Stundenlohn 3,30 und ich soll immer mehr Aufgaben übernehmen!

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von salino 05.10.10 - 11:55 Uhr

Hallo,

ich habe einen 400-Euro-Job.
FAST freie Zeiteinteilung. Es gibt zwar "Pflichttage", an denen
ich anwesend sein MUSS und es gibt Tage, da kann ich den
Arbeitsdienst tauschen.

Auf die 400 Euro komme ich aber niemals im Monat, selbst wenn ich
jeden Tag arbeiten würde.

Umgerechnet bekomme ich 3,30 Euro in der Stunde.

Dafür muss ich gewisse Sachen tun. Nun bin ich fast 2 Jahre dabei und habe das Gefühl, ich werde immer mehr ausgenutzt. Nun soll ich zusätzlich noch putzen (die Räumlichkeit, in der unser Job stattfindet). Das hat vorher der Chef bzw. seine Frau gemacht (sind Eigentümer). Die haben aber "keine Zeit" mehr.

Tja, und ich habe ehrlich gesagt KEINE LUST!!!!! Würden sie mehr zahlen, wäre es kein Problem für mich..... Aber für 3,30? Ich mache den Job, weil ich so zusätzlich ein kleines Taschengeld verdiene, der Arbeitsplatz in direkter Nähe zu meinem Zuhause/Kiga/Schule ist. Aber ich möchte mich nicht ausnutzen lassen!

Was sagt ihr dazu? Soll ich den Mund aufmachen? Wenn Chef/in vor mir stehen, kann ich mich immer nicht dazu durchringen...., wenn sie mich mal wieder anmachen, dass Staub auf dem Regal ist oder das Fenster mal wieder geputzt werden müsste....



Beitrag von cherry19.. 05.10.10 - 12:03 Uhr

Hallo,

blöd ist natürlich, dass du es schon gemacht hast. Ich hätte an deiner Stelle gleich von Anfang an gesagt, dass das ok wäre für mich, allerdings mit Erhöhung des Lohnes.

Du arbeitest für 3,30 EUR. Und jetzt sollst du noch Putzen? Dass jeder seinen Arbeitsplatz sauber und ordentlich verlässt, ist eine Selbstverständlichkeit. Jedoch eine Räumlichkeit Putzen ist wieder etwas anderes. Sofern sie dein Gehalt dafür nicht erhöhen, sollen sie sich eine Putze einstellen.

Du sollst def. den Mund aufmachen, ganz klar. Geht in dem Fall auch gar nicht anders. Dass du für 3,30 EUR arbeitest, ist schon der Hammer. Aber manchmal gehts halt leider nicht anders, weil es eben in unmittelbarer Umgebung nichts gibt. Das versteh ich total. Ich hab auch schon für 3 EUR in der Stunde etwas artfremdes, als meinen erlernten Beruf gemacht, weil ich das Geld sehr brauchte und eben drauf angewiesen war. Hätte ich für dieses Geld aber noch mehr tun sollen im Nachhinein, wär auch bei mir irgendwo das Maß aller Dinge erreicht.

Von daher: Mach den Mund auf. Sonst gehst du ein dabei.

Beitrag von litalia 05.10.10 - 12:33 Uhr

tarif für eine reinigungskraft ist im osten 6,83. .... denk mal drüber nach!


alles gute.

Beitrag von nele27 05.10.10 - 12:35 Uhr

Such Dir was anderes - 3,30 Euro ist ja selbst für eine Ungelernte eine Beleidigung!

Wahrscheinlich bekommst Du so wenig, weil Du es mit Dir machen lässt. Wehre Dich! Und wenn das nicht klappt kündige!

LG, Nele

Beitrag von cherry19.. 05.10.10 - 12:39 Uhr

Ach, immer wieder schön zu lesen diese Tipps: "kündige!"

Oh man. Es gibt echt Leute, die sind darauf angewiesen. Kündigung würde nen schönen Rattenschwanz für manche nach sich ziehen. Es wird sicher seine Gründe haben, warum sie für 3,30 EUR arbeitet. Müsste sie es nicht, meinst du, sie würde es tun? Und sich dann noch dermaßen schikanieren lassen? Ich glaube nicht, oder?

Beitrag von nele27 05.10.10 - 12:56 Uhr

Tja, wenn alle kündigen würden bei 3,30 Euro gäbe es diese 3,30 Euro auch nicht...

Außerdem:
Ich würde mich übrigens lieber ausbilden/weiterbilden, damit ich auf solche miesen ungelernten Tätigkeiten nicht angewiesen bin!
Selbst wenn ich dann erstmal weniger habe als bei dem 3,30 Euro Job, wenn ich hinterher einen bekomme mit 10 oder 12 Euro dauert es doch nicht lange, bis ich unterm Strich wesentlich mehr habe.

Also ich setze mehr auf langfristige Perspektiven ...

Mein Mann hat gerade 1,5 Jahre 0,00 Euro verdient wegen Weiterbildung, dafür nun die Option auf mehr Kohle als in seinem früheren Job - das rechnet sich.

LG, Nele

Beitrag von cherry19.. 05.10.10 - 13:04 Uhr

Klar, da geb ich dir auch Recht. Jedoch hat nicht jeder die Möglichkeit dazu. Schon mal darüber nachgedacht?

Kündigen heißt für manche, eben gar kein Einkommen mehr zu haben. Sind hier evtl. noch Schulden im Spiel wirds ganz böse.

Hat man vielleicht ne ordentliche Ausbildung getätigt, mehrere Jahre in dem Beruf gearbeitet, jedoch vielleicht in einer kleineren Firma geschafft, bei der man eben kein Supergehalt, aber ein ordentliches bekommen hat, was zum Leben reichte und kommt dann in die Situation der Arbeitslosigkeit, was dann? Es kann sich nicht jeder leisten, 0 EUR zu verdienen 1,5 Jahre lang. Von was wollen da manche Leute leben? Klar, man kann Rücklagen tätigen in der Zeit der Arbeit. Aber es gibt sicher genug Leute, für die es einfach nur zum Leben gereicht hat. Auto, Versicherungen, Anschaffung von Möbeln. Das alles kostet ja auch erstmal.

Deine Einstellung versteh ich, wenn man es sich leisten kann. Jedoch gibt es echt genug Leute, die es eben nicht können. Meist sind es ja die Leute, die eben drauf angewiesen sind. Und das wird halt schamlos ausgenutzt.

Beitrag von nele27 05.10.10 - 13:16 Uhr

Sicher, Du hast Recht, dass nicht jeder komplett auf das 2. Gehalt verzichten kann - wir konnten das, da ich uns drei auch ohne Hilfe ernähren kann (er war nicht BaföG-berechtigt, da zu alt :-))
Aber sei Dir gewiss, es tat richtig weh #schwitz Mein Mann hat vor seiner Jobpause als Facharbeiter in 3 Schichten auch wesentlich mehr gehabt als 3,30 Euro pro Stunde. Ich glaube 16 oder 17 Euro. Das war alles weg. Wir haben den Gürtel echt enger schnallen müssen!
Nun verdient er mehr, also lohnt es sich.

Ich glaube aber, wenn man nicht nur zwischen dem Kinderkriegen rumjobben will, sondern wirklich einer vernünftigen Berufstätigkeit nachgehen, gibt es immer Möglichkeiten.

Einiges wird ja auch vom Staat gefördert (was auch sinnvoll ist, den derjenige zahlt ja hinterher auch Steuern, die Allgemeinheit bekommt es also wieder).
Daher rate ich immer dazu, zu schauen, was jemand aus seinem Lebenslauf machen kann - damit er eben nicht langfrtistig auf 3,50-Jobs angewiesen ist.
Und wenn es eine neue Ausbildung ist. Da bekommt man auch eine kleine Vergütung und kann später mal was anderes tun als jobben...

LG, Nele

Beitrag von manavgat 05.10.10 - 13:38 Uhr

Du redest einen Mist daher, da wird einem ganz schlecht!


Was machen wir demnächst?


wir könnten ja mal Geld mitbringen, dafür dass wir überhaupt arbeiten gehen dürfen?


wir hüpfen mit dem Chef ins Bett, damit uns nicht gekündigt wird oder putzen bei Cheffes zuhause unentgeltlich die Privatvilla?


wir ziehen uns nackig aus, wenn's denn verlangt würde, weil die Gnade einen Arbeitsplatz zu haben eben alles verlangt?


Ohne Worte!


manavgat

Beitrag von fred_kotelett 05.10.10 - 14:03 Uhr

"wir hüpfen mit dem Chef ins Bett, damit uns nicht gekündigt wird oder putzen bei Cheffes zuhause unentgeltlich die Privatvilla? "

Meine Assistentin macht das und hat sich bislang noch nicht beschwert :)



Beitrag von manavgat 05.10.10 - 14:06 Uhr

#herzlich

#ole

LG

Manavgat

Beitrag von cherry19.. 05.10.10 - 17:30 Uhr

Nee, wir bleiben lieber daheim, wenn sich nichts lukratives findet und beziehen ewig ALGII.

Wenn sich irgendwann nichts findet, dann MUSS man wohl oder übel die Arschlocharbeit machen. Es ist so.

Bemerkenswert, dass es Leute wie dich gibt, die so blauäugig durchs Leben rennen und denken, dass jeder, der nen gescheiten Beruf gelernt hat, auch einen gescheiten Arbeitsplatz findet. DAS ist ohne Worte.

Ich finde es selber sehr schlimm, dass es so ist, ABER es ist so.

Möchte mal wissen, was das mit MIST zu tun hat? Das erklär mir mal genauer! Ich nehme gerne die Kritik entgegen, wenn sie auch Hand und Fuß hat. Du wirst mir sicher nicht mit der These kommen können, dass jeder nen ordentlichen Job in seinem Beruf findet.

Bsp: Mein Mann. Masseur und Medizinischer Bademeister. Ausbildung mit sehr gut beendet. Berufserfahrung im Anschluss gesammelt, aufgrund von betrieblichen Gründen gekündigt (Gesundheitsreform kam, Arbeitgeber musste entlassen und die, die am kürzesten da waren, durften gehen). So, Bewerbungen geschrieben, Bewerbungen geschrieben, Bewerbungen geschrieben. Absagen, Absagen, Absagen. Weiterbildung gemacht. Lymphdrainage. Trotzdem: Kein Job in dem Bereich. Aaaaalsooo? Was machste: Arschlocharbeit für 5 EUR in der Stunde. Wenn nicht, dann bekommste eben keine Kohle vom Amt mehr.
Sag mir hier die Lösung? Und dann sag mir, was MIST ist?

Beitrag von nele27 06.10.10 - 10:22 Uhr

Meine Freundin hat dasselbe gelernt wie Dein Mann. Sie erzählte mir, dass es derzeit total mau aussieht mit Jobs, weil alle gleich n Physiotherapeuten suchen - daher sattelte sie Physiotherapie oben drauf und hat jetzt n Job :-)

Übrigens ist es ihr nicht leicht gefallen. Sie ist nämlich nicht die Fitteste, wenn es ums Lernen geht. Also eher die Praktikerin. Aber mit Disziplin und einmal durch die Prüfung fliegen ging das...

Vll wäre eine Weiterbildung was für Deinen Mann?

LG

Beitrag von cherry19.. 06.10.10 - 12:37 Uhr

Das haben wir auch schon überlegt.
Wie lange musste denn deine Freundin da die Weiterbildung machen und wo hat sie es gemacht?
Masseur und Medizinischer Bademeister ist ja ein staatlich geprüfter Beruf. Physio ja eigentlich auch. Normal ist das doch ne komplett neue Ausbildung oder kann man da aufsatteln?
Ich glaub, da muss man auch Gebühr zahlen, oder?

Am Lernen solls nicht liegen. Auf keinen Fall.

Wärst du mal so lieb und könntest mal für mich nachfragen?

Beitrag von nele27 07.10.10 - 12:36 Uhr

Mach ich... kann ein paar Tage dauern, die ist etwas schreibfaul :-) Aber ich schicke Dir dann die Antwort.

Beitrag von windsbraut69 05.10.10 - 15:02 Uhr

Ich weiß nicht - zwingt die ARGE tatsächlich Leute, für 3 Euro arbeiten zu gehen oder ist es eher, um sich etwas "dazu" zu verdienen?

Beitrag von fred_kotelett 05.10.10 - 16:30 Uhr

Ich hoffe mal ganz stark das die Argen das nicht tun.

Beitrag von cherry19.. 05.10.10 - 17:32 Uhr

Bei uns musst du es tun. Egal was. Wenn es eben der Job für 3 EUR ist, dann musst du es tun. Raus aus dem Bezug bringt dich so ein Job ja eh nicht, daher der Dazuverdienst. Aber du hast was. DAS ist dann das, was zählt. Lehnst du ab, bekommst du Kürzung. Kann man dann einklagen, aber ob das was bringt? Mit sittenwidrig brauch man denen nicht zu kommen.

Beitrag von manavgat 05.10.10 - 22:41 Uhr

Wenn Du so opportun bist, dann kommst Du zu nichts.

Rechtsanwältin und die ARGE darauf hinweisen, dass dieser Lohn sittenwidrig ist. Das ist ein Straftatbestand!

Gruß

Manavgat

Beitrag von cherry19.. 05.10.10 - 23:27 Uhr

Und aus welchem Gesetzestext nimmst du den Straftatbestand?

Beitrag von manavgat 05.10.10 - 23:56 Uhr

Es hat in der Vergangenheit mehrere Gerichtsurteile gegeben. Die betroffenen Arbeitgeber mussten Strafe zahlen und die Differenz nachzahlen.

Google bitte selbst, ich lese regelmässig Tageszeitung, aber ich führe kein Archiv.

Gruß

Manavgat

Beitrag von cherry19.. 07.10.10 - 12:33 Uhr

DAS meine ich ja. Klar, es gibt Gerichtsurteile darüber. Aber im Gesetzestext steht nichts darüber. Daher ist es eher eine Kann-Geschichte und einfach zu heikel, dann einzuklagen.

Beitrag von zwillinge2005 05.10.10 - 13:04 Uhr

Hallo,

3,30 Euro sind also der Brutto=Nettolohn, den Du bekommst? Verdienen alle so wenig? Was machst Du beruflich?

LG, Andrea

Beitrag von manavgat 05.10.10 - 13:35 Uhr

Ich vermute, wenn du nicht gerade im tiefsten Osten Dein Zuhause hast, dass dieser Lohn sittenwidrig ist.

Wende Dich an Verdi und frag, welche Gewerkschaft für Dich zuständig ist oder frag gleich eine Anwältin.

Putzfrauentarif West ist 8,35 Euro (oder mehr) und ab der Hälfte, also unter 4,20 Euro/Std. ist das dann ein sittenwidriger Lohn. Wer den zahlt, macht sich strafbar.

und so wie ich das verstanden habe, bist Du nicht hauptsächlich für das Putzen zuständig.

Gruß

Manavgat

Beitrag von myimmortal1977 05.10.10 - 13:50 Uhr

Solange sich immer noch Leute finden, die für diesen Ausbeuterlohn arbeiten gehen, wird es auch immer Unternehmen geben, die Leute für diesen Lohn arbeiten lassen.

Sorry, ist meine ganz persönliche Meinung.

Meine Mutter hatte einen 400 € Job, für den Beruf ungelernte Kraft als Küchen und Reinigungshilfe. Sie bekam 11,86 € die Stunde, was für teilweise schwere körperliche Arbeiten auch angebracht war.

Bei uns in der Nachbarschaft haben viele private Reinigungshilfen. Nicht eine davon verdient unter 10 € die Stunde.

LG Janette