"Die Seele Deines Kindes" von ca. 1907

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Forum: Erziehung

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Beitrag von tauchmaus01 06.10.10 - 09:55 Uhr

"Die beste Erziehung ist keine Erziehung"

Im alten Bücherberg meiner 93 Jährigen Tante fand ich dieses Buch und es ist interessant zu lesen wie vor 100 Jahren die Erziehungsratgeber waren...

Daher schreib ich einfach mal ein paar Zeilen auf
Rechtschreibfehler dürft ihr behalten und an Eure Pinwand hängen ;-)

*****Kinder und Naturgeschichte********


:-)Die Seele des Kindes:-)

"Kind"-heilig ernstes, großes Wort! Das süßteste im Leben und das schwerste zugleich.
Wer bist Du, Leserin oder Leser, dass Du ein Kind dein Eigen nennen darfst?
Kannst DU diese Last tragen? Hast Du DEine Kräfte auch richtig eingeschätzt? Weißt Du, was Du sollst und willst?
DU sollte einem Geiste die Pforten des sinnlichen Daseins öffene und behütend und helfend über ihm wachen, dein Bestes als Schutzmauer um ihn her stellen und auch dann nicht versagen, wenn er deines Schutzes nicht begehrt.
Hast du die Liebe, die sich nicht erbittern läßt, die nicht ungeduldig wird, die ihre heiligeste und schönste Aufgabe darin sieht, sich für den hereingetretenen Geist aufzuopfern?
Nur eines macht verständlich, dass wir unter des Last solcher Aufgabe nicht zusammenbrechen, nämlich das, dass wir selbst ebenbürtige Geister sind, die ihrem ganzen Sein nach dem gewachten sein können, was sie auch sich nahmen. Darin liegt die hohe Würde und Seligkeit des Elternstandes. Das Leben wird uns nie einen höheren WErt bieten als die Sorge, die Mühe , die Last, das ganze Glück, das unsere Kinder verursachen.
Ein Kind ist der einzige Besitz, den wir aus der Zeit mit hinausnehmen. Alle Besitztümer gehen verloren , wenn wir das Leben hergeben müssen. Sogar der Ruhm bleibt nicht, oder er wechselt jedenfalls mit den Anschaueungen der kommenden Geschlechter. Nur das Eine bleibt, dass wir Eltern waren und Kindern ins Dasein halfen. Bleiben wir, so bleiben auch unsere Kinder. Auch die gehören der Ewigkeit und stehen über der Zeit.
Ist das also DEine größte Freude und Sorge, deine Last und Dein Entzücken- die Seele deines Kindes?
Lass uns einmal ganz schlicht und einfach davon reden. Wir treiben hier keine Wissenschaft von der Seele, sondern reden aus dem Leben, du und ich, etwas unbegreifliches und unerklärbares. Aber du verstehst es, soweit du es bedarfst, denn dein Kind ist dein Du!
Am Geiste deines Kindes wirst du nie etwas ändern. Er ist und wird nach seinen eigenen Gesetzen.
Du kannst nur demütig bewundernd daneben stehen, neben dem Unerforschlichen, und vielleicht gehen dir Ahnungen auf von einer WElt unendlicher Größe, Tiefe, Weite.
***************************************

Das Buch ist in altdeutscher Schrift geschrieben, es ist interessant solche Bücher in der Hand zu halten, Bücher die schon Kriege mitgemacht haben und noch bestehen. Bücher die zeigen, dass es damals nicht nur Butterbrot und Peitsche gab.
Allerdings bin ich noch nicht weit mit dem Lesen und sehe nur die Botschaft der ersten Seite. Und doch denke ich dass es ein Buch ist, was voller Liebe zu Kindern geschrieben wurde....na, mal sehen.

So, ich wollte das einfach mal hierherschreiben, einmal um schneller tippen zu lernen und dann weil ich denke, dass es vielleicht noch andere interessant finden wie Erziehgunsratgeber von früher so geschrieben sind.

Viele Grüße
Mona:-)

Beitrag von starshine 06.10.10 - 12:50 Uhr

bin erstaunt und erfreut ueber diesen Einblick :-) Haette auch mehr Peitsche erwartet....

Danke!

Beitrag von scura 06.10.10 - 14:58 Uhr

Erstaunlich!

Wenn man so etwas liest, bemerkt man einen furchtbaren Verfall der heutigen deutschen Sprache.

Beitrag von tauchmaus01 06.10.10 - 17:36 Uhr

Ja, das hab ich auch gedacht. ;-)

Beitrag von glueckskleechen 06.10.10 - 21:12 Uhr

du sagst es!

Eine Wohltat, einmal solche Zeilen zu lesen ;-)

Beitrag von jabberwock 06.10.10 - 15:07 Uhr

Das Buch kenne ich nicht, erinnert mich aber stark an die reformpädagogischen Schriften, die ich von meinem Großvater noch hier habe. Er war selber auf einer reformpädagogischen Schule in Berlin, um 1920 herum. Dort wurde sehr viel Wert darauf gelegt, die Kinder ernst und für voll zu nehmen, ihnen wurden in der Schule weitgehende Mitbestimmungsrechte eingeräumt (bspw. durften sie die Stundenpläne und Unterrichtsinhalte gestalten) Sie wurden sehr zum selbständigen Arbeiten und kritischem Denken angeregt, mussten Differenzen untereinander oder mit Lehrern vor einem selbstgewählten "Gericht" klären, verbrachten viel Zeit draußen usw.

Solchen Ansätzen standen auch Jugendbewegung wie der Wandervogel nahe. Als ich mich da etwas mit beschäftigt hab, war ich auch erstaunt, wie "modern" diese Richtung war und wieviel wir heute noch davon lernen könnten, gerade in Bezug aufs Schulsystem #pro

Beitrag von glueckskleechen 06.10.10 - 21:14 Uhr

Sehr schön geschrieben. Und regt wirklich zum Nachdenken an!
und bringt so manchen vielleicht dazu, seine Prioritäten wieder mal zu überdenken...:-)

(ich nehm mich da gar nicht aus!)

LG #klee