Meisterprüfung mit Kind - schaffe ich den Spagat? (Achtung: lang!)

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Beitrag von cristina-m. 06.10.10 - 23:36 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

nach einem tierisch anstrengenden Tag wachsen in mir mal wieder die Zweifel...
Vorab: ich habe bisher alle meine beruflichen und privaten großen Wünsche und Ziele erreicht, auch wenn ich sie mir regelrecht erkämpfen musste; ich habe Abitur, eine Goldschmiedelehre, einige Jahre Berufspraxis mit verschiedensten berufsbezogenen Aufgabengebieten, daher genug berufliche Erfahrung, ich habe den Mann, mit dem ich für immer zusammen bleiben möchte, bin mit ihm verheiratet und wir haben einen wunderbaren, freundlichen und zuckersüßen 8monatigen Sohn.
Letztes Jahr habe ich die vorbereitende Meisterschule schon einmal begonnen, um sie, wie geplant, für ein Jahr Babypause zu unterbrechen, (das fiel genau mit dem Schulhalbjahr zusammen) und dann im Februar 2011 wieder einzusteigen und die anschließenden Prüfungen zu machen (bis Juli).
Es ist genau das, was mir liegt, es hat unglaublichen Spaß gemacht und ich war auch mit meinen Leistungen sehr zufrieden.
Nur für die praktischen Arbeiten habe ich zu lange gebraucht.
Die Prüfungen sind kein Zuckerschlecken und kosten außer Nerven eine Stange Geld, vor allem eben der Teil, der die Anfertigung des Meisterstücks beinhaltet. Um das Stück selbst mache ich mir nicht die Sorgen, das bekäme ich hin. Nur um die Prüfung, in der man nach Vorgaben ein Pflichtstück bauen muss in 8 Stunden. Schafft man das nicht, so muss man den ganzen Teil der Prüfung wiederholen inklusive des Meisterstücks, das einfach unglaublich teuer ist.
Die Pflichtstücke waren die letzten Jahre so schwer (=zeitaufwändig und kaum zu schaffen in 8h), dass regelmäßig Leute deshalb (und eigentlich machen sie nur einen so geringen Teil des Ganzen aus) die Prüfung nicht geschafft haben.

Für die praktischen Teile müsste ich also ab und zu üben um nicht raus zu kommen aus der Praxis.
Und für die Theorie bräuchte ich Ruhe und Muße, um zu lernen.

So, nun das Problem: ich bin nur beim Beruf strukturiert, mein sonstiger Tagesablauf, gerade wenn es keine Uhrzeiten gibt, an die ich mich halten muss, ist sehr unterschiedlich und auch unstrukturiert.
Ich schaffe es ganz gut, unseren Kleinen immer um die gleiche Zeit ins Bett zu bringen, wir haben auch ein Einschlafritual und das funktioniert sehr gut. Meistens ist es mittlerweile ohnehin nicht schwer, ihn zum Schlafen zu bringen, auch tagsüber, wenn er müde ist (tags lege ich ihn dann auch immer zu uns ins Bett, damit er immer dort aufwacht und weiß, was los ist).
Tja, und tags bin ich ziemlich mit ihm beschäftigt. Er mag es am Liebsten, wenn wir draußen sind (am Besten den halben Tag), sobald ich mich mit ihm Richtung Wohnungstür bewege, freut er sich, wenn ich aus einem Grund umkehre, fängt er an zu schimpfen. Spätestens nachmittags bekommt er dann einen Buden-Koller, falls wir bis da noch nicht draußen waren.
Er liebt es, unter Leuten oder mit anderen Kindern zu sein, auch wenn wir ein sehr inniges Verhältnis haben.
Er ist auch wirklich unglaublich liebenswürdig und freundlich, sehr geduldig.
Und trotzdem komme ich zu fast nichts. Wenn ich aus dem Zimmer gehe, beschwert er sich meist. Oft kann er sich alleine beschäftigen, am Besten, wenn ich einen Meter entfernt sitze und zu ihm schaue, mich mit ihm unterhalte. Bis vor einer Woche musste ich ihm sogar das Spielzeug wieder geben, wenn er es verloren hatte beim auf dem Rücken liegen.
Er hasst nämlich die Bauchlage ÜBER ALLES und dreht sich sofort wieder auf den Rücken. Seit einer Woche (Gott sei Dank!), nach geduldigem Üben mit ihm immer wieder, ergattert er sich nun endlich auch entfernteres Spielzeug und rollt sich dazu, wie er das möchte, und auch auf den Bauch.
Dementsprechend fixiert ist er noch an den Ort, wo er liegt und ich demnach auch. Mit ihm auf dem Arm oder im Tuch geht nicht viel - er ist groß und schwer (fast 10kg) und ich kann dann außer Blumen gießen nicht viel erledigen (er will halt auch immer "mithelfen").
Eigentlich kommen wir gut klar, ich genieße es die meiste Zeit sehr, mit ihm nach seinem Rhythmus und im Hier und Jetzt zu leben.
Aber alles andere bleibt liegen. Haushalt schaffe ich grad so das Nötigste, weniger, um mich selbst wohl zu fühlen. Mein Mann, der morgens früher aufsteht, um die Küche zu machen, und abends mit meiner Hilfe fast immer kocht, ist damit ziemlich ausgelastet.
Beziehung gibt es gerade sowieso nicht mehr, geschweige denn Sex (alle paar Wochen). Wir gehen trotzdem liebevoll und umsichtig miteinander um und haben Verständnis für den Anderen.

Aber wo bleibt mein Leben? Meine Zeit für mich allein? Einmal die Woche gehe ich zur Rückbildung und zum Tanztraining. Mit meinem Kleinen. Findet der toll.
Mein Mann geht derweil Schwimmen, er braucht das zum Ausgleich.
Ich war auch schon 2mal alleine tanzen. Für 1,5 - 2h. Länger geht nicht, weil er so oft trinkt. Das ist wohl das Hauptproblem.
Brei kriegt er auch schon, 2mal am Tag, aber er isst unterschiedlich viel, auch wenn er es liebt. Manchmal mag er gar nicht. Trinken tut er nur aus seiner Schnabeltasse (bis zu 100ml pro Mal, aber sehr unterschiedlich viel), d.h. eine Mahlzeit abzupumpen ginge auch nicht: wie verabreichen??
Er leidet zudem an chronischer Verstopfung, was allerdings wohl keine organische Ursache hat, meine Mutter ist Ärztin und beim Osteopathen und der KiÄ war ich auch schon. Hilft nur alle 4 Tage ein Einlauf mit warmem Wasser. Solange das mit dem Verdauen nicht besser wird kann ich das mit dem Brei aber nur langsam steigern. D.h. er ist auch da noch zu oft auf mich und meine Milch angewiesen.

So: wie soll ich unter den Umständen in 4 Monaten wieder zur Schule gehen und 12h am Tag weg sein?
Mein Mann wäre anfangs 2 Monate zu Hause in Elterzeit, danach soll er bis zum Ende der Prüfungen in die KiTa bzw. zur Tagesmutter.
Aber um den Einstieg zu kriegen, müsste ich jetzt schon lernen und auch ab und zu in die Werkstatt und das geht nun mal nicht mit ihm!
Und das Problem ist bestimmt auch ein psychisches: ich will ihn nicht abschieben, will ihm nicht so klein schon Umstände und Leute aufzwingen, die ihm nicht entsprechen.
Ja, ich kann nicht gut los lassen, aber im Moment braucht er mich in jeder kritischen Situation, da ich ja auch 90-95% der Zeit mit ihm verbringe. Die Großeltern wohnen zu weit weg, um ihn mal abzugeben.
Wenn sich die Situation ergibt, beim Tanztraining oder wenn mein Mann nach Hause kommt etc., gebe ich ihn gern ab, ich kann das ohne weiteres. Aber er fremdelt eben auch. Da hilft dann nur noch Mama oder Papa. Und gegen fremdeln soll man ja nichts tun, weil das wichtig und richtig für die Entwicklung ist.

Puuuuuuuh, denkt Ihr jetzt. War's das? Ja, für's Erste :-)

Danke für's Lesen.

Und jetzt kommt Ihr.
Mit hoffentlich konstruktiver Kritik.

Danke vorab und eine schöne Nacht!

Beitrag von ronjaleonie 06.10.10 - 23:44 Uhr

Bitte nicht falsch verstehen, aber deinem Artikel entnehme ich doch enorme Zweifel. Willst du es denn selbst überhaupt?
Ich habe das Gefühl, das die dadurch resultierende Trennung von deinem Sohn, dir sehr schmerzhaft wäre. Wäre es denn möglich die Schule so lange aufzuschieben, bis er ganz regulär in den Kiga geht?

Ich selbst halte rein garnix von Krippen oder Tagesmüttern für ganz kleine. Svenja ist mit 3 in den Kiga gekommen, Ronja wird mit 2 starten, das ist für mich aber das absolue Höchste der Gefühle.

Wenn du dich mit der Situation unwohl fühlen würdest, würde es dein Sohn auch. Kinder spüren ganz genau!!!

Ich würde wie gesagt schauen, ob das auch geht, wenn er ganz normal im Kiga ist.

LG
Nicole

Beitrag von cristina-m. 07.10.10 - 00:03 Uhr

Danke für die Antwort, es tut gut, wenn jemand mal von außen drauf schaut!

Ja, Du hast Recht, ich fühle mich unwohl dabei. Und mein Sohn und ich haben so eine enge Verbindung, der merkt alles. Sofort.
Bin gerade am Überlegen, wie ich es aufschieben kann. Vielleicht auch teilweise. Die Prüfung hat 4 Teile. Evtl. kann ich ja ein oder 2 Theorieteile machen, ohne davor viel zur Schule zu gehen. Während der Elternzeit meines Mannes...

Das Problem ist halt auch das Bafög. Ich weiß nicht, wie die da mitspielen, wenn sich das nochmal ändert. Man hat da ja Fristen zum Zurückzahlen und es ist auch erfolgsgebunden (=Bestehen der Prüfung etc.).

Hm, ich glaube, ich beschließe hiermit zumindest mal den praktischen Teil zu verschieben.

Danke für's Zuhören, hast mir die Augen geöffnet!

Beitrag von ronjaleonie 07.10.10 - 00:10 Uhr

Hm, ich fühle da sehr ähnlich wie du, meine beiden Kinder gehen mir ÜBER alles, da stelle ich mich immer weit hinten an.

Ich hatte 2 schwere SS und schwere Geburten mit der vorangegangen Prognose nie ein Kind bekommen zu können, ich glaube meine Kinder sind mir einfach unendlich viel wert, für sie würde ich alles tun, und es bricht mir das Herz, sie traurig zu sehen.

Wir ziehen in 10 tagen um und der Opa will die kleine nehmen, da ich weiss das sie weint weil sie fremdelt werde ich sie eher den ganzen Tag im manduca tragen, sonst hab ich eh keine Ruhe :-)

Beitrag von cristina-m. 07.10.10 - 00:22 Uhr

Oh ja, Körpernähe und liebevolle Zuneigung ist doch einfach das Beste, was man den Kindern geben kann.

Ich war immer schon in Kinder vernarrt und wollte eigene.
Es ist für mich das Schönste der Welt, den Mann dafür gefunden zu haben und diesen wundervollen Sohn zu haben. Dieses Kind ist das Beste, was mir je passiert ist. Ich würde alles für ihn tun. #verliebt

Aber man muss auch auf sich selbst aufpassen: ein zwei freie, entspannte Momente braucht die Mama am Tag, um aufzutanken.

Denk auch an Dich, gerade beim Umzug: lass doch den Opa mal mit ihr spazieren gehen, wenn sie gerade gut drauf und satt ist. Sag ihm, er soll das Haus im 500m-Abstand umrunden, dann kann er immer schnell wieder da sein :-)
Und tragt doch als erstes in die neue Bude einen Sessel und den Wickeltisch, dann kann der Opa mitten im Geschehen mit der Kleinen sitzen, Dich im Blickfeld, und sie bespaßen. Und sie wickeln.

Oder?

Wünsch Euch alles Gute und viel Power.

Beitrag von ronjaleonie 07.10.10 - 20:54 Uhr

Danke!
Wickeltisch ist quasi schon fertig, ich hab die beiden Kinderzimmer fast fertig :-)