Frühchenproblem: Ängstlichkeit

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Forum: Frühchen

Obwohl die Überlebenschancen für früh geborene Kinder immer besser werden, müssen vor allem Eltern von extrem Frühgeborenen oft für die gesunde Entwicklung ihres Kindes kämpfen. Der Frühchenmediziner Dr. Matthias Jahn beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von infobox 01.10.10 - 11:47 Uhr

Mein Sohn Felix (27. SSW, 955 g, 37 cm) ist seit seiner Entlassung aus der Klinik ängstlich und schreckhaft. Heute ist er 5 Jahre alt und in Situationen, wo sich andere Kinder völlig normal verhalten, gerät er plötzlich in Panik und sucht meine Nähe. Ich bin dann immer völlig ratlos, denn reale Gefahren kann ich meist nicht entdecken. Oft sind es nur Geräusche, die ihn stark verunsichern. Natürlich tröste ich mein Kind sofort, doch woher kommen seine Ängste? Jetzt fand ich im Internet die Worte einer Mutter: „Der sanfte Umgang mit Frühgeborenen ist ein Märchen und wird gern den Frühcheneltern erzählt, die während der Inkubatorzeit nicht 24 Stunden ununterbrochen bei ihrem Kind sein können!“ Hat sie Recht damit? Auch ich konnte damals nicht den ganzen Tag bei meinem Felix in der Klinik bleiben und so hat mich ihre Aussage doch sehr nachdenklich gemacht. Könnten die Angstzustände meines Sohnes mit seiner Frühgeburtlichkeit und den Wochen auf der Intensivstation in einem Zusammenhang stehen? Wer hat ähnliches bei seinem Kind beobachtet und wie habt Ihr geholfen?

Beitrag von turbokristel 01.10.10 - 12:15 Uhr

Hallo,

ich habe hier das Gegenteil sitzen. Mein Sohn (2 Jahre, 26+0, 520g) ist überhaupt nicht ängstlich. Das ist leider aber auch nicht gut, da er Gefahren nicht einschätzen kann...

Ich denke aber, dass schon sehr sanft mit den Frühchen umgegangen wird. Jedenfalls war es in unser Klinik meiner Meinung nach so. Allerdings kann ja bspw. noch so sanft "abgesaugt" werden - es wird nie angenehm sein. Oder Blut abnehmen, Zugang legen usw... Dazu ständige Monitorgeräusche. Ich denke, das prägt. Wir hatten zu Hause noch Sauerstoff und ein Absauggerät. Wenn ich dies dann anschaltete, fing Lukas sofort an zu weinen. Eben weil er wusste, gleich wird es unangenehm.

Wie man da jetzt hilft, weiß ich nicht. Vielleicht wäre ein Termin bei einem Kinderpsychologen hilfreich?

LG Kristin

Beitrag von yvschen 02.10.10 - 13:07 Uhr

hallo meine mädels sind geboren bei 29+0 (keine extremfrühchen)
Trotzdem sind sie auch eher ängstlich.ABer nur in gewisse situationen.Dann wenn sehr viel leute um uns sind.Trubel mögen sie nicht so...
Wir waren gestern im indoorspielplatz.Am anfang waren wir noch ganz allein da haben sie alles gemacht.Als es dann voll wurde haben sie sich in die ruhigerne ecken gezogen.
Sie haben auch angst vor großen leuten.Mein bruder ist 1,90m , vor dem haben sie angst.

In einer frühchenintensivstadion kann es ja gar nicht nur kuschelig und ruhig sein.Daher finde ich es gut das es auch besuchszeiten gibt und die kids in der restlichen zeit auch ruhe haben.Die haben ja schon einiges an programm da.Ultraschall, auganarzt, blutabnahme,füttern,das piepen von den monitoren..........usw.....

lg yvonne

Beitrag von jeannine1981 01.10.10 - 12:54 Uhr

Hi,

ich weiß nicht ob ihr Verhalten jetzt durch die Frühgeburt herrührt, aber meine Tochter ist sehr empfindlich was Lautstärke angeht. Sei es im Bus oder im Supermarkt, sobald eine Durchsage ect kommt zuckt sie zusammen und meckert rum das es ihr zu laut ist. Als sie das noch nicht äußern konnte, hat sie mit heftigen Weinattacken darauf reagiert. Genauso verhält es sich wenn sie von Kinder lauter angesprochen oder gar angeschrieen wird. Dann ist rum. Und das obwohl sie selber auch nicht gerade sehr leise ist!

Im allgemeinen fand ich meine Tochter schon immer anhänglicher als andere Babys. Konnte sie nie mal kurz allein im Zimmer lassen. Sie musste immer mitkommen. Das hat sich Gott sei Dank etwas gebessert.

Mit Ärzten war und ist es auch sehr schwierig. Die einzige die sie an sich ran lässt ist unsere jetzige KiA (die ist aber auch nicht steril gekleidet). Bei allen anderen gibt es nur Brüllen und das auch schon als Baby.

Aber wie schon gesagt weiß ich jetzt nicht ob es daher rührt oder ob es einfach ihr Naturell ist. Aber éin Zusammenhang wäre schon denkbar.

Lg
JEannine und Lena 30 Monate (32 SSW)

Beitrag von belala 01.10.10 - 13:09 Uhr

Hallo infobox,

meine Püppi (24+3 Ssw geboren, wird diesen Monat 4) hat einen sogenannten Totstellreflex.
Sie erstarrt und bleibt in dieser Position, läßt sich dabei auch nicht von uns Eltern anfassen oder führen. Die Augen sind aufgerissen und sie hört auf zu sprechen.
Es tritt bei ihr bei großer Ängstlichkeit ein wie z.B. beim Gewitter.
Seitdem ich es mit Schrecken feststellte, gehen wir (erfolgreich)zum Osteopathen.
Ich selbst bin des Öfteren bei einer Kinderpsychologin, die "dem Kind einen Namen gab" und mich immerhin damit beruhigte, dass es bei extrem unreifen Frühchen normal sein und mit der Zeit verschwindet.

Natürlich ists nicht kuschelig auf einer Neugeborenen-Kinderintensivstation.
Situationen die ich erlebte, und damit auch nur eine Momentaufnahme darstellen, sind folgende:
- Schwester R droht den kleinen 500g Kindern "so mein Freund, wenn du nicht vernünftig Luft holst, bekommst du eben die CPAP Maske wieder"
- schichtleitende Schwester betreut auch mein Kind, der Inkubator ist offen, weil sie etwas richtet, nebenbei telefoniert sie und ein Techniker macht sich am daueralarmierenden Monitor des Kindes zu schaffen, im 4 Inkubatorzimmer ist reichlich Unruhe
- zwei AIPler sollen meinem Kind Blut abnehmen, einer hält mein Kind fest, der andere piesakt, piesakt, piesakt und mein Kindchen schreit sich die Seele aus dem Leib
- besonders gehasst habe ich, wenn Angehörige am Wärmebettchen meines Kindes standen und dieses winzige Kindlein anstarrten und sich sowieso lautstark unterhielten

Ja,das unreife Gehirn unserer Frühchen hat Dinge erlebt und gespeichert.
Ich bin fest davon überzeugt, dass sich manche "Zustände" unserer Kinder auf die Frühgeburtlichkeit zurückführen lassen.

LG, belala

Beitrag von katel84 01.10.10 - 13:44 Uhr

Vieleicht bestärkst du ihn mit dem trösten noch darin das es richig ist angst zu haben ,,,
das die ängste mit dem niicht so oft beim kind gewesen sein glaub ich nicht den auch ich konnte keine 24h bei meinem zwerg sein das gerht auch gar nicht wen noch ein kind da ist ,,
würd mal versuchen mich anderst zu verhalten wen er angst hat . meine tochter war auch sehr ängstlich seit dem ich meine art geändert habe ist sie auch selbsbewuster geworden

Beitrag von susa31 01.10.10 - 14:18 Uhr

mir hat mal eine neonatologin gesagt, dass speziell die extremfrühchen später oft probleme damit haben, stress zu verarbeiten, weil sie zu einer zeit geboren wurden, als ihr gehirn die fähigkeiten, mit stress umzugehen, gerade erst gebildet hat. wäre vielleicht eine erklärung - nützt dir aber natürlich für den alltag nicht viel. vielleicht ist die idee mit dem kinderpsychologen gut für euch?
aber: mach dir bitte auf keinen fall vorwürfe. keine mutter kann rund um die uhr bei ihrem kind sein.

Beitrag von minkabilly 01.10.10 - 15:49 Uhr

mein Sohn ist schon 6 J. und hatte auch so Phasen, wo er bei Geräuschen etc. ängstlich reagierte; mal war es mehr mal weniger...
aber jetzt ist es besser geworden, wir können sogar mit ihm z.B. zur Kirmes :-D

Beitrag von fruehchenomi 01.10.10 - 16:17 Uhr

Meine Tochter war KEIN Frühchen und als Kind auch ein rechter kleiner Angsthase, laute Geräusche, mal ein lauter Wortwechsel in der Familie - und sie ging sofort stiften. Mamakind war sie auch - und WIE :-p

Frühchen-Enkelmaus Leonie mag auch keine lauten Geräusche und Wortwechsel, aber seit sie in der Kita ist, wird es zunehmend besser und sie wird robuster. Als ich kürzlich eine Frau lautstark anfegte, die gleich die Polizei holen wollte wg der paar Minuten Parken bei der Kita, sagte Leonie grinsend: "gell Oma, manchmal muss man einfach brüllen" Ich hab so gelacht.
ICH hatte den Eindruck, dass die Schwestern auf der Frühchenintensiv überaus liebevoll mit den kleinen Würmchen umgingen, und meine Tochter war ja ganztags dort und ich auch regelmäßig.
Ich glaube einfach, jedes Kind ist anders und es muss nicht immer von der Frühgeburt kommen.
Meine Tochter und ich erklären uns dumm und dämlich bei Leonie - wenn sie mal wieder Schiß vor was Neuem hat. Dann lassen wir sie selbst beobachten und dann siegt meistens die Neugier.
LG Moni

Beitrag von susanne1973 01.10.10 - 17:57 Uhr

Hallo,

mein Sohn ist zwar erst bei 33+3 gekommen, war aber trotzdem bis zum errechneten Geburtstermin auf der Intensiv/Päppelstation.
Bei uns ist eher das Gegenteil der Fall. Durch das Dauergepipse und Gebimmel auf den Stationen ist er so ruhig, nachts könnte neben ihm eine Bombe hochgehen.

Beitrag von usajulie 02.10.10 - 14:10 Uhr

Hallo,
ich hab mir jetzt nicht alle Antworten durchgelesen.

Aber ich kann das für meinem Sohn (25+1, 850g, 16Wochen Intensiv) überhaupt nicht feststellen.
Er ist sehr ausgeglichen, ich hab von Anfang an immer mal wieder den Raum verlassen, er hat da nie irgendein Theater gemacht.
Er liebt alle Leute, Tiere und Umgebungen. Er ist ein totales frohgemüt und in der Spielgruppe mit 20 Kindern das fröhlichste Kind.

Also ich denke, wie jemand auch gesagt hat.
Die Intensivzeit KANN garnicht angenehm sein, wie lieb und vorsichtig alle gewesen sind.
Es ist nunmal nicht schön den Tubus in die Nase zu bekommen,abgesaugt zu werden, das Licht, die Geräusche, viel zu früh Eindrücke die im Bauch noch Monate lang garnicht da gwesen wären.
Dass da das Gehirn oft überfordert ist ist ganz klar.

Nur wie viele normalgeborene Kinder gibts denn die ständig schreien,unruhig sind,anhänglich und total ängstlich sind?!
Klar kanns sein dass Frühchen anders gewesen wären wenn....
Aber wissen wird man es nie, sowas muss überhaupt nichts mit dem Frühchendasein zu tun haben.

Mensch wieviele von den Kindern meiner Freunde und Urbiaclubberinen sind sehr anstrengend gewesen oder immernoch. Meiner NIE, ausser beim zahnen,hihi. Und er war seeeeehr krank und musste sogar verlegt werden.
Und deren Kinder sind teilweise sogar bis nach ET im Bauch gewesen.

Da wir alle keine Hellsehen sind, weiss man wohl nicht was bei wem von was kommt.

Von meiner Freundin der Sohn war auch sehr ängstlich und anhänglich, hat sobald jemand mit ihm geredet hat geweint, noch mit 2 Jahren.
Dann hat sie aufgehört ihn ständig auf den Arm zu nehmen und noch in seiner Angst zu bestärken und hat ihn nur noch kurz umarmt, gestreichelt und das wars. Nach kurzer Zeit hat er sich total geändert und nur noch selten geweint, dann wenns halt begründet war.

Aber das ist ja bei jedem anders.

Ich war halt am Tag nur 2 Stunden bei meinem Sohn ausser am Wochenende und das meistens mitten in der Nacht weil er halt 150km von uns entfernt war.
Und ihm gehts blendend

Liebe Grüßchen
Julie