischen ziemlich detailliert Bescheid.

Er weiß, dass die Hoden kleine Samen produzieren und dass in der Frau jeden Monat in einer Art Nest ein kleines Ei wächst.
Er weiß, dass Paare, die sich lieben, es schön finden, miteinander zu schlafen und dass der Mann seinen hart gewordenen Penis dabei in die Vagina der Frau steckt.
Er weiß auch, dass so die Samen von den Hoden durch den Penis in die Vagina kommen können und dort ein Wettrennen zu dem kleinen Ei machen. Der Erste schlüpft rein und Samen und Ei verschmelzen. Zusammen ziehen sie in ein etwas größeres Nest und dort wächst daraus ein Baby.
Und er weiß, dass ein Paar, das gerade keine Kinder haben will, trotzdem miteinander schläft, aber dabei mit einem "Plastikstrumpf" für den Penis, der Kondom heißt, oder mit einer Medizin für die Frau verhindert, dass die Samen zu dem kleinen Ei gelangen. Wenn nach einem Monat kein Samen bei dem Ei angekommen ist, spült der Körper der Frau das Ei mitsamt dem kleinen Nest mit ein bisschen Blut aus.
Er weiß, das tut der Frau nicht weh, aber es kann manchmal ein bisschen unangenehm sein. Damit das Blut aufgefangen wird, benutzen Frauen Tampons oder Binden, die wie Schwämme funktionieren. Danch wächst in der Frau ein neues Ei in einem neuen kleinen Nest.

Was er noch nicht weiß, ihn nicht interessiert und was ich auch in dem Alter auch noch für völlig überflüssig halte sind genaue / verschiedene Sexpraktiken. Das wird nach und nach kommen. Erfahrungsgemäß erst mal über Schimpfwörter, die sie irgendwo aufschnappen und benutzen, ohne die Bedeutung zu wissen. Ich finde es wichtig und richtig, den Kindern dann zu erklären, was "schwul", "Wichser", "Ficker" oder "Schlampe" wirklich bedeutet. Die Schimpfwörter verschwinden somit übrigens auch aus dem Repertoire...

Spätestens im Alter von 11 bis 12 Jahren kommen Kinder über Medien wie Internet oder Handy (auch beim großen Bruder vom besten Freund etc.) an konkretere Pornobilder oder -Videos. Hier sehe ich die Aufgabe der Eltern darin, mit Jungen und Mädchen zu thematisieren, dass sie hier Schauspieler sehen und dass wie in jedem Film die Realität anders abläuft bzw. aussieht.

Für 13 / 14 jährige ist es sehr erleichternd zu wissen: Nicht jeder Mann hat einen 25cm-Penis und ein Junge macht nichts falsch, wenn seine erste Freundin nicht mit Beginn des Aktes anfängt, wie wild zu stöhnen. Und ein Mädchen ist keinesfalls frigide, weil ihr das pure "Rein-und-Raus" nicht so viel Freude bereitet wie der Dame im Film.

Aufklärung ist wichtig, damit ein Kind oder Jugendlicher seinen Körper kennt und einschätzen lernt, was ihm/ihr persönlich gut tut und wo die Grenze dessen ist, was einem nicht mehr gefällt oder wo ich andere in unschöne Situationen bringe. Das umschließt sowohl die reine sexuelle Erfahrung als auch Krankheiten oder ungewollte Schwangerschaften.

Leider kann man sich da als Elternteil nicht aus der Verantwortung ziehen, denn in der Schule wird das Thema leider nur sehr unzureichend behandelt...

So, das ist jetzt furchtbar lang geworden, aber kürzer konnt' ich's nicht.
Liebe Grüße,
Sophie