Opa im Pflegeheim... Vielleicht Pflegepersonal?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von lenchen2002 02.10.10 - 17:55 Uhr

Hallo,

also mein Opa hat Demenz, wohl noch nicht ganz so schlimm, aber meine Oma hat es einfach nicht mehr geschafft, vormittags war er noch recht "normal", aber am Nachmittag hat es dann immer angefangen, dass sie nicht seine Frau wäre, sie solle ihm seinen Pass geben und sein Geld, er will weg usw. und das dann auch nicht im netten Ton... Auch hat er weder die Toilette noch sonstwas gefunden (in der eigenen Wohnung) und ist auch schon mal weggelaufen. Er hat Stufe 2.

Meine Oma ist ja auch nicht mehr die Jüngste, und hats einfach nicht mehr geschafft. So, nun ist er seit fast 14Tagen im Pflegeheim. Die ersten 3 Tage hat sie ihn nicht besucht, dann aber ließ sie sich nicht mehr von abhalten und war seit dem jeden Nachmittag 3 Stunden oben. Wir haben ihm 2 Sessel gekauft, einen TV, Bilder usw. um das Zimmer wohnlich zu gestalten. Oma bringt dann immer Kaffee und Kuchen mit und so sitzen sie in seinem Zimmer zusammen und haben wenigstens bisschen was voneinander.
Aber Opa weint nur, will heim, findet es schrecklich, sagt, er sitzt den ganzen Tag allein in seinem Zimmer, würde sich frühs schon drauf freuen, wenn sie kommt... Und Oma glaubt es... Dabei hat Opa überhaupt kein Zeitgefühl mehr, ich glaube nicht, dass er es merkt, ob sie heute oder morgen kommt... Und die Schwestern sagen, er ist den ganzen Tag auf einer anderen Station, also nicht allein in seinem Zimmer...

Wir waren letzte Woche mal mit oben, aber vormittags, weil Oma ihm ein Federbett gekauft hat, und da hab ich erstmal gesehen, was für "Mitbewohner" Opa auf der Etage hat! Die sind alle viel viel weiter in der Krankheit als Opa, die sprechen alle nicht mehr wirklich, starren nur oder, noch schlimmer, schreien! Die eine hat unaufhörlich in ihre Hände geklatscht, die andere gebrüllt, dass wir dachten, es wäre ein Mann, die nächste ne Puppe gewiegt und dabei gesungen oder gesummt... Also echt schlimm! So schlimm geht es Opa doch aber noch nicht! Auf Fragen erfuhren wir dann, dass das die falsche Etage für Opa ist, aber in der richtigen, wo "seinesgleichen" sind, kein Zimmer frei ist, und er deshalb dort liegt... Aber sie holen ihn eben, wie gesagt, tagsüber immer auf die richtige Station.

So, vorhin rief mich Oma an und sagte, sie hätten sie heute nicht mal in sein Zimmer gelassen, das Personal hätte gesagt, es wäre nicht gut, wenn sie ihn immer "hin- und herzerrt von einer Etage in die andere".

Also saßen sie auf dem Gang, Oma hat nicht mal ihre Jacke ausgezogen, den Kaffee wie er war wieder mit heimgenommen, klar, kann ich verstehen, wer will schon auf dem Gang Kaffee trinken, wo ständig jemand vorbeiläuft?

Sie überlegt sogar schon, ihn wieder mit heimzuholen.

Wir wissen einfach nicht, was wir machen sollen, wie wir Oma helfen können... Sie ist fix und fertig wegen der ganzen Sache, wir befürchten, sie bekommt noch nen Nervenzusammenbruch...

Aber wir wissen ja nicht, was das beste ist...

Darf den das Personal Oma echt verbieten, dass sie mit Opa in sein Zimmer geht für ein paar Stunden? Und warum bitte soll das schlecht sein für Opa? Sie kommt, steckt ihn in Aufzug, sie gehen in sein Zimmer, und nach ein paar Stunden gehen sie wieder zum Aufzug und sie bringt ihn auf die Station, wo er eigentlich wohnen müsste... Warum soll das schlecht für Opa sein?

Hat jemand damit Erfahrung oder kann uns sagen, wie wir den beiden helfen können? Wir sind mit unserem Latein echt am Ende, die ganze Familie ist seitdem fix und fertig, und dabei sollte es doch eigentlich ruhiger werden, damit wir alle zur Ruhe kommen...

Vielleicht gibts hier jemanden, der in einem Pflegeheim arbeitet, und mir mal "die andere Seite" näherbringt?
Oma hört schwer, und manchmal hört sie einiges eben einfach nicht, oder versteht sie falsch, ich denke auch, wegen ihrer momentan so angespannten Nerven war sie nicht immer die Freundlichkeit und Geduld in Person... Sie traut den Schwestern halt keinen Meter übern Weg, und ich denke, das ist schlecht, denn sie muss ihnen schon vertrauen, anders gehts ja nicht, sie kann nicht immer kontrollieren... da kann ich die Schwestern schon verstehen, wenn sie das nervt...

Sorry für das blabla, aber wir wissen echt nicht weiter...

Lenchen

Beitrag von elcheveri 02.10.10 - 19:23 Uhr

Hallo Lenchen,
natürlich kann das Pflegeperonal es Deiner Oma NICHT verbieten den eigenen Mann zu besuchen........man könnte Ihr evtl nahegelgt haben Ihre Besuche etwas zu reduzieren???
Hat Dein Opa einen gesetzl Betreuer??

Trotzallem müßt Ihr diese Situation nicht akzeptieren,macht doch einfach mal einen Termin mit der Leitung des Hause,erklärt Eure Eindrücke und äußert ganz klar das der Opa doch bitte verlegt wird insofern das möglich ist.....lasst durchblicken das Ihr Euch nach anderen Heimen umseht usw....
Leider Leider herrscht wirklich im ganzen sozialen bereich ein ziemlicher Personalmangel und die "Schwestern"die an der Basis dh auf den Stationen arbeiten tun das alle am Limit glaub mir.......das nützt Euch natürlich nichts aber auch das sollte man nicht vergessen......
Lg Eva


Beitrag von janamausi 02.10.10 - 20:18 Uhr

Hallo,

vielleicht wäre es für deinen Opa besser, wenn deine Oma ihn Vormittags besucht? Du schreibst ja, dass er Vormittags relativ "normal" ist und am Nachmittag sie nicht mehr erkennt. Vielleicht würde dann dein Opa sich freuen wenn seine Frau Vormittags kommt und evtl. macht ihm dann die Situation Nachmittags nicht so viel aus?

Soweit ich weiß hat doch jedes Pflegeheim Besuchszeiten und da können die doch deine Oma nicht einfach nicht reinlassen #kratz

Ich würde aber auch nicht nur auf das Hören was deine Oma sagt sondern selbst mir ein Bild vom Pflegeheim machen. Deine Oma hat letzte Zeit viel mitgemacht (Pflege von ihrem Mann) und sicherlich ist es auch jetzt für sie sehr schwer. Ihr Mann mit dem sie vieeeeele Jahre zusammen gelebt hat, "ist nicht mehr da". Vielleicht empfindet sie alles viel schlimmer als das es wirklich für deinen Opa ist.

LG janamausi

Beitrag von cocoskatze 02.10.10 - 21:11 Uhr

Hallo Lenchen,

zuerst einmal möchte ich dir und deiner Familie raten, dass ihr euch mit dem Thema Demenz auseinandersetzt.

Es ist ja nun ein sehr komplexes Krankheitsbild, und für Angehörige immer eine ganz schlimme Diagnose.

Ich arbeite in einem Pflegeheim, und auf einem Wohnbereich speziell für dementiell veränderte Menschen.

Die Pflegekräfte, die für deinen Opa zuständig sind, werden sicherlich wissen, was sie tun.

Natürlich erscheint es Angehörigen vielleicht hart, wenn darum gebeten wird, Besuche zu reduzieren, bzw. den Wohnbereich nicht öfter zu wechseln- sprich- im Haus herumlaufen.

Menschen mit Demenz können mit ständigen Veränderungen nicht gut umgehen!
Ein Tagesablauf sollte vernünftig geregelt sein, am besten nach einem bestimmten Schema, mit möglichst keinen Abweichungen.

Dementiell veränderte Menschen sind oft/öfter/ oder auch nur zeitweise desorientiert. Damit meine ich zeitliche, örtliche und auch personenbezogene Orientierung.

Dein Opa ist seit zwei Wochen in der Einrichtung. Zwei Wochen sind wenig Zeit, um sich damit abzufinden, nicht mehr "Zuhause" zu wohnen.
Nach diesen zwei Wochen bereits in Erwägung zu ziehen, den Opa wieder aus dem Heim zu nehmen, halte ich für absolut ungerechtfertigt.

Deiner Oma mußt du ebenfalls die Zeit geben, sich an den neuen Umstand zu gewöhnen, und deshalb solltest du ihr gut zureden, dass dein Opa sich erst eingewöhnen muß.

Und dass die Menschen in dem Heim nunmal nicht alle in der gleichen Krankheitsphase wie dein Opa sind, das ist eben so, und man kann es nicht ändern.

Erfahrungsgemäss funktioniert der Alltag unter dementiell veränderten Menschen sehr gut, da diese Menschen eine andere Toleranzgrenze haben, als Menschen, die nicht an einer Demenz erkrankt sind.

Schwieriger wäre es, jemanden mit beginnender Demenz zu Bewohnern zu gesellen, die keine Demenz haben.

Ich lege dir nochmal nahe, dich wirklich gut über Demenz zu informieren, und ich rate auch dringend zu guter Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal. Das ist das A und O.


Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute!

LG
Simone

Beitrag von foreverangel1504 03.10.10 - 08:50 Uhr

Huhu;

also ich arbeite in einem Pflegeheim. Und das wie es bei Dir läuft ist total normal. Das wird sich legen, denn man baut das vetrauen nicht von einen Tag auf den anderen auch.
Und das Dein Opa so reagiert ist auch normal. Ist auf der Arbeit auch so. Aber das legt sich wieder. Viel reden hilft da.

Und das vertrauen in die Schwestern wird auch kommen nur wie gesagt das braucht Zeit. Es sind ja keinen die man das ganze Leben lang kennt.

Beitrag von maybelle 03.10.10 - 20:59 Uhr

Hallo!

Ich arbeite auch in einem Pflegeheim und bei uns ist es normal, die Angehörigen soweit es geht und das Interesse da ist, in den täglichen Pflegeprozess mit ein zu beziehen. Das Bedürfnis nach Zweisamkeit mit dem Ehepartner in Zimmer wird respektiert und sogar unterstützt.
Bei uns kommen auch Angehörige und übernehmen zum Teil, besonders am Anfang die Hilfe bei der Körperpflege, begleiten ihre Angehörigen zum Arzt usw.
Wir sind darüber dankbar, weil die Bewohner mit vertrauten Personen und vertrauten Handlungen in Verbindung bleiben.
Wir arbeiten nach dem psychobiographischen Pflegemodell nach Böhm in Verbindung mit Milieupflege, also der Pflegeprozeß ist an die persönliche Biografie und besonders an Gewohnheiten geknüpft. Milieupflege bedeutet, dass der Bewohner möglichst in einem relativ bekannten (eigene, liebgewonnene Möbel im Zimmer, eigene Bettwäsche bis hin zu Haustieren) Umfeld untergebracht ist, mit großen Wohnküchen für die gemeinsamen Beschäftigungen (besonders Haushaltstätigkeiten, backen, Kartoffeln schälen...) und das gemeinsame Essen, was recht familiär ist.
Warum die Pflegekräfte unterbinden sollten, dass Deine Oma nicht mit Deinen Opa in sein Zimmer gehen soll, ist mir unverständlich, aber möglicherweise ist er danach sehr umtriebig, möchte weglaufen, sucht Deine Oma und findet sich nicht mehr zurecht.
Da hilft nur ein Gespräch mit dem Pflegepersonal um einen gemeinsamen Weg zu finden, es Deinem Opa (der noch in der Eingewöhnungsphase ist, die bis zu einem halben Jahr dauern kann) so leicht wie möglich zu machen.
Vielleicht gibt es auf der Etage, wo er immer ist, einen relativ ruhigen Bereich, wo Deine Oma mit ihm hingehen kann zum Kaffeetrinken.
Aber ihn jetzt aus dem Heim wieder raus zu nehmen, könnte unter Umständen für Deinen Opa noch verwirrender sein.

Alles Gute!

Yvonne

Beitrag von hezna 04.10.10 - 07:44 Uhr

Ich hatte dir auf deinen letzten Beitrag zu diesem Thema auch schonmal geschrieben.

Ich kann dir nur aus der Sicht der ebenfalls Betroffenen berichten.

Meine Mutter hat Demenz. Richtig zum Vorchein kam diese, nachdem mein Vater vor sechs Jahren einfach tot umfiel.
Vorher hat er noch jede Menge aufgefangen, und meine Mutter wirkte lediglich vergeßlich.

Wir haben uns sehr mit dem Thema Demenz beschäftigt und sind - damals noch mit Einverständnis der Mutter - auf Suche nach einem geeigneten Heim gegangen. Meine Mutter kam in ein Seniorenheim, das nicht ausschließlich Demenzkranke beherbergt, sondern auch "nur" Senioren, die einfach der Pflege aus unterschiedlichsten Gründen, bedürfen.

Sie bekam ein Zimmer auf einer Station, in der sowohl andere Demenzkranke wohnen als auch gebrechliche Ältere. Wir haben ihr einige ausgewählte,liebgewonnene Möbelstücke und Bilder mitgebracht, damit sie sich in ihrem Zimmer heimisch fühlen konnte.

Die erste Zeit war schlimm. Meine Mutter war in ihren hellen Augenblicken sogar froh, dort zu sein, hatte drei Frauen in ihrem Umfeld, mit denen sie spazieren ging, auch sogar mal eine Nascherei einkauften. Sie haben gemeinsam gebastelt, im Chor gesungen usw.
Es tat ihr gut, nicht allein zu sein.

In ihren dunklen Momenten war sie verzweifelt, hatte Atemnot (psychisch ausgelöst), flehte jede ihrer Töchter an (damals hatte sie noch ein eigenes Telefon), sie wieder mitzunehmen, das hielte kein Mensch aus dort, da sei sie nicht zu Hause.

Sie nach dem Besuch dort wieder alleinzulassen, glich zuweilen einer Flucht, weil sie einen nicht gehen lassen wollte, ohne mitgenommen zu werden.

Wir haben dann mit dem Hausarzt gesprochen, der ihr etwas Beruhigendes verschrieb. Dieses Medikament verlieh ihr ein relativ "sonniges" Gemüt, die Kraft, mit der Situation umzugehen.

Sie wirkt damit viel entspannter.

Es ist eine Sache, sich damit abzufinden, das sich ein geliebter Mensch verändert, aber man kann nur versuchen, sich zu arrangieren.
Das deine Oma hingeht, mit ihm Kaffee trinkt, sollte sie sich nicht nehmen lassen. Die Reaktion des Personals dort ist mir unverständlich. In "unserem" Heim ist man immer froh, das meine Mutter besucht und abgeholt wird.

Für euch ist jetzt erst einmal wichtig, die Ruhe zu bewahren. Gut Ding will Weile haben, und bei solch einem Schritt ganz besonders.

Fakt ist: es geht nicht mehr, das Opa zu Hause wohnt. Punkt. Kein wenn und kein aber.

Das Heim ist für ihn und auch für Oma schwer zu akzeptieren. Aber das wird kommen, Stück für Stück.
Opa wird sich immer weiter von Oma und den Angehörigen distanzieren, weil sein Hirn nicht mehr mitmacht.

Es wird nicht mehr besser. Punkt

Es hilft, sich mit den Schwestern dort auszutauschen, zu erfragen, wie manches am besten läuft. In der Regel sind sie dankbar, wenn sie sich um einen Patienten ein Weilchen nicht kümmern müssen.

Ihr könnt Oma helfen, indem ihr ihren Rücken stärkt, daß diese Entscheidung richtig war.
Ihr könnt mit dem Arzt des Heims sprechen, ob es Möglichkeiten gibt, Opa ruhiger zu machen.

Ihr müßt vor Opa fest bleiben (auch Oma), das es keinen Weg zurück mehr gibt. Er braucht Stabilität. Das ist ganz wichtig.
Keine zusätzliche Unruhe. Demenzkranke können das nicht mehr filtern und reagieren unter Umständen heftig.

Du kannst mich für weiteren Austausch gerne anschreiben.

Alles Gute !

Hezna #klee