Tochter "springen" lassen... Pro und Kontra?

Archiv des urbia-Forums Kids & Schule.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von gedankenspiel 03.10.10 - 17:02 Uhr

Hallo,

ich habe das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben:

Meine Tochter war ein "Kann-Kind".
Nach Rücksprache mit dem Kindergarten und aufgrund der Tatsache, dass sie sich auf sozialer Ebene nicht recht mit der Vorschulgruppe anfreunden konnte, eine niedrige Frustationsgrenze hatte, was ihre Arbeit anging (kleine Perfektionistin) entschieden wir uns dafür, sie ein Jahr später zusammen mit ihren Freundinnen zu schicken.

So langsam stellt sich aber heraus, dass ihr eine frühere Einschulung vielleicht doch gut getan hätte (sie konnte damals schon kurze Wörter lesen und schreiben, rechnen im Zehnerbereich ohne Probleme):

Sie ist in ihrer Klasse (mittlerweile die 2.) ganz vorne dabei.
Versteht direkt, welche Aufgaben ihr gestellt werden und führt sie selbständig aus.
Ihr mathematisches Verständnis ist hervorragend.
Sie rechnet nach wie vor sehr schnell, hat auch das zehnerübergreifende Prinzip verstanden.
Am Liebsten würde sie viel schneller lernen:
Von ihren großen Schwestern hat sie sich das Malnehmen abgeschaut und das Prinzip sofort kapiert.
Neulich gab es fast Tränen, weil die Lehrerin ihr gesagt hat, dass das 1x1 erst am Ende des Schuljahrs dran kommen wird.

Lesen und Schreiben klappt ebenfalls super.
Ich habe das Gefühl, sie wird ein bißchen "ausgebremst".
Meine Tochter ist ein unheimlich lernwilliges Kind und sie sagt selbst, dass es ihr zu langsam geht.
Manchmal ist sie abwesend im Unterricht (laut Lehrerin wirkt sie traurig).
Sie braucht meist Zusatzaufgaben, weil sie das "normale" Pensum sehr schnell und meist richtig schafft, die anderen Kinder aber noch nicht fertig sind.

Ich habe mit der Lehrerin gesprochen und meine Überlegungen geäußert.
Sie möchte meiner Tochter nächste Woche gerne Arbeitsblätter der 3. Klasse geben, um zu sehen, wie sie damit zurecht kommt.
Trotzdem ist sie eher gegen das Springen, weil

a) das Schuljahr schon angefangen hat
b) die 3. Klasse einige Veränderungen mit sich bringt, z.B. Benotung und längere Schulzeit, sie hatten das kleine 1x1 schon und schreiben mit Füller, haben schon einige Arbeiten geschrieben etc.

Da zum Halbjahr die Lehrerin der 3. Klasse wechselt (geht in Rente) dachte ich mir, wenn - dann wäre dann der geeignete Zeitpunkt.

Wie sind eure Erfahrungen zum Thema "Springen"?
War es im Nachhinein eine gute Entscheidung oder würdet ihr diesen Schritt nicht wieder tun?

Für eure Erfahrungen wäre ich sehr dankbar.

Liebe Grüße,

Andrea

Beitrag von knutschka 03.10.10 - 17:12 Uhr

Hallo,

an erster Stelle: Was möchte deine Tochter?

Bei mir stand es damals selbst nicht nur einmal zur Debatte, ob ich springe, aber ich wollte das nie im Leben... Nicht aus Leistungsangst, sondern weil ich mich sozial sehr gut aufgehoben gefühlt habe und das nicht aufgeben wollte... Ich bin froh, das meine Eltern das damals akzeptiert haben.

Wenn deine Tochter mit dem Springen einverstanden wäre und die Lehrerin es befürwortet, würde ich es zum Halbjahr wagen. Allerdings sollte euch bewusst sein, dass deine Tochter am Anfang recht viel aufarbeiten muss. Das sollte ihr aber Spaß machen und keinen Druck erzeugen...

LG Berna

Beitrag von gedankenspiel 03.10.10 - 17:14 Uhr

Sie würde wollen.

Dass da erstmal viel auf sie zukommen würde, ist ihr bewusst.
Wir haben das besprochen (was wäre, wenn...) und sie sagt, dass sie dann wohl erstmal nicht eine der besten Schülerinnen wäre - allerdings scheint sie das nicht großartig zu belasten.
Der Lernwille ist stärker.

Beitrag von anja1968bonn 03.10.10 - 17:47 Uhr

Hallo,

habe weiter unten schon zu derselben Frage gepostet - mein Sohn ist von der 1. in die 2. Klasse gesprungen, die Probephase in der 2. Klasse begann Anfang Dezember und ging bis Ende Januar, also zum Halbjahr.

Bei uns war es umgekehrt: Die Lehrerin der 1. Klasse hat ein Springen meines Sohnes befürwortet, seiner jetzigen Klassenlehrerin wäre es wohl lieber gewesen, nicht noch einen Buben mehr zu bekommen: Sie hat eine schwierige Klasse (15 Jungen, 7 Mädchen), die sie mit harter Hand regiert, urteilt oft vorschnell (die Hälfte der Kinder hat ihrer Meinung nach Therapiebedarf) und ist oft sehr unsensibel mit den Kindern.

Aber: Mein Sohn fühlt sich in seiner neuen Klasse wohl (einige Kinder kannte er auch schon aus der OGS), hat dort einen richtigen Freund gefunden, liegt von den Leistungen her in den meisten Fächern bei "gut" und hat sich mit der Lehrerin irgenwie arrangiert.

Vielleicht kannst Du ja einfach mal mit Lehrern der 3. Klasse sprechen, was den Unterrichtsstoff angeht und auch, welche Klasse bzw. welcher Lehrer denn in Frage käme. Anstrengend für meinen etwas chaotischen Sohn ist in der 3. Klasse die höhere Anforderung an die Selbstorganisation. Und der Stundenplan ist schon voll (3 x 6, 2 x 4 Stunden), vom Stoff her hat er aber keine große Mühe.

Euch alles Gute für die Entscheidung wünscht

Anja

Beitrag von farina76 03.10.10 - 19:31 Uhr

Hmmmm immer schwierig finde ich.

Ich würde auch mal deine Tochter fragen was sie will.

Ich kann nur von mir berichten. Ich war auch einige Klassen gelangweilt. Meine Eltern haben dann versucht mich außerschulisch mehr zu fordern. Das hat eigentlich ganz gut geklappt und im Gymnasium hat es schnell angezogen so dass ich mich keinesfalls gelangweilt habe.

Vielleicht versucht du da etwas neues mit ihr was sie mehr an ihre Grenzen bringt. Im Sport oder ein zusätzliches Instrument. Wo sie ihre Power mehr ausleben kann und nicht so sehr versucht nur in der Schule mehr zu lernen.

LG Sabine

Beitrag von lena10 03.10.10 - 20:40 Uhr

Hallo,

ich antworte dir mal als Grundschullehrerin:

Das, was du berichtest, klingt für mich nicht ausreichend fürs Überspringen! Es gibt in jeder Klasse Kinder, die so sind, wie du deine Tochter beschreibst - das muss man als Lehrer mit Zusatzaufgaben abfangen können! Ich selbst war schon vor über 30 Jahren so, aber das hat sich im Gymnasium dann sehr schnell gelegt.

In den letzten 12 Jahren habe ich genau zwei Überspringer erlebt: Ein Kind habe ich überspringen lassen, eins habe ich "bekommen". Beide waren und sind immer noch echte Überflieger, wahrscheinlich sogar hochbegabt (wurde nie getestet).
Trotzdem war es für beide nicht einfach: Neues soziales Umfeld, neue Lehrer, neue Anforderungen und es hat seine Zeit gedauert, bis alles wieder in geordneten Bahnen lief.

Bei euch würde ganz klar dagegen sprechen, dass ein Sprung ins laufende 3. Schuljahr vorgenommen würde - vom 1. ins 2. wäre wesentlich einfacher gewesen (aus den Gründen, die du selbst oben angeführt hast).

Ich finde Überspringen wirklich sehr schwierig für ein Kind und nur sinnvoll, wenn es wirklich nicht anders geht. Wenn der Fall bei euch "nur" so ist, wie du oben schilderst, würde ich mit der Lehrerin reden, ob deine Tochter sinnvolle Zusatzaufgaben (Knobeleien, etc. ) haben kann und das Kind außerdem noch außerschulisch fördern (Instrument, Sport, Kunst, o.ä.).

Gruß, Lena

Beitrag von lisabet 04.10.10 - 10:44 Uhr

Hallo Lena,

welche Voraussetzungen erfüllten deine beiden Schüler?
Die Antwort (von einer Frau vom Fach) fände ich jetzt ganz interessant.

Danke und LG Lisabet:-)

Beitrag von lena10 04.10.10 - 14:11 Uhr

Hallo Lisabet,

das war bzw. ist unterschiedlich.

Das Kind, das ich "habe überspringen lassen", war ein Junge, der mit Fähigkeiten in die Schule kam, die andere Kinder erst am Ende des 1. Schuljahres erreichen (wenn überhaupt). D.h. er konnte fließend (!) und sinnerfassend lesen, nicht nur lauttreu, sondern mit ersten Rechtschreibmustern schreiben und weit in den 100er-Raum hinein rechnen. Ich habe anfangs versucht ihn mit zusätzlichen Aufgaben zu fördern, bin aber schnell an meine Grenzen gestoßen, da er Anforderungen brauchte, die man ihm erst einmal etwas ausführlicher hätte erklären müssen (z.B. Schreibschrift lernen, Sachaufgaben rechnen) - und dazu bleibt in einem ersten Schuljahr mit noch weiteren 25 Lernanfängern einfach keine Zeit.
Die Eltern haben mit ihm dann zu Hause die Schreibschrift eingeübt und er ist nach den Herbstferien ins zweite Schuljahr gesprungen. Somit hat er dort z.B. das Lernen des 1x1 sofort mitbekommen - der Zeitpunkt war günstig!
Er hat in der neuen Klasse eine Zeit gebraucht um sich einzugewöhnen und ist durchaus im sozialen Bereich noch eine Weile aufgefallen (ermüdete z.B. schneller, etc.), aber er war leistungsmäßig immer im oberen Bereich, hat sich spätestens im 3. Schuljahr endgültig integriert und geht z.Z. auf den Begabtenzweig eines Gymnasiums...

Das zweite Kind ist ein Mädchen, das letztes Schuljahr von der 1. in "meine" 2. Klasse gesprungen ist. Dieses Kind war nicht nur intellektuell völlig unterfordert, sondern hatte durch das bei ihr tatsächlich verlorene Jahr im Kindergarten jegliche Motivation und Lernfreude verloren. Sie hatte besonders zu Hause solche Ausraster, das sich die Eltern keinen Rat mehr wussten. Inzwischen ist sie ausgeglichen, in meiner Klasse völlig integriert und leistungsmäßig im oberen Bereich - aber noch lange nicht Klassenbeste, da sie noch Schwierigkeiten hat, das Tempo der anderen Schüler mitzugehen. Bei ihr besteht auch der Verdacht auf Hochbegabung.

Von beiden Kindern sind die Mütter Grundschullehrerinnen und beide bedauern es zutiefst ihre Kinder nicht vorzeitig eingeschult zu haben, da der Weg um ein Vielfaches leichter gewesen wäre!
Das ist übrigens auch meine Meinung: Nicht die vorzeitige Einschulung schlecht reden, sondern im Einzelfall genau entscheiden, ob das nicht doch besser fürs Kind wäre!

LG LEna

Beitrag von lisabet 04.10.10 - 16:04 Uhr

Das war sehr interessant mal aus der Sicht einer Grundschullehrerin zu hören. Danke.

LG Lisabet

Beitrag von froehlich 04.10.10 - 21:29 Uhr

Zitat: Nicht die vorzeitige Einschulung schlecht reden, sondern im Einzelfall genau entscheiden, ob das nicht doch besser fürs Kind wäre!

Ja, das stimmt schon, NUR: mir fällt einfach auf, daß heutzutage wahnsinnig viele Eltern schon im Kindergarten meinen, ihr Kind sei überdurchschnittlich begabt (wenn nicht hochbegabt) nur, weil es Buchstaben und Zahlen lesen und schreiben kann oder vielleicht sogar ein bisschen lesen. Meiner Erfahrung nach interessieren sich die meisten Kinder ab etwa 4 Jahren für Zahlen und Buchstaben und viele tun sich extrem leicht damit, mit dem Lesen und Schreiben zu beginnen. Das hat aber noch nix mit einem superschnellen Intellekt zu tun - und schon gar nichts mit sozialer Reife. Sondern einfach nur mit dem überbordenden Ehrgeiz der Eltern.

Beitrag von lena10 04.10.10 - 21:47 Uhr

Das ist mir völlig klar - und von solchen Kindern rede ich auch nicht!

Deshalb schrieb ich "Im Einzelfall GENAU entscheiden, ob....", denn es gibt trotz allem Kinder, denen ein verlorenes Jahr im Kindergarten tatsächlich schadet (und ja, das habe ich durchaus schon erlebt!).
Diese Entscheidung sollte man auch nie nur vom Urteil der Eltern abhängig machen!

Beitrag von froehlich 04.10.10 - 21:55 Uhr

Da haste recht! :-)

Wir haben 2 Jahre lang in Vietnam gelebt. Dort lernen ALLE Kinder bereits mit 4 Jahren lesen, schreiben und rechnen. Ist natürlich Drill, aber hier würden alle Bauklötze staunen, wenn sie diese kleinen Stopse sehen würden. Mein Sohn ist mehrsprachig aufgewachsen und war als Kann-Kind letztes Jahr wirklich schon fit. Trotzdem bereue ich es in keinster Weise, ihn erst dieses Jahr in die Schule geschickt zu haben. Ist doch super: er tut sich extrem leicht, geht gerne zur Schule, ist schnell mit den Hausaufgaben fertig und hat viel Zeit, sich seinen Hobbies zu widmen. Ihm ist es nicht so wichtig, allen anderen voraus zu sein. Ist vielleicht auch ein "Jungens-Ding". ;-) Ich glaube, die Mädchen sind generell ehrgeiziger und machen sich mehr Stress wenn sie das Gefühl haben, zu "langsam" zu lernen.

Beitrag von lena10 04.10.10 - 22:15 Uhr

Ja, das ist in Asien wohl recht verbreitet. Klar, Kinder in dem Alter lernen extrem schnell!

Mein Sohn ist dieses Jahr als Kann-Kind zur Schule gekommen und ich bereue diese Entscheidung bisher auch noch nicht ;-).
Er ist mit Sicherheit ziemlich clever, aber der Hauptgrund, warum er seinen Altersgenossen kognitiv so voraus war/ist, ist seine Umgebung hier zu Hause. Beide Eltern lesen gerne und viel, ich arbeite nachmittags hier und er ist mit den ganzen Schul-Materialien aufgewachsen und durfte sie immer anschauen. Ich habe nie mit ihm gelernt, aber er hat sich schon immer für alles interessiert und sich so z.B. auch Lesen und Schreiben selbst (!) beigebracht. Er ist allerdings auch extrem ehrgeizig und will alles lernen - ihm hätte noch ein für ihn schrecklich langweiliges Kiga-Jahr nicht gut getan. Bisher läuft es hier auch alles super.

Allerdings haben wir auch ganz viele andere Leute um Meinungen gebeten: Erzieherinnen, Kinderarzt, Amtsarzt und meinen Chef, der jahrzehntelange Erfahrung hat und einen Einschulungstest mit Sohnemann gemacht hat. Wenn diese Leute sich nicht alle einig gewesen wären und zur Einschulung geraten hätten, hätten wir es nicht gemacht!

Beitrag von froehlich 04.10.10 - 22:28 Uhr

Kann ich sehr gut nachvollziehen. Ist ja dann auch eine wirklich fundierte Entscheidung. Mich regt einfach nur dieses Gedöns auf, das in Deutschland heute (wie ich sehe) oft um die Kinder gemacht wird. Wie gesagt: 2 Jahre Asien, vorher 5 Jahre Afrika (mit intensivem Einblick in die internationalen Schulen dort, wo die Kinder ja ebenfalls viel früher als hier mit dem Unterricht beginnen) - und man geht die Schule wesentlich entspannter an. Man könnte ja manchmal meinen, hier rennen lauter kleine Einsteins rum. Mir tun die GrundschullehrerInnen leid, die von besorgten, eifrigen und manchmal hysterischen Eltern schon am ersten Elternabend gefragt werden, ob das Kind nicht unterfordert ist und eine Klasse überspringen sollte (selbst gehört, nach DREI Tagen in der Schule, ungelogen....ich hab mich nicht mehr eingekriegt). Naja. ICH möchte keine Lehrerin sein, Dir meine allerhöchste Bewunderung.

Und einen schönen Abend! ;-)

Beitrag von lena10 04.10.10 - 22:33 Uhr

Danke! ;-)

Ja, diese Eltern gibt's wirklich, wobei mir die noch nicht soo häufig begegnet sind!

Viel schlimmer finde ich die Eltern, die meinen, ihr Kind müsste in Watte gepackt werden (ins Klassenzimmer bringen noch im 2. Schuljahr, bloß keine aktuellen Ereignisse aufgreifen, etc.) oder wäre der Nabel der Welt....

Aber um deine Erfahrungen beneide ich dich - das war sicher hochinteressant! Was hast du denn für einen Job (oder dein Mann), dass es dich so weit in die Welt verschlägt?

Gute Nacht!

Beitrag von froehlich 05.10.10 - 21:49 Uhr

Mein Mann und ich sind beide in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. (Ausserdem bin ich Ethnologin und sozusagen schon seit meiner Zeit auf der Universität ständig auf Achse ;-)..). Ja, war und ist superspannend.....wir hatten auch immer sehr abenteuerliche Einsätze...in Norduganda an der Grenze zum Südsudan, in Lesotho mein Mann, viele Aufenthalte in Südafrika und 2 Jahre in Vietnam... . Das prägt. Unser älterer Sohn ist im afrikanischen Busch aufgewachsen, dies zum Thema "in Watte packen" :-). Die Rückkehr nach Deutschland war ein Kulturschock. Aber wir halten es für wichtig, daß unser Großer (mittlerweile haben wir noch einen 1-jährigen Buben) die ersten 4 Grundschuljahre in Deutschland verbringt. Er soll seine Wurzeln kennen und hier sozialisiert werden. Zumindest ein paar Jahre lang. Bewährt sich auch so. Er hat eine super Grundschullehrerin, die er heiß und innig liebt (jetzt schon). Die Mit-Eltern sind für mich teilweise SEHR gewöhnungsbedürftig (O-Ton: "mein Kind soll aber bitte immer in der ersten Reihe sitzen...."; "WIE, die haben 2 Stunden Religion pro Woche?! Ich denke, die sollen was lernen..."; "Gibt's denn da nicht andere Arbeitshefte....mein Kind ist nämlich schon beim Mal-Nehmen...."). Herrlich. Aber klar, es sind nicht alle so....; das WÜNSCH ich Dir zumindest!!!!

LG, Babs

Beitrag von lena10 06.10.10 - 08:38 Uhr

Wow, das nenne ich mal einen Lebenslauf ;-)! Finde ich sehr beeindruckend! Du kannst bestimmt eine Menge erzählen und hast vieles erlebt, was wir uns nicht einmal vorstellen können....

Mein Mann hat eine (alleinstehende) Tante, die ihr Leben lang für eine Jugend-Förder-Stiftung in allen möglichen Ländern der Erde war - ich liebe es, ihr zuzuhören, wenn sie darüber erzählt!
Für mich wäre das allerdings nichts, dafür wäre ich wohl zu "zivilisations-verwöhnt"...#hicks

Aber die Eltern, die du beschreibst, kenne ich auch! Mir wurde schon vorgeworfen, ich sei es Schuld, dass das Kind in die Hose gemacht hätte, weil ich es nicht schon zur Toilette geschickt hatte, BEVOR es fragte, oder ich war an Alpträumen und Angstzuständen schuld, da wir Lehrer damals die Ereignisse in Winnenden aufgegriffen haben ("Nein, mein Kind hätte das sonst NIE mitbekommen, das darf so etwas nicht hören!"), etc.

Zum Glück sind aber wirklich nicht alle so, nur leider bekommt man von den "normalen" nie was mit - man hört nur was von den anderen...

LG Lena

Beitrag von froehlich 06.10.10 - 12:47 Uhr

Das werde ich mir merken......;-)..und der Lehrerin den Rücken stärken. Ich war ja schon so verwundert, weil sie gleich zu Beginn begeistert meinte, unser Sohn sei eine Wohltat...sozial, aufmerksam, nicht vorlaut. Ich dachte eigentlich, das sei normal (ist es sicherlich auch für viele, viele Kinder!). Aber eben: es sind nun mal die anderen Kinder und Eltern, die auffallen. Insofern: ich finde Deinen Beruf toll, hoffentlich hast Du viel Kraft und Energie, auch weiterhin!!!#klee

Babs

Beitrag von lena10 06.10.10 - 14:05 Uhr

Ich werde mir Mühe geben ;-)!

LG Lena

Beitrag von graupapagei4 05.10.10 - 06:31 Uhr

Mädchen mögern vielleicht ehrgeiziger sein, aber passen sich in der Regel an. Jungs reagieren auf Unterforderung viel häufiger mit Verhaltensauffälligkeiten.

Mein Sohn machte die extreme Unterforderung seiner Lehrerin deutlich - schwatzen, nicht hinten in einer Stunde 45x umdrehen, vor sich hin brummen ....

Töchterlein versuchte sich anzupassen - bis zur Selbstaufgabe.

Übrigens sich leicht tun, extrem schnell mit den Hausaufgaben fertig sein, viel Zeit für Hobbies hatten meine trotz früher Einschulung.

Beitrag von marathoni 03.10.10 - 21:16 Uhr

Ich würde zur schulpsychologischen Beratungsstelle mit ihr gehen, sie testen lassen und dann wahrscheinlich als Resultat sie in die nächste Klasse gehen lassen.

Beitrag von sabine301180 03.10.10 - 23:08 Uhr

Unsere große Tochter ist mit 11, im Dezember wird sie 12, in der 7.Klasse Gymnasium. Von ihrer Leistung wäre es denkbar sie eine Klasse überspringen zu lassen.

Dagegen spricht bei ihr, dass sie sich in der Klasse sehr wohlfühlt, viele Freunde hat, anerkannt ist und nicht als Streberin gilt. Ausserdem ist sie die jüngste in der Klasse, weil sie bereits mit noch 5 eingeschult wurde.

Von der schulischen Anforderung, würde ich empfehlen dass sie eine Klasse überspringt. Ob ein Springen sinnvoll ist liegt daran - wie es im sozialen Umfeld Deiner Tochter aussieht.

Liebe Grüße
Sabine

Beitrag von froehlich 03.10.10 - 23:12 Uhr

Ich stimme Lena zu. Ein starker Lernwille, Ehrgeiz und eine rasche Auffassungsgabe sind noch kein Indikator für "überfliegendes" Klassenspringen. All das, was Du beschreibst kenne ich von meinem Sohn auch (und er ist da auch nicht der einzige in der Klasse). Auch mein Sohn war ein "Kann"-Kind und wurde jetzt mit knapp 7 eingeschult, weil wir uns letztes Jahr gegen die frühzeitige Einschulung entschieden haben. Wir sind der Meinung, daß dies gut so war. Und so, wie Du Deine Tochter beschreibst (vor allem die mangelnde Frustrationstoleranz im letzten Jahr) war Eure Entscheidung ebenfalls richtig. Ich denke es ist ganz normal, daß "Kann-Kinder", die erst später eingeschult werden anderen Kindern voraus sind und die Dinge ein wenig fixer erledigen. Dieser Vorsprung kann aber auch bald wieder zu Ende sein, das kann man zu Beginn der 2. Klasse noch nicht überblicken. Sieh lieber zu, daß Du Deiner Tochter im ausserschulischen Bereich Herausforderungen stellst - mein Sohn zum Beispiel lernt Klavier, ist in der musikalischen Früherziehung und macht Sport. Damit lastet Du Dein Kind aus, förderst es und läßt sie gleichzeitig in ihrem vertrauten Umfeld, in dem sie (jetzt noch) glänzen kann. Ein Sprung in die 3. Klasse würde u. U. bedeuten, daß Deine Tochter plötzlich dann doch überfordert ist. Du sagst, ihr ist das klar - das ist aber meiner Meinung nach (sorry!) Quatsch. Wie soll ein Kind ihres Alters das bereits überblicken können? Sie kann doch die Tragweite einer solchen Entscheidung gar nicht erfassen! Das müsst schon Ihr als Eltern (vielleicht gemeinsam mit der Lehrerin) übernehmen. Und Euch deshalb die Sache gut überlegen.

Gruß, Babs

Beitrag von graupapagei4 04.10.10 - 07:08 Uhr

Mein jüngstes Schulkind ist direkt von 1 nach 3 gesprungen. Was du schreibst, klingt für mich für einen Sprung nicht ausreichend.

Der Unterschied zwischen der 2. und 3.Klasse ist schon deutlich. Das Prizip des 1x1 zu kennen und das 1x1 zu beherrrschen und zwar im Schlaf einschließlich Division sind 2 verschiedene Dinge. Das wird aber in Klasse 3 vorausgesetzt. Ferner muss der Zahlenraum bis 100 absolut sicher behrrscht werden und das Kind sollte schon Erfahrungen mit Sachaufgaben gemacht haben.

In Deutsch hat unser Sohn mit dem Schreibtempo zu tun, obwohl er am Ende der 1.KLasse die Schreibschrift schon durch hatte. Dennoch ist er es nicht gewohnt, seitenweise seine Hefte zu füllen.

In Deutsch wurde zumindest bei uns schon einiges in der Grammatik gemacht, da fehlten ihm dann die Begriffe.

Bei einem Sprung zum Haolbjahr muss man bedenken, dass es in der 3.Klasse mit dem Stoff ja auch voran geht, d.h. zusätzlich zu den Lücken aus der 2.KLasse müsste der Stoff der 3.Klasse bearbeitet werden.

Ist immer eine schwere Entscheidung, aber wenn ein KInd nur ein wenig schneller ist, reicht das m.E. nicht für einen Sprung.

Beitrag von woodgo 04.10.10 - 09:47 Uhr

Hallo,

nicht falsch verstehen, aber sind heut zu Tage nicht fast alle Kinder schon soweit, daß sie in der ersten Klasse schon lesen und schreiben können und ihnen deswegen langweilig ist? Sollte jedes dieser Kinder die erste Klasse auslassen? Schwierige Sache.

LG

  • 1
  • 2