Ich weiß nicht weiter- vielleicht kennt sich jemand aus?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von überforderte Kitty 29.09.10 - 13:38 Uhr

Hallo ihr Lieben,

ich weiß nicht mehr weiter- im Moment kommt alles zusammen.

Vielleicht zuerst zu mir. Ich bin alleinerziehende Mami von einer zweijährigen. Mit dem Papa meiner Lütten war ich verheiratet. Die Ehe wurde mehr und mehr ein Desaster, als er anfing Bier und Aggressionen nicht mehr kontrollieren zu können. Wegen der Kleinen und weil ich Ehe sehr sehr ernst nehme, habe ich lange um ihn gekämpft- war aber zum Scheitern verurteilt. Schließlich und endlich hat er mir die Trennung vorweggenommen und ist gegangen, weil Familie und Kind nicht sein Ding waren.

Das war vor anderthalb Jahren. Ich hab mein Leben neu geordnet und eigentlich klappt das alles ganz gut. Ich arbeite Vollzeit als Sachbearbeiterin im öffentlichen Dienst, größenteils von zuhause in Telearbeit. Letztes Jahr im Sommer lernte ich dann meinen neuen Freund kennen. Er ist Arzt in einer Uniklinik.

Wir wohnen fast 200km auseinander, sehen uns auch nicht oft. Er hat das letzte Jahr wie irre gearbeitet. Feierabend selten vor 21 Uhr- Wochenende, was ist das. Ende vom Lied ist, dass sein Körper jetzt streikt.

Ich weiß nicht erst seit gestern, dass er ein Burn Out hat. Seine Launen wurden immer unberechenbarer und er immer weniger belastbar. Er ist richtig am Ende, hat auch ganz starker körperliche Symptome. Ich war wirklich erleichtert, als er endlich soweit war , zum Arzt zu gehen. Der hat ihn natürlich sofort auch krank geschrieben. Und damit geht das Drama in die nächste Runde.

Er versucht permanent mich auszuschließen. Für ihn ist das auch ein Teil "Versagen" und er möchte mich nicht belasten und mir "Kummer bereiten". Was Blödsinn ist. Ich kriege ja mit, wie schlecht es ihm geht. Und das belastet mich viel mehr.

Wie gesagt, wir sind 200 km auseinander und ich arbeite Vollzeit und mit der Lütten kann ich auch nicht mal eben hin fahren. Er arbeitet zwar da, hat aber im Augenblick keine eigene Wohnung. Die meiste Zeit pennt er bei seinem Papa auf der Couch, weil der kaum zuhause ist. Und wenn seine Ex auf Dienstreise ist, wohnt er da in seinem alten Zimmer. Er hat also kein eigenes "richtiges" Zuhause. Diese Situation finde ich im "Normalzustand" schon Mist, aber jetzt noch viel bescheidener. Jedenfalls sitzt er da jetzt also völlig alleine, pendelt zwischen den Wohnungen hin und her und ist sehr stark depressiv. Er schläft den ganzen Tag und isst tagelang nichts.

Das ist für mich unglaublich schwer zu ertragen. Ich habe eine große Wohnung, er könnte sogar ein eigenes Zimmer haben. Ich will ihn nicht zur Nähe drängen. Er könnte sich bewegen wie er will. Wir haben einen geregelten Tagesablauf, ich arbeite wie schon erwähnt Vollzeit. Ich brauche keine Betreuung für die Lütte oder so. Seine Therapie könnte er hier problemlos fortsetzen. Ich möchte nur nicht, dass er total alleine rumsitzt. Es macht mir unglaublich Angst. Seine Depression ist echt krass.

Ich habe mich inzwischen ganz intensiv mit Burn Out beschäftigt. Ich lese, dass ich als Angehörige keinen Druck auf ihn ausüben soll. Und auf der anderen Seite soll ich für ein stabiles Umfeld und einen geregelten Tagesablauf sorgen. *seufz* Aber genau das kann ich nicht. Ich sitze hier und bin völligst hilflos. Und es macht mich fertig. Ich liebe ihn, ich will ihn unterstützen und ihm den Rücken stärken.

Ach Mensch, was soll ich denn machen? Ich kann ihn ja schlecht zwingen, aber ich glaube mit seiner derzeitigen Wohnsituation wird es nicht besser. Und ich habe so unglaubliche Angst, dass er sich etwas antut und ich ihn verliere. Wir haben uns über Robert Enke unterhalten und er hat versucht mir ständig einzureden, dass es besser wäre, wenn er mich raushält oder wir uns trennen- weil er mir das Leid ersparen will. Und DAS macht mir noch viel mehr Angst. Andererseits hat er total Verlustängste. Wenn er über längere Zeit nichts von mir hört, ist er ganz fertig mit der Welt.

Ich habe ihn schon darum gebeten, mich vielleicht mal mit zu seinem Therapeuten zu nehmen. Als Hilfe und Information für mich. Damit ich weiß, wie ich mit allem umgehen soll. Er will nicht.

Auf meinen Vorschlag herzukommen: Kann er nicht.

Kennt jemand die Situation? Habt jemand von euch vielleicht selbst einen Partner/in mit Burn Out?

Liebe Grüße,
Kitty

Beitrag von frejas.sal 29.09.10 - 14:40 Uhr

Puh….damit wäre ich alleine auch überfordert….

Würde er eine Therapie machen? Das ist unabdingbar bei Burnout (Erschöpfung).

Wenn ja, kannst Du ein paar Tage frei nehmen, zu ihm hinfahren und mit ihm zum Arzt, in die Klinik, wo auch immer hin und ihn sozusagen „starten“??

So kann er nicht weitermachen. Und Du auch nicht. Er muss sich bewegen. Mach ihm klar, dass das, was er jetzt macht wesentlich schlimmer und belastender für Dich und ihn ist, als wenn er das Problem angreift und sich damit auseinandersetzt.

Es gibt einen Weg - er muss ihn nur gehen (wollen).

Beitrag von überforderte Kitty 29.09.10 - 16:18 Uhr

Hi,

danke für deine Antwort.

Er ist in therapeutischer Behandlung.

Und ich kann halt auch nicht zu ihm- gibt halt keinen Platz wo ich schlafen könnte. Außer ich gehe ins Hotel und das mit Kind und Kegel ist purer Streß. Zumal er das auch überhaupt nicht will.

*seufz*

Liebe Grüße,
Kitty

Beitrag von frejas.sal 29.09.10 - 16:34 Uhr

Gut, dass er schon in Behandlung ist.

Dass er kaputt ist und viel schläft ist normal. Dass er emotional labil ist und nicht viel geben kann, ebenso. Das braucht alles Zeit und viel Geduld Deinerseits. Hut ab, dass Du die Geduld aufbringst und das durchstehen willst.

Ich wünsche Dir/Euch viel Kraft und viel Glück!!
#klee