Familie mischt sich in Erziehung ein

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von sanni582 03.10.10 - 19:59 Uhr

Hallo ihr lieben,

würde gerne mal wissen, wie ihr reagiert, wenn eure Familie sich in die Erziehung einmischt.

Gestern waren wir bei meinen Eltern gewesen. Normalerweise bekommen unsere Kinder nicht viel Süßigkeiten. Da wir gestern Geburtstag gefeiert haben, durften sie natürlich auch mit Kuchen essen. Die beiden sind jetzt 1 3/4 Jahre alt. Es waren auch Salzstangen auf dem Tisch. Irgendwann meinte meine Schwester zu meiner Tochter es gibt nichts mehr. Wie würdet ihr da reagieren?

Anderer Fall: Meine Mäuse wollen nun alles alleine machen und versuchen auch schon, sich selber auf Stühle zu setzen. Wir lassen sie, weil wir sie natürlich nicht in ihrem Willen, es alleine zu versuchen, stören wollen. Meine Schwester meint, das muss nicht sein. Natürlich probieren sie es immer wieder, ist also ein ständiges auf und ab. Meine Mutter hat nichts gesagt. Lasst ihr sie oder dürfen sie das nicht?

Auch hat meine Schwester den Kinder schon einmal Süßigkeiten gegeben, wo ich vorher zu den Kindern gesagt habe, das wir jetzt keine Essen, da es gleich Abendessen gibt. Meine Schwester hat beiden trotzdem etwas gegeben: ich habe ihr gesagt, dass ich das nicht möchte und nein gesagt habe. Das hatte sie akzeptiert.

Ich habe halt das Gefühl, dass auch wenn wir da sind, sich alle in die Erziehung einmischen. Streiten sich die Kinder, geht meine Familie dazwischen. Wir werden irgendwie ignoriert.

Wie soll ich damit umgehen? Was empfehlt ihr mir?

Liebe Grüße
Sanni

Beitrag von bibuba1977 03.10.10 - 21:06 Uhr

Hi Sanni,

steh einfach drueber...

Beim ersten Beispiel wuerde ich einfach demonstrativ meinem Kind sagen, dass es natuerlich noch was haben kann, wenn es moechte. Die meisten Leute moegen es nicht, wenn man ihnen so ueber den Mund faehrt und lassen solche Aktionen in Zukunft dann auch. ;-)

Das mit den Stuehlen laesst sich doch eh dauerhaft kaum vermeiden. Was anderes waere es natuerlich, wenn die Kleinen auf der Couch rumhuepfen oder so. Aber auf einen Stuhl rauf- und wieder runterklettern ist voellig normal. Und das staendige Ausprobieren gehoert halt bei Kindern dazu.

Dass du deiner Schwester ganz klar Grenzen aufzeigst, wenn du zuvor eine Regel aufgestellt hast, finde ich gut und wichtig. Ich finde, du hast prima reagiert, wenn du das klargestellt hast.

LG
Barbara

Beitrag von sassi31 04.10.10 - 01:36 Uhr

Hallo,

ich würde konsequent einschreiten, wenn ich die Einmischung nicht möchte. Es sind eure Kinder und ihr entscheidet, wie sie erzogen werden.

Was anderes ist es, wenn ihr zum Beispiel eure Kinder alles anfassen lasst und das auch bei deinen Eltern oder deiner Schwester zuhause. Da kann ich es verstehen, wenn die Leute sich einmischen. Ich würde auch nicht wollen, das fremde Kinder (also nicht die Eigenen) meine Regale ausräumen und alles anfassen. Allerdings würde ich da zuerst erwarten, dass die Eltern das verhindern. Kommt da nichts, würde ich etwas sagen. Auch, wenn es den Eltern dann nicht passt.

Bei deinen genannten Beispielen allerdings, würde ich ihnen sagen, dass sie das nichts angehen/sie das nicht zu entscheiden haben/ich es verboten habe usw.. So lange und so oft, bis die Einmischung aufhört.

Gruß
Sassi

Beitrag von redrose123 04.10.10 - 05:37 Uhr

Hast du vorher denn auch zu deiner Schwester gesagt das Ihr gleich zu Abend esst? Wenn nicht woher soll sie dies wissen?

Und sie aktzeptiert ja wenn du sagst das es so und so läuft.....Und ich denke es ist doch normal das wenn Kinder sich streiten das auch, ich sag jetzt nicht Fremde, sondern die Tante sich mal einmischt und schlichten will....Ich würde drüber stehen damit erziehen sie ja deine Kinder nicht....

Beitrag von goldi1708 04.10.10 - 08:30 Uhr

Hallo,

ich hab selbst so eine komplizierte/einmischende Familie. Ich würde in diesen Fällen, wenn dir etwas nicht passt, was sie machen. Meine Schwester zur Seite nehmen und ihr klar machen, dass ich bestimmte Dinge nicht möchte.

Also, was meine Kinder essen und wenn sie selbständig ihre Wege gehen wollen, dass sich meine Familie da einmischt, würde ich ihr sagen, dass es mich stört.

Du kannst ja auch hinterfragen, was das eben sollte!?

Aber auf jeden Fall nicht direkt vor den Kindern, da sonst eurer beider Autorität begraben werden kann und deine Schwester sich dann vielleicht angegriffen fühlt.

VG Janine

Beitrag von marion2 04.10.10 - 20:15 Uhr

Hallo,

"Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen."

Ihr werdet nicht ignoriert, sondern ergänzt. Entspann dich!

Dass deine Schwester eine andere Stresstoleranzgrenze als deine Mutter/du hat, kann für deine Kinder zu einer wertvollen Erfahrung werden.

Gruß Marion

Beitrag von jazzbassist 04.10.10 - 21:03 Uhr

Meine Familie besteht - grob - eigentlich nur aus meinem Bruder, da meine Eltern ein paar tausend Kilometer entfernt auf einen anderem Kontinent leben.

Mein Bruder und seine Frau haben ziemlich früh Kinder bekommen, so, als unser Sohn auf die Welt kam, deren beiden Töchter beide schon in der Schule waren. Ich fand, dass mein Bruder und meine Schwägerin eine ungemein große Hilfe waren, da die viele Dinge schlechtweg schon mit ihren Töchtern erlebt und durchgestanden hatten. Sich dort Rat zu holen, war oftmals sehr hilfreich und hat meiner Frau und mir sicherlich ab und an mal auch ein paar Nerven gespart.

Die haben auch im Haus gegenüber gewohnt und, folglich waren wir in der Familie ziemlich häufig zusammen, so, dass das Thema Kinder/Erziehung etc. ganz zwangsläufig immer wieder aufkamen; da die Kids einfach zu aktiv waren. Halt einfach Situationen - die der Alltag geschaffen hat. Als bei Ihrer Salzstangen-Situation hätte ich mich sicherlich auch gemeldet und gesagt, dass dass eine Entscheidung ist, die ich lieber alleine treffen möchte. Wenn ich dabei bin, muss m.E. kein Fremder (egal ob Verwandtschaft oder nicht) meinem Sohn etwas verbieten, sondern, darf sich sehr gerne an mich wenden.

Also ihre Stuhlsituation kann ich leider nicht beantworten - da ich als Erwachsener ja auch eine Schmerzgrenze habe, und, bevor ich da den ganzen Tag neben einen Stuhl gestanden hätte um aufzupassen, dass meinem turnenden Sohn da nichts passiert - hätte ich das sicherlich schon nach einer gewissen Zeit unterbunden. Aber nicht, weil ich das für den besseren/schlechteren Erziehungsansatz halte (hier würde ich den Erziehungsfaktor ziemlich minimal einschätzen), sondern einfach, weil auch ich eine Belastungsgrenze habe.

Das mit den Süßigkeiten haben wir in der Familie ziemlich identisch gehandhabt, von daher gab es auch solch eine Situation nie. Aber, wenn ich etwas nicht gewollt hätte, und, meine Schwägerin es dann vor meinen Augen doch getan hätte, hätte ich mich auch gemeldet und gesagt, dass ich auch das nicht möchte. Ich finde das nicht weiter schlimm; hat aber m.E. auch nichts mit „in Erziehung einmischen“ zu tun; ich denke nicht, dass ein Kind dadurch irgendeinen Schaden nimmt. Erwachsene sind nun oftmals unterschiedlicher Meinung; dass macht die Menschheit doch auch so interessant.

Mittlerweile ist mein Sohn 11 und lebt innerhalb der Woche in der Familie meines Bruders; was gerade Erziehung durchaus interessant gestalten kann. Hier ist die Abmachung (im Einklang mit unserem Sohn), dass, wenn er dort ist, die ihn erziehen und deren Regeln gelten, und, am Wochenende dass ganze entsprechend „normaler“ ist. Diese Regeln/Grenzen sind ziemlich unterschiedlich; sonderlich große Auswirkungen auf das Verhalten eines 11-Jährigen hat das aber definitiv nicht. Vielleicht wird es auch einfach nur überbewertet, ob ein Kind nun 2 Salzstangen essen darf, oder doch 3 Salzstangen (Erziehungs"fehler" liegen m.E. in ganz ganz anderen Bereichen). Ich denke - es geht bei diesem „einmischen“ eher um die Persönlichkeit der Eltern. Gerade Mütter (mit verlaubt) - fühlen sich da m.E. immer sehr schnell angegriffen, auch, wenn es die andere Seite wirklich nur gut meint; Mütter da aber eher ein: „So wie du das machst, machst du das falsch“ raus interpretieren.

Aber - wie Sie damit umgehen soll(t)en: Ich denke, so, wie Sie sich am besten dabei fühlen. Ihrem Kind schaden tut das aber sicherlich nicht - ganz im Gegenteil.