Co-Alkoholiker

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von **** 04.10.10 - 13:12 Uhr

hallo,

ich schreibe dies hier zum ersten mal von meiner seele.

ich bin eine mama mit 2 super süßen mädel die kleine ist 3 und meine große wird 10.
ich habe dieses jahr mit meinem mann ein haus gekauft der traum von uns beiden.

aber da ist die andere seite!!!
mein mann trink sehr viel bier auch schon mal bis zum total rausch.
die tages dosis liegt bei gut 6-7 aufwärts.
es nimmt immer mehr zu und es wird immer unerträglicher für mich.
ich bin auch schon von ihm geschlagen worden wo er ausgerastet ist. das war das erste mal.

nun zu meiner frage wer hat erfahrungen als co-alkoholiker?
wie kann ich und meinen kinder daraus helfen??
wäre schön wenn ich ein paar antworten bekomme.

danke lg

Beitrag von problem bekannt 04.10.10 - 14:15 Uhr

Erste Frage: Hast du ihn schon direkt auf sein Suchtverhalten angesprochen? Wenn ja, wie reagiert er dann? Wie lange trinkt er schon auffällig und womit könnte es zusammenhängen (z.B. fehlende Strategien zur Konfliktbewältigung)?
Bei meiner Mum war es ähnlich. Allerdings ist sie nicht aggressiv geworden und hat heimlich getrunken, was aber irgendwann selbst mir, obwohl ich schon lange nicht mehr zu Hause wohne, aufgefallen ist. Ich habe dann auch allen meinen Mut zusammengenommen und sie darauf angesprochen. War für uns beide schwer. Mein Dad hat auch viel mit ihr gesprochen und irgendwann hat sie verstanden, dass sie dringend Hilfe braucht. Bei ihr hing es auch mit Problemen auf der Arbeit zusammen, so das sie sich morgens schon mal nen Schluck gegönnt hat #heul. Sie hat dann aber eine stationäre Therapie gemacht (Entzug + Behandlung der Depressionen, die Suchtkranke ja auch oft haben) und geht jetzt regelmäßig zu den AAs. Mein Dad unterstützt sie sehr dabei und sie ist nun schon über ein Jahr trocken und das Familienleben hat sich wieder normalisiert und auch unser Verhältnis ist wieder sehr gut.
Wenn du die Kraft hast, versuche ihm zu helfen.
Allerdings befürchte ich, dass zumindest dein Großer schon einiges mitbekommt. Perspektivisch – wenn du/ihr das noch wollt – wäre eine Familientherapie sicherlich sinnvoll
Wünsch dir viel Kraft

Beitrag von mia1604 04.10.10 - 19:19 Uhr

danke schon mal für die antwort,

ja haben ihn darauf angesprochen er gibt es ja auch zu das er alkoholiker ist er sagt er schafft das alleine sich zu ändern. ich weis nicht wie ich ihn unterstützen kann weil gehen möchte ich eigentlich net.

gibt es tipps zur häuslichen unterstützung??

eine therapie will er nicht machen das sagte er bereits.

weis mir auch keinen rat mehr!!!!!!

Beitrag von nannyogg5 04.10.10 - 20:12 Uhr

Hallo Mia,

keine guten Nachrichten: er wird es nicht alleine schaffen. Das ist nur die Rechtfertigung jeden Alkoholikers vor sich selbst, um NICHT damit aufzuhören.

Solange er sich einredet, von einem Tag auf den Anderen damit aufhören zu können, wird er es nicht tun.

Du kannst da leider herzlich wenig bis gar nichts machen. Solange er nicht akzeptiert, dass er eine Suchtkrankheit hat, die genauso ärztlich behandelt gehört wie jede andere Krankheit, richtest Du nichts aus.

Im Gegenteil. Solange das soziale Umfeld noch so stabil ist wie bei Euch ist die Motivation gleich null.

Dein Mann müsste zum Arzt, zur Entgiftung und anschließend in Langzeittherapie/Selbsthilfegruppe.

Das Einzige was Dir im Augenblick bleibt ist der Gang zu einer Selbsthilfegruppe für Angehörige um nicht vollends in die co-Abhängigkeit zu rutschen.

Aufhören muss er selbst wollen und dazu müsste der Leidensdruck groß genug sein - sprech da leider aus Erfahrung. Aber vor sich selbst ehrlich zu sein und zuzugeben, dass man es alleine nicht mehr schafft und Hilfe von Außen braucht ist der allerschwerste Schritt.

Diese Hilfe kannst Du als Partnerin nicht leisten. Du bist kein Arzt und kein Therapeut und es würde Dich völlig überfordern.

Also bitte hole in erster Linie Dir selbst Hilfe bei Menschen, die sich mit der Problematik auskennen.

Ich wünsche Euch viel Kraft dabei.

LG
Nanny

Beitrag von nannyogg5 04.10.10 - 20:15 Uhr

Und bei häuslicher Gewalt gibt es keine Alternativen mehr, Mia. Das wird sich im Laufe der nächsten Zeit nicht bessern sondern verschlimmern.

Tu das Deinen Kindern und Dir nicht an.

LG
Nanny

Beitrag von problem bekannt 04.10.10 - 20:49 Uhr

Hallo Mia,
ich muss dir da auch leider die Illusion nehmen: Er wird es auf keinen Fall alleine schaffen! Wenn er es würde, warum hört er dann nicht einfach mit dem Mist auf? Genau, weil er es nicht kann.
Ihr solltet vielleicht gemeinsam mal mit eurem Hausarzt sprechen und ihn um Hilfe bitten oder ihr (ich befürchte, er allein wird es nicht tun) geht gemeinsam zu den anonymen Alkoholikern. Da sitzen übrigens ganz normale Menschen rum, von denen man es echt nicht denken würde. Man muss sich dafür auch nicht schämen, weil wenn man zu den AAs geht, dann tut man ja was gegen sein Problem.
Ich würde mich auch dem Rat der anderen anschließen und dir empfehlen, dir eine Gruppe für Angehörige zu suchen. Da kannst du auch mal über deine Probleme und Sorgen sprechen. Im Normalfall würde ich immer sagen, bei körüerlicher Gewalt ist der Ofen immer aus, aber wenn er versucht sich zu ändern (Therapie), würde ich es in diesem Falle sogar verzeihen. Macht er einfach weiter wie zuvor, besteht die Gefahr, dass es eher schlimmer wird. In diesem Fall würde ich ihm die Pistole auf die Brust setzen und mit Trennung drohen. Optimal wäre, wenn du die Zwerge an diesem Tag z.B zu Oma und Opa geben könntest. Wie große Angst hast du inzwischen vor ihm? besteht die Gefahr, dass er dir bei der Androhung der Trennung was tut? Falls ja, informiere eine Freundin über dein Vorhaben und stellt einen Plan auf, der deine Sicherheit gewährleistet (vielleicht sogar CS-Gas anschaffen?).
Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, aber der Weg wird schwer. Meine Mum hat auch erst so richtig verstanden, wie notwendig die Therapie ist, als die Familie auf dem Spiel stand. Sie ist uns allen aber sehr dankbar, dass wir sie bei der Therapie und danach (mein Dad trinkt z.B. auch keinen Alkohol mehr) so unterstützt haben und es noch immer tun. Daraus schöpft sie viel Kraft, aber der Wille muss immer erst vom Betroffenen kommen.
Denke bitte auch an deine Kinder. Wenn dein Mann jetzt schon so viel trinkt, bekommt zumindest der Große das bereits mit. Kinder, die aus Familien mit Alkoholkranken stammen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko später selbst zu Alkoholikern zu werden, da sie den Alkohol als probate Strategie zur Problembewältigung oder Gefühlsregulierung (z.B. Entspannung durch Alkohol "auf den Stress/Schreck etc erstmal einen trinken) kennengelernt haben. Ich würde also nicht mehr lange zugucken. Auch wenn ich immer der Meinung bin, man sollte sich gegenseitig helfen, aber wenn er nicht will, dann musst du an dich und deine Kinder denken
#liebdrueck

Beitrag von **** 05.10.10 - 13:40 Uhr

hallo ihr lieben,

ich habe ihm schon mit trennung gedoht aber er sagt wenn ich das will soll ich gehen aber ich liebe ihn doch trozalledem.
ich werde mich mal wegen einer selbshilfe gruppe umschauen ich war letzte jahr auch schon in psychatrischer behandlung des wegen.
ich möchte ih nicht verlieren ich möchte ihm helfen aber schaff es nicht.

aber danke an alle für die tipps. bin sehr gerührt das man hier so viel unterstützung bekommt ist echt toll.

danke nochmal lg

Beitrag von nannyogg5 06.10.10 - 10:01 Uhr

Bitte nicht mit Trennung drohen, wenn Du nicht bereit bist, die Konsequenzen zu tragen. Du machst Dich ratzfatz unglaubwürdig - von Deinem Selbstwertgefühl ganz zu schweigen.

Und so übel das auch für Dich klingt: anhand seiner Reaktion ist eines schon klar. Er hat sich längst entschieden - aber leider nicht für Dich und die Kinder sondern für den Suff.

Nochmal: Du KANNST ihm NICHT helfen, Du gehst dabei selbst kaputt und unter.

Da hilft alle Liebe nicht. Zumal das Gefühl der Liebe von Co-Abhängigen leider auch leicht mit dem Gefühl der Abhängigkeit verwechselt wird.

Und bitte schau Dich nicht "mal" nach Hilfe um. Tu's einfach.

LG
Nanny

Beitrag von nele27 04.10.10 - 14:45 Uhr

Hi,

was sagt denn Dein Mann dazu?

Wenn er nicht einsieht, dass er trinkt, wird er sein Verhalten auch nicht ändern und Du kannst nichts machen - außer GEHEN. Und das würde ich an Deiner Stelle auch tun. Es ist schon zu Gewalt gekommen, dafür kann kein Traumhaus der Welt entschädigen.

Einziger Grund sich nicht zu trennen wäre, wenn der Mann sofort eine Therapie beginnt und zwar, weil ER es eingesehen hat.

Daher: Entweder Therapie oder Du gehst. Du solltest auch Deine Kinder schützen.

LG, Nele

Beitrag von lichtenstein 04.10.10 - 14:56 Uhr

Damit ist eigentlich alles schon gesagt.

Gibt es vielleicht eine Al-Anon-Gruppe in Deiner Nähe? Dort würde ich Kontakt suchen. Deinen Mann kannst Du nicht ändern, Dir selbst aber die Kraft holen, die Du brauchst, um aus der Situation herauszukommen.