Medikamente für Frühchen nicht zugelassen?!

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Forum: Frühchen

Obwohl die Überlebenschancen für früh geborene Kinder immer besser werden, müssen vor allem Eltern von extrem Frühgeborenen oft für die gesunde Entwicklung ihres Kindes kämpfen. Der Frühchenmediziner Dr. Matthias Jahn beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von infobox 03.10.10 - 13:50 Uhr

Ich lese nun endlich die Romane „Frühgeburt – Rien ne va plus?“. Dabei stolperte ich regelrecht über die Aussage des Kinderarztes, der erklärt, dass die Medikamente, die er auf seiner Station verwendet, nicht für die Altersgruppe der Frühgeborenen zugelassen sind! Erst dachte ich, das ist in Deutschland gar nicht möglich und deshalb habe ich sofort im Internet nachgeforscht. UND? Ich musste zur Kenntnis nehmen, dass diese Aussage des Mediziners tatsächlich stimmt! Jetzt verstehe ich die Welt nicht mehr. Warum bekommen Frühchen Medikamente, die für sie nicht zugelassen sind? Haben andere Frühchenmütter während der Zeit mit ihrem Kind im Krankenhaus von dieser Tatsache gewusst? Ich wusste damals nämlich nicht, dass einige der Präparate, die mein Felix bekam, erst für Kinder ab dem 12. Lebensjahr zugelassen sind und zudem Hirnblutungen auslösen können. Da hätte ich mir an der Stelle schon Aufklärung gewünscht. Nun gut, meine Geschichte mit Felix ist Vergangenheit. Aber was passiert eigentlich, wenn die im Beipackzettel beschriebenen Nebenwirkungen bei den Kindern auftreten und sie im schlimmsten Fall durch eine Medikamentengabe mit lebenslangen Behinderungen zu kämpfen haben??? Wer kümmert sich dann um die Folgen? Komisch, nach der Entlassung aus dem Krankenhaus galten wieder alle Regeln beim Umgang mit Medikamenten für mein Kind. Plötzlich wollte sich niemand mehr über Altersangaben in Beipackzetteln hinwegsetzen. Hier nur ein Beispiel: Der Kinderarzt durfte Felix im Alter von 10 Monaten keinen „Sinupret-Saft“ (wird bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen verwendet) verschreiben, da dieser erst für Kinder ab 2 Jahren zugelassen ist. Verrückt! ODER?
LG Tanja

Beitrag von belala 03.10.10 - 14:05 Uhr

Hallo Tnaja,

nicht zugelassen heißt, dass es nicht ausreichend Studien gab (welche Mutter nimmt denn gern mit ihrem Baby an Studien teil?).
Diese Medikamente laufen dann unter "off label use".
Soll heißen, dass deren Wirksamkeit und Dosierung zwar bekannt und erprobt sind, aber eben nicht zugelassen für Kinder unter 12 Jahren oder Kinder unter 5kg usw usf.
Das heißt aber nciht, dass sie Schaden anrichten!!!

In der Erwachsenenwelt ist es nicht anders.
Ich bin ein gutes Bsp.
Mußte Heparin und ASS in der gesamten Ss nehmen, aber zugelassen für Schwangere sind diese Medikamente nicht, weil gar keine Studien an Schwangeren gemacht werden.
LG, belala

Beitrag von kati543 03.10.10 - 14:47 Uhr

Das Problem ist einfach, dass einige Medikamente zwar gesichert bei älteren Kindern oder Erwachsenen helfen, aber bei Frühchen oder Kleinkindern hat man einfach keine Erfahrungswerte. Was tun, wenn ohne Medikamente das Baby/Kind in Lebensgefahr schwebt? Man gibt die Medis für Ältere und dosiert geringer in der Hoffnung, dass es klappt - so nach dem Motto "schlimmer kann es nicht werden". Leider geht es manchmal eben auch schief.
Mein Jüngster konnte im Alter von 1 Jahr nichts mehr essen - die Medis waren nur für Erwachsene zugelassen. Sie haben geholfen. Die Medis, die ich in der SS nehmen musste, waren nicht zugelassen dafür - für mich gab es aber keine Alternative. Das Resultat ist eine Valproatembryopathie bei beiden Kindern. Mein Großer ist "nur" schwerbehindert - der Kleine ist schwerst mehrfachbehindert.
Es kommt eben immer auf die Situation an und auf die Alternativen.

Beitrag von usajulie 03.10.10 - 14:59 Uhr

Kann ich nur so bestätigen.
Also mir ist lieber dass sie es mit diesen Medikamenten versucht haben als garnicht.
Klar, wer testet denn kranke unter 1000g Frühchen auf Medikamente, das geht doch nicht.
Quasi muss man wohl auf die Tests verzichten, da aber auf Erfahrungen bei Älteren zurückgreifen.
Leider geht das halt bei manchen schief, aber man weiss auch nicht was ganz ohne den Versuch passiert wäre.
zB: keine Hirnbltutung durch dies Medikament, dafür wären aber evtl die Lunge zusammengefallen?
Unser Inhalationsspray ist auch nicht für so Kleine, weiss ich, hab ich gelesen, aber man muss halt auch vertrauen. Er brauchts und gut ist, alles gut.

Liebe Grüßchen
Julie

Beitrag von tragemama 03.10.10 - 17:48 Uhr

Ja, ich wusste, dass das Usus ist. Was sollen die Ärzte denn machen, wenn es keine notwendigen Medikamtente mit Frühchen-Zulassung gibt?

Andrea

Beitrag von susa31 03.10.10 - 17:57 Uhr

das ist nicht nur bei medikamenten für frühchen, sondern auch bei welchen für ganz "normale" kleinkinder so. es gibt halt kaum gesicherte studien; was ja auch wieder verständlich ist.
hättest du ein medikament abgelehnt, mit dem die ärzte zwar gute erfahrungen gemacht haben, das aber formal nicht zugelassen ist? ich glaube, ich nicht.

Beitrag von yale 03.10.10 - 20:36 Uhr

Also ich bin froh das sich leon´s Arzt darüber hinweggesetzt hat.

Er hat damals auch ein Medikament bekommen was für Frühchen kaum erforscht ist und nicht zugelassen war/ist(?),und es hat geholfen.

Klar gab es Nebenwirkungen,aber sie stehen in keinem vergleich zu den Schäden die er erlitten hätte.

Wäre er nicht behandelt worden wäre er wohl nicht das fröhliche und lebenslustige Kind was er heute ist.

Er hat somit auch en einer Studie teilgenommen,aber wir hatten keine Wahl und keine alternative Therapie.

Der Doc hat auch noch in der Therapeiphase seine ergebnisse dem Forschungsausschuss vorgetragen und man kann nur hoffen das andere Ärzte ebenso reagieren wie er.