langsam glaub ich depressiv zu werden

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von darfnichtsein 08.10.10 - 10:43 Uhr

Hallo,

leider falsches Forum, aber das hier geht nur in schwarz.

Ich muss es mir einfach mal wieder von der Seele schreiben.
Vorsicht, es könnte lang werden, werde aber versuchen mich kurz zu fassen.

Ich habe einen 3 jährigen Sohn, bin alleinerziehend, zu Hause.
Vor gut 1,5 Jahren von dem KV getrennt, dann vor ca. 1 Jahr ein Online-spiel angefangen...nach dem ich schliesslich süchtig wurde.
Hatte bezüglich der Spielsucht hier schonmal geschrieben vor einigen Tagen.
Vor 2 Wochen hab ich da nun die Notbremse gezogen, hab das Spiel gelöscht, mich verabschiedet.
Es ist schwerer als ich je vermutet hätte...ich mache jeden Abend sowas wie einen Entzug durch, kann kaum stillsitzen und mich mit nichts beschäftigen.

Meine Versuche bezüglich der Spielsucht: ich hab mir ein Forum im Internet gesucht, bei einem ist ein chat dabei, da werde ich wohl Abends jetzt immer mal reinschauen....bin da bisschen beschäftigt und die Leute können es einfach verstehen.
Ich hab es mit Online-beratung versucht...von der einen Stelle bekomme ich seit 5, 6 Tagen keine Antwort (es hiess 48 std.), die anderen sind leider, leider ausgebucht.
Die zuständige Therapeutin hier vor Ort ist in Urlaub.

Irgendwie habe ich mich von meinem Sohn entfremdet....ich weiss nicht wie das passieren konnte...vor Allem weiss ich nicht warum.
Ich kann mich nicht mehr freuen.....ich muss mir sowas von in den Hintern treten irgendwas mit ihm zu machen.
Wenn ich ihn frühs nach mir rufen höre, würde ich am liebsten liegenbleiben und die Augen nicht mehr auf machen....nichts mehr hören, nichts mehr sehen.
Es erschreckt mich , weil es nicht so ist, als würde ich es nicht mitkriegen....ich werde total schnell ärgerlich und wütend...ich hab das Gefühl ich hab einen riesengrossen Klumpen Wut und Hass in mir den ich nicht loswerde.
Ich kann mir sozusagen dabei zuschauen, aber nichts dagegen machen.

Zu Allem muss ich mich zwingen, in der Wohnung noch etwas zu machen....wenn ich was mache, dann nur weil ja ab und an mal meine Mutter kommt, oder mal einer der Nachbarn reingucken könnte.

Wenn ich es geschafft habe endlich rauszugehen....dann gehts wieder los mit "nein, will net, will Hause gehn, will umdrehn..." "nein, will net da hin..." "nein, ...." und ich schaffe es kaum meine Nerven zusammen zu halten. Ich weiss dass es völlig normal ist in dem Alter....das ist das Trotzalter, jede Mutter muss da mit ihren Kindern durch.
Warum kann ich es nicht schaffen??

Ich dachte an Mutter-kind-kur....ist schon zwei Monate oder so her....der Arzt meinte sogar, machen Sie sich keine Sorgen, die kriegen wir durch.
Bis ich mich näher erkundigte und feststellte dass mir das Amt für die Zeit das Geld kürzen wird. Nach meiner Rechnung hätte ich dann ca 200 Euro weniger für den Monat. Dazu käme die Hundebetreuung die ich bezahlen müsste...nochmal ca 200 Euro.
Keine Chance, das Geld hab ich einfach nicht.

Ich dache an eine Erziehungsberatungsstelle....erstmal Jemand, mit dem ich einfach darüber reden könnte....der mir aber vielleicht auch weiterhelfen könnte....die Caritas gibt mir erst ab 20.10. wieder einen Termin.
Ich rief beim Kinderschutzbund an, die bieten Kurse an "starke Eltern, starke Kinder". Im Internet stand, wir haben auch Angebote für Alleinerziehende...rufen Sie uns an.
Leider gibt es die aber im Moment nicht aufgrund fehlender Nachfrage.

Dann denke ich an einen Therpeuten....brauche ich das??
Der Gedanke daran fühlt sich eigentlich gut an, Jemand der sich irgendwie um mich bemüht, mich verstehen kann....
aber die ewige Wartezeit....unter drei Monaten läuft doch da nichts.
Und dann....was mach ich mit dem Kleinen in der Zeit?
Meiner Mutter will ich hiervon nichts sagen, die hat selber genug um die Ohren. In die Zeitung gucken und einen Babysitter suchen?? Mir graut davor.

Dann überlegte ich noch mich an meinen Hausarzt zu wenden....aber die Vorstellung ich solle ihm das hier erzählen......dann wird er fragen warum ich das mit der Kur denn einfach wieder hab fallen lassen....nein.

Mein Kind kommt bald in den Kiga, ich muss dann eine Arbeit finden für ein paar Stunden.

Es ist alles wieder so ein riesiger Berg vor mir und ich würde mich viel lieber davor legen und schlafen, schlafen....als zu versuchen drüber zu kommen.

Ich hab mir Johanniskraut geholt, das nehm ich seit ca 3 Wochen....jetzt noch ein homöopathisches Mittel bei nervösen Störungen und so.....ich bin jeden Tag sicherlich 5 mal am Heulen. Meint ihr es könnte auch eine Erstverschlimmerung von dem Mittel sein??

Ich weiss, nun ist daraus ein Jammer-posting geworden.
Ich will auch einfach nicht dass es zu viele Leute hier mitbekommen in meinem Umfeld. Ich habe keine Lust wieder als kleine, psychisch anfällige da zu stehen die es nicht alleine auf die Reihe kriegt...nicht jetzt wo ich ein Kind habe.

Beitrag von witch71 08.10.10 - 11:07 Uhr

Das, was Du beschreibst, kommt mir durchaus sehr bekannt vor. :-)
Und Du hast völlig Recht mit Deiner Selbstdiagnose, es klingt nach depressiver Verstimmung oder Burn-Out (hat ähnliche Symptome, was genau Dich plagt, kann nur ein Arzt klären).

Irgendwas musst Du tun, das weisst Du auch ganz genau. Du versuchst ja selbst schon, Hilfe zu finden. Nimm doch den Termin bei der Caritas, besser 20.10. als gar keinen zum Reden, oder?
Und auch der Hausarzt wäre der richtige Ansprechpartner, er alleine könnte nämlich die richtigen Hebel in Bewegung setzen, damit Du wenigstens mal ein Erstgespräch mit einem Therapeuten bekommen kannst. Wieso ist es wichtig, wie er zu Deiner Mutter-Kind-Kur urteilt? Das kannst Du doch begründen, tust Du hier ja auch. Sprich einfach ehrlich darüber, wie es Dir geht, beschreibe Deine Situation so genau wie möglich und verheimliche nichts. Der Arzt urteilt nicht, er nimmt nur Anteil und er ist in der Situation, Dir gerne helfen zu wollen.

Es ist keine Schande und auch keine Schwäche, wenn es einem schlecht geht. Es ist nur dann wirklich schwach, wenn man nicht um Hilfe bittet und man dann selbst und evtl. auch andere darunter leiden müssen.

Beitrag von darfnichtsein 08.10.10 - 13:00 Uhr

Huhu,

Danke dir für deine Antwort.
Es hört sich irgendwie gut an, so wie du es schreibst....so leicht....so einfach.

Ich habe tatsächlich meinen Hausarzt vorhin angerufen und einen Termin für Montag gemacht bei ihm.

Ich denke ich werde mir vielleicht einen Zettel mitnehmen...so mit Stichpunkten in der Art, falls ich es nicht schaffen sollte ihm Alles soweit zu erzählen.

Naja, dann mal sehen was er dazu mein.

LG

Beitrag von witch71 08.10.10 - 20:40 Uhr

Super Idee! Könnte glatt von mir sein, ich notiere mir auch gerne Dinge, die ich eventuell vergessen könnte und nehme den Zettel dann mit.

Übrigens falls Du Sorge hast, dass er Dich nicht ernst nimmt und das tatsächlich eintrifft (davon gehe ich zwar nicht aus, aber ich kenne ihn ja nicht), dann hast Du das Recht, jemand anderen zu suchen, der Dir hilft.
Du hast das Recht, in Deiner Situation Hilfe zu bekommen, denn das, was Du empfindest, ist real und keine Einbildung. Und Du hast auch richtig erkannt, dass Du das nicht alleine schaffst.

Von wem aus Deiner privaten Umgebung kannst Du denn etwas Hilfe bekommen? Ein offenes Ohr, seelische Unterstützung, Streicheleinheiten für die Seele..
Antworte dieser Person nächstesmal bewusst auf die Frage, wie es Dir geht, nicht mit dem lapidaren "Gut" sondern mit "Momentan geht es mir nicht so gut". Der Rest kommt von selbst. :-)

Und noch ein Tipp: Wenn es Dir schwer fällt, mit Deinem Sohn alleine etwas zu unternehmen, dann triff Dich mal zur Abwechslung mit einer Mutter samt deren Kind zum Spielen.

Beitrag von darfnichtsein 08.10.10 - 21:20 Uhr

Huhu nochmal,

also ich denke nichtmal unbedingt dass er mich nicht ernst nehmen wird.

Ich habe eher Bedenken dass ich es nicht über mich bringe so offen mit dem zu reden. Wohne ja noch nicht so lange hier und hatte noch nicht so oft Kontakt mit ihm.

Ich will eigentlich so wenig wie möglich von dem Ganzen in meiner privaten Umgebung "bekanntmachen".
Wobei ich momentan auch nur eine Person habe, der ich sowas erzählen würde....und da spielt ein Verliebtsein mit....also keine so gute Idee :-)

Ich habe aber auch schon mitbekommen, wie es ist wenn man ne "depressive" Freundin hat, die mit einem über Alles redet. Das ist sau-anstrengend, und das will ich erstmal keinem antun. ^^

Ja, ich werde auch versuchen mich wieder an die Kontakte ranzutasten die ich vorher hatte hier.....hab das ja Alles soweit abgebrochen gehabt.
Das waren ja erstmal nur die Mütter aus den Kinder-gruppen.
Wäre schon schön, sich da mal wieder mit einer treffen zu können.

Danke dir nochmal herzlich, es tut gut verstanden zu werden.

LG

Beitrag von jahleena 08.10.10 - 17:15 Uhr

Ich kann dich gut verstehen.. Meinst du eine Familienhilfe würde dir helfen? Die dir ein bisschen Arbeit abnimmt, dich unterstützt, Elan und Mut zuspricht.. Vielleicht reicht schon eine lebendinge Person mit der du rede kannst und es muss nichts professionelles sein..

Beitrag von darfnichtsein 08.10.10 - 21:25 Uhr

huhu,

eigentlich wäre es ein Scherz...eine Familienhilfe bei mir.....ich habe wirklich nicht viel Arbeit, bin noch voll zu Hause mit nur einem Kind... ^^

Ich kann mich eben nur kaum aufraffen was zu tun.

Wobei ich glaube , das wäre mir dann eher peinlich, als dass ich es irgendwie "geniessen" könnte.

Aber vielen Dank für deine Idee.

Beitrag von hilfe holen 08.10.10 - 17:54 Uhr

Hallo!

Ne, das Weinen ist sicher keine Nebenwirkung des Johanniskrautes. Die Wirkung von Johanniskraut ist klinisch nicht einmal nachgewiesen, da es die Rezeptoren im Gehirn nicht erreicht. Auf deutsch: die wirken nicht und machen daher auch nichts kaputt.

Such dir einen ambulanten Therapeuten bzw., wenn die Wartezeiten alle zu lange sind, geh in eine psychiatrische Institusambulanz, dort gibt es auch Therapueten. Aber Wartezeiten sind normal.
Alternativ gibt es noch Lebensberatung von Caritas, Diakonie etc.> findest du alles im Internet.

Alles Gute!

Beitrag von darfnichtsein 08.10.10 - 21:23 Uhr

Huhu,

nene, das Johanniskraut meinte ich gar nichtmal, ich hab noch Zincum Hevert....da hab ich jetzt schon nachgelesen könnte es sowas wie ne Erstverschlimmerung geben...aber ist ja eigentlich egal woher es grade kommt.

Mit der Caritas hier vor Ort hatte ich mich schon in Verbindung gesetzt, da muss ich eben leider noch nen Weilchen auf einen Termin warten wegen Urlaub.

Ich werd mal sehen was beim Hausarzt am Montag rauskommt, und dann auf jeden Fall in irgendeine Richtung weitergehen.

Danke