Rundbogen - Tapete löst sich

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Forum: Haushalt & Wohnen

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Beitrag von poison.ivy 01.10.10 - 11:48 Uhr

Hallo zusammen!
Wir haben 2 Rundbögen in unserem Hausflur. Dieser wurde tepeziert und nun brechen die Kanten. Also die Tapete bricht quasi auseinander (kann man das verstehen???). Im Fachhandel die meinten: "Da hätte der Tapezierer Putzerleisten anbringen müssen - aber jetzt ist zu spät. Ne andere Lösung wissen wir nicht." Na danke!
Der Tapazierer meint: "Da kann ich nix mehr machen - ich hab's euch doch gesagt. Irgendwann wird das passieren!" Ja, IRGENDWANN, aber nicht sofort. :-[
Der Metallbauer sagt: "Ich kann eine Leiste machen, die lässt sich nicht vernünfitig in dem Winkel biegen - die bricht!"

Meine letzte Hoffnung wäre noch ein Schreiner. Weiß jemand, ob sowas möglich ist? Also so ein Rahmen wie bei normalen Türen? Denn Riemchen will ich auf keinen Fall. Das war da vorher dran und ich war froh, als sie endlich ab waren.

Kann mir jemand helfen??? #schmoll

LG
Melanie

Beitrag von nobility 01.10.10 - 18:09 Uhr

Hallo Melanie,

deiner Beschreibung nach stelle ich mir offene Durchgänge vor über dem ein ebenfalls offener halber Rundbogen geführt ist. Die Laibung je nach Mauerstärke ist im Rundbogen tapeziert ? Ist meine Vermutungsbeschreibung so in etwa richtig ?

Für diese Ursache kann es mehrere Gründe geben. Aber nennen wir einmal die Hauptgründe. Ein Grund kann im Putz liegen oder falls ein Vorputz ( abgeriebener Rauhputz ) und ein Feinputz ( Filzputz ) vorliegt, das Mischungsverhältnis falsch ist oder falsch verarbeitet wurde. Das kann bei verzögerter Trocknung zu Spannungen im Putz führen.

Ein weiterer Grund wäre, der Putz war noch nicht ausreichend durchgetrocknet als Tapeziert wurde. Oder dem Kleister wurde Dispersionskleber wie z.B. Ovalit zugemischt oder es wurde nur mit Ovalit oder nur mit Spezialkleister geklebt ohne dass die Tapete durch Vornässung oder Vorkleistern ausreichend weichen konnte oder die Einweichzeit schlicht zu kurz war. Tapetenhersteller legen meist jeder eingepackten Tapetenrolle einen Beipackzettel bei indem u.a. auch Verarbeitungshinweise angegeben sind . Die Tapete ( Papiertapete ) dehnt sich beim einkleistern und zieht sich beim Trocknen wieder zusammen. Das kann in der Praxis so aussehen; hat die Tapetenbahn im Trockenzustand eine breite von 53,00 cm so kann sie sich je nach Stärke der Einkleisterung und je nach Einweichzeit bis zu 53,05 cm ausdehnen. Man kann das auch mit einem einfachen DIN a 4 Blatt testen. Diesen Physikalischen Vorgang muss man als Maler/Tapezierer wissen. Es gibt Kleistermischungen oder Kleistersorten die hohe Spannungen verursachen können. Um Spannungen und das gilt besondern bei Rundtapezierungen zu vermeiden könnte man den Putzuntergrund ( vorausgesetzt er ist vollständig ausgetrocknet und grundiert ) mit Dispersionskleber ( Ovalit ) einstreichen und die Tapete mit Normalkleister, allerdings in hohem Mischungsverhältnis - also dick – angesetzt eingekleistert, vor allem die Kanten satt (Sehr wichtig!) und ausreichend eingekleistert nach ausreichender Einweichzeit tapezieren. Bei der Tapezierung selbst sollte die Tapete nicht mittels Tapezierbürste gestreckt sondern gestaucht angebürstet werden.

Was man jetzt noch machen könnte wäre die Tapete sauber im Bogen und eine Bahn links und eine Bahn rechts abtrennen. Den Bogen mit Glasfaservlies in Dispersion satt einbettend, d.h. den Untergrund (Putz) richtig satt einstreichen, das Gewebe hinein legen und fest andrücken und darauf nochmals mit Dispersion satt gleichmäßig beschichten. Ausreichend ( mindestens 1 Woche ) austrocknen lassen und neu tapezieren.

Eine vor Ort Inaugenscheinnahme ist natürlich immer vorteilhafter. Zu bedenken gebe ich, meine Tipp´s sind aus der Ferne und müssen daher nicht immer richtig sein. Zumal, sich diese allein an deiner Sachdarstellung orientieren.

Viel Glück !
Nobility

Beitrag von poison.ivy 01.10.10 - 18:33 Uhr

Hallo Nobility!
Erst mal Danke für deine detaillierte Antwort. Ich denke du hast das Problem richitg erfasst. Ich hatte auch die Hoffnung, dass der Mensch weiß was er tut. Aber es waren so ein paar Dinge, die mich an ihm zweifeln ließen. Da wir aber in Zeitnot waren konnten wir uns keinen anderen Maler/Tapezierer suchen... :-[

Du kommst nicht zufällig aus der Gegend 52...??? :-p

ich werde deinen Tipp meinem Mann mal vorlegen. Vielleicht traut er sich ja da ran.

Es wurde auf jeden Fall vorgeputzt. Das war rot orange. Und der Tapezierer hat die Tapete auf jeden Fall vorher eingekleistert. Soviel habe ich mitbekommen. Und dass er mächtig geflucht hat... ;-)

Naja, drück mir mal die Daumen, dass wir das bald hinbekommen. Sieht sehr unschön aus...

Danke dir!

Mel

Beitrag von nobility 01.10.10 - 20:30 Uhr

Hallo Mel,

für viele Maler ist die einfache konventionelle Tapezierarbeit die gängigste mit der sie konfrontiert sind und auch zugleich die allein wichtigste mit der sie Geld in ihrem Beruf verdienen.

Mit anspruchsvollen Tapeten kommen sie kaum in Berührung und die Hohe Tapezierkunst wird so gut wie nicht von ihnen verlangt. Da reichen schon ein paar schlichte Rundbögen und schon sind sie überfordert. Daran haben aber nicht ausschließlich die Maler schuld sondern einfach weil die Kundschaft fehlt die diese Handwerkliche Arbeiten haben will und bereit ist, für diese zu zahlen.

Sich mit einer Arbeitsproblematik dizipliniert auseinandersetzen gelingt den allerwenigsten. Ein einfaches Ventil ist eben fluchen oder mit der Tapezierbürste werfen.

Zur Not Tapeziert bis an die Kante des Bogens heran und streicht die Laibung einfach neutral weiß.

Ne, ich komme nicht aus 52... sondern aus Berlin.

Viel Glück!
Nobility