Bin so stolz auf meinen Mann!!!!

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von soulistin 08.10.10 - 13:29 Uhr

Hallo!

Ich muss meine Freude grad echt mal mit euch teilen.

Mein Mann hat leider eine starke Suchtneigung. Wenn er vielleicht noch kein "echter" Alkoholiker ist, dann zumindest sehr nah dran. Er nahm früher Drogen und er raucht sehr stark ...

In seinen "besten" Zeiten schaffte er so um die 15 Bier und 2 BigPacks Zigaretten. Er trank immer erst abends, aber ging auch erst morgens ins Bett und schlief bis ca. 14-15 Uhr ...

Ich war mit allem allein und überlegte mir sehr oft Schluss zu machen und mich scheiden zu lassen. Ich hatte das Gefühl, dass es immer schlimmer wurde - auch seine Launen. Er fuhr schnell hoch, fühlte sich immer gleich persönlich angegriffen und so langsam wurde es mir zuviel.

Vor einem Jahr hat er mit dem Rauchen aufgehört - leider nur für knapp 2 Monate, dann fing er wieder an ... die Sucht war zu stark! #schmoll

Danach hat er es immer mal wieder versucht, aber da er immer noch fleißig trank, griff er natürlich auch immer wieder zur Zigarette.

Ich habe selbst geraucht und in meiner Jugend auch ordentlich getrunken #hicks Ich kenne das Zusammenspiel und ich weiß, wenn man auf Zigaretten verzichten will, MUSS man auch das Trinken lassen! Ich hab es ihm so oft gesagt, aber er schaffte es nicht. Hilfe wollte er auch nicht - er brauche keinen Entzug usw.

Dann kam dieser eine Freitag, wo er sooooo viel getrunken und geraucht hat, dass er einen Kreislaufzusammenbruch hatte und es ihm tagelang richtig richtig dreckig ging. Da hab ich die Chance gesehen und ihm gesagt, er solle diesen Scheiß endlich lassen und sich endlich um sich kümmern. Ich könne ihm nicht mehr dabei zusehen, wie er sich Stück für Stück kaputt macht ...

Er nahm mich in den Arm, weinte, sagte, es tue ihm soooo sehr leid und dass ich Recht hätte usw.

UND

Seitdem hat er keinen einzigen Schluck Alkohol mehr getrunken und nciht eine einzige Zigarette geraucht!!! #huepf Er ist nicht mehr launisch, hilft mir sogar endlich im Haushalt und beschäftigt sich mit den Kindern. #freu

Ich bin grad wirklich sehr glücklich und ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass es auch wirklich so bleibt!

Was meint ihr, wie lange man darauf verzichten muss, bis der Kopf sich auf Dauer umstellt???

LG

Beitrag von gunillina 08.10.10 - 13:34 Uhr

Wann war denn das? Also, wann war der Zusammenbruch mit deiner Ansage und seiner Entschuldigung? Wie lang ist das her?

Beitrag von soulistin 08.10.10 - 13:42 Uhr

Das ist jetzt knapp 3 Monate her ... :-)

Beitrag von gunillina 08.10.10 - 13:46 Uhr

Das ist schon mal gut.
Dennoch kann er Rückfälle erleiden, denn es ist zwar lang aber noch nicht lang genug. Macht weiter so. Vielleicht schaut ihr nach Dingen, die ihn noch stärken können (AA, Therapiegruppen etc.).
Jetzt weiss ich nicht mehr: Hat er Arbeit?
L G
G

Beitrag von soulistin 08.10.10 - 13:57 Uhr

leider immer noch nicht, nein ... #schmoll

er hat 2 abgeschlossene ausbildungen, aber die eine darf er nimmer wegen diabetes und die 2. da findet er nix .... er hat sich nebenberuflich selbstständig gemacht, aber die aufträge reichen auch jetzt nicht aus ... denke, das ist auch immer noch ein mitgrund dafür, dass er getrunken hat

wie gesagt, er macht jetzt sport, taichi und qigong .... außerdem unternehmen wir viel ...

Beitrag von ajksdioh 08.10.10 - 13:38 Uhr

Menschen mit einem Suchtproblem sind wie tickende Zeitbomben.

Es KANN alles klappen, aber es KANN auch nach Jahren wieder zu einem Rückfall in gewohnte Laster geben.

Solange er mit sich im reinen ist wird es gut gehn. Man muss auch immer die Gründe sehn weshalb ein Mensch zu Suchtmitteln greift.



Beitrag von soulistin 08.10.10 - 13:45 Uhr

Er ist Typ I Diabetiker ... hat er mit 20 bekommen und gesagt, er kam mit der Diagnose nicht klar und ab da fing seine Trinkerei an ... und steigerte sich ...

Er macht jetzt auch TaiChi und QiGong - er hat früher auch Kampfsport gemacht und will da wieder ansetzen, auch macht er jetzt wieder normalen Sport und Muskelaufbau :-)

Bin wirklich stolz auf ihn und weiß natürlich, dass er immer gefährdet sein wird, aber ich bin jetzt erstmal stolz auf ihn, dass er es jetzt soooo lange geschafft hat. Jeder Tag mehr, gibt mehr Hoffnung ....

LG

Beitrag von hut-ab 08.10.10 - 13:42 Uhr

ich schaffe es auch 4 bis 6 Wochen nicht zu trinken. Aber nicht auf Dauer. Ich erledige meine Sachen aber trotzdem einigermaßen. Warte auf den Absturz, weil der sein muß um den Kopf zurechtzurütteln, sagt man.

Rauche tu ich nur selten. wäre aber kein Problem.

Er hat ganz alleine aufgehört, weil es ihm einige Tage scheiße ging. Respekt. Hoffentlich bleibt es so.

Beitrag von witch71 08.10.10 - 13:46 Uhr

Bist Du Problemtrinker/in? Sprich: Erwischt Dich die Sucht immer dann kalt, wenn Du Probleme hast?

Beitrag von hut-ab 08.10.10 - 15:24 Uhr

Eigentlich nicht.

Ich trinke aus gewohnheit. vielleicht habe ich auch immer probleme, keine Ahnung. Ich bin immer unter strom, auch wenn keiner was von mir will. Geht dann aber einfach besser, wenn ich was getrunken habe.

Ich muss da mal was machen.

Beitrag von soulistin 08.10.10 - 13:50 Uhr

ich glaube, es lag nciht zuletzt nur daran, dass es ihm so dreckig ging. diesen zustand vergisst man ja doch recht schnell, ebenso wie eine frau trotz geburtsschmerzen noch ein kind bekommen mag ... in den meisten fällen ...

er ist ja auch diabetiker (typ I) ... war die letzte zeit dann nur noch krank ... kaum war ein was weg, kam das nächste ... und immer gleich extrem: bluthusten, herzrasen, bruststechen, ständiger schwindel usw.

hab ihm gesagt, dass er die letzte flasche sein wird, die bei der sauferei drauf geht und ich hoffe, es hat so gewirkt, dass er es auf dauer lässt ...

bis hier hin bin ich aber schon mal sehr stolz auf ihn, zumal ich schon gar nicht mehr dran geglaubt hab ...

lg

Beitrag von lichtenstein 08.10.10 - 17:03 Uhr

Auf alle Fälle mal ganz großen Respekt für Deinen Mann. Er ist auf alle Fälle schon mal auf dem richtigen Weg. Damit das auch so bleibt (irgendwann ist auch das schlimmste Erlebnis nicht mehr sooo schrecklich, weil nicht mehr präsent) wäre es gut, zur Unterstützung eine geeignete Gruppe beispielsweise der AA aufzusuchen. Auch für Dich wäre es sicherlich hilfreich, sich einmal bei AlAnon bzw. einer anderen Gruppe für Co-Abhängige umzuhören.

Ich weiß, dass das schwere Gänge sind, gerade dann, wenn man denkt, alles ist gut und man hat das nicht nötig. Vorbeugung hat aber noch nie geschadet und auch wenn man den Rettungsring nie braucht, ist es nicht schlecht zu wissen, dass er da ist.

Euch beiden wünsche ich viel Kraft für euren Weg.

Beitrag von sativa 08.10.10 - 15:14 Uhr

Hallo,

ich finde es sehr schön, dass er es anscheinend begriffen hat. Muss dazu sagen, dass ich selber starker Raucher bin und weiß wie schwer es ist durchzuhalten.

Natürlich kann es jederzeit einen Rückfall geben, aber wenn du schon so stolz auf ihn bist, würde ich ihm das an deiner Stelle regelmäßig zeigen/ sagen. Vielleicht hilft ihm das ein bisschen dabei nicht rückfällig zu werden.

LG
Sarah

Beitrag von design.for.life 09.10.10 - 17:19 Uhr

Hallo,

ich hoffe für Euch, dass er dauerhaft durchhält.

Weiter oben schrieb jemand "tickende Zeitbombe". Das trifft es gut und vielleicht sollte man das auch immer im Hinterkopf behalten.

Mein Ex-Partner war reichlich 3 Jahre trocken. Davor ging es ihm immer schlechter. Er hatte zwei Mal ein akute, extrem schmerzhafte Bauspeicheldrüsenentzündung mit wochenlangem Krankenhausaufenthalt. Nach der ersten Entzündung war er ca. 6 Wochen trocken und trank dann wieder ein dreiviertel Jahr bis zur nächsten, noch schlimmeren Entzündung. Danach trank er 3 Jahre nichts. Dann ging es von einem Tag zum anderen wieder los. Er trank zwar "nur" noch Bier, aber wieder sehr reichlich und sein Verhalten wurde sehr extrem. Zwei Jahre habe ich noch geredet, gehofft, Versprechungen geglaubt usw., das gesamte Programm eben. Es änderte sich NICHTS. Er hatte ja kein Problem und ich wäre nur hysterisch. Ich habe mich getrennt. Das Verhalten meines Sohnes hat mir gezeigt, dass ich die Trennung schon viel eher hätte durchziehen müssen. Jetzt leben wir halbwegs ruhiger. Er trinkt immer noch.

Für Euch alles Gute#herzlich

LG