Alles geht den Bach runter

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von *** 01.10.10 - 21:38 Uhr

Hallo!
Vor einem Jahr wurde mein Mann arbeitslos. Die Firma war insolvent. Erst vor zwei Wochen hat er wieder eine (schlecht bezahlte) Arbeit bekommen, aber nur für 3 Monate. Dann ist wieder Schluss. Wir kamen und kommen mit der finanziellen Situation nur schlecht zurecht. Ich gehe putzen, aber das hilft auch nicht die Welt. Eine andere Stelle finde ich nicht, hauptsächlich wegen der Kinderbetreuung(z.B wollte ich noch eine andere Putzstelle dazu nehmen, wurde aber wegen meines Kindergartenkindes abgelehnt :-[). Es ging uns früher immer sehr gut. Nun drücken uns die finanziellen Sorgen seit einem Jahr. Ersparnisse, die für Notfälle und für später waren, sind so gut wie aufgebraucht. Das Haus will bezahlt werden, das Auto läuft zwar noch, aber die letzte Reparatur hat sehr viel Geld gekostet. Ich kann nicht mehr zum Sport (Verein) wegen dem Beitrag, wir haben keine Tageszeitung mehr, wir Eltern bräuchten auch mal neue Wintersachen und Schuhe.
Über uns schwebt Hartz4, das kommt, wenn er in den nächsten 3 Monaten keine neue Stelle findet. Ich weiß gar nicht mehr, wieviele Bewerbungen er geschrieben hat. Es geht ihm schlecht, er fühlt sich unnütz, ist fast schon depressiv(will aber auch nicht mal zum Arzt). Ich mache mir solche Sorgen um ihn (er hat schon mal gesagt, wenn er nicht mehr da wäre würde es den Kindern und mir besser gehen) und um uns. Natürlich gingen wir uns hier zu Hause auf die Nerven irgendwann. Da sitzt man zu Hause, hätte Zeit zum renovieren ect. Aber es ist kein Geld dafür da! Ich würde gerne den Garten herbstlich machen. Aber das kostet. Mal zusammen weg gehen? Undenkbar. Selbst wenn wir das Geld zum ausgehen hätten, wäre keins für einen Babysitter da. Wann hatten wir das letzte Mal Sex? Ich habe keine Ahnung! Das ist Ewigkeiten her....ich liebe meinen Mann und ich bin mir sicher, er liebt mich. Aber wir bräuchten dringend mal ein Wochenende nur für uns. OHNE die Kinder. In einem Hotel, weg von hier. Nur wir beide in einer anderen Umgebung.
Das war geplant, wir haben 10jähriges in ein paar Wochen. Aber das muss nun ausfallen. Die Winterschuhe für die Kinder sind wichtiger.
Ich habe echt lange durchgehalten. Aber heute ist so ein Tag, an dem ich nur heulen könnte. Auslöser war eigentlich nur, dass mir heute morgen etwas kaputt gegangen ist, was unbedingt ersetzt werden muss. 150€ weg. Seitdem gehe ich total am Stock. Die lassen sich gar nicht wieder einsparen und ich bin Schuld.
Momentan habe ich das Gefühl alles geht den Bach runter. Mir wird von anderen gesagt ich soll ihm den Rücken stärken, ihm helfen und motivieren. Toll! Aber wer hilft mir? Wer stärkt mir den Rücken? Ich habe auch große Probleme mit der Situation. Aber ich kann einfach nicht mehr. Heute habe ich das Gefühl, noch ein oder zwei Tropfen, dann läuft mein Fass über.
Herrje, nun ist das aber lang geworden. Danke allen, die bis hierhin gelesen haben. Ich mußte mich einfach mal ausk......

Beitrag von nightwitch 01.10.10 - 21:56 Uhr

Hallo,

ich kann ja deinen Frust verstehen, aber wie es euch geht, geht es vielen Menschen in Deutschland: Sie bekommen keine Arbeit oder nur schlecht bezahlte, haben Schulden und müssen zusehen, wie sie die Sachen repariert (oder ersetzt bekommen), die kaputt gehen. Sie haben allerdings noch nicht mal ein Auto oder ein Haus, sondern leben in einer kleinen Wohnung.

Klamotten werden Second-Hand gekauft und auch wieder verkauft. In den Urlaub fahren, können sie sich erst Recht nicht leisten. Auch nicht zu Jahrestagen.

Klar, das hilft dir jetzt nicht weiter, aber ich wollte dir verdeutlichen, dass ihr mit den Problemen nicht alleine dasteht.

Eine Frage sei mir gestattet: was ist kaputt gegangen, was lebensnotwendig ist und 150 Euro kostet?

Eine weitere Frage, die mir auf der Seele brennt: wenn dein Mann doch weiss, dass er in 3 Monaten arbeitslos wird, wieso suchst du dir ab dann nicht eine Stelle?
Kinderbetreuung wäre doch dann gesichert. Dein Mann könnte dann in Ruhe weitersuchen und wenn er was gefunden hätte, könntet ihr wieder tauschen.

Gruß
Sandra

Beitrag von nele27 01.10.10 - 23:03 Uhr

Ich kann Dich gut verstehen... ich war bis vor kurzem Alleinverdienerin und das war schon manchmal hart, obwohl wir lange nicht so sparen mussten wie Du es erzählst.

Ein Grund mehr, Eure Situation so schnell wie möglich zu ändern!

Ergründet mal, warum Dein Mann keine Stelle findet. Ist seine Bewerbung tip top und schreibt er auch jedes Mal ganz individuell an die Firmen? Kettenbriefe bringen nämlich keinen Job :-)
Und warum gehst Du putzen? Was hast Du denn gelernt? Such Dir mindestens einen lukrativeren Job der dem gelernten entspricht. Besser noch, Du bewirbst Dich Vollzeit. Wenn Du etwas bekommst, kann Dein Mann ja erstmal die Kinder übernehmen.

Und igelt Euch nicht ein. Ihr könnt jetzt nicht auch noch massive Eheprobleme gebrauchen. Unternehmt Dinge, die kostenlos sind: Wildgehege statt Zoo, Picknick im Park, Fahrradtour, Vorlesestunde in der Bücherei für die Kinder und und und. Man muss nicht zwingend Geld ausgeben! Sei kreativ, auch wenn es schwer fällt. Mach Sport erstmal zu Hause (Fitness-DVD aus der Bücherei leihen o.ä.). Les die Tageszeitung im Internet...
Lass Dich jetzt bloß nicht abhängen vom Leben...

LG, Nele

Beitrag von asdasd64564 02.10.10 - 09:23 Uhr

Kannst Du nicht etwas höher qualifiziertes als eine Putzstelle suchen? Eine Ganztagsstelle in Deinem Beruf? Wenn Dein Mann dann wieder arbeitslos ist, gehst Du dann halt arbeiten. daraufhin würde ich mich ab sofort schon bewerben.

Putzstellen kannst Du auch privat suchen. Da ist es dann egal, ob Dein Kind im KiGa ist oder nicht, weil Du die Zeiten frei vereinbaren kannst. Mir scheint, Du musst flexibler werden bzw. umdenken.

Beitrag von berti54 02.10.10 - 14:04 Uhr

Das ist Alles sehr schade. Mein Mitgefühl.
Wo wohnt ihr denn? Ist es nicht möglich, dass sich dein Mann (vielleicht auch vorübergehend) eine Stelle in einer anderen Gegend sucht, in einem Ballungsraum. Bei den heutigen Verkehrsverbindungen sollte das möglich sein. Sehr viele Menschen führen über Jahre eine Wochenendehe.
Oder bekommst du einen besseren Job? Dann macht dein Mann eben den Hausmann. Bei meiner Schwester funtioniert das schon 30 Jahre. Er hatte damals auch seinen Job verloren, sie hatte einen guten Job. So hat er die drei Kinder groß gezogen, sich ums Haus gekümmert.
Wenn Alles nichts hilft, dann das Haus rechtzeitig verkaufen. Klingt hart, aber bei einer Zwangsversteigerung gibt es weniger Geld.
Aber gebt die Hoffnung nicht auf, die liebst deinen Mann. Das zählt!