Trennungsschmerz: wer kennt den psychologischen Hintergrund?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von claerchen81 08.10.10 - 09:18 Uhr

Hi,

unser Sohn geht seit Sept. dieses Jahres in den Kiga, wurde vorher 2 Jahre von einer TaMu mit recht vielen Kindern betreut. Er ist Fremdbetreuung gewöhnt.

Bei der TaMu hat es ihm durchaus gefallen, zumindest war er DORT recht pflegeleicht. Beim Abgeben gab es aber überwiegend Tränen. Manchmal hüpfte er fröhlich rein, aber die meiste Zeit wollte er lieber nicht.

Im Kiga ist es wieder so: morgens Tränen, er wird von der Erzieherin, die er sehr gut angenommen hat und bei der er auch gleich auf den Schoß hüpft, getröstet. Kaum bin ich aus der Tür, weint er nicht mehr sondern spielt normal (er ist jedoch noch sehr ruhig, die Eingewöhnung ist def. noch nicht abgeschlossen), gilt beim Schlafen und Essen wieder als absolut problemlos. Wenn ich ihn abhole freut er sich tierisch, sagt aber auch, dass es im Kiga gut war und er Spaß hatte.

Normalerweise denken mein Mann und ich, dass sein Verhalten normal ist, er wäre natürlich lieber bei uns, das geht aber nicht, da wir normalerweise beide arbeiten (bin gerade im Muschu, danach geht´s aber wieder los). Er kennt Fremdbetreuung und ich halte die Erzieherinnen für liebevoll und kompetent, vertraue ihnen. Unser Sohn äußert sich selbst nicht negativ über den Kiga, aber wenn man ihn fragt, will er lieber nicht hingehen.

Die Frage nach dem "Warum" quält mich enorm. Warum ist die Trennung offensichtlich für ihn so schlimm, in der Situation selbst findet er sich aber gut ein? Was sagt mir dieses Verhalten: überfordern wir ihn? Zeugt es von schlechter/ guter Bindung? Wie helfen wir ihm zu verstehen und zu vertrauen, dass wir ihn immer holen, dass er es dort genießen kann, dass es Spaß macht?

Ich habe ein wenig Angst, dass er ein "Anpasser" ist (war ich auch): dh. er stellt seine Bedürfnisse hinter unsere. Ich möchte mein Kind natürlich nicht "überfahren"/ "übervorteilen"/ "überfordern" - aber auch in Gesprächen mit ihm komme ich nicht hinter seine Gründe (Kommunikationsfähigkeit bzw. die Fähigkeit, seine Gefühle in Worte zu fassen, sind mit knapp 3 natürlich noch nicht ausgeprägt).

Kennt sich jmd. aus? Kann ich ihm Hilfestellung leisten?

Gruß, C.

Beitrag von nana141080 08.10.10 - 09:28 Uhr

Hi,

sei beruhigt, es gibt dafür keinen Hintergrund der dir sagen könnte es sei schädlich das er beim abgeben weint.

Mein 5 1/2 Jähriger hatte das auch sehr sehr lange. Auch jetzt im neuen Kiga die ersten 3 Wochen öfter....

Zuhause ist es einfach schöner. Das ehrt dich doch;-)
Wenn ich hier immer lese das Kinder den Kindergarten so sehr lieben und es nie Tränen gibt, sie jeden Tag megatheater machen und nicht nach Hause wollen, dann frage ich mich : WARUM?
Warum wollen die Kinder nicht nach Hause?

Meine sind auch gern im Kiga.Aber wenn ich sie frage ob sie dahin wollen oder zuhause bleiben wollen (an meinem geburtstag oder wenn Ferien sind, dann wollen sie zuhause bleiben;-))

LG Nana

Beitrag von jindabyne 08.10.10 - 10:43 Uhr

"Wenn ich hier immer lese das Kinder den Kindergarten so sehr lieben und es nie Tränen gibt, sie jeden Tag megatheater machen und nicht nach Hause wollen, dann frage ich mich : WARUM?
Warum wollen die Kinder nicht nach Hause? "

Meine zwei Töchter sind solche Kinder, die ohne Tränen begeistert in den Kiga gehen und mittags nicht nach Hause wollen :-p Der Grund dafür ist bestimmt, weil es zu Hause bei uns so grässlich ist, sie gnadenlos vernachlässigt werden, ihre Mutter mit ihnen überfordert ist und die Kinder eine ganz, ganz schlechte Bindung zu ihren Eltern haben #rofl

Nein, im Ernst: Meiner Ansicht nach ist das einfach eine Sache der Persönlichkeit. Manche Kinder lieben einfach den Trubel, die Abwechslung, den Kontakt zu vielen anderen Kindern. Andere Kinder mögen es vielleicht lieber ein bisschen ruhiger. Ich denke, da gibt es viele verschiedene Faktoren, die das Verhalten der Kinder beeinflussen. Ich habe auch schon erlebt, dass Mütter nicht loslassen konnten und die Kinder deshalb beim Abgeben viel geweint haben - kaum war die Mutter weg oder der Vater brachte morgens mal das Kind, klappte alles problemlos. Auch die Erzieherinnen spielen eine große Rolle, wie sehr vertraut das Kind ihnen?

Wenn meine Kinder mittags beim Abholen Theater machen, sind sie in der Regel gerade mit ihren Freundinnen in ein Spiel versunken und wollen das nicht abbrechen. Kann ich auch gut verstehen, ich habe es als Kind auch immer gehasst, dass wir immer gehen mussten, wenn es gerade am Schönsten war ;-)

Lg Steffi

Beitrag von bokatis 08.10.10 - 09:33 Uhr

Also erstmal, du bist in Mutterschutz, heisst, ihr habt ein neues Baby bzw. es ist unterwegs? Schonmal ein großer Faktor für den Trennungsschmerz deines Sohnes...das Baby kommt bald bzw. es bleibt bei Mama und ich bin alleine im Kindergarten...das kann auch in der ganzen Schwangerschaft ein bisschen Unsicherheit in Sachen Trennung verursachen.

Er ist noch nicht mal 3 Jahre alt? Mein Sohn hatte zwischen 2 und 3 auch öfter mal Probleme, sich zu trennen (er ist mit 2 Jahren in die Krippe gekommen und mit kurz vor 3 dann in den Kindergarten im selben Haus). Mit knapp3 war es für einige Wochen am schlimmsten.

Jetzt mal Ratschläge :-)
Vorausgesetzt,er hat Spaß da, geht gerne hin usw....mach mit der Erzieherin Strategien aus, die ihm helfen, sich zu trennen. Bei meinem Sohn half zB das Angebot, wenn er sich nicht trennen will, darf er erst mal dies und das machen (hoch zu den kleinen Kindern, mit der Erzieherin neue Bücher für die Bücherecke aus dem Büro holen usw.). Und dann gab es ein "Bonusheft", für jedes Mal, dass er ohne Weinen geschafft hat, gab es einen kleinen Sternaufkleber ins Heft. Und wenn er soundsoviele Sterne beisammenhatte, gab es was (tolles Eisessen, kleines Auto usw...).
Irgendwann war das Heft dann voll und uninteressant :-) Mittlerweile rennt er rein in den Kindergarten und sagt nichtmal Tschüs....er ist jetzt 3,5 Jahre alt.
P.S: Er hat mit 2 Jahren auch eine SChwester bekommen. Das ist schonmal ein Einschnitt für ein Kind! Lass ihm Zeit.
K.

Beitrag von bokatis 08.10.10 - 09:35 Uhr

UNd meine Mitschreiberin hat Recht: Zuhause ist es einfach am schönsten, mein Sohn will auch gern mal zuhause bleiben...er hat aber mittlerweile viele "Freunde" im Kindergarten, die ihn dann doch hinziehen. Ich denke auch, wenn dein Sohn dort richtige Spielpartner gefunden hat, wird alles leichter für ihn. Mit 3 Jahren wird der "Freund" langsam zu einer wichtigen Person im Leben eines Kindes!

Alles Gute
K.

Beitrag von claerchen81 08.10.10 - 10:09 Uhr

Danke an euch.

Hmm, ich habe vielleicht einfach zuviel Zeit aktuell, um Probleme zu sehen, wo keine sind.
Die Erzieher/innen beschreiben ihn als problemlos, er wird durchaus gemocht, hat aber eben noch keinen richtigen Gruppenanschluss (schwierige Gruppenkonstellation, 9 kennen sich schon aus der Kleinkindbetreuung, unser Sohn hingegen ist sogar von außerhalb, von seinen "Freunden" bei der TaMu ist niemand dabei). Braucht halt alles seine Zeit, ich bin mal wieder zu ungeduldig, vielleicht die Schwangerschaftshormone ...

Danke und Gruß, C.

Beitrag von jokie 08.10.10 - 10:39 Uhr

Hallo,

hm, das hört sich aber doch alles normal und auch gut an, finde ich.

Er muss ja auch erstmal seinen Platz in der Gruppe finden. Bei uns im Kiga ist es auch so, dass die neuen Kinder erstmal nicht so viel sagen und zurückhaltender sind. Das gibt sich dann mit der Zeit.

LG Jokie

Beitrag von jollymax 08.10.10 - 12:38 Uhr

Liebe C.,

der Trennungsschmerz ist ein Zeichen dafür, dass du alles richtig gemacht hast und eine gute Bindung zwischen dir und deinem Kind besteht. Dieser Trennungsschmerz wird meiner Erfahrung nach abnehmen, wenn es sich ein bisschen eingespielt hat und er wird immer wieder zunehmen, z.B. nach längeren Pausen (wegen Urlaub oder Krankheit), wenn das Baby da ist und alle Gefühle sich im Kreise drehen, wenn er kurz vor einem Entwicklungsschub steht,..... Dein Sohn äußert sich nicht negativ über den Kiga, also ist er am richtigen Ort, sonst würde er es euch schon deutlicher zeigen.

Aus meiner Erfahrung ist alle im grünen Bereich.

Ich würde beim Abholen sobald er aufnahmebereit ist, viel mit ihm sprechen. So in der Art: "Ich habe dich heute vormittag vermisst, aber ich freue mich sehr, dass du spielen, malen, Bücher lesen,... konntest während ich gearbeitet habe und keine Zeit für dich hatte. Du konntest schön spielen und ich habe jetzt alle Hausarbeit erledigt und habe jetzt richtig Zeit für dich. Was wollen wir heute zusammen machen? Und dann würde ich eine bestimmte Zeit lange meine ganze Aufmerksamkeit dem Kind schenken.

Diesen Text in Variation würde ich zum täglichen Ritual werden lassen, zusammen mit der Zeit, die du nun nur ihm widmest. Und diese Zeit würde ich auch wenn das Baby da ist für ihn reserviert lassen.


Wünsche dir eine schöne Rest-SS und eine schöne Geburt. Schau dir deinen kleinen Sohn nochmal genau an und genieße ganz bewusst die innige Zweisamkeit und innige Nähe zu ihm. Ab dem Tag der Geburt ist er nie mehr dein kleiner Schatz, sondern ab dann ist er dein großer Schatz. Erlebe das bewusst, es ist unglaublich wie schnell die Kleinen durch eine Geburt wachsen.

Alles Liebe
Jollymax

Beitrag von estherb 08.10.10 - 13:25 Uhr

Hallo,

nach vier Wochen ist das absolut noch okay und normal und ein Zeichen für eine sichere Bindung, wenn er beim Abschied weint. Wenn er sich dann von der Erzieherin beruhigen lässt, heißt das doch, dass er sie akzeptiert und als Bindungsperson angenommen hat.

Meine Tochter ist seit februar im Kindergarten und war vorher eineinhalb Jahre in der Krippe. In der Krippe haben wir vier Wochen für eine ganz allmähliche Eingewöhnung gebraucht, und sie hat danach bestimmt noch weitere vier Wochen beim Abschied geweint. Aber halt jeden Tag kürzer und irgendwann war es vorbei. Im Kindergarten hat sie, obwohl es die gleiche Einrichtung war und sie das Haus und die Erzieherinnen kannte, auch ein paar Wochen gebraucht, bis ihr der Abschied morgens nicht mehr schwer fiel. Und manchmal ist sie da immer noch anhänglich - ich bin auch wieder schwanger, und das verunsichert die Mäuse, da kann man gar nichts machen. Wenn wir eine Meinungsverschiedenheit hatten am morgen, will sie nicht gehen, weil sie dann traurig ist. Und so weiter und so weiter - manchmal hat sie auch einfach einen anhänglichen Tag.

Was meiner Tochter oft hilft, ist ihr Teddy, den sie mitnehmen darf. Sie soll ihn mittlerweile nicht mehr mit in die Gruppe nehmen, am Anfang durfte sie das aber sehr lange, als sie die Kleinste war. Jetzt nimmt sie ihn nur noch ab und zu mit, dann legt sie ihn in ihre Fach und nimmt ihn abends mit nach hause. Und sie hat mit der Erzieherin abgemacht, dass sie einfach rausgeht und ihn knuddelt, wenn sie das braucht. Übergangsobjekte helfen sehr in Trennungssituationen.

Der Kiga ist auch einfach noch mal was anderes als die Tagesmutter, ist selbst was anderes als die Krippe, wir haben die Umstellung auch ein paar Wochen gemerkt.

Problematisch ist es, wenn ein Kind gar keinen Trennungsschmerz zeigt und von Anfang an überall brav hingeht - oder wenn es nur weint und sich gar nicht beruhigen lässt. Aber was Du schilderst, finde ich völlig normal!

Liebe Grüße

Beitrag von nityanandi 08.10.10 - 19:46 Uhr

hallo!

hier kennt sich jemand mit den hintergründen von trennungsschmerz aus und gibt müttern in ähnlichen situationen kompetente antworten:

http://www.rund-ums-baby.de/entwicklung/stichwortsuche.htm?stichwort=Trennungsangst#post_1

ich glaube, damit wirst du viel anfangen können.

alles gute!
n.