Alle Kinder haben ADHS (??)

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von shabnam85 03.10.10 - 23:52 Uhr

Hallo,

will mich echt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber mittlerweile les ich in fast jedem posting in dem es um Kinder geht die halt nicht den ganzen Tag brav lächeln, dass diese ADHS haben...und Tabletten nehmen, die sie dann "ruhiger" machen .

Sorry aber ich kann damit irgendwie nicht klar kommen, dass das wirklich bei allen Kindern plötzlich der Fall sein sollte.

Entweder sind alle Kinder hochbegabt oder/und haben ADHS...

Ich will echt niemanden verletzen, aber ich bin halt sehr kritisch, und sehe es echt als eine Art, naja was soll ich sagen ohne mich falsch auszudrücken,naja ich denke heuer sind viele Eltern mit vielen Dingen beschäftigt, und können sich nicht ganz dem "Elternsein" widmen, auch weil es die Gesellschaft nicht zulässt.Eine Frau, ist nicht "Frau genug" wenn sie "nur" Mutter ist, und viele kinder kommen halt damit nicht klar, das Mama und Papa nur am Wochenende (bedingt) Zeit haben, und das sie die restlichen fünf Tage 8 std. fremd betreut werden. Viele Kinder bekommen ihre Grenzen nicht beigebracht, weil man heuer zu viel diskuttiert, man müsse sehen was das Kind will usw. Aber können Kinder wirklich damit klar kommen, dass sie viel bei Entscheidungen mitreden dürfen und sollen ? Kann es sein, dass man mittlerweile in den "fortgeschrittenen" Ländern, immer eine Diagnose braucht, wenn etwas nicht läuft wie man es gerne hätte ?

Bitte versteht mich nicht falsch, ich will niemandem zu nahe treten, ich will nicht sagen das Mütter die arbeiten schlecht sind, wirklich nicht, ich habe nur meine Gedanken mit euch geteilt und würde gerne wissen wie ihr diese Sachen sieht ?

LG


Beitrag von sassi31 04.10.10 - 01:31 Uhr

Hallo,

ich will nicht in Abrede stellen, dass einige Kinder darunter leiden. Aber ich glaube, das ist eine Modeerscheinung und viele der angeblichen ADHS-Kinder sind einfach nur schlecht erzogen.

Genauso ist es mit der Ergotherapie. Vor einigen Jahren war das noch fast unbekannt und heute gehen total viele Kinder dorthin. Ob das immer notwendig ist, sei mal dahin gestellt. Ist aber auch eh egal, wenn es den Kindern Spaß macht und die Krankenkasse doch dafür zahlt.

Noch so eine Modeerscheinung ist Mobbing. Kaum gibt es mal Streß mit den Arbeitskollegen oder Chef, wird die betreffende Person gemobbt. Ich glaube, viele wissen nicht mal was Mobbing eigentlich genau ist.

Gruß
Sassi

Beitrag von anira 04.10.10 - 10:59 Uhr

in foren sich mit anderne austauschen ist auch ne Mode erscheinung^^

Beitrag von sassi31 04.10.10 - 13:25 Uhr

Da kann ich dir nur zustimmen ;-).

Beitrag von jazzbassist 04.10.10 - 02:47 Uhr

Meine Familie passt da glaube ich ziemlich gut ins Klischee. Ich arbeite Vollzeit, meine Frau arbeitet (wenn auch nur ehrenamtlich) Vollzeit; unser Sohn (11) hat - würde ich behaupten - schon bei vielerlei Dingen einen ungewöhnlich großen Entscheidungsspielraum und, seine Eltern sieht er nur am Wochenende, da er innerhalb der Woche woanders lebt. ADHS hat er trotzdem nicht; auch wenn der manchmal (wie seine Altersgenossen) ziemlich bescheuert sein kann :-p

Eine Diskussion über ADHS gestaltet sich jedoch ziemlich schwierig, da es bereits in der Fachwelt kaum unterschiedlichere Meinungen zu diesem Thema geben könnte. Langzeitstudien (was Methylphenidat angeht) gibt es leider nicht und Fachbeiträge, die sich mit diesem Thema beschäftigen, sind fast ausschließlich von Eli und Co. finanziert; was keine Verschwörung ist, sondern, einfach nur Kraft Natur der Sache. Als wissenschaftlich arbeitender Mensch dreht sich einem da trotzdem leicht der Magen. Niemand wird sicherlich leugnen, dass es ADHS gibt, oder, dass es viele Fälle gibt, wo Methylphenidat zumindest zur Unterdrückung der Auffälligkeiten unabdingbar ist, aber, die Drogenbeauftragten des Bundesministeriums für Gesundheit haben zur Anwendung von Methylphenidat bei ADHS mal sehr schön veröffentlich:

„……Vor diesem Hintergrund ist die Verbrauchsentwicklung von Methylphenidat, die von 1993 bis 2001 auf das 20-fache von 34 kg auf 639 kg angestiegen ist und sich bekanntlich in den beiden letzten Jahren in etwa jeweils verdoppelt hat, auch kritisch zu bewerten. Damit wird nicht in Frage gestellt, dass dieser Verbrauchsanstieg
überwiegend auf die verbesserte Therapie des ADHS zurückzuführen ist und dass derzeit insgesamt wohl noch von einer quantitativen Bedarfsunterdeckung beim Einsatz von Methylphenidat zur Behandlung des ADHS in Deutschland auszugehen ist. Dies verbietet aber nicht die Frage, ob nicht gleichzeitig auch Fehlverordnungen vorliegen, die einer missbräuchlichen Verwendung dieses hochpotenten Wirkstoffs Vorschub leisten könnten.“

Ich finde, man könnte die Problematik, die hinter ADHS (nämlich die zuverlässige Diagnose) steckt, kaum dezenter ausdrücken. Es ist m.e. durchaus problematisch, wenn eine Diagnose aus diversen unterschiedlichen Tests mit einem Kind respektive Befragungen von Eltern oder des genervten Klassenlehrer besteht, und wir nicht einfach eine Körperflüssigkeit abnehmen und sicher feststellen können: „Färbt sich grün - ist ADHS“! Ich weiß nicht, wie objektiv Eltern oder bsw. Lehrer sind. Und - wenn man ein Kind hat, dass wirklich jeden morgen eine halbe Stunde mit seinen Eltern diskutiert, wenn es allein um das anziehen geht (nicht, weil es eine psychische Störung hat, sondern einfach nur, weil es so erzogen wurde), stelle ich es mir zumindest unheimlich schwierig vor, mit so einem Kind bsw. ein Konzentrationstest zu veranstalten. Und fragen Sie mal Eltern, ob ihr Kind beim spielen meistens sehr laut ist: Ja/Nein/Häufig/Selten? Ist zwar stark übertrieben, aber, Diagnostizieren wir jetzt eigentlich noch die psychische Störung eines Kindes, oder, einfach nur noch die Schmerzgrenze der beteiligten Erwachsenen?

Also ich hoffe zumindest mal, dass, wenn sich Eltern dazu entscheiden, ihrem Kind Tabletten zu geben - die ich als Student als Drogen missbraucht hätte - diese Eltern sich diese Entscheidung sehr gut überlegt haben und auch von den Entsprechenden Ärzten/KiPsys genaustens über Wirkungsweisen und Risiken informiert worden sind und auch wissen, was die Dinger tun, und, was die Dinger eben nicht tun. Die restlichen Kinder tun mir einfach nur leid.

Die Gesellschaft unterliegt durchaus einem ständigen Wandel. Gerade Erziehung hat sich in Deutschland in den letzten Jahren ganz drastisch geändert. Andererseits - schauen wir uns die ADHS-Hochburg USA an - gab es dort diesen Wandel nur sehr bedingt - also - kann es das irgendwie nicht sein. Wobei ich schon glaube, dass Eltern, die im Kindergarten mit Ihren Kindern darüber diskutieren, ob die Schuhe nun angezogen werden, oder nicht, definitiv Verhaltensmuster fördern, die sich - wenn diese Eltern dann 2-3 Jahre später einen Fragebogen ausfüllen - wir das dort als (dann) psychische Störung durchaus wieder finden könnten (im ganz vorsichtigen Konjunktiv geschrieben :-p). Das ist nun einmal das Problem bei psychischen Störung - festzustellen, dass sie da sind; ist gar nicht so schwer. Aber - das klärt halt nicht, wie oder warum sie entstanden sind; das kann ganz rationale Gründe haben, aber auch neurobiologische Ursachen. Die Gefahr bei Tabletten ist jedoch, dass die Ursachen dann durchaus egal bleiben können. Die heilen zwar nicht, unterdrücken aber zumindest schon mal die Auffälligkeiten. Wie oft diese Auffälligkeiten aber neurobiologisch sind (also nur so unterdrückt werden können) oder eine Ursache haben, die wir auch anders behandeln könnten; lässt sich stand heute noch nicht so wirklich feststellen. Wenn wir das irgendwann mal können, könnte das aber eine durchaus interessante Überraschung werden.

Ich denke aber, dass sich unser Bild auf Kinder ganz zwangsläufig geändert hat. Unsere Idealvorstellung von „Kind“ und „Erziehung“ wird immer extremer und weicht immer weiter von der Wirklichkeit ab, sodass immer mehr Kinder als anormal oder störend empfunden werden. Auch unser Umgang mit Kindern hat sich geändert. Man merkt es hier im Forum bsw. recht gut - wenn so Beiträge aller: „Mein Kind zieht sich im Kindergarten immer zurück und spielt nicht mit den anderen“ kommen. Ich glaub das ist (wenn ich mich recht entsinne) ein Winterhoff’scher Gedankengang #schein - aber - wenn hier Erzieher bsw. auf Grund eines Wandels ihre Aufgabe eher darin sehen, dieses Defizit festzustellen und den Eltern zu kommunizieren, anstatt, dass Kind an die Hand zu nehmen und es in die Gruppe der spielenden Kinder einzuführen, hat das sicherlich Auswirkungen auf die Entwicklung eines Kindes.

Wie viel arbeite Mütter an diesem Trend mitwirken; kann ich nur mit Sicht auf meinen Sohn beurteilen. Ich würde nicht mal sagen, dass er sich dieser Situation „angepasst“ hat; für ihn ist das eher eine völlig normale Kindheit. Er ist sehr früh eigene Wege gegangen (Kleine Seelengemeinde-Neubausiedlung; sehr sichere Umgebung mit vielen Kindern zum spielen) und diese „Die Mutter bespaßt den ganzen Tag das Kind“-Situation oder „Mutter schleppt Kind von Veranstaltung A nach Veranstaltung B“-Situation gab es bei uns ab einen sehr frühen Alter eigentlich nur noch sehr begrenzt. Die Kinder waren im Regelfall den ganzen Tag draußen und haben dort zusammen irgendeinen Unfug angestellt. Die wurden also nicht in einem Hort geparkt, sondern, hatten m.E. (zumindest wenn ich es mit meiner eigenen Kindheit vergleiche) eine ziemlich normale Kindheit. Und - ADHS’ler kenne ich in diesem Umfeld trotzdem nicht. Wobei die Kids sich entsprechend auch den ganzen Tag ungestört auspowern konnten; die sind am Abend klinisch Tod ins Bett gefallen und erst am nächsten Morgen wieder aufgestanden. Viele Probleme, die ich hier auf Urbia eigentlich täglich lese - treten da entsprechend gar nicht erst auf.

Beitrag von claerchen81 04.10.10 - 11:18 Uhr

Guten Morgen,

Sie dürfen mir gern gleich Mißgunst vorwerfen, was vielleicht sogar zutreffend sein mag (ich schiebe es mal auf die Schwangerschafthormone), aber trotz der zutreffenden Beschreibung (sicherlich vorher gut recherchiert) bin ich einigermaßen genervt von diesem Beitrag (auch wenn mir das nicht zustehen mag, ich bin noch nicht mal TE, aber "Frau" kann manchmal schlecht was gegen dieses Gefühl machen). Ich erlaube mir daher einmal kurz einen Kommentar:

Ich finde es wunderbar, dass bei ihrem "Spatz" alles so fein läuft. Allerdings möchte ich kurz kritisch einwerfen, dass dies womöglich auch an einer günstigen Persönlichkeitsstruktur Ihres Sohnes liegen KANN (auch hier ein klarer Konjunktiv).
Ich habe in letzter Zeit immer häufiger den Eindruck, dass Sie gern das offensichtlich pflegeleichte Auftreten Ihres Kindes hauptsächlich auf Ihre Art der Erziehung zurückführen. Dies als Kausalität zu zementieren halte ich für leicht anmaßend, ist es doch eher eine Korrelation. Soweit ich informiert bin ist man sich in der Entwicklungspsychologie mittlerweile einig, dass das Wesen eines Menschen zu 50% aus Erziehung, zu 50% aus den Genen besteht, wobei an den 50% Erziehung wiederum nur 10-20% Anteil bei den Eltern liegt (Rest ist auch Pear Group, Erzieher, Lehrer etc).

Ein flottes Gegenbeispiel in Bezug auf das aktuelle Thema: mein Mann ist in einem kleinen Nest in Ostdeutschland aufgewachsen. Wald, Natur, die Kinder trieben sich gemeinsam rum - alles gaaaaaaaaaaaanz natürlich. Mein Mann hat ADS (erst im erwachsenen Alter diagnostiziert, er hat insofern in seinem Leben Strategien erlernt, damit ziemlich gut zu leben). Ich bin im überbehüteten Westdeutschland aufgewachsen, mit mir hat man diskutiert, mich hat man bemuttert, ich bin nicht vogelfrei um die Häuser gezogen sondern zu meinen Spielpartnern gebracht worden etc - ich habe kein ADS und auch sonst keinerlei bekannte Störungen. Natürlich sind das hier auch nur Korrelationen - diese Beispiele dienen jetzt nur der Bestätigung, dass ADS/ ADHS Erkrankungen sind, die nicht durch mangelhafte Erziehung auftreten. Ich denke, wir zwei gehen damit konform, aber das Beispiel von Ihrem eigenen Sohn erweckt - übrigens erscheint mir dies häufig so in Ihren Beiträgen - den Anschein, als wenn Sie sich mit Ihrer offensichtlich von Ihnen als unkonventionell empfundenen Erziehungsmethode die Lorbeeren dafür einstecken, dass ihr Kind so pflegeleicht ist - und das halte ich für gewagt.

Zumal Formulierungen wie "ein Kind im Hort parken" relativ provokant sind. Ein Hort/ eine Ganztagsbetreuung ist nicht zwingend schlecht bzw. nicht zwingend dem Freispiel auf dem Hof vorzuziehen. Zumal ggf. nicht alle Menschen von zuhause arbeiten können und wollen und auf derartige Betreuungsangebote angewiesen sind. Genauso wie nicht jeder in einem Kaff/ Neubaugebiet wohnt/ wohnen kann/ wohnen will oder vieles mehr.

Lange Rede kurzer Sinn: Sie sollten ggf. in Betracht ziehen, dass das Auftreten Ihres (einzigen) Kindes nicht nur Resultat Ihrer Erziehung ist. Und ich wage darauf hinzuweisen, dass es durchaus irgendwann einmal schwieriger werden könnte.

Meines Erachtens sollte man Kinder in Ihrer Persönlichkeit mehr annehmen. Sie sind von Geburt an Menschen, die wir als Eltern erst ganz langsam erkennen lernen. Und da wir so persönlich involviert sind und so viele Wünsche für dieses Kind haben, fällt uns gerade das so schwer, Eltern sind einfach auf beiden Augen auch gern mal blind. Das macht Erziehung so schwierig und so individuell. Vielleicht würden Sie auch anders reden, wenn Sie zwei Kinder hätten. "Ein Kind ist kein Kind" sagt man ja häufig. Irgendwie ist was wahres dran (und das sage ich nicht, weil ich ein zweites erwarte ;-)).

Viele Grüße, C.

Beitrag von jazzbassist 04.10.10 - 13:21 Uhr

Es ist ein öffentliches Forum und ich lese sehr gerne andere Meinungen - auch kritische - und ich gebe Ihrer Kritik durchaus recht.

Das macht Erziehung halt so überaus spannend - wir wissen halt nicht immer, ob wir etwas richtig machen oder falsch machen; wie sich dass in 5-6 Jahren bei einem Kind - oder auch erst in 20-30 Jahren auswirkt etc. Wir wissen auch nicht gänzlich, warum Kinder ab und an gut mit den Eltern koopieren können; warum das manchmal gar nicht klappt (Ist mir auch bei meinem Sohn - gerade seit in in der Pubertät ist - oftmals ein echtes Rätsel). Wie es anders gelaufen wäre, wenn wir etwas anders gestaltet hätten. Ich kann also leider nur meine rein subjektiven Beobachtungen schildern; bei meinem Sohn und hauptsächlich auch den Kindern in seinem Umfeld (Freunden etc. [die halt in einer ziemlich identischen Umgebung aufwachsen]) sowie auch mit Kindern in meinem beruflichen Umfeld. Mein Beitrag war auch nicht als wissenschaftliches Dokument gedacht - sondern wirklcih nur als kleiner Blick eines Einzelkind-Vaters auf die Dinge.

Außerdem würde ich durchaus leugnen, dass mein Sohn pflegeleicht ist :-p - er ist stellenweise eher ziemlich anstrengend; es geht dort nur (was bei meinem Beiträgen sicherlich durchaus oft untergeht) im Regelfall um gänzlich andere Themen und Probleme und nicht um ein Kind, dass Mittags 2 Stunden bei den Hausaufgaben Theater macht; so wie ich es hier bsw. täglich lese. Das jetzt ohne irgendeine Wertung geschrieben; dass das eine besser oder schlechter ist, als das andere. Ich denke nämlich - Baustellen haben alle Eltern mit ihren Kindern. Diese sind halt oftmals ganz unterschiedlich und haben einen starken Zusammenhang mit der Umgebung, in der ein Kind aufwächst. Klar hätte sich bei uns vieles anderrs entwickelt - wenn ich z.b. nicht von zu Hause aus gearbeitet hätte oder, wir unseren Sohn in einer Großstadt großgezogen hätten. Es gibt unzählbar viele Faktoren, die dazu beitragen, wie sich ein Kind entwickelt - Erziehung ist halt nur ein Teil davon.

Sicherlich war die Hort-Formulierung provokant - war ja auch Sinn der Sache, da es der TE ja unter anderem um die Frage ging; wie viel arbeitende Mütter bsw. an dieser statistisch unwiederlegbaren Methylphenidat-Trendentwicklung beitragen.

>Meines Erachtens sollte man Kinder in Ihrer
>Persönlichkeit mehr annehmen. Sie sind von >Geburt an Menschen, die wir als Eltern erst
>ganz langsam erkennen lernen. Und da wir so
>persönlich involviert sind und so viele
>Wünsche für dieses Kind haben, fällt uns
>gerade das so schwer, Eltern sind einfach
>auf beiden Augen auch gern mal blind. Das
>macht Erziehung so schwierig und so
>individuell.

#Herz
Dem lässt sich eigentlich nichts hinzufügen

>Vielleicht würden Sie auch anders reden,
>wenn Sie zwei Kinder hätten. "Ein Kind ist
>kein Kind" sagt man ja häufig. Irgendwie
>ist was wahres dran (und das sage ich
>nicht, weil ich ein zweites erwarte ).

Da bin ich mir sogar sehr sicher, dass sich dann vieles durchaus anders hätte entwickelt. Einiges sicher schöner, vieles sicherlich auch wesentlich komplizierter und für die Eltern anstrengender. Meine Frau und ich werden es nur leider nicht mehr in Erfahurng bringen können; daher wird das immer ziemlich hypothetisch bleiben. Ich bin aber zumindest als Geschwisterkind großgeworden und kenne zumindest den Blick als Geschwisterkind auf die Welt - wenn auch nicht als Vater von mehreren Kindern. Ich trauere dem aber i.d.T. häufiger hinter; dass wir nur ein Kind haben, hat eher biologischere Gründe und weniger mit der Bequemlichkeit von uns zu tun :-p

lg
David

Beitrag von lisasimpson 04.10.10 - 12:50 Uhr

warum gibt es eigentlich so wenige Langzeitstudien die sich damit beschäftigen?
Ich persönlich habe mit der Vergabe von Methylphenidat (und amphetaminsulfat) seit Anfang der 90 er Jahre meine Erfahrungen gesammelt und stelle (in einem sehr subjektiven Rahmen) durchaus eine erhebliche Steigerung des verbrauches fest, auch wenn ich sagen muß, daß ich auch schon vor 15 Jahren beobachtete, daß sehr freizügig verschrieben wurde.

da also diese Medikamente schon seit 40 (und mehr) Jahren in Deutschland Anwendung findet, sollte es doch auch über diesen Zeitraum Untersuchungen geben, oder?!

lisasimpson

Beitrag von jazzbassist 04.10.10 - 18:59 Uhr

Ich weiß, dass die Antwort eher frustrierend ist; ich denke aber, Sie können nachvollziehen, warum die sich so ziemlich identisch zu den offiziellen Begründungen anhört: Eine Langzeitstudie ist kostspielig und daher wirtschaftlich unrentabel.

Ich kann Ihnen aber eine kleine Anekdote aus der Erziehung meines Sohnes erzählen: Er genießt viele Freiräume, und, da ist es ziemlich normal, dass sich Sachen durchaus mal so entwickeln können, wie man sich das als Elternteil eigentlich nicht vorgestellt hatte. Der erfolgversprechenste Erziehungsansatz ist dann, ihn vorsichtig darauf hinzuweisen, was einem stört und das man sich das noch 1-2 Wochen lang so anschauen wird, und, wenn er von sich aus nicht irgendetwas ändert (auch wenn das für ihn eine gewisse Einschränkung oder ein Nachteil bedeutet), seine Eltern ganz zwangsläufig wieder reglementierender in diesen Freiraum eingreifen werden. Nur - dann wird er wesentlich schlechter dastehen, als, wenn er da alleine/selbstständig etwas gemacht hätte.

Was bei meinem 11-Jährigen über das Verhältnis (Eltern/Kind und Freiräume/Regeln/Grenzen) funktioniert - würde natürlich bei einem Konzern ganz zwangsläufig auch politisch über das Verhältnis EU und Richtlinien funktionieren. Aber - das ist natürlich reine Politik respektive Kindererziehung. Aber ich befürchte, dass sich an der aktuellen Situation ziemlich wenig ändern wird, wenn hier nicht politisch gearbeitet wird.

Beitrag von redrose123 04.10.10 - 05:34 Uhr

Bei denen die Tabletten bekommen um ruhiger zu werden ist es ja diagnostiziert worden, kein Arzt würde solche Hämmer einem Verzogenen Kind geben ;-) Aber auch früher gab es diese Krankheit schon, nur hat man es da mit mehr bewegung weggebracht, heute sitzen die Kinder zuoft rum und die Krankheit wird stärker damit....Klar ein Adhs Kind das sich null auspowert weiss mit sich ja nichts anzufangen ausser dummheiten zu machen ;-)

Beitrag von dentatus77 04.10.10 - 12:35 Uhr

Sei dir da mal nicht so sicher!
Eine ordentliche Diagnose können hier nur Spezialisten stellen, das ist beim ADHS sehr aufwändig. Es gibt aber viele lebhafte Kinder, die rumzappeln, weniger leistungsfähig sind und trotzdem kein ADHS haben. Das kann ein Kinderarzt nicht unterscheiden, trotzdem diagnostiziert er - einzig aufgrund der Angaben der Eltern - ein ADHS und verschreibt Medikinet.
Ich hab selbst schon solche Kinder erlebt. Ein ADHS-Kind, das Medikinet nimmt, wirkt wie ein normales Kind, ist aufgeschlossen und trotz Pille noch munter. Einige angebliche ADHS-Kinder bekommen diese Tabletten auch, wirken aber völlig apathisch und sind einfach "ruhiggestellt". Das ist zwar den Eltern auch recht, aber die Diagnose hat einfach nicht gestimmt.
Aber welche Mutter geht mit einem Erstklässer schon in die Kinder und Jugendpsychatrie? Ist ja nur ein ADHS und Medikinet nehmen so viele... Aber nur in der Psychatrie kann man die Diagnose wirklich genau stellen.
Liebe Grüße!

P.S.: Der Grund, warum die Kinder früher nicht so auffällig wurden, liegt sicher auch darin, dass die Kinder sich mehr auspowern konnten. Ein wesentlicher Grund ist aber auch die geringere Ablenkung. ADHS-Kinder zeichnen sich u.A. dadurch aus, dass sie sich durch alles und jeden ablenken lassen. Früher saßen die Kinder in der Schule in 2er-Bänken neben- und hintereinander. Da schaute jedes Kind nach vorne, wo er nur die Rücken seiner Mitschüler, den Lehrer und die Tafel sehen konnte. Fenster- oder Wandschmuck gab es nicht. Heute sind andere Sitzordnungen in, schlimmstenfalls sitzen die Kinder an Gruppentischen und können sich so gegenseitig ablenken, oder das Kind schaut geradeaus in Richtung Fenster, wo es ja so viel zu sehen gibt. Das verträgt ein ADHS-Kind nicht, und dadurch wird es auffällig.

Beitrag von redrose123 05.10.10 - 08:46 Uhr

Meine ich ja, das man früher Kinder rausgeschickt hat um zu spielen, heute setzt man sie vor so ne dumme Rappelkiste und lasst sie eben machen, letztens fragte hier doch eine Mutti welche online spiele für Ihr dreijähriges Kind gut sei #klatsch

Das mit dem Doc wusste ich nicht, dachte das MUSS richtig diagnositziert werden, und nicht von Kuhdoktoren bestimmt werden....

Beitrag von sternenzauber24 05.10.10 - 10:03 Uhr

"Das mit dem Doc wusste ich nicht, dachte das MUSS richtig diagnositziert werden, und nicht von Kuhdoktoren bestimmt werden"

Na klar, muß das richtig diagnostiziert werden. Und ich kann nicht verstehen, das manche das nur über ihren Kinderarzt laufen lassen. Das ist fahrlässig!

Beitrag von sternenzauber24 05.10.10 - 10:01 Uhr

Das liegt in der Hand der Eltern, sich da richtig hinter zu klemmen, und nicht zu einem Kinderarzt damit zu gehen.

Ich stimme Dir vollkommen zu, es dauert sehr lange bis man es diagnostiziert bekommt, und das ist den meißten zu anstrengend!

Beitrag von maggelan 08.10.10 - 21:31 Uhr

Ich sage dazu einfach mal aufgrund meiner eigenen Erfahrung mit dem Thema:
Zwischen einem typischen ADHS Leidenden und einem total unerzogenem Individuum ist kaum ein Unterschied!

Beitrag von marion2 08.10.10 - 23:06 Uhr

Das an ADHS leidende Individuum sagt "Guten Tag" "bitte" und "danke"

also dass, das ich kenne ;-)

Beitrag von frechdacks 10.10.10 - 22:04 Uhr

Sie kommen so rüber. Sind aber eigentlich sehr liebevoll.Es ist eine Krankheit. Die Erzieherinnen sagen immer alleine wäre er so liebevoll. Das sind unerzogene Kinder nicht. Weil alleine ist keine Reizüberflutung da. Ich habe mich lange von solchen Äusserungen verletzen lassen. Aber jetzt weiss ich das keiner was dafür kann. Weder unser Kind noch wir. Es tut sehr weh wenn ein Kind nicht von anderen akzeptiert wird.

Beitrag von maggelan 11.10.10 - 14:01 Uhr

Hallo,

meine Aussage ist keinesfalls abwertend gegenüber ADHS Kindern und Erwachsenen gemeint. Ich möchte damit auch niemanden verletzen, der damit zu kämpfen hat.

Es ist in meinen Augen aber leider nun mal so, dass ADHS auch als Ausrede für Eltern herhalten muss, die ihre Kinder kaum beachten und Erziehung nur als Wort kennen.

Gruß M

Beitrag von juniorette 04.10.10 - 07:42 Uhr

Guten Morgen,

ich stimme dir und meinen Vorrednern absolut zu!

Oh, ich glaube schon, dass es ADHS gibt, aaaaaber es ist mir vollkommen egal, ob ein Kind ADHS o.ä. hat oder nicht, wenn ich sehe, dass die Eltern auf die größten Ungezogenheiten ihrer Kinder

- mit einem liebevollen Säuseltonfall "das war aber nicht so schön"
- gar nicht
- mit einem zustimmenden Lächeln

reagieren.

Ob ADHS oder nicht - bei den von mir genannten Beispielen kommt das ungezogene Verhalten der Kinder in erster Linie von der Nichterziehung der Eltern.

Eine ADHS-Diagnose nehme ich erst dann ernst, wenn ich sehe, dass die Eltern ihr Kind in meinen Augen vernünftig erziehen und das Kind trotzdem nicht bzw. kaum zu bändigen ist.

LG,
J.

Beitrag von sandra7.12.75 04.10.10 - 08:58 Uhr

Hallo

Genauso ist es.Bei meiner Tochter geht ein Junge mit ADHS in die Klasse und der reagiert schnell bei Frust mit prügeln,Stühle werfen und Morddrohungen#schock:-[.

Unsere Tochter hat das vor 14 Tagen zu spüren bekommen und hat mir das auch direkt gesagt,Gottseidank,Anna hat eine Angststörung und durch die Mobbinggeschichte traut sie sich selten zu petzen.

Ich habe direkt gefragt was Sache ist und die Lehrerin konnte es auch nicht genau sagen.

Ich habe dann die Mutter angerufen und die Sache geschildert und von ihr kam:Ja der hat ADHS und wenn er nicht weiter weiß dann sagt er sowas,aber er meint es nicht so#verliebt#verliebt#rofl#rofl.

Ich so:Es gibt auch Therapien und Sportarten wo er sich auspowern kann und lernt mit Problemen vernünftig umzugehen und nicht nur zu prügeln.
Aber das braucht er ja nicht,er bekommt ja Medikamente und wenn die in der Schule so doof sind die pünktlich zu geben dafür kann sie nichts#rofl#rofl


lg
lg

Beitrag von sternenzauber24 04.10.10 - 09:40 Uhr

"Genauso ist es.Bei meiner Tochter geht ein Junge mit ADHS in die Klasse und der reagiert schnell bei Frust mit prügeln,Stühle werfen und Morddrohungen"

"Ich habe dann die Mutter angerufen und die Sache geschildert und von ihr kam:Ja der hat ADHS und wenn er nicht weiter weiß dann sagt er sowas,aber er meint es nicht so"

Es ist so das diese Kinder eine niedrige Frustrationstoleranz haben, und sehr Impulsiv handeln. Aber wenn ich lese wie die besagte Mutter dies entschuldigt, da kann ich die Vorurteile hier auch ein bißchen verstehen.

Es darf nie heißen: " Mein Kind hat ADHS, da ist das eben so"- es MUSS heißen: mein Kind hat ADHS, aber wir üben uns daran sich besser anzupassen- und nicht anders.

LG.

Beitrag von joshua0709 07.10.10 - 11:04 Uhr

Hallo,
wenn dieses Beispiel stimmt, frage ich mich aber ganz ehrlich, wie uninformiert man als Eltern eines betroffenen Kindes sein kann! Sinnvollerweise wird die Medikamentengabe durch eine Verhaltenstherapie und gegebenenfalls ein Coaching begleitet.
Es gibt leider eben nur wenige Spezialisten in Deutschland und ADD ist leider auch zu einer Modeerscheinung geworden, worunter v.a. die wirklich Betroffenen zu leiden haben!
LG
Joshua0709

Beitrag von sassi31 04.10.10 - 13:28 Uhr

Stimme dir voll und ganz zu.

Gerne wird von Eltern ADHS vorgeschoben, um die eigene Nicht-Erziehung zu rechtfertigen.

Beitrag von sternenzauber24 05.10.10 - 10:09 Uhr

Und ich verstehe auch nicht, warum immer wieder behauptet wird man könne ADHS Betroffene nicht erziehen, das ist Mumpitz.

Es hat viele Hürden und Rückschläge, aber es funktioniert. Man kann sich nicht ein Leben lang auf ADHS ausruhen, wohl damit viele Sachen erklären, aber das ist kein Freifahrtschein.

Beitrag von juniorette 05.10.10 - 10:56 Uhr

"Und ich verstehe auch nicht, warum immer wieder behauptet wird man könne ADHS Betroffene nicht erziehen, das ist Mumpitz. "

Das vermag ich nicht zu beurteilen, da ich nicht in dieser Problematik drin stecke, mir ist es nur wichtig, dass die Eltern wenigstens versuchen zu erziehen, und wenn sie dafür externe Hilfe in Anspruch nehmen, weil "normale" Erziehungsmethoden bei ADHS-Kindern nicht funktionieren.

Nicht-Erziehen ist immer falsch, egal ob ein Kind ADHS hat oder nicht.

LG,
J.