Wie "helfen", wenn jemand nicht mehr leben will?

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von steffix77 30.09.10 - 22:23 Uhr

Hallo,

die Patentante meines Mannes ist gerade mal 59 Jahre alt und schwer lungenkrank (COPD). Sie ist starke Raucherin, schon jahrelang und hat in ihrem Leben etliche Versuche gestartet, um das Rauchen aufzugeben. Ohne Erfolg. Nun ist ihre Krankheit so weit vorangeschritten, daß sie letzte Woche auf der Intensivstation behandelt werden mußte. Sie wollte erst selbst ins KH, hat sich dann aber gegen jegliche Behandlung gewehrt, so daß man ihr Morphium gespritzt hat, um sie beatmen zu können. Sie meinte, sie wollte ihre Freunde anrufen und noch eine letzte Zigarette...
Nun geht es ihr augenscheinlich etwas besser, sie hat sich selbst entlassen und ist zuhause. Ich war heute bei ihr, sie ist in der Lage, einige Schritte zu laufen, aber die Luft ist halt knapp. Nun verlangt sie trotzdem nach Zigaretten, meine Schwiegermutter (Nachbarin) hat ihr auch welche mitgebracht.
Ich finde das alles sehr schwierig: Einerseits kann ich verstehen, daß sie nicht mehr will (sie war schon etliche Male in der Psychiatrie, komplizierte Lebensgeschichte, jetziger Partner ist nun auch weg weil er damit nicht umgehen kann, die Lungenkrankheit...etc.) und würde sie gerne einfach alles so machen lassen, wie sie es möchte. Denn schließlich kann ja jeder mit seinem Leben machen, was er will. Auch wenn es eben ihr Wunsch ist, ihr Leben zu beenden. Andererseits möchte ich ihr gerne helfen, aber dazu gehört eben auch, daß sie das Rauchen aufgeben muss. Und das will sie nicht. Es ist alles so durcheinander...Sie raucht, hat sich aber gefreut, als ich ihr unser Inhaliergerät angeboten habe. Sie zerstört sich einerseits selbst, schmiedet aber andererseits Pläne, was sie mal machen will (Sie sagt, sie möchte sterbenden Kindern helfen). Es ist alles so wirr. Vielleicht hat jemand etwas ähnliches erlebt und kann mir einen Tipp geben, wie man mit so einer Situation umgeht.

Danke!

Steffi

Beitrag von myimmortal1977 01.10.10 - 00:29 Uhr

Da kann man nicht helfen. Rauchen ist und bleibt eine Sucht. Wenn von dem Betroffenen selbst nicht der Wille da ist, die Stengel weg zu lassen, hat man als Außenstehender wenig Chancen.

Vielleicht geht es der Patentante Deines Mannes auch noch nicht schlecht genug, um die Erkenntnis zu gewinnen, was sie damit anrichtet.

Meine Mutter starb Ende Juli an Lungenkrebs. Sie war selbst über viele Jahre starke Raucherin. Bei ihr wurde 2000 schon mal ein Lungenkarzinom, allerdings in einem sehr frühen Stradium diagnostiziert, so das nur eine OP nötig war und sie galt als geheilt.

Glaub mal nicht, dass sie aufgehört hat zu rauchen. Sie hat sich 2000 sogar vor mir und dem Rest der Familie versteckt, hat einfach nicht Tür aufgemacht, da jeder von uns in dem Glauben war, was sie auch selbst sagte, dass sie mit den Zigaretten aufgehört hat.

Und selbst letztens, wo es ihr richtig, richtig schlecht ging.... Die Zigarette ging immer an, selbst im Liegen, wo ich fast nen Nervenzusammenbruch bekommen habe, falls sie mit Zigarette in der Hand einschläft....

Vom Tabak weg zu kommen ist eine Kopfsache. Ich habe selbst mit 14 angefangen, dann 2000 für 4 Jahre aufgehört. Dann wieder angefangen, dann wieder für 1 Jahr aufgehört, dann für meine Schwangerschaft aufgehört, nach der Geburt wieder angefangen usw, usw usw.....

Aufhören geht, aber das ist dann auch wie ein trockener Alkoholiker... Gefährlich sind bei mir Stresssituationen, denn ich bin ein absoluter Stressraucher.....

Glaub mir, Deine Bemühungen sind echt nett.... Du kannst noch versuchen, das direkte Gespräch mit ihr zu suchen und ihr konkret zu sagen, dass sie sterben wird, wenn sie so weiter macht.....

Traurig, aber wahr.... Ich kann sehr gut verstehen, dass es für jemanden, der nicht raucht und so was mit ansehen muss, absolut unverständlich ist.....

LG Janette

Beitrag von steffix77 01.10.10 - 07:11 Uhr

Danke für Deine Antwort. Ich hab übrigens auch mal geraucht...Und ich will sie auch nicht um jeden Preis davon abbringen.

Ich würde es so ausdrücken: Mein Verstand sagt mir, sie MUSS aufhören, wenn sie eine Chance haben will. So denke ich schon von berufswegen (ich arbeite im KH als Physiotherapeutin).

Mein Gefühl sagt mir aber: Jeder hat ein Recht auf selbstbestimtes Leben. Und wenn jemand nicht mehr will, dann ist das zwar schwer zu vertsehen, aber auch das muss man akzeptieren.

Einerseits möchte ich helfen, daß es ihr gesundheitlich besser geht, aber ich möchte auch für sie da sein, als jemand der sie vertseht und auch diesen (selbstgewählten) Weg mit ihr geht.

LG S.

Beitrag von myimmortal1977 01.10.10 - 14:08 Uhr

Ich kenne die Person, um die es in Deiner Geschichte geht, natürlich nicht persönlich, daher kann ich auch nicht beurteilen, ob sie, so wie es Dein empfinden nach ist, nicht mehr leben will und deshalb diesen selbstzerstörerischen Weg wählt....

Meine Mutter wollte leben, sie war ein Mensch der gern gelebt hat.

Sie war nur einfach zu labil, um die entgültige nötige Abstinenz von den Stengeln zu schaffen.

Es gibt Genußraucher, die sind aber selten. Oftmals ist es so, dass man sich mit dem Stengel in der Hand "stärker" fühlt und Stress und Unwohlsein im Kopf weg raucht.

Wenn man dann noch in einer lebensbedrohlichen Situation ist, die natürlich Stress provoziert, ist es glaube ich noch schwieriger, die Finger von den Dingern zu lassen.

Ich habe meine Mutter gelassen. Zuerst habe ich auch geredet und geredet und geredet.... Doch eigentlich gegen eine starre Wand.

Irgendwann habe ich es gelassen, da ich merkte, dass das einzige, was ich damit bewirkte war, dass sie sich mir gegenüber immer mehr und mehr abgewendet hatte. Traurig aber wahr....

Der Betroffene muss selbst, auch manchmal schmerzlich die Erkenntnis gewinnen, was ihm gut tut und was nicht.

Süchte und Zwänge sind ein Themen, da beissen Außenstehende meistens auf Granit....

LG Janette

Beitrag von sumamaso 01.10.10 - 08:03 Uhr

Guten Morgen Steffi,

leider kann man da nichts machen.

Mein Stiefvater hat im Januar 2010 sein Leben aufgegeben. Meine Mama mußte sich jeden Tag anhören von ihm "Ich will nicht mehr Leben". Die Gründe wissen wir heute noch nicht. Mein Stiefvater hatte Diabetes und muste sich spritzen, aber er hat sich dann gespritzt wann er das wollte oder garnicht. Seine Tabeletten die er nehmen muste hat er entweder garnicht genommen oder alle auf einmal (die über den Tag hin weg zu nehmen waren). Meine Mama stand immer neben ihn und hat aufgepast das er seine Tabletten einnimmt in der richtigen Dosierung.

Im Mai 2010 ist er auf der Straße zusammen gebrochen mit einem Zuckerwert von 500. Im KH kam dann die Zuckerärztin zu ihm hin und sagte Hr. K....... wir werden sie wieder hin bekommen, und seine Antwort war Sie werden mich nicht mehr hinbekommen. 3 Tage später ist er auf der Toilette im KH zusammen gebrochen mit Herzstillstand. Er wurde wiederbelebt und seid dem war er im Künstlichen Koma und wurde künstlich ernährt. Dann war ein Bett frei in einem anderen KH (Uni Klinik) und wurde verlegt damit sie ihm einen Luftröhrenschnitt, eine Magensonde über den Bauch legen und einen Herzschrittmacher geben können.( Die Maschinen haben ihn nur noch am Leben erhalten und darum brauchte er einen Herzschrittmacher.) Weitere Untersuchungen haben ergeben, das das Gehirn geschädigt war, aber keine konnte uns sagen in wie weit und wir haben schon damit gerechnet das er Pflegefall wird.

Wir haben wieder Hoffnung geschöpft, aber 2 Tage nach der Herzschrittmacher OP ist er von uns gegangen am 05.07.2010. #kerze

Und wir verstehen heute noch nicht, warum er sich aufgegeben hat.

Ich hoffe das eure Patentante wieder ein Lebenswille bekommt.

Traurige Grüße Susi

Beitrag von svenja12 01.10.10 - 09:25 Uhr

Mein papa hatte einen zuckerwert von 600 war aber noch voll bei bewusstsein,aber 11 tage später ist er gestorben an einer blutvergiftung,er hatte vor einen halben jahr gesagt er wird die einschulung von seinem geliebten enkelkind nicht mehr mitbekommen, alle haben gesagt ja ja red net so einen schmarrn,anscheinend hat er es vorgeahnt,er hatte ja etliche vorerkrankungen und kam damit überhaupt nicht zu recht





lg svenja12

Beitrag von tauchmaus01 01.10.10 - 09:45 Uhr

Leider ist Lungenkrebs meist tödlich.
Ich denke sie weiß es und warum sollte sie nun noch damit aufhören zu rauchen?
SIe wird evtl. mehr wissen als Du über ihren Zustand.......

Mona

Beitrag von parzifal 01.10.10 - 23:49 Uhr

Lungenkrebs? Wie kommst Du darauf, dass die Patentante Lungenkrebs hat?

Beitrag von steffix77 02.10.10 - 22:29 Uhr

Ich wundere mich auch. Ich hab doch gar nix von Lungenkrebs geschrieben...
Sie hat eine COPD. #kratz

Steffi

Beitrag von schorti 01.10.10 - 12:23 Uhr

Hallo

Mein Opa hatte Lungenkrebs und wusste das es sein Leben kaputt macht. Aber er war alleine, hat nach dem Tod meiner Oma 1995 nicht mehr wirklich gelebt. Alle wollten ihm das rauchen verbieten und er wurde unglücklicher. Ich habe zu dem Zeitpunkt auch noch geraucht und konnte meine Mutter und ihre Schwestern nicht verstehen (meine beiden Tanten rauchen selber auch). Mein Opa hatte nix, er saß den ganzen Tag nur vorm Fernseher, hatte keine Freunde und sonst niemanden mit dem er sich treffen konnte. Und dann sollten wir ihm auch noch das einzige nehmen woran er Freude hatte? Das Rauchen?? Er sagte selber, was hätte er davon aufzuhören mit dem Rauchen und dafür evtl ein Jahr länger zu leben. Das würde die Situation nicht ändern.

Ich habe ihn verstehen können und ihm seinen Wunsch gelassen.

Er ist leider vor ein paar Jahren an einer geplatzten Atterie oder so gestorben.

Beitrag von engel_in_zivil 01.10.10 - 17:03 Uhr

lass sie!
auch wenn es euch weh tut, zusehen zu müssen, wie sie sich scheinbar "gehen" lässt.

aber es ist ihr leben und wenn das alles ist, was ihr noch wichtig ist, dann ist das so. :-(


lg #liebdrueck

Beitrag von steffix77 01.10.10 - 20:10 Uhr

Ich danke Euch allen herzlich für Eure Antworten!

Heute nach der Arbeit war ich bei ihr und ich muss sagen, ich war doch etwas überrascht, im positiven Sinne!
Sie hatte mit Hilfe meiner Schwiemu geduscht und hatte auch was gegessen. Und dann erzählte sie mir, dass sie schon seit längerem einen Termin bei einem "Drogenarzt" hätte zum Gespräch und Tiefenhypnose. Und das sie da auch unbedingt hin will. Der Termin ist Anfang November.

Auch wenn sie natürlich körperlich noch sehr geschwächt ist und natürlich auch psychisch labil, es ist doch ein leiser Hoffnungsschimmer:-)

Vielleicht hat sie sich doch noch nicht aufgegeben.
Ich bete, daß sie wirklich die Kraft findet und dass dieser Arzt ihr helfen kann.

LG Steffi

Beitrag von holidaylover 02.10.10 - 11:42 Uhr

sie ist eine erwachsene frau, die für ihr leben/sterben selbst verantwortlich ist! laß sie tun, was sie will. raucher kann man nicht heilen, das müssen sie schon von selbst aufgeben.
lg
claudia (ex-raucherin)