Ich kann einfach nicht mehr

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von schneeflocke3 29.09.10 - 16:04 Uhr

Hallo ihr Lieben #herzlich

Ich bin zur Zeit in einer mir unlösbaren Situation und möcht mich einfach mal ausheulen bzw mir Rat suchen.

Ich bin eine alleinerziehende Mama. Meine Tochter ist 4 Jahre alt, es gibt keinerlei Kontakt zum Kindesvater (er möchte keinen Kontakt). Eigentlich kommen wir mit dieser Lage soweit ganz gut zurecht. Doch Anfang des Jahres hat sich alles zum schlechten hin gewendet. Bei meiner Tochter wurde eine Wahrnehmungsstörrung fest gestellt. Dafür bekommt sie nun seit Februar eine Ergotherapie welche ihr sehr gut tut. Gleichzeitig bekam ich aber auch noch die vorsichtige Diagnose, daß meine Tochter zu 99% unter ADHS leidet. Ich und auch die Therapeuten wissen, daß lässt sich erst ab 6 Jahren prüfen aber es deutet da alles drauf hin. Daran hab ich schon echt geknabbert.

Dann im März diesen Jahres verstarb urplötzlich meine Oma. Sie war an Krebs erkrankt welcher so stark fortgeschritten war, daß die Chemo kaum anschlagen konnte, da erlag sie schon ihrem Leiden. Mich hat das total aus der Bahn gerissen. Meine Oma bedeutete mir neben meiner Tochter alles, sie war mir so wichtig und plötzlich ist sie einfach nicht mehr da. Ich hab das bis heute nicht verarbeitet, habe auch keinen mit dem ich da so richtig drüber sprechen kann. Das ist echt schwierig

Nun im Juni bekam ich dann endlich eine gute Neuigkeit. Ich hatte mich bei der ARGE und der KVHS über eine Umschulung informiert. Da ich früher zwar eine Ausbildung zur Friseurin absolviert habe, aber bedingt durch eine schwere Allergie in diesem Beruf nicht arbeiten konnte, hab ich nach meiner Ausbildung 7 Jahre als ungelernte Verkaufskraft in Vollzeit gearbeitet. Bis ich dann schwanger wurde und in Erziehungszeit ging. Nun ist meine Tochter wie gesagt 4 Jahre alt und ich wollte beruflich und auch finanziell auf eigenen Beinen stehen. Ich bekam von der KVHS die Zusage, daß ich in einer Maßnahme aufgenommen wurde die extra eine Teilzeitumschulung für Alleinerziehende ist. Mensch hab ich mich gefreut. Nun brauchte ich nur noch einen Betrieb der mich nehmen würde. Schnell ergab sich die Möglichkeit in einem Fisch-Restaurant als Köchin umgeschult zu werden. Da die Maßnahme schon angelaufen war, blieb mir nicht mehr viel Zeit um mich zu entscheiden und so habe ich der Umschulung und dem Betrieb zugestimmt und die Papiere unterschrieben. Im Nachhinein nun nach 2 Monaten war das mein größter Fehler. Meine Umschulung sieht so aus, daß ich 1 Tag zur Berufsschule muß und 3 Tage die Woche im Betrieb bin und dort nur ausgenutzt werde. Ich darf ewig die Spülmaschine bedienen und Sachen auffüllen. Aber was den Beruf Koch angeht lern ich nix. Dort wird jedes Nahrungsmittel - außer der Fisch - aus TK oder Fertigprodukten hergestellt, nix wird frisch gemacht. Sag ich was dazu, werd ich von der Chefin in Grund und Boden gestampft. Ich hab mich dann an meine Betreuerin an der KVHS gewandt und meine Lage geschildert. Es gab dann zwischen dem Betrieb, mir und der KVHS ein Gespräch das ohne jegliche Einsicht endete und ich abends einen Anruf bekam vom Betrieb wo mir erstmal Zwangsurlaub aufgebrummt wurde. Ich wurde dann in meinem Urlaub stark krank, musste meine Tochter zu meinen Eltern geben und mich im Betrieb krank melden. Dort bekam ich unschöne Worte an den Kopf geknallt oder das Telefongespräch wurde einfach aus heiterem Himmel beendet. Das ist nun eine Woche her, ich bin total fix und fertig. Ich fühl mich total ausgebrannt, die Probleme meiner Tochter, meine Oma fehlt mir so, unsere finanzielle Lage, der Haushalt, das Lernen für die Schule, die Umschulung die mir nix bringt, ich kann nicht mehr. Ich hatte nun heute ein Gespräch mit der KVHS in dem ich nochmal meine Lage geschildert hab. Das Problem ist, ich kann die Maßnahme beenden aber dann muß ich der KVHS alle Unkosten (Lehrmittel, Arbeitskleidung, Fahrtkosten) zurück zahlen und zudem würde ich eine Sanktion von der ARGE bekommen. Ebenso wenn der Betrieb mir kündigt. Das ist alles im Vertrag festgehalten, außer wenn ich einen anderen Job annehmen würde. Ich will ja arbeiten auch gerne auf 400,- Basis, aber wo soll ich so schnell einen Job herbekommen ? Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Am liebsten würde ich mich nur noch verkriechen und heulen. Meine Tochter merkt das natürlich auch, sie ist in den letzten Tagen sehr in sich gekehrt, daß macht mich echt fertig.

Vielleicht hat ja jemand einen Rat für mich, ansonsten #danke fürs zuhören.

Liebe Grüße, Scheeflocke3

Beitrag von juleslorchen 29.09.10 - 17:27 Uhr

Puh, du Arme! Ja, manchmal denkt man, dass alles über einem zusammenbricht!! Aber es hilft die Probleme ganz sachlich zu betrachten. Versuch das Problem distanziert zu sehen.

1. AdHS:
so lange sie keine 6 ist, gibt es keine richtige Diagnose, sondern nur Vermutungen. Falls du jetzt schon was machen willst, kannst du dich doch umgucken, wie ihr geholfen werden kann. Ich habe damit leider keine Erfahrungen, ich weiß nicht, ob es Spielgruppen oder Müttergruppen gibt.

2. Oma ist gestorben:
das ist traurig!! Trotzdem darfst du das nicht soo nah an dich ran lassen. Selbstmitleid blockiert!!!

3. Ausbildung:
Es muss doch einen Ausbildungsplan geben. Du musst doch für die Berufsschule Berichtshefte machen. Vielleicht mal mit der Schule reden? Vielleicht kannst du in einen anderen Betrieb wechseln? Vielleicht ist das das Beste.

Oder du schmeißt alles hin, zahlst die Kohle (auch wenns schwer fällt) zurück und suchst dir was neues. Deine kleine Tochter und ihr Wohlergehen steht doch an erster Stelle. Willst du jetzt 2 Jahre Frust schieben? Gerade wo sie deine Zuwendung braucht??

Vielleicht auch einen Job, der noch besser mit Kind zu vereinbaren ist? Köche müssen ja auch oft abends und am Wochenende arbeiten. Wie wolltest du das regeln?

Lass dich nicht unterkriegen! Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist!
Wende dich doch auch mal an eine soziale Einrichtung, die sich um AE kümmert. Die kennen sich doch aus.

#liebdrueck
Juleslorchen

Beitrag von stormkite 29.09.10 - 17:49 Uhr

Hallo Schneeflocke,

ruhig Blut

... das deine Tochter eine Wahrnehmungsschwäche hat, und vielleicht ADHS ist keine solche Katastrophe wie du jetzt anzunehmen scheinst. Ich hatte die selbe Diagnose bei meiner Tochter, dazu eine starke Lese-Rechtschreibschwäche - hey, sie hat die Grundschule ganz normal geschafft, und ist jetzt in der 7. Klasse Gymnasium. Das wird schon.

... das deine Oma gestorben ist ist schlimm, und es ist klar, das du um sie trauerst. Das ist normal, und gehört zum Leben dazu. Das dauert seine Zeit, lass sie dir.

... deine Jobsituation ist am schlimmsten. Das du als Auszubildende erst mal die Hilfsarbeiten machen musst, ist aber eigentlich logisch. Das die Küche die Beilagen aus Convienience-Produkten zubereitet ist leider inzwischen das normale im Durchschnitts-Restaurant. Als Auszubildende ist es schon unklug, schon nach zwei Monaten den Larry zu machen, weil alles nicht so läuft, wie du dir das erträumt hast. Dazu hast du sozusagen bei der KVHS "gepetzt", und dem Betrieb Schwierigkeiten gemacht. Das du dann auch noch krank geworden bist, wird dir natürlich als Leistungsverweigerung aus Trotz angerechnet.

Versetzt dich mal in die Lage deiner Ausbilder: Du bist eine unbequeme Auszubildende, ob zu Recht oder Unrecht sei erst mal dahingestellt.

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Was du tun solltest: Dich bei deinem Ausbilder entschuldigen, die Zäähne zusammenbeißen, und dort weiterarbeiten. Parallel dazu versuchst du eine alternative Ausbildungsstelle zu finden. Geh Klinken putzen in den guten Häusern, mach dabei deutlich, was du dir von der Ausbildung an Kenntnissen erhoffst. Rede auf keinen Fall schlecht über deinen aktuellen Ausbildungsbetrieb, sonst bist du sofort unten durch. Versuch mal mit der IHK, und dem DeHOGA, dem Gaststättenverband.

Gerade im Berufsbild Koch springen immer wieder Azubis ab - vielleicht kannst du da "reinspringen". Erwarte dir aber keine Wunder - Lehrjahre sind halt keine Herrenjahre, schon gar nicht in der Gastronomie.

Toi, Toi Toi.

Kite




Beitrag von kleinedi 29.09.10 - 21:56 Uhr

Hey,

würde ich auch sagen - mach dich erst mal nicht verrückt wegen deiner Tochter - so war es bei uns auch... mein Sohn soll alle möglichen Krankheiten haben... NIX - NIX davon ist eingetroffen, sehr fähige Pädagogen in unsrer Schule haben mir einheitlich bestätigt das alles nicht wahr ist was mein Sohn haben sollte, selbst wenn - ich kenne mehrere Kinder mit ADHS.... sind Kinder wie alle anderen auch im normalen Leben, hie und da mal etwas aufgekratzter eventuell mit Lernschwierigkeiten aber dafür sind auch Patente Lehrer da.

Warum ich aber überhaupt schreibe... ein Tipp kann ich dir geben mir wurde da schon das 3te mal sehr geholfen!!!! Und zwar bei der Caritas - die sind geschult haben das nötige Unfühlungsvermögen und sind so kompetent das sie am auch wirklich weiterhelfen können auch zum Thema arbeit.
Schaust du mal ins Telefonbuch oder google hier wo die nächste Station von deinem Ort ist - meist ist da schon gleich eine Tel.Nr. mit dabei - und dann gleich einen Termin machen und dein Problem (du hast ja mehrere) dort schildern. Sie helfen wirklich auch sehr unbürokratisch und schnell. Bei uns sind sogar ehrenamtliche Sozialanwälte mit dabei die einem mit Rat + Tat zur Seite stehen.

GLG und viel Glück! #winke