Rot-Grün-Blindheit und Schule

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von fibi7 08.10.10 - 21:28 Uhr

hallo,

meine beiden söhne sind unter anderem komplett rot-grün-blind. mein größerer kam jetzt in die schule. er ist ein aufgewecktes kerlchen und er hat sich im laufe der zeit "tricks" zugelegt, um seine sehrprobleme zu kompensieren.

so haben wir nun eine feste reihenfolge der farbstifte in der federmappe festgelegt und er die farbnamen der reihe nach "auswendig" gelernt. er nimmt also sicher den richtigen stift, wenn es von ihm gefordert wird.

allerdings hat er ein problem manche farben richtig zu benennen, oder auch farblich richtig nachzumalen. auch manche tafelanschriften machen ihm probleme (grüne tafel mit roter kreide drauf).

die lehrerin ist sehr nett und aufgeschlossen, sie weiß von seinen problemen und schimpft auch nicht. es stört viel mehr den kleinen selbst und ich ich grüble grad, wie ich ihn helfen kann.

er kann schwarz, dunkles lila und braun nicht voneinander unterscheiden. er sieht dann jeweils die farbe "ohne grün bzw rotanteil". Also lila ist dunkelblau, braun ist schwarz bzw grau, rosa ist orange usw.

in mathe mussten sie schon ein paar mal farben nachmalen und er hat prompt die falsche farbe genommen. einige andere kinder haben es bemerkt, das war ihm nicht recht....

frabnamen kann er noch nicht lesen, das dauert noch etwas. sonst könnte man ja bitten, dass die jeweilige farbe dazu geschrieben wird....

hat jemand auch ein rot/grün bzw farbenblindes kind, das schon zur schule geht?

bei uns ist es übrigens über zwei generationen vererbt. mein großvater war komplett farbenblind, ich bin gonosomal-rezessiver merkmalsträger....

bislang haben wir es nie als schlimm empfunden, nur jetzt in der schule treten schon einige ungünstige situationen aufgetreten....

liebe grüße
fibi

Beitrag von anja1968bonn 09.10.10 - 11:09 Uhr

Hi,

ich habe kein farbenblindes Kind, habe aber mehrere Kollegen, die Rot-Grün-Blindheit haben und in der Schule und auch jetzt ähnlich verfahren, wie ihr es schon macht, also Stifte kennzeichnen.

Wichtig ist ja, dass die Lehrerin um das Problem weiß und versucht, Deinen Sohn da zu unterstützen. Ich denke, Dein Sohn sollte lernen, mit seiner "Besonderheit" offensiv umzugehen, auch wenn es ihm vielleicht manchmal nicht gefällt, etwas nicht zu können, was für andere selbstverständlich ist.

In der Klasse meines Sohnes war z.B ein Mädchen, das auf einem Ohr fast taub ist - die Lehrerin und auch die Kinder wussten Bescheid, das Mädchen hat die anderen Kinder einfach nett gebeten, eben etwas lauter zu sprechen. Ich selbst hatte - da war ich allerdings schon etwas älter - bereits zur Schulzeit Epilepsie und durfte/musste bestimmte Sportaten nicht mitmachen. Wenn jemand gefragt hat, warum, habe ich eben erklärt, dass ich z.B. umfallen könnte, wenn ich mich zu doll anstrenge - für die meisten war das o.k. Auch ich wäre natürlich lieber "normal" gewesen, aber mit der Zeit habe ich gelernt, mich mit meinem Handicap abzufinden.

LG

Anja

Beitrag von fibi7 09.10.10 - 12:10 Uhr

Liebe Anja,

danke für deine Antwort. Für ihn ist es eben normal so wie es ist, und er merkt erst jetzt, dass andere eben anders sind. Klar, er wird lernen es zu erklären. "Besonderheit" ist unserer Familie "normal", deshalb jetzt wahrscheinlich erst der "Kulturschock"....

Sein kleiner Bruder ist sehr schwer chronisch krank, ich ebenfalls. Er war bislang der einzige "Gesunde" in unserer Familie.

Sein bester Freund in der Schule hat eine Augenprothese, das heißt ihm fehlt ein Auge. Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Die Lehrerin geht auch damit gut um. Ein anderes Kind in seiner Klasse hat einen schweren Immundefekt und ist Bluter.... Von den anderen Kindern wird er sicher nicht diskriminiert, er ist einfach ein "Perfektionist" und es kratzt ihm, dass er manche Dinge nicht "kann"....

Liebe Grüße
fibi

Beitrag von kati543 09.10.10 - 12:16 Uhr

Ich kann meiner Vorschreiberin nur zustimmen. Er muß lernen, damit umzugehen. Am allerbesten ist es, wenn es in seiner Klasse einfach jeder weiß. Eine Aufklärung von ihm oder von der Lehrerin kann da sehr hilfreich sein. So wird er später auch nicht ausgelacht, weil es für alle einfach normal ist, dass er farbenblind ist. Offen damit umgehen, auf keinen Fall das ganze verstecken.
Im übrigen würde ich die Stifte nicht so sortieren, sondern lieber markieren. Warum willst du warten, bis er lesen kann? Mach einen kleines Pflaster oder einen Aufkleber auf den grünen Stift und etwas anderes auf den roten Stift. So kann schon ein Kindergartenkind "lesen", wo seine Sachen hängen.

Beitrag von fibi7 09.10.10 - 12:43 Uhr

das sortieren hat den vorteil, dass er die stifte gleich wieder alle einsortiert und nichts verloren geht. positiver nebeneffekt ;-)

es sind ja nicht nur die roten und die grünen stifte, sondern eben auch braun dunkelblau, lila, schwarz, rosa.... viel zu viele pflaster.... dann kann er gleich die farben lesen lernen.... abgesehen davon, dass sie ja auch wachskreiden und filzstifte haben, und die alle zu kennzeichnen und die bezeichnungen zu "lernen" ist einfach zu viel. durch die reihenfolge von hell nach dunkel ist es einfacher zu merken. dann ist rot und roisa immer eher links im mäppchen und blau grün usw eher rechts....

aufklärung vonseiten der lehrerin ist schon erfolgt. es ist auch weniger ein problem der klasse, als eher eines von sich selbst aus.

danke für deinen beitrag

Beitrag von kati543 09.10.10 - 13:24 Uhr

Ich denke, er sollte einfach lernen damit umzugehen. Habt ihr euch denn mal an eine Sehschule gewandt? Die haben doch sicherlich Tipps.

Beitrag von parzifal 09.10.10 - 19:43 Uhr

Das "Problem" existiert doch mehr oder weniger nur im Kopf Deines Kindes. Er möchte dieses Handikap nicht haben bzw. kann damit nicht umgehen.

Warum ist von hier nicht zu beurteilen.

Objektiv liegt doch gar kein schulischer Grund vor dies schlimm zu finden.

Er muss lernen das zu akzeptieren.

Beitrag von 440hz 18.10.10 - 23:20 Uhr

Hallo fibi,

das ist für mich ein interssantes Thema.
Mein Vater ist rot-grün blind und ich erwarte jetzt einen Sohn, der also mit 50% Wahrscheinlichkeit auch rot-grün blind sein wird.
Bisher hat mein Vater nie davon berichtet, dass es für ihn in der Schule deswegen schwierig war. Er war laut seinen Erzählungen eher aus anderen Gründen ein mieser Schüler. Ich muss ihn mal dazu befragen.
Das hilft euch jetzt nicht besonders weiter, trotzdem alles Gute für euch.
LG 440hz+Zwerginnen (10/05+4/08)+Minimini (24.SSW)

PS. Ab wann kann eine Farbenblindheit eigentlich erkannt werden?

Beitrag von fibi7 19.10.10 - 05:46 Uhr

HAllo Du,

normalerweise geht nun alles seinen Gang, es sind eben "besondere" Situationen, die ihn bedrücken.

Wír haben es erst recht spät erkannt. Eigentlich erst, als die Kinder zur U-Untersuchung beim Augenarzt vortsellig wurden und man feststellte, dass sie diese rot-grün-Bilder nicht erkannten. Zeitgleich hatten wir einen medizinischen Experimentierkasten geschenkt bekommen passend zuzm Buch der kleine Medicus und auch dort konnten beide die Zahelne nicht erkennen....

Es gibt einstweilen auch medizinische MEthodenum den grad der Rot-Grün-Blindheit zu bestimmen, das Sprach unser Aufgenarzt an. Allerdings wird das nur eingesetzt, um eine Berufunfähigkeit auszuschließen. Manche BErufe wie Polizist oder Pilot können nicht ergriffen werden. Kann aber trotz rot-grün-Blindheit ein gewisser aNTeil an Farbpigmenten erkannt werden dann kann man es mit Attest vom Arzt doch. So hat er es mir erklärt.

MEin kleinerer Sohn ist nicht so9 stark betroffen wie der Große. Wenn er sich anstrengt hat er auf manchen Farbkarten Zahlen und Buchstaben schimmern sehen...

Liebe Grüße und dir alles gute für deine schwangerschaft
fibi

Beitrag von 440hz 19.10.10 - 09:56 Uhr

Hallo fibi,

danke für deine Antwort. Du bist ja ganz schön früh auf den Beinen *gähn*.

Mir erscheint die Aussicht nicht Pilot oder Polizist werden zu können verschmerzbar. Aber wer weiß was wird?

Wahrscheinlich ist mein Vater tatsächlich nicht so stark betroffen wie dein Großer. Er kann bei starken rot- und grün-Tönen eigentlich immer herausfinden welche Farbe es ist.

Ich werde mich mal schlau machen, wann die Farbenblindheit getestet werden kann, wir sind mit unserer Großen sowieso ständig beim Augenarzt wegen einer Linsentrübung.
Aber eigentlich ist es auch egal zu wissen, ob unser Baby rot und grün sehen kann oder nicht...

LG Lisa