Regierung streicht Kindern die Schulhilfe

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Beitrag von lockenlilly 30.09.10 - 12:10 Uhr

Kinder aus sozial schwachen Familien müssen künftig auf das "Schulstarter-Paket" verzichten. Die Regierung gab die Kürzung zu.
Rund 300.000 Kindern von Eltern mit geringem Einkommen droht der Verlust von Bildungsleistungen des Staates. Bislang bekommen diese Kinder einmal im Jahr 100 Euro für Ausgaben, die ihnen im Zusammenhang mit der Schule entstehen. In der jetzt von der Bundesregierung beschlossenen Hartz-IV-Reform ist dieser Betrag nicht mehr vorgesehen. Das bestätigte ein Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales WELT ONLINE.
Nach den Plänen von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sollen künftig nur noch Kinder von Hartz-IV-Empfängern ein Schulmittelbedarfspaket erhalten. Bislang stand diese Hilfe auch jenen Eltern zu, deren Einkommen nur knapp über den Hartz-IV-Sätzen liegt und die deshalb einen Kinderzuschlag bekommen. Zu verdanken hatten sie dies der SPD, die zur Zeit der großen Koalition darauf gedrängt hatte, den Kreis der Hilfebedürftigen auf diese Kinder und Jugendlichen auszuweiten. Vom Wegfall dieses Zuschusses sind heute 300.000 Schülerinnen und Schüler betroffen.
Die Hartz-IV-Reform sieht nun vor, dass Kinder von Hartz-IV-Empfängern mit 250 Euro pro Jahr unterstützt werden. Hinzu kommen Ausgaben für das Mittagessen in der Schule und für Nachhilfeunterricht. Das sogenannte „Bildungs- und Teilhabepaket“ setzt sich wie folgt zusammen: 120 Euro für „Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben“. Weitere 100 Euro gibt es wie bisher als Schulbedarfspaket, und 30 Euro werden für die Kosten einer Klassenfahrt gezahlt.
„Unterm Strich bekommen die Kinder von Hartz-IV-Empfängern also 150 Euro mehr und nicht 250 Euro, wie Frau von der Leyen glauben machen will“, sagt der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann. „Die Ministerin zeigt Kindern keinen Weg aus der Armut heraus.“ Der Wegfall des Schulpakets für Kinder von Geringverdienern sei sozialpolitisch durch nichts zu rechtfertigen. Hier werde eine Gruppe bestraft, die große Anstrengungen für ihre gesellschaftliche Teilhabe unternehme.
Auch das von Wolfgang Schäuble (CDU) geführte Finanzministerium kommt zu dem Schluss, dass Geringverdiener mit Kinderzuschlag eine aufstiegsorientierte Gruppe sei. In einer WELT ONLINE vorliegenden Stellungnahme an die Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Petra Merkel (CDU), schreibt Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter: „Der Kinderzuschlag fördert daher gezielt Familien, die aktiv einen Ausweg aus Einkommensarmut suchen und aus dem Grundsicherungssystem des Arbeitslosengeldes II herauskommen wollen.“ Auch das Meinungsforschungsinstitut Forsa kommt zu dem Schluss, Kinderzuschlagsberechtigte hätten einen „ausgeprägten Wunsch“ nach einer Erwerbstätigkeit.


http://www.welt.de/politik/deutschland/article9969122/Regierung-streicht-Kindern-die-Schulhilfe.html?wtmc=RSS.Politik.Deutschland

Beitrag von fred_kotelett 30.09.10 - 12:38 Uhr

Wurde mittlerweile schon dementiert.
Die Bezieher des Kinderzuschlages bekommen auch weiterhin die 100€

http://www.stern.de/politik/deutschland/arbeitsministerium-zu-hartz-iv-reform-schulstarterpaket-wird-nun-doch-nicht-gestrichen-1608963.html

Beitrag von litalia 30.09.10 - 12:44 Uhr

hab ich heute früh auch gehört, obs stimmt, keine ahnung.

aber hauptsache 5 euro mehr für alg2 empfänger.

meine tante hats schon richtig gemacht.

sie hat vor zwei jahren ihren job gekündigt indem sie immer ein minigehalt hatte (friseurin - osten) und bezieht seitdem alg2, bewusst!

nun hat sie freizeit, weniger rückenschmerzen und ist nicht mehr den giftigen "dämpfen" ausgesetzt. sie ist zufrieden. arbeiten möchte sie nicht mehr, es sei denn für einen angemessenen lohn.

ich verurteile sie nicht.

Beitrag von sooderso 30.09.10 - 13:08 Uhr

Andere Alternativen gibt es wohl nicht?

Beitrag von kawatina 30.09.10 - 13:31 Uhr

Hallo,

du meinst doch nicht etwa Umschulung, Weiterbildung oder eine neue Lehre beginnen - eventuell sogar ohne Stütze vom Steuerzahler?

Dafür müßte man sich ja eigenverantwortlich bewegen und ein gewisses Maß an Selbstdisziplin und Energie aufwenden

Wenn jemand so zufrieden ist, kann ALG2 nicht zuwenig sein.
Vor allem, wenn man im gesamten Verwandten- und Bekanntenkreis noch schwarz die Haare macht#rofl

Beitrag von sooderso 30.09.10 - 13:50 Uhr

Meinte ich auch, hab die Frage ironisch gemeint! :-)

Beitrag von fred_kotelett 30.09.10 - 13:27 Uhr

Ganz ehrlich, das würde ich in soch einem Job genauso machen.

Beitrag von delfinchen 30.09.10 - 14:32 Uhr

ich kann es auch evrstehen, aber nicht billigen.

erstens weiß ich, wenn ich den beruf eines frisörts ergreife, dass er schlecht bezhalt ist, dass ich den ganzen tag stehen muss und dass ich mit chemikalien in berührung komme. das muss man sich dann halt vorher überlegen.

zweitens sind solche menschen wie deine tante dann die, die den sozialstaat ausnutzen und die zum schlechten ruf der alg2-empfänger beitragen.

nichts für ungut, aber so kan die lösung auch nicht aussehen.

delfinchen

Beitrag von delfinchen 30.09.10 - 14:33 Uhr

sorry für die tippfehler .... aber mit zwei kleinkindern aufm schoß schreibt sichs schlecht ...

Beitrag von marion2 30.09.10 - 21:12 Uhr

Hallo,

da steht nicht, wie alt ihre Tante ist.

Deswegen kannst du nicht wissen, ob sie wusste was sie im Jahr 2000 verdienen würde, als sie den Beruf erlernte.

Ihre Tante schädigt den Ruf des Sozialstaates sicher nicht mehr als du. Sozial ist, wenn man angemessen bezahlt wird -> und nichts anderes wünscht sich die Tante, aber das hast du mal eben großzügig überlesen.

Gruß Marion

Beitrag von 19lalla80 01.10.10 - 12:40 Uhr

ich denke es werden eh bald mehr Leute wie deine tante das so machen.

Es gibt viele branchen wo man unterbezahlt wird und auch eine betrügerfirma (kenne da nämlich selbst eine)


Auch gibts es viele ungelernte Kräfte die keine ausbildung finden oder gefunden haben und die dann für sehr wenig Billiglohn arbeiten gehen müssten, aber nicht tun weil es ja oft nicht mehr oder gar weniger, als es Alg2 gibt.


Viele die für einen geringen Lohn arbeiten gehen erhoffen sich irgendwann eine Lohnerhöhung oder tun diesen job einfach nur um beschäftigt um nicht den ganzen Tag zu Hause zu sein bzw. unter Leute zukommen.

Beitrag von marion2 30.09.10 - 16:03 Uhr

Hallo,

das ist nicht so wahnsinnig schlimm, weil niemand kontrollieren kann, ob das Geld auch für Schulsachen verwendet wird.

Schulsachen sind teuer - aber für ALGII-Empfänger gibt es diverse Befreiungen...

Wenn es alternativ dazu tatsächlich Nachhilfe gefördert würde, fände ich das in Ordnung.

Gruß Marion

Beitrag von manavgat 30.09.10 - 17:02 Uhr

Für 150 Euro bekommst Du in einem Institut 2 x in der Woche 90 Minuten für genau: 1 Monat!

Gruß

Manavgat

Beitrag von mariella70 30.09.10 - 18:30 Uhr

Hallo Marion,
es gibt in einigen Kommunen Unterstützung, in anderen Gutscheine und in manchen Bundesländern werden Lehrmittel sogar gestellt, aber es bisher keinen verbindlichen Rechtsanspruch Bedürftiger auf finanzielle Unterstützung für Lehrmittel und Schulbedarf, auch nicht auf eine Befreiung.
Darum geht es, zurzeit gibt es 100 Euro extra, was zumindest ein verbriefter Anspruch ist, bis dahin ging das nur auf Almosenbasis. Diese "Befreiungen" sind Vergangenheit, freiwillig und für Gemeinden im Nothaushalt nicht möglich.
LG
Mariella

Beitrag von marion2 30.09.10 - 21:09 Uhr

Hallo,

kann es sein, dass das mit der Lehrmittelbefreiung von Bundesland zu Bundesland total verschieden geregelt ist?

Gruß Marion

Beitrag von mariella70 01.10.10 - 18:23 Uhr

Hallo Marion
Selbstverständlich, das ist ja das Problem: Schulpolitik ist Ländersache, darunter fällt auch die Lehrmittelfreiheit. Unterstützung für bedürftige Schüler, z.B. für Klassenfahrten, Schulessen, Taschenrechner, Bücher etc. kann von Gemeinde zu Gemeinde variieren, je nach dem wie gut welche Töpfe gefüllt sind. Wir opfern eh die Bildung unserer Kinder dem Götzen des Föderalismus in diesem Staat.
Deshalb ist es so wichtig über SGBII eine bundeseinheitliche Regelung mit Rechtsanspruch zu treffen und Kinder nicht länger mit Almosen zu bestücken, oder eben nicht...
LG
Mariella

Beitrag von manavgat 01.10.10 - 18:52 Uhr

Hallo Mariella,

wir brauche imho

echte Lehrmittelfreiheit! (ich bin in Hessen und zahle jedes Jahr trotzdem irgendwelche Bücher + Kopiergeld+Taschenrechner+ + + + )

ein warmes Mittagessen, was für alle finanziert wird!

sowie

vollfinanzierte Schulausflüge für alle.

Gruß

Manavgat

Beitrag von manavgat 01.10.10 - 18:53 Uhr

vergessen: Fahrkarte bzw. kostenlose Beförderung zur Schule für alle bis zum Abitur (zur Zeit wird nur bis 10. Klasse übernommen und nur zur nächstgelegenen Schule, was die Auswahl einschränkt).

Gruß

Manavgat

Beitrag von mariella70 02.10.10 - 13:41 Uhr

Da stimme ich dir in allen Punkten rückhaltlos zu und füge noch an, dass ich echten Ganztagesunterricht, inkl. Sportangeboten, Musik- oder Kunst-AG für absolut notwendig halte. Viele Länder zeigen, wie gut richtige Schule den Kindern tut.
LG
Mariella

Beitrag von delfinchen 03.10.10 - 11:45 Uhr

Hallo,

sicher sind Ganztagsschulen notwendig, aber ich halte es nicht für richtig, sie zur Pflicht zu machen.
Es gbt genügend Mütter, denen der Vormittagsunterricht (ab der 6. Klasse ist ja eh mindestns zweimal Nachmittagsunterricht) reicht, weil sie den Nachmittag mit den Kinder gestalten können/ wollen.
Daher:
Ganztagsschulen als Angebot - wer es nutzen will, ok. Für die anderen Eltern sollte aber auch die derzeit bestehende Möglichkeit des Halbtagsunterricht bestehen.

Außerdem: In Deutschland wird für Ganztagsschulen nicht das Geld aussgegeben, das nötig wäre, daher klingt das ANgbeot oft besser, als es tatsächlich ist.


Liebe Grüße,
delfinchen

Beitrag von mariella70 03.10.10 - 14:04 Uhr

Hallo Delfinchen,
ich schrieb richtige, echte Ganztagsschule und meinte damit nicht den lausigen Kompromiss, den wir hier im Flickwerk Bildungspolitik versuchen.
Und nein, ich finde auch nicht das Kinder nachmittags von Mutti begluckt werden sollten, wenn es stattdessen richtig gute Schule gäbe mit den Angeboten, zu denen Kinder heute von den Mittelschichteltern kutschiert werden und die den vielen anderen Kindern nicht offenstehen.
Alle sollten gleich behandelt werden.
Das gibt Frauen auch direkt die Chance, sich beruflich besser aufzustellen. Schau mal nach Frankreich rüber, da lacht man über unser halbherziges Bildungssystem mit Mutti, die zuhause bleibt, und hat im Schnitt drei Kinder pro Paar.
LG
Mariella

Beitrag von delfinchen 03.10.10 - 16:53 Uhr

Es stimmt schon, was du schreibst, das bestimmte Angebote allen Kindern offenstehen sollten.

Ich möchte aber trotzdem nicht dazu gezwungen werden. Ich habe Kinder haben und mit ihnen leben wollen, und daher möchte ich sie am Nachmittag nicht irgendwem überlassen.
Auch wenn an den Volksschulen Förderunterricht im Rahmen der Ganztagsschule angeboten wird - mit welchem Schlüssel denn? Wenn man viiiiel Glück hat, dann kommt ein Lehrer auf 10 Kinder - toll!!!. Zuhause kann ich mich meinen beiden Kindern ganz anders widmen - ohne zu glucken.
Ich finde es als Eltern auch schwer, den Überblick über das, was in der Schule gelernt wird, zu behalten, wenn alles in der Schule erledigt wird und Bücher etc. in der Schule bleiben.

Ich war in Frankreich in einer Schule - und glaube mir, da wird auch nur mit Wasser gekocht. Die können nach drei Jahren Deutsch nicht ansatzweise das, was wir nach einem Jahr Französisch können.
Familienleben findet dort nur am Wochenende statt - und das eben will ich nicht. So bin ich nicht aufgewachsen und so möchte ich meine KInder auch nicht aufwachsen lassen - was nicht heißt, dass ich nicht arbeiten will oder werde.
Aber in der Schule ist soooo Vieles vom "richtigen" Lehrer abhängig ...
wie in jeder Berufsgruppe ist auch hier nicht jeder geeignet. In der Halbtagsschule kann man denn wenigstens sagen: Komm, bis 13 UHr kann man das aushalten. - ABer den ganzen lieben Tag????

Nein, ich finde es bei uns super, wie es ist - wer möchte, kann sein KInd ganztags schicken und wer das nicht möchte, kann die Halbtagsschule wählen.
Was ist schlecht daran, dass Eltern und Kinder die Wahl haben???

Liebe Grüße zurück


Beitrag von mariella70 04.10.10 - 12:20 Uhr

Schlecht daran ist, dass zu viele begabte Kinder durch´s Rost fallen, die Ganztagsangebote mies sind und nur dann besser werden, wenn sie Teil des Lehrplans und der Schulpflicht werden.
Ganz mies ist das schlechte Abschneiden Deutschlands im Bildungsbericht und das Fehlen akademischen Nachwuchses.
Unendlich mies ist die Sitaution für alle Eltern/Alleinerziehende, die sich nicht den Luxus "Mutti-Betreuung" (die ich spätestens ab dem 7. Schuljahr für kontraproduktiv halte) nicht leisten können oder wollen.
Ganz entsetzlich ist, dass viele Jugendlich als "nicht ausbildungsreif" von unseren Schulen kommen.
Und ja: Die Schüler müssen lernen, sich auch mal an Erwachsene/Chefs/Lehrer anzupassen, selbst dann, wenn sie sie nicht mögen oder subjektiv für mies halten. Das Leben ist kein Bällebad und am besten fängt man in der Schule an, sich auf diese Realität vorzubereiten. Sicher empfinden Lehrer auch manche Schüler als "daneben", dennoch erteilen sie ihnen Unterricht, dessen Qualität nicht nur von einem Lehrer, sondern ganz massiv auch von den anderen 30 im Raum abhängt.
Nochmal: Ich halte die Ganztagesmodelle im Moment nicht für gut genug, sie müssten erheblich nachgebessert werden. Sie sind nicht der Maßstab.
Dass Franzosen nicht in der Lage sind, eine Fremdsprache zu erlernen und Deutsch schon mal gar nicht, liegt nicht an der Qualität der Schule. Franzosen sind offensichtlich Sprachdeppen und ziemlich arrogant auf die eigenen Nasal-Verständigung fixiert. Englisch können sie genausowenig, wie mir neulich erst auf einem internationalen Air France-Flug vorgeführt wurde...sogar der Pilot nuschelte eine Art Frenglais, das niemand außer ihm verstand.
LG
Mariella

Beitrag von marion2 04.10.10 - 19:55 Uhr

*nick*

zurzeit fallen doch wohl alle Kinder durch irgendein Rost, so lange sie nicht "durchschnittlich" sind...

"Mutti-Betreuung" bekommt weder mir noch meinen Kindern. Hätte ich Frau Lehrerin werden wollen, hätt ich mir wohl einen anderen Beruf ausgesucht. #augen

Ich mag Schule mit Hortbetreuung. Schön wäre, wenn im Hort auch wieder Hausaufgaben gemacht werden müssten.

Gruß Marion

Beitrag von buzzi2 01.10.10 - 21:15 Uhr

>>"Wir opfern eh die Bildung unserer Kinder dem Götzen des Föderalismus in diesem Staat. "<<

Traurig aber wahr.

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