Neuer Job - hab einige Fragen...

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von clubberer 07.10.10 - 22:15 Uhr

Hallo, also ich arbeite seit September im Einzelhandel, die Tochter vom Chef ist meine beste Freundin seit Schulzeiten, ich hab mich sehr gefreut, als eine bei denen gegangen ist, und somit ein Platz frei war für mich, da meine alte Firma im Frühjahr pleite gegangen ist und ich den Sommer über zu Hause war.

So, also ich arbeite früh- und spät im Wechsel, 30 Stunden die Woche. Bis gestern wusste ich ja nicht mal, was ich verdien... ;o) Mein Mann hat schon gemeckert, aber in erster Linie gings mir um die Arbeit, dass ich wieder was hab, das Geld ist schön, aber nicht der Hauptgrund. So, gestern bekam ich meinen Lohnzettel, 870Brutto, durch meine St.klasse 5 bleiben knapp 600übrig.

Einen Arbeitsvertrag habe ich nicht... Hab mich heute mit meiner Kollegin unterhalten, mit der ich die Filiale mache, ist echt ne liebe, und ist seit etwa 10Jahren dabei - und sie hat auch keinen Arbeitsvertrag... also werde ich auch keinen bekommen... sie bekommt 20 tage und 4 Samstage Urlaub... ich laut meiner Freundin nur 20 Tage, da meinte mein Mann schon, das wäre zu wenig... aber ich arbeite ja auch nicht 40std wie meine Kollegin, sondern nur 30...

Und dann meinte meine Kollegin, wenn jetzt z.B. morgen ein Feiertag wäre, und sie laut schichtplan 7 Stunden arbeiten müsste (wir arbeiten nicht jeden Tag die gleiche Anzahl von Stunden, mal nur 3, dann wieder 8), naja, auf jedenfall meinte meine Kollegin, die Chefin (die Tochter, meine Freundin) hätte gesagt, sie muss dann diese Stunden nacharbeiten... HÄ? Das kann doch nicht sein, oder???

Das gleiche wäre ja mit Urlaub... es kann doch nicht sein, dass man seinen Urlaub rausarbeiten muss?

Ich hab noch nie im Einzelhandel gearbeitet, wer kann mich aufklären, wie das mit Urlaub und Feiertagen ist? Auch mit den Samstagen? Ich muss ja immer 6Tage nehmen, während mein Mann z.B. nur 5 Tage brauch?

Wie ist es, falls es mal zu einer Kündigung ihrerseits kommt ohne Vertrag?

Bin im Moment etwas ratlos, ihr werdet sicher sagen, sprich mit ihr, sie ist ja auch meine Freundin, das ist aber nicht so einfach, sie hat sehr viel zu tun, und wir sehen uns nur alle paar Wochen mal privat, oder aber zum weggehen, und da passt das Thema auch nicht... und falls es zum Gespräch kommen sollte, wäre es schön, wenn ich ein paar Fakten hätte...

Ach ja, sie ist seit Jahren single und hat wirklich den letzten Urlaub vor 3 Jahren gemacht, seitdem macht sie keinen mehr, ist jeden Tag in einer der Filialen oder im Büro, sie wird es daher nicht so verstehen mit dem Urlaub...

LG Lenchen

Beitrag von grubenlicht 07.10.10 - 23:09 Uhr

huch! daran sieht man mal wieder wie grausam der einzelhandel ist #zitter ich habe jahrelang da gearbeitet und die 'gesetze' sind wesentlich rauer.
zum einen ist es natürlich wirklich seeeehr ungünstig, dass du keinen schriftlichen arbeitsvertrag hast (allerdings kenne ich das leider auch oft so :-( ). allerdings solltest du gerade deswegen ein paar punkte nochmal richtig abklären.

gerade diese urlaubsregelung kann ziemlich kompliziert sein, ich kenne es so:
wenn du 30h die woche arbeitest bedeutet das rein theoretisch 6h pro tag exklusive samstag. wenn du aber verschiedene dienste machst, also z.B. montag nur 3h und dafür donnerstag 9h und den rest der tage 6h und der donnerstag jetzt ein feiertag ist, heisst das, dass du 3 minusstunden hast weil du ja nicht arbeitest. deine kollegin hingegen, die montag 9h gearbeitet hat und dafür donnerstag für 3h eingeteilt war, hat für diesen feiertag 3 überstunden bekommen, da sie ja montag mehr gearbeitet hat.
an deiner stelle würde ich aber nochmal richtig fragen, ob du urlaubsanspruch in werktagen (also 6 pro woche) oder arbeitstagen (5 tage pro woche) hast, denn deine angegeben 20 sind die gesetzlichen mindesturlaubstage für eine 5-stunden-woche und das heißt du mußt den samstag nicht urlaub nehmen.

eine kündigung ist zwar mündlich auch gültig aber für das arbeitsamt z.b. brauchst du etwas schriftliches. auch ein arbeitszeugnis kannst du dann verlangen!

ich hoffe, das ist jetzt so einigermaßen verständlich. #schein

lg, grubenlicht

Beitrag von goldtaube 08.10.10 - 06:40 Uhr

<<eine kündigung ist zwar mündlich auch gültig aber für das arbeitsamt z.b. brauchst du etwas schriftliches. <<

Eine Kündigung ist nur schriftlich gültig.

Zitat:
§ 623
Schriftform der Kündigung

Die Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Kündigung oder Auflösungsvertrag bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform; die elektronische Form ist ausgeschlossen.

Zitatende
Quelle: http://dejure.org/gesetze/BGB/623.html

Beitrag von arkti 07.10.10 - 23:10 Uhr

Also ich war zwar auch noch nie im Einzelhandel aber ohne Arbeitsvertrag würde ich nirgends arbeiten.

Beitrag von grubenlicht 07.10.10 - 23:20 Uhr

ich auch nicht, deswegen habe ich dieser branche den rücken gekehrt. #schwitz

Beitrag von goldtaube 08.10.10 - 08:23 Uhr

<<Bis gestern wusste ich ja nicht mal, was ich verdien... <<
Du hast das nicht beim Vorstellungsgespräch direkt geklärt?

<<Einen Arbeitsvertrag habe ich nicht... <<
Natürlich hast du einen Arbeitsvertrag. Nur ist es ein mündlicher Vertrag und dann gelten die gesetzlichen Regelungen bzw. die tarifvertraglichen Regelungen, sofern ein Tarifvertrag zu Grund liegt.
Mein Mann arbeitet auch im Einzelhandel und bei ihm liegt ein Tarifvertrag zu Grunde. Er hat aber auch noch einen schriftlichen Arbeitsvertrag.
Erkundige dich mal ob bei euch auch ein Tarifvertrag zu Grunde liegt.


<<sie bekommt 20 tage und 4 Samstage Urlaub... ich laut meiner Freundin nur 20 Tage, da meinte mein Mann schon, das wäre zu wenig... aber ich arbeite ja auch nicht 40std wie meine Kollegin, sondern nur 30... <<
Das ist der gesetzliche Mindesturlaub. Der beträgt bei einer 6-Tage Woche 24 Werktage.

Bei dir ist die Frage an wieviel Tagen pro Woche du arbeitest. Wieviel Stunden du an diesen Tagen arbeitest ist egal.

Zitat:
§ 3 Dauer des Urlaubs
(1) Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage.
(2) Als Werktage gelten alle Kalendertage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind.
Zitatende
Quelle:
http://www.gesetze-im-internet.de/burlg/__3.html

<<Ich hab noch nie im Einzelhandel gearbeitet, wer kann mich aufklären, wie das mit Urlaub und Feiertagen ist? Auch mit den Samstagen? Ich muss ja immer 6Tage nehmen, während mein Mann z.B. nur 5 Tage brauch? <<
Ist ganz einfach:
Gilt im Betrieb die 6- Tage Woche, was beim Einzelhandel üblich ist, dann gibt es den gesetzlichen Mindestanspruch von 24 Werktagen (4 Wochen = 4 * 6 Tage)

Gilt im Betrieb die 5-Tage Woche, gilt der gesetzliche Mindestanspruch von 20 Arbeitstagen (4 Wochen = 4 * 5 Tage.)

Es sind jeweils 4 Wochen. Nur die mit der 6 Tage Woche bekommen 4 Tage mehr für den Samstag.

Bei deiner Kollegin wurde vermutlich der gesetzliche Mindestanspruch zugrunde gelegt. Also 24 Werktage. Das ist der Urlaub für Vollzeit.
Arbeitest du nur Teilzeit an weniger Tagen bekommst du anteilig Urlaub. Runtergerechnet von den 24 Werktagen.
Arbeitest du Teilzeit aber mit der gleichen Menge Tage pro Woche wie deine Kollegin, dann hast du Anspruch auf den vollen Urlaub. Denn es geht nicht nach Stunden, sondern nach den Tagen die man arbeitet.


<<Und dann meinte meine Kollegin, wenn jetzt z.B. morgen ein Feiertag wäre, und sie laut schichtplan 7 Stunden arbeiten müsste (wir arbeiten nicht jeden Tag die gleiche Anzahl von Stunden, mal nur 3, dann wieder 8), naja, auf jedenfall meinte meine Kollegin, die Chefin (die Tochter, meine Freundin) hätte gesagt, sie muss dann diese Stunden nacharbeiten... HÄ? Das kann doch nicht sein, oder??? <<

Das ist auf keinen Fall korrekt. Wenn auf einen Arbeitstag ein Feiertag fällt muss der Feiertag bezahlt werden. Kommt aber auch drauf an wie es vereinbart ist. Sind z. B. keine festen Tage vereinbart, sondern nur Stunden pro Woche oder z. B. 3 Tage pro Woche und nicht z. B. Montag, Mittwoch und Donnerstag, dann sieht das anders aus.
Da im Zweifelsfall die gesetzliche Regelung zum Tragen kommt:
Zitat:
§ 2 Entgeltzahlung an Feiertagen
(1) Für Arbeitszeit, die infolge eines gesetzlichen Feiertages ausfällt, hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das Arbeitsentgelt zu zahlen, das er ohne den Arbeitsausfall erhalten hätte.
Zitatende
Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/entgfg/__2.html

<<Das gleiche wäre ja mit Urlaub... es kann doch nicht sein, dass man seinen Urlaub rausarbeiten muss?
<<
Das ist so nicht in Ordnung.

<<Wie ist es, falls es mal zu einer Kündigung ihrerseits kommt ohne Vertrag? <<

Wie gesagt, ein Vertrag besteht ja. Eben nur mündlich. Da sich aber schwer beweisen lässt was vereinbart wurde bzw. es Aussage gegen Aussage steht, gelten die tarifvertraglichen Regelungen (sofern ein Tarifvertrag gilt) bzw. die gesetzlichen Regelungen.

Die gesetzliche Regelung besagt, bei Kündigungen durch den Arbeitgeber:

Zitat:
§ 622
Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen
(2) Für eine Kündigung durch den Arbeitgeber beträgt die Kündigungsfrist, wenn das Arbeitsverhältnis in dem Betrieb oder Unternehmen
1. zwei Jahre bestanden hat, einen Monat zum Ende eines Kalendermonats,
2. fünf Jahre bestanden hat, zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats,
3. acht Jahre bestanden hat, drei Monate zum Ende eines Kalendermonats,
4. zehn Jahre bestanden hat, vier Monate zum Ende eines Kalendermonats,
5. zwölf Jahre bestanden hat, fünf Monate zum Ende eines Kalendermonats,
6. 15 Jahre bestanden hat, sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats,
7. 20 Jahre bestanden hat, sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

Bei der Berechnung der Beschäftigungsdauer werden Zeiten, die vor der Vollendung des 25. Lebensjahrs des Arbeitnehmers liegen, nicht berücksichtigt.
Zitatende
Quelle: http://dejure.org/gesetze/BGB/622.html

Für den Arbeitnehmer gilt:

Zitat:
§ 622
Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen

(1) Das Arbeitsverhältnis eines Arbeiters oder eines Angestellten (Arbeitnehmers) kann mit einer Frist von vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats gekündigt werden.
Zitatende
Quelle: http://dejure.org/gesetze/BGB/622.html

Sollte eine Probezeit vereinbart sein gilt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer:
Zitat:
(3) Während einer vereinbarten Probezeit, längstens für die Dauer von sechs Monaten, kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden.
Zitatende
Quelle: http://dejure.org/gesetze/BGB/622.html

Eine Kündigung muss immer schriftlich erfolgen. Mündliche Kündigungen, Kündigungen per Fax, E-Mail etc. sind nicht gültig.
Der Zugang der Kündigung sollte nachweislich erfolgen und die Kündigungsfristen müssen eingehalten werden.







Beitrag von clubberer 08.10.10 - 16:31 Uhr

Hallo,

vielen Dank für die vielen Infos von Euch! Hat mir sehr geholfen!

Also ich arbeite in der Frühschichtwoche 5 Tage und in der Spätschichtwoche 6 Tage.
Aus euren Antworten schließe ich, dass ich 24Tage Anspruch auf Urlaub habe. Richtig?

Wegen Fragen klären bei Vorstellungsgespräch, ein solches gab es nicht wirklich, wie gesagt, kenne die Familie seit ich ein Kind bin und ich bin da einfach so reingekommen, ohne groß drüber reden, meinen Chef hab ich, da er im Urlaub war, auch erst gesehen, als ich schon ein paar Tage gearbeitet hab...

Was meint ihr, soll ich denn was zu sagen, wenn sie mir nur 20 Tage Urlaub geben? Also soll ich drauf bestehen, dass ich 24 Tage bekomm? Macht sich ja nicht so gut, will ja den Job nicht gleich wieder verlieren...

LG Lenchen und ein schönes WE