Sprachheilkindergarten ja/nein? Brauche meinungen und Erfahrungen!!!

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von angelina06 08.10.10 - 09:30 Uhr

Hallo zusammen,

mein kleiner Tim ist jetzt bald 3,5 Jahre alt und hat mit der reden ein wenig Probleme. Bis vor 3 Monaten ließ er immer die ersten Buchstaben weg, aussprache undeutlich und Satzbildung war kaum vorhanden.
Habe mir ziemliche Sorgen gemacht und vor 3 Monaten einen Termin zur beratung bei einer Sprachheilschule gemacht.

Wir sind auch bei einer logopädin und er hat in den letzten Monaten Fortschritte gemacht, die ersten Buchstaben kommen und die Satzstellung wird immer besser. Sie ist auch der meinung wir bekommen das hin.
Meine Logopädin hält nichts von einem Sprachheilkindergarten, da die Kinder wohl nur 40 min. die Woche Logopädie haben und sonst ist alles normal. Naja es sind kleinere Gruppen 10 kinder (bei Tim sind es momentan 13) Aber dann ist Tim doch nur mit Kindern zusammen die Sprachprobleme haben?

Das mit dem nur 45 min Logopädie wurde mir nun auch beim beratungsgespräch bestätigt, allerdings merkten wir, mein Mann und ich das der Mann Ihn schon in seinem Kindergarten sehe, selbst über die einschulung in der Sprachheilschule hat er schon nachgedacht. Das finde ich etwas früh.

Wir stehen nun auf der Warteliste für den Kindergarten, und ich kann demnächst 9 mal Mittags in eine Gruppe mit Ihm gehen. Je nachdem wie er sich dann entwickelt soll er evt. in den Kindergarten wechseln.

Bin nun ein wenig unsicher, ob es überhaupt sinn macht. Ich den kleinen wirklich aus seinem Kindergarten raus nehmen soll wo er wirklich schon sehr gut Integriert ist. Ob man evtl. auch nur Plätze füllen möchte? Was ist nun richtig was ist falsch. Was ist das beste für mein Kind?

Sorry ich weiß es ist Lang, hoffe auf eure Meinungen und Erfahrungen,

Vielen Dank!!

Beitrag von arienne41 08.10.10 - 09:43 Uhr

Hallo

Es gibt viele Kinder die in dem Alter noch Probleme haben.

Mir wurde gesagt richtig Sinn macht die Logo erst ab 4 Jahren.

Mein Sohn sprach auch nicht so toll in dem Alter und wir sind erst als er 5 war zur Logo gegangen.

Nun ist alles bestens und er geht seit anfang an in einen normalen Kindergarten und kommt nun auch auf eine normale Grundschule

Beitrag von kati543 08.10.10 - 09:50 Uhr

"Mir wurde gesagt richtig Sinn macht die Logo erst ab 4 Jahren. "
Dann wurde dir was falsches gesagt. Es kommt immer darauf an, was der Logopäde machen soll. Logopädie macht alles, was mit Mundmotorik zu tun hat. Der Logopäde bringt z.B. auch Säuglingen mit Spaltbildung das Trinken bei. Und da kann man definitiv nicht warten, bis sie 4 Jahre sind. Mein Großer hat mit Logo angefangen, als er knapp 3 Jahre war - er sollte erst einmal anfangen zu sprechen. Das hat er bis dahin nämlich noch nicht gemacht. Der Kleine hat mit 2,5 Jahren angefangen - selbes Problem wie der Große. Wenn man ein Kind hat, dass nur einzelne Buchstaben nicht aussprechen kann, dann beginnt die Logo natürlich später. Aber auch da kann man ein Alter nicht festlegen.

Beitrag von jindabyne 08.10.10 - 10:13 Uhr

Ich gebe Kati recht, Logopädie macht auch früher schon Sinn.

Meine Tochter ist in logopädischer Behandlung, seit sie zwei Jahre alt ist. Anfangs wurden viele mundmotorische Übungen gemacht, aber auch an ihrer nonverbalen Kommunikation gearbeitet (Blickkontakt, Gesten bzw. Gebärdenuterstützte Kommunikation, etc.). Unter vier Jahren zielt die logopädische Behandlung auf "Sprachanbahnung" ab, wozu u.a. auch die Motivation überhaupt zu sprechen gesteigert werden soll.

So etwa mit vier Jahren beginnt dann das, was sich die Allgemeinheit unter Logopädie vorstellt, nämlich einzelne Buchstaben sprechen üben, Satzbau erlernen usw.

Beitrag von kati543 08.10.10 - 10:02 Uhr

Ich kann nur von meinem Großen erzählen. Er hat mit 3 Jahren angefangen mit sprechen - einzelne Worte natürlich nur. Als er dann 4 Monate nach seinen Geburtstag in den Kiga kam, war er soweit, dass er sagen konnte "Helfen" wenn er Hilfe brauchte oder "Trinken",... Von 2-Wort-Sätzen war er weit entfernt. Er geht seit Beginn in einen Regelkindergarten und hat dort eine Einzelintegration. Das bekommt ihm super. Dort lernt er unwahrscheinlich schnell und viel. Die Gruppe hat dort 20 Kinder-davon 1 I-Kind (normal ist 25) mit 2 Erziehern und eben einer I-Kraft. Sonderkindergärten gibt es bei uns schon lange nicht mehr.
Wegen der Einschulung machen wir uns derzeit Gedanken - obwohl Omar noch mindestens 1,5 Jahre Zeit hat. Der Test beim Psychologen hat ergeben, dass er eine normale Intelligenz hat (IQ von 100) und damit erfüllt er die Bedingung, um in eine Sprachheilklasse zu gehen. Allerdings entwickelt er sich derzeit so gut, dass wir einfach alles daran setzen, dass wir es in den verbleibenden 1,5 Jahren schaffen, dass er regulär in die Regelschule eingeschult werden kann - Nachteil der Sprachheilklasse ist eine ewig lange Anfahrt jeden Tag. Wir überlegen auch noch mit ihm eine stationäre Intensivsprachtherapie zu machen über 3-6 Wochen.
Definitiv würde ich an deiner Stelle so an die Sache gehen:
1.: Er soll in einen Kiga, in dem er sich wohl fühlt.
2.: Er soll in dem Kiga Freunde finden und nicht ausgegrenzt werden.
3.: Er soll so gut gefördert werden, dass eine Einschulung in der Regelschule eventuell auch nach einem zusätzlichen Kigajahr möglich ist.
Mir ist es völlig egal, in welchen Kiga das Kind geht oder wieviel Logopädiestunden das Kind bekommt - wichtig ist ausschließlich die Schule. Sieh es einfach so: du hast noch 3 Jahre Zeit, dein Kind darauf vorzubereiten. Alles was innerhalb der nächsten 3 Jahre passiert ist egal und wird nie in irgendeinem Lebenslauf erscheinen (zumindest habe ich nie meinen Kiga-Besuch da erwähnt ;-) ) ABER was nach den 3 Jahren passiert, steht im Lebenslauf. Lieber 1 Jahr länger im Kiga, als ein Jahr doppelt in der Schule.

Beitrag von angelina06 08.10.10 - 12:44 Uhr

Hallo, danke für deine Antwort.
Kannst Du mir vielleicht sagen wo bzw. wie man an eine Integrationskraft kommt?

Danke

Beitrag von kati543 08.10.10 - 13:42 Uhr

Das beantragst du beim Sozialamt. Dort gibt es ein Amt für Eingliederungshilfe. Aber rede vorher mit dem Kiga.

Beitrag von jindabyne 08.10.10 - 10:28 Uhr

Ich kann Dir von meiner Tochter (4,5 Jahre) erzählen. Sie ist stark sprachentwicklungsverzögert. Ich habe mir vor 1,5-2 Jahren einen großen Kopf darum gemacht, in welchen Kiga ich sie schicken soll. Fast jeder riet mir ab, sie überhaupt in den Kiga zu geben, und wenn, dann NUR in einen für geistig behinderte Kinder. Meine Tochter ist jedoch nicht geistig behindert, sie spricht einfach nur nicht altersgemäß.

Einen Sprachheilkindergarten haben wir zwar in Erwägung gezogen, aber der nächste ist recht weit weg von uns. Schließlich hat eine Freundin von mir, die lange mit behinderten Kindern gearbeitet hat, uns sehr ermutigt, unsere Tochter in einen Regelkindergarten zu geben. Ihrer Erfahrung nach lernen sprachentwicklungsverzögerte Kinder besser und schneller in einer Umgebung, in der normal gesprochen wird.

Also wollten wir sie in einen Kiga geben und eine Integrationsfachkraft dazu beantragen. Da die Bewilligung dieser Fachkraft sehr lange gedauert hat und meine Tochter zwischenzeitlich bereits im Kindergarten eingewöhnt worden war und sich von alleine gut integrierte, haben wir die Fachkraft wieder abgesagt.

Sie sprach 2-3-Wortsätze, als sie mit etwas mehr als drei Jahren in den Kiga kam. Inzwischen, ein Jahr später, spricht sie ganze Sätze, nicht immer grammatikalisch korrekt, aber es wird immer besser. Ab Mitte Oktober wird sie im Kiga in einer Kleingruppe mit anderen Kindern, die sprachliche Probleme haben, zweimal die Woche für eine Stunde an einem Sprachlernprogramm teilnehmen.

Insgesamt muss ich sagen, hat es ihrer Gesamtentwicklung sehr gut getan, den Kindergarten zu besuchen. Sie hat dort auch Freundinnen gefunden, die altersgemäß sprechen und sie praktisch "mitziehen". Der Wunsch, mit ihren Freundinnen mithalten zu können, regt sie ehrlich gesagt mehr an, sich anzustrengen, als jede logopädische Förderung. Für uns war der Regelkindergarten die absolut richtige Entscheidung!

Lg Steffi

Beitrag von rosalinde.x 08.10.10 - 11:58 Uhr

Hallo,

von so einem allgemeinen Satz "Logopädin hält nichts von einem Sprachheilkindergarten" würde ich mich nicht leiten lassen.
Die Frage für dich ist nicht, ob ein Sprachheilkindergarten grundsätzlich (für alle oder alle Kinder mit Sprachproblemen) sinnvoll ist oder nicht, sonder speziell für dein Kind.

Dein Kind geht bereits in den Kindergarten. Wie wohl fühlt es sich dort? Wie gut wird dort auf dein Kind mit seinen individuellen Schwierigkeiten (hier Sprache) eingegangen? Sprachförderung gibt es ja nicht nur in speziellen Logopädie-Stunden, sondern ständig im Alltag - in jedem Gespräch. Haben die Erzieherinnen Geduld beim zuhören? Wie reagieren sie, wenn sie dein Kind nicht gleich verstehen?
Wie gut ist dein Kind in die Gruppe integriert? Hat er Freunde?
Wie stark ist er im Alltag beeinträchtigt?

13 Kinder in der Gruppe sind auch recht wenig, 20 und mehr sind eher die Regel. Da würde ich das Argument "kleinere Gruppe im Sprachheilkindergarten" weniger zählen.

Nur wenn im Sprachheilkindergarten wirklich deutlich mehr Förderung stattfindet (auch außerhalb von offiziellen Logo-Stunden), die ihr braucht und im "normalen" Kindergarten nicht möglich ist, würde ich wechseln.

Liebe Grüße

PS: Die Fragen sind als Gedankenanstöße gedacht und nicht um hier jedes Detail auszubreiten

Beitrag von kati543 08.10.10 - 12:02 Uhr

Ich glaube die Logopädin hält eher wenig vom Sprachheilkiga, weil ich es so kenne, dass die Logopädiestunden extern dann ausfallen und Förderung nur noch im Kiga stattfindet.

Beitrag von roma13 09.10.10 - 22:55 Uhr

Mein Sohn (wird im Dezember 4) geht seit September auf einen Heilpädagogischen Kinder (für sprach- und hörgeschädigte Kinder). Er ist stark entwicklungsverzögert was sich am meisten an seinem Sprachschatz widerspiegelt. Er war vorher auf einem Regelkinder und in seiner Gruppe waren 25 Kinder. Da er auch noch ein sehr ruhiges Kind ist, haben die Erzieher ihn fast nie gemerkt und demzufolge auch nicht so viel Beachtung geschenkt wie er vielleicht gebraucht hätte. In seinem jetzigen Kiga sind 8 Kinder in der Gruppe und 2 Erzieherinnen. Da ist wirklich zeit sich mit jedem Kind mal einzeln zu beschäftigen. Die Erzieher sind dort auch ausgebildete Heilpädagogen und die Therapien (Logopädie, Physiotherapie u.s.w.) finden im Kindergarten selbst statt. Ich war anfangs auch eher skeptisch und wusste nicht ob es meinem Sohn nicht vielleicht eher schaden als helfen sollte, wenn ich ihn den Kiga wechseln lasse. Aber ich bin bis jetzt total zufrieden. Sein Wortschatz hat sich in den letzten Wochen immens vergrößert und er ist auch schon um einiges selbstständiger geworden.

LG Romy

Beitrag von angelina06 11.10.10 - 08:42 Uhr

Hallo,

vielen Dank für deine Antwort, es ist gut auch mal etwas von "betroffenen" zu lesen. Darf ich fragen wie sich die Sprachverzörgerung bei deinem Sohn geäusert hat? Satzbau? Wortschatz, Buchstaben?

Vielen Dank, Angelina