Keinen Sinn mehr im Leben (Lang!!)

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von bin_down 01.10.10 - 08:56 Uhr

Hallo liebe Forum-Mitglieder!

Ich wende mich heute an euch, um mir einfach mal etwas von der Seele zu schreiben - im wahrsten Sinne des Wortes. Ich weiß zurzeit nicht, wie es mit mir weiter gehen soll.

Ich bin Ende 2007 80 km weit weg von meinem Heimatort gezogen - allein in ein fremdes Dorf des Jobs wegen. Habe mein liebsten Hobby und mein dazugehöriges geliebtes Pferd verkauft, was ich 6 Jahre lang hatte, um den Job anzunehmen. Der Job ist das einzige, was ich momentan noch als "Glück" in meinem Leben bezeichnen kann und doch kann ich mich auch daran nicht mehr erfreuen und es ist gerade nur noch eine Last! "Glück" in dem Sinne auch nur finanzieller Natur.

Ich war dann 2,5 Jahre allein dort - Single. Mit meiner Familie habe ich leider kein (noch nie) inniges Verhältnis. Man telefoniert mal ab und zu aber das war´s dann auch schon. Ich hatte auch zu Kindeszeit kein gute Verhältnis zu meinen Eltern. Mein Vater hat uns (mich und meine jüngere Schwester) nur geschlagen oder ignoriert - wir hatten ständig das Gefühl, eine Last zu sein, von der man sich leider nicht trennen kann. Als ich 11 Jahre alt war, trennten sich meine Eltern. Wir blieben bei meiner Mutter, die sich schon immer in ihre Arbeit vertieft hat. Auch wenn wir Kinder krank waren oder sie aus anderen Gründen gebraucht hätten. Sie war nie da für uns und wir waren schon früh immer allein. Nach der Trennung der beiden hatte sie ständig neue Männer (Säufer, Taugenichtse). Diese Männer taten und zwar keine körperliche Gewalt an, aber seelisch ging es uns noch schlechter, denn sie war arbeiten und wir saßen mit den torkelnden besoffenen Kerlen allein zu Hause. Niemand kümmerte sich darum, ob wir zu Schule gehen, ob wir unsere Aufgaben machten, wo wir sind, mit wem wir unterwegs sind etc. Wenn wir unsere Mutter mal gefragt haben, ob sie uns mal helfen könnte (Hausaufgaben, allgem. Fragen im Leben) dann stöhnte sie genervt und gab nur agressive Antworten, wie gestresst sie wäre und ob wir dafür kein Verständnis hätten. Auch sie schlug uns des öfteren heftig. Wir waren eigentlich schon immer auf uns allein gestellt. Wir bekamen nie Bestärkung, Anerkennung oder Lob, sondern immer nur das Gefühl, üble Last zu sein, die man so mitschleppen muss.

Als ich dann mit meinem ersten Freund mit ca. 20 Jahren zusammen zog, fing das erlebte aus meiner Kindheit an, sich in meinem jetztigen Leben bemerkmar zu machen. Ich befinde mich seit dem in einem Teufelskreis.
Es drückt sich folgendermaßen aus: Ich habe große Verlustängste meinen Partner gegenüber. Ich brauche ständig Bestätigung und muss ständig spüren, begehrt und geliebt zu werden. Ich bin besitzergreifend und Freunde und Familie des Partners sehe ich als "Bedrohung" an. Ich möchte meine Partner für mich allein - niemand soll dazwischen funken. Denn Kumpels und/oder Familie könnten mir ja meinen Rang ablaufen und ihm wichtiger sein als ich. Ich halte es nicht aus, wenn mein Partner jemand anderen mehr Aufmkerksamkeit schenkt, als mir! Ich fühle mich schnell in die 2. Reihe versetzt und ungeliebt - bin auf alles und jeden eifersüchtig. Ich rede mir ein, mein Partner hat mich nur, weil er noch keine bessere gefunden hat, um nicht allein zu sein. Er kann mich gar nicht lieben, denn ich bin es nicht wert. Ich bin nicht attraktiv genug, ich bin ihm vom Wesen her nicht würdig und mich kann gar niemand lieben. Dort draußen laufen so viele hübschere, tollere Frauen rum. Er KANN mich gar nicht wirklich lieben. Ich habe selbstzweifel und Komplexe... gleich dazu möchte ich aber erwähnen, dass ich im übrigen Leben (Job, Privatleben allgem.) eine eher starke und selbstbewusste Persönlichkeit bin. Ich kann mich durchsetzen und weiß, was ich kann. Aber in Beziehungen - egal welcher Art, mache ich mich klein! Ich habe keine Freunde. Ich bin scheu. Freunde haben andere Freunde und man könnte irgendwann schlecht über mich reden und/oder denken. Ich lasse mich nie zwischenmenschlich auf Personen ein - nicht mehr als nötig, nehme immer eine Randstellung ein. Beteilige mich an allem nur oberflächlich - und das kommt natürlich auch dann zurück! Daher bin ich allein und lege meinen Fokus immer nur auf meine Partnerschaften. Die -wie soll es anders sein- davon auf kurz oder lang reiß aus nehmen! Ist doch klar. Sie sind ja "normal" und können nicht wissen, was mein Problem ist. Sie denken, ich lehne ihre Familie und Freunde einfach ab! Aber so ist es nicht. Ich bin eigentilch kein Menschenfeind, sondern eine sehr liebe, tiefgründige und sensible Person, die immer darafu bedacht ist, niemanden zu "stören" oder zur Last zu fallen. Immer alles recht machen will. Ich weiß auch nicht, wie ich da raus komme. Mir geht es schon schlecht, wenn ich am Morgen wusste, das mein Partner am Abend Besuch von einem Kumpel bekommt, weil dann der Besuch wieder im Fokus stand... ich weiß, es ist krank. Ich bin -als ich vor 6 Monaten mit einem neuen Partner zusammen gekommen bin, auch gleich in Therapie gegangen, um das Muster zu durchbrechen. Aber leider hat es nicht gereicht. Vor 3 Wochen trennte er sich! Jetzt bin ich wieder am Boden!! Ich laufe seit 3 Wochen rum wie eine "Leiche" und funktioniere nur noch. Man sieht mir sogar an, das etwas nicht stimmt, denn man fragt, ob ich krankwäre da ich so schlecht aussehen würde. Eine Trennung ist immer was schlimmes, aber für mich ist es sozusgen ein Weltuntergang. Ich liebe diesen einen Menschen immer so sehr und richte mein Leben so auf ihn aus, dass ich alles um mich herum vergesse. Ich bin dann auch richtig glükclich - wenn mein Partner das ist! Ich brauche dann nichts weiter. Ich habe dann erst recht kein Interesse an Freundschaften, Hobbies oder sonstiges, was ich für mich tun sollte/könnte/müsste. Und jetzt?! Jetzt erst recht auch nicht, weil ich allein bin, mich wieder in einem Loch befinde und an nichts mehr Gefallen oder Interesse finde. Ich weiß, es steht mir wieder eine einsame Zeit bevor und ich komme da nicht raus! Wieder ein kalter, dunkler, langer Winter allein - Weihnachten: Allein! Ich bin noch immer in Therapie, aber helfen muss ich mir selbst! Das ist ja nur unterstützend. Ich finde da aber nicht raus, denn mein Interesse kommt nicht. Für nichts und niemanden. Ich warte regelrecht immer auf die nächste Beziehung. Nur dann habe ich ein Ziel im Leben, wofür es sich zu Leben lohnt! Ich wünsche mir eine eigene kleine Familie. Mehr nicht. Was soll ich nur tun? Ich will ja, dass es anders ist, aber ich schaffe es nicht. Ich habe keine Kraft!!! Ich will am liebsten tot sein! :-(
Raus aus dieser Endlosschleife. Aus der Spirale, die sich dreht und dreht. Mit jedem Mal schwindet mehr Kraft und ich werde immer zurückgezogner und habe echt Angst, mir eines Tages doch etwas anzutun.

Ich danke euch, wer es bis hierher geschafft hat, für´s Lesen. Ich bin total verzweifelt und wollte das einfach alles mal nieder schreiben. Vielleicht erhalte ich hier ja noch den ein oder anderen Tip..

LG bin_down

Beitrag von petite27 01.10.10 - 09:14 Uhr

Huhu,

Also.....als allererstes würde ich mal sagen, du wirst wohl die falsche Art der Therapie, oder aber einen, für dich nicht passenden, Therapeuten haben!

Nimmst du auch Medikamente zur Unterstützung?
Ich denke das wäre bei dir grade absolut notwendig.

Es gibt ja nun auch verschiedene Arten der Therpie.....vielleicht ist das was du hast, einfach nicht tief genug, oder für dich der falsche Weg.

Hast du schonmal über eine Kur nachgedacht?
Ich hab wegen viel weniger schon "Happys" (Antidepressiva halt :-) ) genommen, war auch in Therapie und war 12 Wochen lang in Kur in einer Fachklinik. Diese Zeit, also in der Klinik, die war gut! Wirklich gut, die hat mir sehr geholfen und ich denke immernoch gerne daran zurück.
Bei mir gings damals um Eßstörungen.

Ich bin auch, ähnlich wie du, eine sehr ruhige, sensible Person die es Allen recht machen will....und ich weiss, dass ich recht anfällig dafür bin, ab und an mal wieder ne kleine Depression zu schieben. ;-)

Wenn du noch bisschen schreiben willst, kannst du mich auch gerne per PN anschreiben.

Wegen Partnerschaft: ich denke das kann so nichts werden.
Versetz dich in die Lage des Partners den du haben wirst.....das hält normalerweise keiner aus, du siehst ja selbst Alles und weisst dass es nicht gut ist.
Aber alleine aus dem Ganzen auszubrechen, nein, das kannst du eigentlich kaum schaffen.
Ich denke du musst einfach erstmal noch mehr Hilfe annehmen.

LG

Beitrag von ***** 01.10.10 - 09:21 Uhr

Ich kenne das. Zwar hatte ich es in meiner Kindheit wesentlich besser, aber es hat doch an Nähe und Zuneigung gefehlt, die ich mir lange über den Partner 'eingeklagt' habe. Es ist schwer, aus diesem Trott rauszukommen.

Empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang die Bücher: 'Vom Glück sich selbst zu lieben' und 'Der Beziehungsführerschein'. Da muss man sich viel mit sich selbst auseinandersetzen. Und nach und nach kann man dann auch umdenken und 'umfühlen'.

Lass Dich nicht unterkriegen. Du hast deinen Wert, deine Besonderheiten. Sonst wär dein Freund sicherlich nicht mit dir zusammen. Denn 'einfach' scheinst Du ja nicht zu sein. Da gehört schon Liebe zu....

Beitrag von bin_down 01.10.10 - 09:25 Uhr

Hallo und danke für die Buchtips.

Mein Freund ist vor 3 Wochen gegangen! So habe ich es auch in meinen Text geschrieben.

Beitrag von nannyogg5 01.10.10 - 09:51 Uhr

Hallo down,

ich kenne das, was Du beschreibst aucht gut.

Drei Wochen Trennung sind zum Verarbeiten nicht viel - auch für "normale" Menschen nicht.

Gib Dir diese Zeit und nutze sie für Dich. Auch die schlechten und schmerzhaften Gefühle gilt es auszuhalten - auch wenn das schwer ist.

Du bist in Therapie. Das ist ein guter Schritt. Mach weiter - Du machst es für DICH.

Und auch, wenn das hier nicht gerne gesehen wird, mach ich Dich mal auf eine Seite aufmerksam, wo Du Dich u.U. mit Menschen austauschen kannst, die ganz genau wissen, wovon Du sprichst und was Du fühlst:

http://www.nexusboard.net/index.php?siteid=4802

Du hast für Dich schon sehr gut reflektiert, wo die Ursachen Deiner Verlustangst zu suchen sind.

Nun gilt es, Dein Denken/Handeln/Fühlen auf Dich zu lenken um Dich unabhängig von einer Beziehung zu machen. Wenn Du Dich selbst annehmen und lieben kannst, dann ist eine Beziehung eine Bereicherung und keine zwingende Notwendigkeit.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf Deinem Weg. Den ersten Schritt hast Du schon getan.

LG
Nanny

Beitrag von biele1967 01.10.10 - 09:55 Uhr

Du bist auf dem richtigen Weg - auch wenn es sich im Moment nicht so anhört.

DU hast erkannt, wo die Probleme liegen und bist vielen anderen verzweifelten Menschen einen Schritt voraus. Freu' dich darüber, du bist kritisch mit dir selbst umgegangen, du bist fest entschlossen aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Das können nicht viele Menschen von sich behaupten, die ihr Leben beklagen.

Ich bin zwar keine Therapeutin, aber es verwundert micht doch, dass ein Verhaltensmuster, das einen die ersten 20 Jahre seines Lebens geprägt hat, in 6 Monaten wegtherapiert werden kann. Du solltest dir schleunigst wieder professionelle Hilfe holen. Dein Hausarzt kann sicher Empfehlungen aussprechen. Vielleicht brauchst du auch medikamentöse Unterstützung zu den Therapiesitzungen oder einen Aufenthalt in einer Tagesklinik - ich kenne mich da nicht genau aus.

Vielleicht solltest du eine Partnerschaft vorerst zurückstellen und dich nur auf dich und deine Genesung konzentrieren. Da du ja ganz allein in einem fremden Ort lebst, könntest du versuchen über dein Hobby in einem Reitverein o. ä. unverbindliche Freundschaften zu knüpfen, damit du dich nicht mehr so verloren fühlst.

Irgendwann kommt sicher auch wieder der richtige Partner für dich. Auch depressive Menschen haben Partnerschaften und auch Menschen mit Eigenarten, wie du sie hast. Es ist nur eine besondere Herausforderung für diese Partner und nicht jeder ist dem gewachsen. Du bist bereit, an dir zu arbeiten. Ich bin sicher, irgendwann bist du soweit gefestigt, dass auch ein Mann gerne mit dir zusammen leben möchte. DU hast es in der Hand und kannst darauf hinarbeiten.

Viel Glück (Sorry für das viele #bla)

Beitrag von seelenspiegel 01.10.10 - 10:44 Uhr

<<<Sie sind ja "normal" und können nicht wissen, was mein Problem ist.>>>

Normal ist relativ.....einen mehr oder weniger kleinen "Tick" hat jeder.

Vielleicht liegt aber hier das Kernproblem, weil Deine Partner gar nicht wissen was genau in Dir vorgeht, sondern sie eigentlich nur die "Auswirkungen" zu spüren bekommen, ohne die Hintergründe zu kennen?

Das wäre auch mein Tip hinsichtlich nicht nur einer Partnerschaft, sondern auch im potentiell neuen Freundeskreis. Wer um Deine Situation weiss, wird sich dementsprechend auch nicht gleich zurückziehen wenn Du mal ein bisschen "anders" reagierst.

Wenn Du dich einfach mal "auskotzen" willst, schreib mich ruhig an.

LG
TJ

Beitrag von hummelinchen 01.10.10 - 19:30 Uhr

Hey,
du hast Liebeskummer, eine Depression oder beises zusammen... Und es tut mir sehr leid, dass es dir so shclecht geht. In Teilen kenn ich dieses Muster...
Was ich aber aus deinem Text entnehme ist, dass du deine jeweiligen Partner so sehr vereinnahmst, dass du von deren Glück abhängig bist. Geht es ihnen gut, geht es dir auch gut - geht es ihnen schlecht, geht es auch dir schlecht... Das ist ein falsches Verhaltensmuster. Es soll dir um deinetwillen gut gehen und solange du das nicht im Griff hast, bist du nicht beziehungsfähig.
Dir fehlt jegliches Selbstwertgefühl (nicht Selbstbewusstsein). Du liebst dich nicht, also brauchst du das von außen und du forderst es gnadenlos ein...

Gib nicht auf, wenn du eine starke Persönlickeit bist und das musst du sein, um so überhaupt leben zu können, dann such dir Hilfe und mache ein Therapie. Das kann ein wenig dauern aber du kannst es schaffen....
Wie wäre es mit einem Hund???

lg Tanja

Beitrag von titarosali 02.10.10 - 00:43 Uhr

Les mal:
"Wenn Frauen zu sehr lieben" von Robin Norwood. Das Buch hat mir sehr geholfen. Ich bin die Persönlichkeit geworden, die ich sein wollte und alle ähnlichen Probleme wie bei Dir sind gewichen.

Das macht stolz und selbstbewußt, und nix haut mich so schnell mehr aus der Bahn!

Viel Kraft!